Dollar-Auktion

Dollar-Auktion
US-Dollar-Banknote

Die Dollarauktion, auch allgemein Eskalationsauktion genannt, ist ein von Martin Shubik entwickeltes Spiel, dass durch sein Spielprinzip die Teilnehmer irrational handeln lässt, obwohl sie eigentlich alle notwendigen Informationen haben, um sich rational zu verhalten. Somit wird durch dieses Spiel die Anwendbarkeit der "Theorie der rationalen Entscheidung" in Bezug auf menschliches Verhalten infragegestellt. Der Inhalt dieses Spiels ist die Auktion eines US-Dollars.

Inhaltsverzeichnis

Spielprinzip

Ein Auktionator bietet einen Dollar zur Auktion, den man bereits für einen Einsatz von einem Cent gewinnen könne. Der Bieter mit dem höchstem Gebot bekommt das Geld, allerdings muss auch der Teilnehmer mit dem zweithöchsten Gebot den gebotenen Betrag an den Leiter der Auktion entrichten, wofür er allerdings keine Gegenleistung erhält.

Ablauf

In der Regel läuft die Auktion wie folgt ab:
Die Teilnehmer bieten einige Cent um sich den Dollar zu sichern. Logischerweise steigen die Gebote bis zum Erreichen der Ein-Dollar-Grenze an, denn selbst ein Gebot von 99 Cent bringt noch einen Gewinn.
Interessant ist der dann folgende Verlauf, denn die Auktion stoppt nicht beim Erreichen von einem Dollar, sondern geht weiter, im Durchschnitt bis 3,40 Dollar. Diese Entwicklung, die offensichtlich finanziell nur Nachteile bringt, lässt sich logisch mit einer für den Moment rationalen Entscheidung erklären:
Bietet ein Teilnehmer beispielsweise, nachdem mehrere Spielzüge gelaufen sind, bereits 99 Cent, wird der Zweithöchste, der ja nach den Regeln auch zur Zahlung verpflichtet ist, einen Dollar bieten, um keinen Verlust zu machen. Der andere Teilnehmer wäre nun zum Zahlen seines letzten Gebotes von 99 Cent (=zweithöchstes Gebot) verpflichtet, bietet er aber, anstatt aufzugeben, 1,01 Dollar, sichert er sich den Dollar und verliert damit nur einen Cent. Nun ist der andere Bieter im Zwang, mehr zu bieten, um sich den gleichen Vorteil zu sichern. Dem folgt wieder ein höheres Gebot des Anderen. So werden aus den vernünftigen Einzelentscheidungen auf lange Sicht Fehler, die zu einem zwangsläufigen Verlust führen. Im Laufe des Spiels verringert sich der relative Abstand immer mehr, und der Verlust für beide Spieler wird immer größer - ab einer bestimmten Phase tritt der Gewinn oder Verlust in den Hintergrund, es geht dann darum, bei der Versteigerung zu siegen, nicht mehr darum, zu gewinnen. Die Gegner beginnen, sich gegenseitig zu beschuldigen, irrational zu handeln. Das Spiel zeigt den Charakter einer Eskalation. Man will nicht der Narr sein, der verliert. [1]

Gegenstrategien

Es gibt eine Reihe von Möglichkeiten, die eine Eskalation verhindern und den Bietenden einen Gewinn bescheren. Sie beruhen zum Beispiel auf Zusammenarbeit und setzten so voraus, dass eine Absprache vor oder während des Spiels erfolgt. Diese Absprache kann beispielsweise so aussehen: Ein Teilnehmer bietet einen Cent und schlägt dem Rest der Spieler vor, den Gewinn zu teilen, sollten sie keine Gebote abgeben. Das funktioniert aber nur bei einer geringen Anzahl von Mitspielern.

Eine andere mögliche Strategie wäre, ganz am Anfang 99 Cent zu bieten, sodass es für einen folgenden Bieter von geringem Interesse ist, weiterzubieten. Man hat dann einen Cent als Gewinn. Wenn allerdings jemand doch weiterbietet, kommt man in die entsprechende schon angegebene Falle. Ob der geringe Gewinn das Risiko aufwiegt, dass jemand in irrationaler Weise trotzdem weiterbietet, sei dahingestellt.

Eine rationale Möglichkeit wäre, an dem Spiel nicht teilzunehmen. Das verhindert zugleich aber einen Gewinn.

Weblinks


Literatur

  1. William Poundstone, Prisoner's Dilemma: John Von Neumann, Game Theory, and the Puzzle of the Bomb, Anchor/Random House, 1993, darin speziell Kapitel 13: "The Dollar Auction" (in englischer Sprache)

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