Karlovassi

Karlovassi
Gemeinde Karlovasi
Δήμος Καρλοβασίων
Karlovasi (Griechenland)
DEC
Basisdaten
Staat: Griechenland
Verwaltungsregion: Nördliche Ägäis
Präfektur: Samos
Geographische Koordinaten: 37° 48′ N, 26° 42′ O37.79194444444426.7033333333337Koordinaten: 37° 48′ N, 26° 42′ O
Höhe ü. d. M.: 0–über 1300 m
Ägäis–Kerkis
Fläche: f4100,33 km²[1]
Einwohner: f29.590 (2001[1])
Bevölkerungsdichte: 96 Ew./km²[1]
Sitz: Karlovasi
LAU-1-Code-Nr.: 840400
Gemeindegliederung: 10 Gemeindebezirkef7
Website: www.karlovassi.gr
Lage in der Präfektur Samos
Image:Dimos Karlovasion.png

f9f10

Karlovasi (griechisch Δήμος Καρλοβασίων) ist eine von vier Gemeinde auf der griechischen Insel Samos der Präfektur Samos. Mit fast 6.000 Einwohnern (Stand 2001) ist Karlovasi nach Samos die zweitgrößte Stadt der Insel.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das Gemeindegebiet nimmt den nordwestlichen Teil der griechischen Insel Samos ein. Das zentrale Gemeindegebiet bilden zwei von Süden nach Norden verlaufende Täler. Im Osten, an den Westhängen des Ambelos Gebirges, liegen von Nord nach Süd die Orte Kondakeika, Ydroussa, Kondeika, Agii Theodori und Platanos. Das westliche Gemeindegebiet ist weniger besiedelt, hier liegen Leka und an Ausläufern des nordöstlichen Kerkis Gebirges Kosmadei und Kastania, ganz abgelegen im Westen Drakei. Das Gemeindegebiet erreicht am Kerkis im Südwesten über 1300 m Höhe.[2]

Nachbargemeinden sind im Nordosten Vathy, im Südosten Pythagorio und im Süden Marathokambos. Die kleinasiatische Küste ist 40 km nördlich, die Insel Chios etwa 70 km nordwestlich entfernt.

Gemeindebezirke

Die Gemeinde ist in zehn Gemeindebezirke mit weiteren 13 Siedlungen untergliedert.

Karlovasi

Neo Karlovasi, Rathaus und die Kirche Panagia

Karlovasi (Καρλόβασι (n. sg.)) ist etwa 6.000 Einwohnern (2001) die größte Stadt und der Verwaltungssitz der Gemeinde. Die Stadt erstreckt sich über mehrere Kilometer entlang der Küste und teilweise auch weit ins Binnenland.

Geschichte

Aufgrund von Ruinen und zahlreichen Gräbern wird angenommen, dass das Gebiet des heutigen Palaio Karlovasi wahrscheinlich schon zu antiker Zeit dicht besiedelt war und dass hier die antike Stadt Gorgyia (auch Gorgyra, Γοργυία oder Γόργυρα) mit einem Tempel zu Ehren des Dionisos Gorgyia lag.

Überreste einer Kirche und byzantinische Münzen, die bei einer provisorischen Ausgrabung entdeckt wurden, lassen darauf schließen, dass die Gegend auch in der byzantinischen Zeit bewohnt war.

Nach dem Fall von Konstantinopel 1453 erhob das Osmanische Reich Anspruch auf die genuesische Kolonie. Folglich verließen bis etwa 1470 die meisten Menschen die Insel Richtung Chios, das bis 1566 Kolonie Genuas war. Samos war die nächsten hundert Jahre nahezu unbewohnt. Wenige Familien lebten versteckt in den Bergen. Auslöser für die Wiederbesiedlung der Insel waren weitreichende Privilegien, die der Sultan dem Verwalter Kilic Ali Pascha gewährte.

An der Wiederbesiedlung von Samos in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts waren Nachfahren von Samioten, so genannte Chiosamii (Χιοσάμιοι) maßgeblich beteiligt. Im heutigen Zentrum von Palaio Karlovasi ließen sie sich bei dem kleinen Hügel Alonaki (Αλωνάκι) auf den Ruinen einer alten Siedlung nieder. Aber auch Menschen vom Peloponnes, Ikaria und von den Kykladen siedelten sich hier an. Erste schriftliche Erwähnungen belegen die Bezeichnung Karlovasi bereits zu Beginn des 17. Jahrhunderts.

Früher war die Pluralform Ta Karlovasia (n. pl.) für die drei Stadtteile Paleo, Neo und Meseo bei den Einwohnern gebräuchlich.

Heute werden die fünf Stadtteile immer wieder von Feldern und Brachflächen unterbrochen. Aufgrund der unterschiedlichen Entstehungsgeschichte weist jeder Stadtteil einen eigenen Charakter auf.

