Mecklenburgischer Patriotischer Verein

Mecklenburgischer Patriotischer Verein
Hauptsekretär des Vereins bis zu seinem Tode: Lorenz Karsten, Grossherzoglicher Geheimer Hofrath und Professor der Oeconomie zu Rostock

Der Mecklenburgischer Patriotischer Verein, einer der vielen um 1800 gegründeten landwirtschaftlichen Vereine in Deutschland, wurde 1798 als "Mecklenburgische Landwirthschafts-Gesellschaft" gegründet. Zu den Gründern der Gesellschaft, die am 20. Januar 1798 in Rostock zum ersten Mal zusammentrat und sich primär mit Landwirtschaft und der Entwicklung neuer landwirtschaftlicher Geräte beschäftigte, zählten die Gutsbesitzer Hans Graf Schlitz (1763-1831)[1] auf Karstorff, Landrat Gustav Dietrich von Oertzen (1772-1838) auf Groß Vielen und der Rostocker Universitätsprofessor, Ökonom und Agrarwissenschaftler Lorenz Karsten. Der Verein bestand mehr als ein Jahrhundert und wurde im Jahre 1934 auf Druck der NS-Bauernschaft aufgelöst.[2]

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Schlitz, Oertzen und Karsten bildeten den ersten Vorstand (Direktorium) des 1798 gründeten Vereins, die ersten beiden als Direktoren, Karsten wirkte bis zu seinem Tod als dessen (Haupt-) Sekretär (Geschäftsführer). Der Verein hatte sich primär zum Ziel gesetzt, die Situation in der heimischen Landwirtschaft zu verbessern. Die frühen Vereinsjahre vollzogen sich in (auch personell) enger Verflechtung zur 1797 in Neubrandenburg gegründeten Mecklenburgische Hagel- und Feuerversicherungs-Gesellschaft (heute: Mecklenburgische Versicherung), die auch als Selbsthilfeorganisation mecklenburgischer Gutsbesitzer entstanden war.

Friedrich Pogge, von 1835 bis 1843 Direktor des Teterower Distrikts

Nach einem ersten Tiefpunkt in der Vereinsgeschichte in Folge der französischen Besetzung Mecklenburgs änderte die Gesellschaft 1813 ihren Namen in "Mecklenburgischer Patriotischer Verein"[3]. Bis zum Jahre 1934 vereinte der Patriotische Verein natürliche Personen (mehrheitlich Gutsbesitzer), die eine Verbesserung aller Gewerbesparten sowie insbesondere die Optimierung der Landwirtschaft Mecklenburgs zum Ziel hatten. Nun bildete der Verein in Form von "Distrikten" dezentrale Unterstrukturen heraus.

Unter dem neuem Vereinsnamen erfolgte eine wesentlich breiter gefächerte Neuausrichtung der Vereinsziele, die nicht mehr alleine auf die Optimierung der Landwirtschaft ausgerichtet waren, sondern jetzt alle Gewerbesparten des Landes einschlossen. Verfolgt wurden unter anderem die Entwicklung landwirtschaftlicher Geräte, die Verbesserung des Kreditwesens, der Ausbau des ländlichen Bildungswesens, die Unterstützung der Feuerwehren, die Optimierung der Absatzmöglichkeiten für heimische Erzeugnisse sowie die Beförderung von kleinen Bauernwirtschaften.

Zur Unterstützung der Wirtschaft Mecklenburgs richtete der Mecklenburgische Patriotische Verein Fachausstellungen seitens des Gewerbes und der Industrie aus. So führte zum Beispiel Ernst Alban im Jahre 1838 seine neuentwickelten Dreschmaschinen, Häckselmaschinen, Mahlmühlen, Handschrotmühlen und Kornreinigungsmaschinen auf seinem Landgut Klein Wehnendorf einem Fachpublikum vor.[4] Aber auch die Pferderennen zu Doberan, Güstrow und Neubrandenburg unter dem Oberlandstallmeister und Landrat des Landkreises Demmin, Karl von Maltzahn, sind auf die Aktivitäten und Initiativen des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins zurückzuführen; ebenso wie die landwirtschaftliche Tierschau unter der Leitung von Friedrich Pogge in Güstrow.[5] Erfolge in der Tierzucht wurden durch diese öffentlichkeitswirksamen und auch in der Bevölkerung populären Maßnahmen über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht.[6]

