Friedrich Payer

Friedrich Payer
Friedrich von Payer (Zweiter von links) mit Reichskanzler Max von Baden (links), 1918

Friedrich von Payer, oft auch nur Friedrich Payer, (* 12. Juni 1847 in Tübingen; † 14. Juli 1931 in Stuttgart), war ein deutscher Politiker (Demokratische Volkspartei, Fortschrittliche Volkspartei, DDP).

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach dem Besuch des Abiturs in Tübingen besuchte von Payer das evangelisch-theologische Seminar in Blaubeuren, wo er neben der theologischen Ausbildung auch das Abitur ablegte. Ab 1865 studierte er dann Rechtswissenschaften in Tübingen und war Mitglied der Königsgesellschaft Roigel. 1871 ließ er sich als Rechtsanwalt in Stuttgart nieder, ab 1899 war er zusätzlich Notar. Er gehörte mehrere Jahre dem Vorstand der württembergischen Rechtsanwaltskammer an. 1906 wurde er in den württembergischen Adelsstand erhoben, 1912 zum Ehrenbürger von Reutlingen ernannt.

Partei

Von Payer gehörte ursprünglich der Demokratischen Volkspartei in Württemberg an, unterstützte 1907 die Bildung des Bülow-Blocks und setzte sich nach dessen Zerbrechen 1909 die Gründung der Fortschrittlichen Volkspartei im folgenden Jahr, in die er seine Heimatpartei als Landesverband aufgehen ließ. 1918 beteiligte er sich an der Gründung der DDP.

Abgeordneter

Dem Stuttgarter Gemeinderat gehörte von Payer von 1892 bis 1896 an. Er war von 1893 bis 1912 Mitglied der württembergischen Abgeordnetenkammer, deren Präsident er von 1895 bis 1912 war. 1877/78, 1880 bis 1887 und 1890 bis 1918 war er Reichstagsabgeordneter für den Wahlkreis Tübingen-Reutlingen.

Von Payer kämpfte jeweils für den Erhalt und den Ausbau der parlamentarischen Macht. So wandte sich entschieden gegen die Innenpolitik Bismarcks. Insbesondere setzte der Abgeordnete sich gegen das Septennat, die Festschreibung des Militäretats auf sieben Jahre, zur Wehr. Im Ersten Weltkrieg war er als Fraktionsführer der Fortschrittlichen Volkspartei ein entschiedener Unterstützer von Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg. Von Payer wollte eine Demokratisierung der Reichs- und der preußischen Verfassung durchsetzen und einen Verhandlungsfrieden mit den Westmächten erreichen. Insbesondere nach dem Rücktritt Bethmann Hollwegs wurde von Payer in seinem neuen Amt als Vizekanzler von der OHL entschieden bekämpft.

Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte er der Weimarer Nationalversammlung an und war dort bis zum 9. Juli 1919 Fraktionsvorsitzender der DDP. Im Gegensatz zur Mehrheit der DDP stimmte er am 22. Juni 1919 dem Abschluss des Versailler Vertrages zu.

Öffentliche Ämter

Am Ende des Ersten Weltkriegs war er vom 9. November 1917 bis zur Übernahme der Macht durch den Rat der Volksbeauftragten Vizekanzler des Deutschen Reiches. 1918 wurde er von Kaiser Wilhelm II. beauftragt, mit Siegfried von Roedern gemeinsam eine Kabinettsliste für das neue Kabinett zu erarbeiten. Von Payer selbst lehnt allerdings am 1. Oktober 1918 das ihm angetragene Amt des Reichskanzlers ab, so dass der Kaiser stattdessen Prinz Max von Baden ernennt.

Veröffentlichungen

Literatur

  • Günther Bradler, Politische Unterhaltungen Friedrich Payers mit Theodor Heuss. Ein Fund aus dem Hauptstaatsarchiv Stuttgart, in: Zeitschrift für Württembergische Landesgeschichte (ZWLG), Jahrgang 1973, Seiten 161-192.
  • Günther Bradler, Friedrich Payer. Autobiographische Aufzeichnungen und Dokumente, Göppingen 1974.
  • Reinhold A. Helmut Franz, Das Problem der konstitutionellen Parlamentarisierung bei Conrad Haußmann und Friedrich von Payer, Göppingen 1977.
  • Friedrich Payer zum Gedenken, Reutlingen 1997.

Weblinks


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