Gemeine Strauchschrecke

Gemeine Strauchschrecke
Gemeine Strauchschrecke
Gemeine Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera), ♂

Gemeine Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera), ♂

Systematik
Überordnung: Neuflügler (Neoptera)
Ordnung: Langfühlerschrecken (Ensifera)
Familie: Laubheuschrecken (Tettigoniidae)
Unterfamilie: Beißschrecken (Decticinae)
Gattung: Pholidoptera
Art: Gemeine Strauchschrecke
Wissenschaftlicher Name
Pholidoptera griseoaptera
(De Geer, 1773)
Weibchen

Die Gemeine Strauchschrecke (Pholidoptera griseoaptera) ist eine Langfühlerschrecke aus der Familie der Laubheuschrecken (Tettigoniidae). Die flugunfähigen Tiere besiedeln eine Reihe verschiedener Lebensräume, meiden jedoch sandige Lebensräume.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Tiere erreichen eine Körperlänge von 13 bis 20 Millimetern (Männchen) bzw. 15 bis 20 Millimetern (Weibchen) und sind damit wesentlich kleiner, als die ähnliche Alpen-Strauchschrecke (Pholidoptera aptera). Die sensenförmige, nach oben gekrümmte und sich gleichmäßig verjüngende Legeröhre (Ovipositor) der Weibchen ist nochmals 8 bis 10 Millimeter lang. Die Schrecken haben eine grau- bis dunkelbraune, selten rotbraune oder auch gelbbraune Körperfärbung, ihre Bauchseite ist markant gelb gefärbt. Die Seiten des Halsschildes sind sehr fein weiß gerandet, dies unterscheidet die Art von der Alpen-Strauchschrecke, deren Halsschildhinterrand breit gelblich-weiß gefärbt ist. Die abgerundeten Vorderflügel der Männchen sind braun, außen hellbraun bis ocker gefärbt und sind mit etwa fünf Millimetern Länge nur etwa so lang, wie der Halsschild. Die Weibchen haben halbrunde, graubraune Vorderflügel, die jedoch nur ein bis zwei Millimeter lang werden und damit gerade noch unter dem Halsschild hervorragen. Langflügelige Formen treten nicht auf. Wie auch bei der ähnlichen Art sind die langen Cerci der Männchen nach dem ersten Viertel mit einem spitzen Zahn versehen.[1][2][3]

Vorkommen

Die Gemeine Strauchschrecke ist vom Norden Spaniens und Irland östlich bis auf die Krimhalbinsel und in den Kaukasus verbreitet. Insbesondere in Mitteleuropa tritt die Art häufig auf, nach Norden und auch im Mittelmeerraum ist sie seltener.[3] Sie treten vom Flachland bis in Höhen von etwa 2100 Meter auf, am häufigsten jedoch unter 1000 Meter, über 1400 Meter nur in manchen Regionen, wie etwa in Teilen der Schweiz.[2] Die Tiere besiedeln unterschiedliche Lebensräume mit mittelhohem bis hohem Pflanzenbewuchs, besonders Waldränder, oder -lichtungen, sowie Hecken oder Bachläufe mit dichtem Bewuchs, hochwachsende Wiesen und Ruderalflächen, aber auch Parks und Gärten. Häufig tritt die Art gemeinsam mit der Alpen-Strauchschrecke auf.[1][2] Die Gemeine Strauchschrecke zählt häufig zu den Erstbesiedlern von Kahlschlägen. Sie meidet sandige Böden und fehlt entsprechend in Sandgebieten, wie etwa auf Binnendünen, dies auch dann, wenn ansonsten geeigneten Bewuchsstrukturen vorherrschen.[3]