Porfiriada, Karlovasi
  • Paleo Karlovasi wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert von so genannten Chiosamii gegründet und ist somit der älteste Stadtteil. Der Ort konnte sich bis heute seinen dörflichen Charakter bewahren.
  • Neo Karlovasi wurde im 18. Jahrhundert als Neochori von Familien aus Ikaria, Naxos, Kreta und vom Peloponnes gegründet. Neo Karlovasi ist der größte Stadtteil und das Zentrum der Stadt mit Geschäften, der Verwaltung und der Naturwissenschaftlichen Schule der Universität der Ägäis (griechisch Πανεπιστήμιο Αιγαίου) mit den Fachbereichen
  • Meseo Karlovasi liegt östlich von Paleo Karlovasi mit ehemals prächtigen Villen.
  • Ormos, liegt am Meer. Im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Ledergerbereien und zusätzlich Tabakfabriken, Ölmühlen und die Weinkellerei. Dadurch wurde Karlovasi im 19. Jahrhundert wohlhabend. Die Gerbereien wurden im Zweiten Weltkrieg und im Bürgerkrieg zerstört. Der Leerstand der Ruinen vermittelt den Eindruck einer Geisterstadt.
  • Limena Karlovasiou oft auch einfach Limani genannt, ist der westlichste Stadtteil. Ende des 19. Jahrhunderts entstand um den 1871 erbauten Fährhafen das Hafenviertel. Hier befinden sich zahlreiche Urlaubshotels von Reiseveranstaltern. Täglich werden Verbindungen mit Piräus angeboten.

Kondakeika

Kondakeika (Κοντακαίικα auch Κοντακεΐκα (n. pl.)) liegt in etwa 180 m Höhe an den östlichen Ausläufern des Ambelos Gebirges und zählt zusammen mit den umliegenden Siedlungen Agios Dimitrios, Agios Ilias, Agios Nikolaos und Vryses etwa 900 Einwohner (2001). Damit ist Kondakeika der zweitgrößte Ort der Gemeinde. Kondakeika ist eines der wenigen Dörfer auf Samos, das steigende Bevölkerungszahlen aufweisen kann. Das liegt zum einem an der Nähe zum 5 km westlich gelegenen Karlovasi, zum anderen geben die sicheren Einkünften aus der Landwirtschaft die Aussicht im Ort leben zu können. Haupterwerbszweig bietet der Gemüseanbau in Treibhäusern. Die Anbauflächen reichen an der Küste bis in die Ebene von Karlovasi.

Aufgrund des Ortsnamens wird vermutet, dass die Gründer des Ortes von der Insel Kos kamen. Westlich des Dorfes befinden sich auf dem Berg Kastrovouni (Καστροβούνι) Ruinen eines genuesischen Kastells. In der weiteren Umgebung konnten byzantinische Siedlungsüberreste nachgewiesen werden. Die älteste Ansiedlung des heutigen Ortes, Agios Dimitrios wurde um 1750 gegründet.

In der kleinen Küstensiedlung Agios Nikolaos, dem nördlichsten Ort auf Samos, entwickelt sich zunehmend ein touristisches Angebot.

Ydroussa

Ydroussa (Υδρούσσα (f. sg.)) liegt in 230 m Höhe an den Ausläufer des Ambelos Gebirges etwa 7 km südwestlich von Karlovasi. Der Ort wurde 1625 gegründet und bis 1950 offiziell Fourni (Φούρνοι) genannt. Die Keramikerzeugung konnte bis in die antike Zeit kann nachgewiesen werden. Das Haupteinkommen der etwa 500 Einwohner (2001) liegt heute in der Erzeugung von Wein und Oliven. Auch Gartenbau wird betrieben, früher war der Tabakanbau verbreitet.

Kondeika

Kondeika (Κονταίικα (n. pl.)) liegt 7 km südlich von Karlovasi in über 300 m Höhe westlich des Ambelos-Gebirges. Das Haupteinkommen der etwa 400 Einwohner liegt in der Weinerzeugung, aber auch Oliven, Getreide und Gemüse werden angebaut. Früher wurde erfolgreich Tabak angepflanzt. Die weitere Umgebung ist waldreich mit Kiefern und Zypressen.

Platanos

Der fast 600 Einwohner (2001) zählende Ort Platanos (Πλάτανος (m. sg.)) liegt 3 km südlich von Konteika in 550 m Höhe umgeben von Weinbergen. Aufgrund der Lage bietet sich ein ausgezeichneter Blick zur nördlich gelegenen Insel Chios, auf den Westen von Samos, zur Insel Fourni und weiter auf die Inseln des Dodekanes. Die ersten Siedler kamen zu Beginn des 17. Jahrhunderts aus Euböa, zum ersten Mal wurde der Ort 1632 erwähnt. Die Weinerzeugung stellt die Haupteinnahmequelle der Bewohner dar.

Agii Theodori

Agii Theodori (Άγιοι Θεόδωροι (m. pl.)) liegt 3 km nordwestlich von Platanos und 3 km südwestlich von Kondeika in 280 m Höhe umgeben von Weinbergen. Der Ort ist nach der gleichnamigen Kirche benannt und hieß zuerst Kaveseika (Καβεσέϊκα). Die wichtigste Einnahmequelle stellt der Weinbau dar. Früher wurde auch hier der Anbau von Tabak betrieben. Agii Theodori hat 143 Einwohner (2001).

