Heinz Barwich

Heinz Barwich

Heinz Barwich (* 22. Juli 1911 in Berlin; † 10. April 1966 in Köln) war ein Kernphysiker der DDR.

Leben

Heinz Barwich (links) im Gespräch mit Robert Havemann bei der Jahrestagung der Physikalischen Gesellschaft in der DDR 1958

Über einen der seinerzeit international bekanntesten Physiker der DDR ist erstaunlich wenig bekannt. Barwich entstammte einer Arbeiterfamilie, bekannte sich in den 1920er und 1930er Jahren unter Lebensgefahr zur Kommunistischen Partei und genoss von daher später besonderes Vertrauen in der UdSSR. 1929 begann er ein Studium der Elektrotechnik an der TH Berlin-Charlottenburg, wobei er Vorlesungen der großen Pioniere der modernen Physik wie Max Planck, Albert Einstein, oder Werner Heisenberg besuchte, „um einige der bekanntesten zu nennen“. Sie dürften der Grund für seinen Wechsel des Studienganges 1930 gewesen sein, als er bis 1933 ganz zu Mathematik und Naturwissenschaften wechselte. Seine Diplomarbeit fertigte er bei Gustav Hertz über die Messung des Planckschen Wirkungsquantums mit Hilfe des Fotoeffekts an, bei ihm promovierte er auch 1936 über Fragestellungen der Isotopentrennung nach der Diffusionsmethode, die Hertz als Pionier auf diesem Gebiet damals bearbeitete.

Barwich folgte Hertz unmittelbar nach seiner Dissertation ins Siemens-Forschungslabor II nach Berlin, nachdem er, als „Vierteljude“, seine Prüfungserlaubnis verlor. Dieses Schicksal ereilte in den 1930er Jahren viele jüdischstämmige Wissenschaftler, die dann den Weg in die Industrieforschung suchten. Das Forschungslabor musste allerdings seine Arbeiten zur Kernphysik einstellen und sich mit kriegsrelevanten Fragestellungen der Ultraschall-Technik, speziell der Torpedo-Zündung beschäftigen.

Durch seine Beschäftigung mit Problemen des elementaren Trennvorganges in einer Pumpe und dem Ablauf der Prozesse in der Kaskade machte er sich zum Mitstreiter der 1945 in die UdSSR nach Sochumi verbrachten Atomspezialisten um den Nobelpreisträger Gustav Hertz, Manfred von Ardenne, Max Steenbeck und andere. Als einer der wenigen Atomspezialisten ging er 1945 jedoch freiwillig in die UdSSR, wie er nachbetrachtend beschreibt: „Am 10. Juni 1945 entschloss ich mich nämlich, in die Sowjetunion zu gehen. Ich war 33 Jahre alt, verheiratet, hatte drei kleine Kinder, das vierte wurde erwartet. Auch ich war arbeitslos. So fiel mir der Entschluss nicht schwer.“

Obwohl Barwich nach seiner Rückkehr 1955 als Direktor des bei Dresden gelegenen Rossendorfer Zentralinstituts für Kernforschung (ZfK) und später des Vereinigten Instituts für Kernforschung in Dubna zu den bekanntesten Kernphysikern Ostdeutschlands zählte, floh er 1964 während der 3. Genfer Atomkonferenz in den Westen. Der Mauerbau hatte ihm den Rest jeden Vertrauens in das neostalinistische System Ulbrichts geraubt. Er starb am 10. April 1966 in Köln, postum erschien im Folgejahr seine Autobiografie „Das rote Atom“.

Werke

  • Das Rote Atom. Fischer, Frankfurt/M. 1970 (zusammen mit Elfi Barwich)
  • Die Trennung von Gasgemischen durch Diffusion in strömenden Quecksilberdampf. Springer, Berlin 1936 (zugl. Dissertation, Technische Hochschule Berlin)

Literatur

  • Munzinger Internationales Biographisches Archiv 20/1966 vom 9. Mai 1966

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