Lebensweise

Die Imagines ernähren sich hauptsächlich räuberisch von kleinen Insekten, wie Blattläusen oder auch Raupen, fressen aber auch Pflanzen, wie Löwenzahn, Labkräuter oder Brennnesseln. Die Larven fressen anfangs ausschließlich pflanzliche Kost. Die Tiere benötigen nur wenig Wärme und sind bereits bei Temperaturen über 7° C aktiv. Adulte Tiere haben eine versteckte Lebensweise und halten sich im hohen Gras oder zwischen krautigen Pflanzen auf, klettern aber auch auf Bäume, wo sie etwa in den Kronen von Grau- und Schwarz-Erlen nachgewiesen sind.[3] Morgens sonnen sie sich, um schließlich im Laufe des Tages in die dichte Vegetation zu wandern. An kühlen oder feuchten Tagen findet man sie an der Sonnenseite ihres Habitats, ist es trocken und heiß, auf der Schattenseite.[2]

Gesang

Die Männchen singen vom Nachmittag bis tief in die Nacht. Da die Art nur wenig Wärme benötigt, kann man den Gesang auch in kühlen und feuchten Nächten, sogar nach Nachtfrösten wahrnehmen. Er besteht aus drei Silben, deren Amplitude zunimmt. Die Frequenz dieser „zizizi“-Laute beträgt etwa 40 Hz. Die Abstände zwischen den kurzen Versen reichen von 0,5 bis drei Sekunden. Bei höheren Temperaturen werden die drei einzelnen Silben zu einem scharfen „zrit“ zusammengefasst. Nimmt das Männchen einen Rivalen wahr, verkürzen sich die Abstände zwischen den „zrit“-Versen und es werden von ihnen unregelmäßige Reihen vorgetragen, die dicht aufeinander folgen und lauter werden. Der Gesang ist bis zu 10 Meter weit hörbar.[3][1][2]

Entwicklung

Nymphe

Die Weibchen legen ihre Eier sowohl direkt in den Erdboden, als auch in abgestorbenen Ästen, Totholz und ähnlichem ab. Die Eier benötigen eine erhöhte Feuchtigkeit. Die Weibchen berücksichtigen dies und legen die Eier etwa in warmen Lebensräumen tiefer im schattigen Wald ab. Im Laufe ihrer Embryonalentwicklung gelangen die Eier meistens in die Laubschicht am Boden. Insgesamt werden etwa 200 der 4,5 mm langen und 1,2 mm breiten Eier abgelegt. Die Larven benötigen für ihre Entwicklung zwei volle Jahre und durchlaufen sieben Larvenstadien. Die im Herbst abgelegten Eier überwintern und entwickeln sich abhängig von den vorherrschenden Temperaturen im Laufe des darauf folgenden Sommers. Dem Sonnenlicht direkt ausgesetztes Bodensubstrat ermöglicht auf Grund der wärmeren Temperatur eine bessere Entwicklung. Die Larven schlüpfen erst nach einer zweiten Überwinterung zwischen April und Juni des dritten Jahres. Man kann sie häufig frei auf Blättern sitzend oder im Gras beobachten. Die ersten Imagines treten ab Juni auf und sind bis maximal Ende November zu beobachten.[3]

Gefährdung

Die Gemeine Strauchschrecke ist durch ihre breit gestreute Habitatwahl weit verbreitet, kommt in Mitteleuropa häufig vor und ist demnach nicht gefährdet.[3]

Belege

Einzelnachweise

  1. a b c Heiko Bellmann: Der Kosmos Heuschreckenführer, Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10447-8, S. 138. 
  2. a b c d e Bertrand & Hannes Baur, Christian & Daniel Roesti: Die Heuschrecken der Schweiz. Haupt Verlag, Bern 2006, ISBN 3-258-07053-9, S. 122f. 
  3. a b c d e f g Peter Detzel: Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3507-8, S. 278ff. 

Literatur

  • Bertrand & Hannes Baur, Christian & Daniel Roesti: Die Heuschrecken der Schweiz. Haupt Verlag, Bern 2006, ISBN 3-258-07053-9.
  • Heiko Bellmann: Der Kosmos Heuschreckenführer, Die Arten Mitteleuropas sicher bestimmen. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co KG, Stuttgart 2006, ISBN 3-440-10447-8.
  • Peter Detzel: Die Heuschrecken Baden-Württembergs. Verlag Eugen Ulmer GmbH & Co, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3507-8.

Weblinks

 Commons: Gemeine Strauchschrecke – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

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