Leka

Leka (Λέκα (f. sg.)) liegt 5 km südwestlich von Karlovasi in etwa 190 m Höhe auf einem kleinen Sattel. Albanische Flüchtlinge gründeten den Ort zu Beginn des 18. Jahrhunderts. Der landwirtschaftlich geprägte Ort hat 532 Einwohner (2001). Es wird überwiegend der Anbau von Wein und Oliven betrieben. Im nahegelegenen Weiler Agios Pantelimon (Άγιος Παντελεήμων), der nach seiner Kirche benannt wurde, leben nur noch weinge Menschen.

Kastania

Kastania (Καστανία (f. sg.)) liegt an den nordöstlichen Ausläufern des Kerkis in 350 m Höhe, 4 km südlich von Leka. Wegen der zahlreichen Quellen der Umgebung konnte sich eine üppige Vegetation mit vielen Laubbäumen überwiegend mit den namensgebenden Esskastanien (Castanea sativa) entwickeln. Die etwas mehr als 200 Einwohner (2001) betreiben überwiegend Weinbau.

Traurige Berühmtheit erlangte der Ort durch eine Vergeltungsaktion während des Zweiten Weltkrieges durch die italienischen Besatzungskräfte. Am 30. August 1943 wurden wegen des Widerstands auf der Insel 27 Dorfbewohner hingerichtet.

Kosmadei mit Karlovasi und Ambelos Gebirge

Kosmadei

Kosmadei (Κοσµαδαίοι (m. pl.)) liegt 12 km von Karlovasi entfernt in fast 600 m Höhe an den nordöstlichen Hängen des Kerkis und ist damit eines der höchstgelegenenm Dörfer der Insel. Das Haupteinkommen der etwa 150 Einwohner (2001) stammt hauptsächlich vom Anbau von Oliven und Wein. Das Dorf ist von Obst- und Walnussbäumen, Pappeln und Kiefern umgeben. Im etwas tiefer gelegenen Weiler Nikoloudes (Νικολούδες) leben nur noch 29 Einwohner (2001).

Drakei

Drakei (Δρακαίοι (m. pl.)) liegt in etwa 300 m Höhe nur einen Kilometer entfernt vom Meer und gilt als das abgelegenste Dorf der Insel. Obwohl der 137 Einwohner zählende Ort (2001) weniger als 10 km westlich von Karlovasi entfernt liegt, gibt es aufgrund der schwierigen Topographie der Gegend keine direkte Straßenanbindung. Die einzig mögliche Verbindung von mehr als 40 km führt über die Südküste und das Gemeindegebiet von Marathokambos. Früher bildete Drakei zusammen mit Kallithea die Gemeinde Kalabaktasi (Δήμος Καλαμπακτασίων).

In der 4,5 km entfernt am Meer liegenden Siedlung Agios Isidoros (Άγιος Ισίδωρος) werden die letzten Kaikia der Insel gebaut.

Bevölkerungsentwicklung

Im Gegensatz zu anderen Teilen der Insel verzeichnen einige landwirtschaftliche Orte einen Bevölkerungszuwachs. Das liegt einerseits an den sicheren Erträgen aus dem Weinbau und andererseits an deren Nähe zur Stadt.

Bevölkerungsentwicklung der Gemeinde Karlovasi
Jahr 2001 1991 1902 1890 1874 1864 1828 1666
Gemeinde 9.590 8.728 12.272 11.038 8.419 8.199 8.166 6.200
Karlovasi 5.895 5.357 4.047 4.128 2.000
Kontakeika 904 888 611 272
Ydroussa 520 413 639 593 800
Platanos 577 440 836 641 1.200
Agii Theodori 140 153
Konteika 505 297 273 294
Leka 528 560 1.006 697 2.000
Kastanea 211 257 787 557 200
Kosmadei 181 215
Drakei 129 148

Wirtschaft

Traditionell spielt der Handel eine große Bedeutung. In Karlovasi befindet sich nach Samos der zweitgrößte Hafen der Insel. Die Winzergenossenschaft von Samos (Ένωσης Οινοποιητικών Συνεταιρισμών Σάμου) betreibt in Karlovasi, neben dem Standort in Malagari bei Samos, eine Kellerei.

Landwirtschaft

Die Weinerzeugung vor allem die des Samosweins spielt eine bedeutende Rolle. Die besten Lagen der Insel befinden sich auf dem Gemeindegebiet. Zudem werden Oliven und Gemüse angebaut. Tierhaltung wird nur in den Orten am Kerkis in geringem Ausmaß betrieben und ist insgesamt rückläufig.

Tourismus

Der Tourismus spielt in der Gemeinde keine bedeutende Rolle. Während der letzten Jahre wurde in der kleinen Küstensiedlung Agios Nikolaos versucht das touristische Angebot attraktiver zu gestalten. Im Hafenviertel Limani von Karlovsi sind mit die besten Hotels der Insel, die zum großen Teil von Reiseveranstaltern gebucht werden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. a b c Angaben des griechischen Innenministeriums
  2. Karte 210 Samos, 1:50.000. Road Editions, ISBN 978-960-8481-03-9. 

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