Ab dem Jahre 1832 verlieh der Verein neben Geldpreisen auch Gold-, Silber- und Bronzemedaillen, zur Prämierung hervorragender Leistungen in der Landwirtschaft.[7]

Struktur, Leitung und Mitglieder nach der Gründungsphase

Präsident des Vereins: Erbgroßherzog Paul Friedrich

Präsident des Vereins im Jahre 1827 war Paul Friedrich, Erbgroßherzog von Mecklenburg im Landesteil Mecklenburg-Schwerin. Erster Hauptdirektor wurde Oberst Graf von Osten Sacken und Zweiter Hauptdirektor der Hof- und Kanzleirat von Wedemeyer. Als Hauptsekretär seit der Vereinsgründung fungierte der Rostocker Professor und Agrarwissenschaftler Lorenz Karsten. Das international bekannteste Mitglied war Johann Heinrich von Thünen (1783-1850), der im Jahre 1811 als Mitglied in die Mecklenburgische Landwirthschafts-Gesellschaft eintrat, von 1818 bis 1820 Direktor des Teterower Distrikts und von 1836 bis 1838 Zweiter Hauptdirektor des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins wurde. Im Jahre 1848 ernannte der Verein Thünen zum Ehrenmitglied.

Die ordentlichen Mitglieder waren auf die nachstehenden 13 Distrikte disloziert (Stand 1827): Neubukow (8), Friedland (26), Gadebusch (18), Grabow (25), Güstrow (26), Hagenow (19), Parchim (17), Röbel (17), Rostock (51), Schwerin (11), Teterow (61), Tessin (18), Wismar (24). Hinzu kamen Mitglieder, die sich nicht für einen Distrikt entschlossen hatten, auswärtige Mitglieder (außerhalb Mecklenburgs) sowie Ehrenmitglieder. An vorderster Stelle der auswärtigen Ehrenmitglieder des Vereins stand Prinz Friedrich von Preußen. „Allergnädigste Protektoren“ des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins waren: „Seiner Königlichen Hoheit, der Herr Groß=Herzog Friedrich Franz, regierender Groß=Herzog zu Mecklenburg=Schwerin“ und „Seiner Königlichen Hoheit, der Herr Groß=Herzog Georg, regierender Groß=Herzog zu Mecklenburg=Strelitz“.[8]

Veröffentlichungen

Die Vereinsarbeit wurde unter der Federführung des Hauptsekretärs und Chefredakteuers Lorenz Karsten in der jährlich herausgegebenen wissenschaftlichen Fachzeitschrift, den „Landwirthschaftlichen Annalen des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins“, dokumentiert. Zu den bekanntesten Fachautoren gehörten neben Thünen: Albrecht Daniel Thaer, Ernst Alban, Franz Hermann Müschen und Johann Jakob Nathanael Mussaeus (1789-1839).

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Siehe: Burg Schlitz
  2. Vgl. Lexikon Mecklenburg-Vorpommern, Hinstorff Verlag, Rostock, S. 427
  3. Ernst Boll: Geschichte Mecklenburgs mit besonderer Berücksichtigung der Culturgeschichte. Neubrandenburg, 1856. Bd. 2, S. 534.
  4. Alban, Ernst, Dr. (Pionier des mecklenburgischen Landmaschinenbaus) in argrarkulturerbe.de (Online)
  5. Friedrich Pogge in thuenen.de
  6. Uebersicht der mecklenburgischen Geschichte. ind lexikus.de (Online)
  7. Jubiläumsmedaille in dhm.de (Online)
  8. Landwirthschaftliche Annalen des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins, Band 14, S. 710 ff (Digitalisat)

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