Django (Jazz-Titel)

Django (Jazz-Titel)

Django ist eine Jazz-Komposition des Pianisten John Lewis aus dem Jahr 1954 (veröffentlicht 1955). Sie wird als die erfolgreichste Komposition von John Lewis angesehen und hat sich zum Jazzstandard entwickelt.

Inhaltsverzeichnis

Die Komposition

Lewis komponierte Django in Erinnerung an Django Reinhardt, der 1953 starb. Das Thema erinnert an einen Trauermarsch und „entwickelt sich aus einem schwermütig getragenen zweitaktigen Ausgangsmotiv“: Viertelpause, halbe Note, Viertelnote; dann recht typisch für einen Marsch eine punktierte Viertelnote, eine Achtel- und zwei Viertelnoten. Dieses „Motiv wird mehrfach variiert und erreicht in Takt 12 seinen Höhepunkt, gefolgt von einem achttaktigen, erlöst-resignierten Abstieg.“[1] Die sich an dieses Thema anschließende Improvisation erfolgt über einen Chorus, der aus vier Teilen (12 Takte, 8 Takte, 4 Takte, 8 Takte) besteht und „in einem fast kompositorischen Sinn vorstrukturiert ist,“ indem Akkordfolgen ebenso vorgegeben sind wie eine blueshafte Pendelharmonie und eine Passage mit einem Orgelpunkt.[1]

Lewis hat als Komponist des Third Stream Elemente der klassischen Kunstmusik integriert, sogar scheinbar jazzferne Formen des Barock mit Jazzgehalt zu füllen, ohne seine tiefe Verwurzelung in der afroamerikanischen Tradition aufzugeben. Die Originalfassung wurde am 23. Dezember mit dem Modern Jazz Quartet eingespielt und wurde als Titelstück von dessen erstem Album ausgewählt. Diese Version liegt näher beim barocken Largo als beim Swing manouche, vermittelt dennoch tiefes Blues-Feeling. Das Stück ist auf der Liste der hundert wichtigsten amerikanischen Musikaufnahmen, die National Public Radio vorgelegt hat.[2]

Lewis hat dem Stück im Laufe der Jahrzehnte immer wieder neue Seiten abgewonnen. Django wurde vom Modern Jazz Quartet häufiger eingespielt als jeder andere Titel. Dabei blieb im allgemeinen das Grundarrangement gleich, doch wurde die Intensität der Interpretation gesteigert, auch indem die Soli immer mehr ausgeweitet wurden. Als besonders herausragend gilt eine Interpretation bei einem Konzert 1960 in Gothenburg. Bereits 1955 schrieb Lewis ein dem Third Stream verpflichtetes Arrangement, bei dem das Thema von der Harfe vorgestellt wurde, dann J. J. Johnson, Stan Getz und Lucky Thompson solieren, bevor das Thema am Ende in der Art eines Bläserchorals ausklingt.[1] 1976 nahm er eine Vokalversion mit Helen Merrill auf.[2]

Django als Jazzstandard

Gunther Schuller verwendete Django als Ausgangspunkt für seine drei Variants on a Theme of John Lewis, die er mit Solisten wie Eric Dolphy, Jim Hall, Bill Evans und Eddie Costa 1960 auf dem Third-Stream-Album Jazz Abstractions einspielte. Michel Legrand holte 1958 für seine Interpretation mit elfköpfigem Ensemble Miles Davis als Solisten. Stan Kenton interpretierte Django mit seiner Bigband 1959. Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Stück bei Gitarristen wie Philip Catherine, Jim Hall (der das Stück auch mit Pat Metheny und Streichorchester aufnahm), Grant Green, Joe Pass, John McLaughlin, Phil Upchurch, Christian Escoudé und zahlreichen Gitarristen des Gypsy Jazz. Auch Pianisten wie Bill Evans, Oscar Peterson, Tommy Flanagan, Stanley Cowell, Tete Montoliu, Adam Makowicz oder Ray Bryant erwiesen dem Stück seine Referenz. Weiterhin sind Einspielungen von Sonny Rollins, Roland Kirk oder Wynton Marsalis hervorhebenswert.[1]

Literatur

Einzelnachweise

  1. a b c d Schaal, Jazz-Standards, S. 119f.
  2. a b Songporträt (Jazzstandards)

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