Villa rustica (Biberist-Spitalhof)

Villa rustica (Biberist-Spitalhof)

Der Gutshof von Biberist-Spitalhof ist eine römische villa rustica bei Biberist im Kanton Solothurn in der Schweiz.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Der Wirtschaftsteil (pars rustica) der Anlage wurde in den 1980er Jahren von der Kantonsarchäologie freigelegt, da er sich in der Trasse der Nationalstraße 5 befindet. Sie liegt auf einer leicht nach Nordosten abfallenden Geländeterrasse am Südufer der Aare etwa 1,5 Kilometer südwestlich des antiken vicus Salodurum, des heutigen Solothurn.

Anlage

Die Anlage weist drei Phasen auf, zunächst ein etwa 1 Hektar großes Gehöft des 1. Jahrhunderts n. Chr. Um 80 n. Chr. entstand eine 5 Hektar grosse Anlage vom Typus der Axialvillen. Die Ruinen des im Süden gelegenen, nicht untersuchten Hauptgebäudes (pars urbana) sind schwach durch Stein- und Ziegelkonzentrationen sichtbar. Entlang Außenmauer der pars rustica befanden sich nun mehrere kleinere Gebäude, die als Wohnhäuser von Pächterfamilien (siehe Kolonat) anzusprechen sind.

Nach einer Zerstörung um die Mitte des 3. Jahrhunderts bestand der Gutshof in wesentlich verringertem Umfang im 4. Jahrhundert fort.

Grabanlage

Auf der Mittelachse des Hofes im zentralen Innenhof befand sich ein 24 mal 28 Meter grosses ummauertes Geviert, das als Grabgarten anzusehen ist. Mittig an der Westwand des Gebäudes befand sich eine Grabgrube, deren Einfüllung deutliche Brandspuren aufwies. In der Grube befand sich ein 60  Zentimeter hoher Kalksteinpfeiler, wohl ein sekundär hier abgelagertes Architekturteil. Ein weiterer Kalksteinquader von 88 mal 64 Zentimeter wies eine 15 Liter fassende Mulde auf, in der sich mehrere kalzinierte Knochenreste befanden. Zusammen mit den Knochenfunden aus der Grabgrube konnte die beträchtliche Menge von 3 Kilogramm Leichenbrand geborgen werden. Die Anlage wird in das 3. Viertel des 2. Jahrhunderts n. Chr. datiert.

Es handelt sich bei dem Grab um ein typisches Bustum. Bestattet wurde ein etwa 50-jähriger, gut ernährter Mann sowie ein Neugeborenes. Eventuell liegt noch eine weitere Nachbestattung einer jungen Frau vor, worauf anthropologische Indizien und wenige Beigaben hindeuten. Die Bestattung war in späterer Zeit gestört, vermutlich um Beigaben aus Schmuck oder ähnliches zu rauben.[1]

Außerhalb der Grabanlage wurden östlich und nördlich in mehreren Gruben Hinweise auf Opfergaben entdeckt, darunter verbrannte Nusschalen und Obstreste. In einer Grube von 60 mal 84 Zentimeter, bei 35 Zentimeter Tiefe östlich der Anlage fand man einen verbrannten, vollständigen Rinderschädel. Möglicherweise war dieser am Eingang in Anlehnung an ein Bukranion angebracht, wofür gelegentliche Parallelen auf Steindenkmälern existieren.[2]

weitere Knochenfunde

Im Vorratsspeicher, am Nordrand des Gutes befand sich eine Grube mit Schlachtabfällen. Sie war rechteckig, 6,4 m² gross und 90 Zentimeter tief. Die ursprünglich mit Holz verschalte Grube wurde wahrscheinlich bis in die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts benutzt. In der Grube fanden sich 108 Tierknochen, von denen 80 sicher und 26 möglicherweise als Rinderknochen zu bestimmen sind. Die beiden restlichen Knochen sind von einem Schwein und einer Schaf/Ziege. Abgesehen von vier Schulterblattfragmenten dürften alle Rinderknochen zu Teilschädeln von mindestens drei ausgewachsenen Tieren gehören. Dabei handelt es sich um unvollständige, rechte Schädelseiten. Zwei Schädel haben gut erhaltene Hornzapfen, so dass eine festzustellen war dass sie von männlichen, vielleicht kastrierten Tieren (Ochsen) stammen. Der grössere Hornzapfen weist in der Mitte ein ungefähr 2 Zentimeter grosses, artifizielles Loch und Schnittspuren an der Basis auf. Vielleicht war er an einem Nagel oder Pflock aufgehängt.[2]

Literatur

  • Bruno Kaufmann, Christine Hillenbrand-Unmüssig: Biberist/Spitalhof, Anthropologische Bearbeitung der Skelettreste aus den Grabungen 1986-1989. In: Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn 3 (1998), S. 31-43.
  • Caty Schucany: Die römische Villa von Biberist-Spitalhof/SO. (Grabungen 1982, 1983, 1986-1989). Untersuchungen im Wirtschaftsteil und Überlegungen zum Umland. Verlag Bernhard Albert Greiner. Remschalden 2007. ISBN 3935383908.
  • Caty Schucany: Der römische Gutshof von Biberist-Spitalhof. Ein Vorbericht. In: Jahrbuch der Schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte 69 (1986), S. 199-220.
  • Caty Schucany: Eine Grabanlage im römischen Gutshof von Biberist-Spitalhof. In: Archäologie der Schweiz 18 (1995), S. 142-154.
  • Caty Schucany: Alte Strassen in Biberist-Schöngrün SO. In: Archäologie des Kantons Solothurn 6 (1989), S. 119-130.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zur Grabanlage siehe Caty Schucany: Eine Grabanlage im römischen Gutshof von Biberist-Spitalhof. In: Archäologie der Schweiz 18 (1995), S. 142-154.
  2. a b Zu den Knochenfunden siehe Sabine Deschler-Erb in: Archäologie in der Schweiz 23 1999/2 S. 100-103
47.1956611111117.5322861111111

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать курсовую

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Villa rustica — Römische Villa Haselburg im Odenwald, Hessen, Modell des Herrenhauses Als Villa rustica (Plural villae rusticae) bezeichnet man ein Landhaus beziehungsweise Landgut im Römischen Reich. Sie war Mittelpunkt eines landwirtschaftlichen Betriebs und… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste von Villae rusticae — Die Liste von Villae rusticae benennt die bekannten römischen landwirtschaftlichen Siedlungsplätze (Villa rustica) nach Nationalstaaten aufgegliedert. Inhaltsverzeichnis 1 Liste von Villae Rusticae 1.1 Deutschland 1.2 Italien …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”