Krematorien in Österreich

Krematorien in Österreich
Feuerhalle Simmering

In Österreich stehen 11 Krematorien („Feuerhallen“) zur Feuerbestattung Verstorbener zur Verfügung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Feuerbestattung in Österreich

Die Verbrennung von Leichen wurde von der Kirche heftig bekämpft. Obwohl in Nordamerika und Europa ab 1873 die ersten Krematorien errichtet wurden und auf der Wiener Weltausstellung 1873 der italienische Pathologe Ludovico Brunetti einen Leichenverbrennungsapparat vorstellte, verbot die Kirche die Feuerbestattung. Als Sanktion drohte sie mit der Exkommunikation und der Verweigerung der Sakramente für Sterbende.

Das erste österreichische Krematorium wurde am 17. Dezember 1922 gegenüber dem Wiener Zentralfriedhof eröffnet. Die erste Verbrennung fand am 17. Jänner 1923 statt, obwohl der zuständige christlichsoziale Minister für soziale Verwaltung Richard Schmitz am Tag zuvor den Betrieb des Krematoriums verboten hatte. Als Folge wurde der Wiener Bürgermeister Jakob Reumann beim Verfassungsgerichtshof geklagt, der jedoch für die Stadt Wien entschied.

Von Seiten des Staates wurde die Feuerbestattung der Erdbestattung am 15. Mai 1934 gleichgestellt. Die katholische Kirche lehnte hingegen die Verbrennung von Leichen weiterhin ab. Erst am 24. Oktober 1964 erteilte der Vatikan die offizielle Zustimmung zur Feuerbestattung. Im Jahr darauf erließ die Erzdiözese Wien Vorschriften für die Einsegnung bei einer Feuerbestattung.[1]

Burgenland

Das Burgenland verfügt als einziges Bundesland Österreichs über kein eigenes Krematorium.

Kärnten

Das Land Kärnten verfügt über ein Krematorium in der Stadt Villach (Waldfriedhof, Schmalgasse 17).

In dem von der „Bestattung Kärnten GmbH“, die 2008 durch den Zusammenschluss der städtischen Bestattungen von Villach und Klagenfurt entstand, betriebenen Krematorium werden jährlich etwa 1.300 Verstorbene verbrannt [2]

Errichtet wurde das Villacher Krematorium zwischen 1952 und 1953 nach Plänen des Architekten Erich Boltenstern[3].

Niederösterreich

Das Land Niederösterreich verfügt über ein Krematorium in der Landeshauptstadt Sankt Pölten (Goldegger Straße 28 – 30).

Oberösterreich

Das Land Oberösterreich verfügt über zwei Krematorien, nämlich in der Landeshauptstadt

  • Linz (Urnenhainweg 8) und in
  • Steyr (Taborweg 8).

Bis etwa 1940, als es in Mauthausen und Gusen noch keine eigene Krematorien gab, wurden von den Nationalsozialisten zur Verbrennung der Todesopfer die Krematorien von Linz und Steyr genutzt [4]

Krematorium Linz

Die erste Linzer Feuerhalle wurde von 1925 bis 1929 nach Entwürfen von Julius Schulte erbaut, die erste Feuerbestattung fand 1929 statt. Gemeinsam mit dem Urnenhain stand das Krematorium bis 1953 zum Verkauf an die Stadt Linz im Eigentum des Vereins „Die Flamme[5][6]

Nach Plänen von Klaus Kada wurde das Linzer Krematorium mit zwei Verbrennungsöfen und den notwendigen Nebenräumen neu errichtet [7] Übergabetermin für den zweiten und letzten Verbrennungsofen war September 2003 [8]

Krematorium Steyr

Errichtet wurde das Krematorium Steyr zwischen 1926 und 1927 nach Plänen des Architekten Franz Koppelhuber im Auftrag des 1923 gegründeten Feuerbestattungsvereines „Die Flamme“ (Erster alpenländischer Feuerbestattungsverein). Die erste Kremierung geschah am 1. Juni 1927, die offizielle Eröffnung erfolgte jedoch erst am 26. Juni des gleichen Jahres.

Zu ende des Jahres 1939 wurde die Feuerhalle von der Stadt erworben und den städtischen Unternehmungen hinzugefügt [9]

Salzburg

Das Land Salzburg verfügt über ein Krematorium in der Stadt Salzburg (Gneiserstraße 8).

Das einer Stufenpyramide gleichende Bauwerk wurde 1930 nach Plänen des Salzburger Oberbaurats Wiedemann errichtet. Die Eröffnung erfolgte am 8. November 1931. 1963 wurde der Verbrennungsofen von der Befeuerung mit Koks auf elektrischen Betrieb umgerüstet. 1981 wurde ein weiterer Elektroofen eingebaut [10]

Steiermark

Das Land Steiermark verfügt über zwei Krematorien, nämlich in

Krematorium Graz

Errichtet wurde das Grazer Krematorium zwischen 1931 und 1932 nach Plänen des Architekten Erich Boltenstern[3] im Auftrag des Feuerbestattungsvereines „Die Flamme[11]

Krematorium Knittelfeld

Errichtet wurde das Knittelfelder Krematorium im Jahr 1975 [12]

Tirol

Das Land Tirol verfügt über zwei Krematorium, nämlich in

Krematorium Innsbruck

Errichtet wurde das Krematorium im Stadtteil Amras beim Pradler Friedhof von der Stadt Innsbruck mit einem Kostenaufwand von rund 3,5 Millionen Euro. Die Inbetriebnahme erfolgte am 18. August 1999 [14]

Krematorium Kramsach

Das Krematorium Kramsach wurde als erstes privates Krematorium – Eigentümer ist die TrauerHilfe - in Tirol am 11. April 2008 eröffnet [15] Für das Jahr 2008 wird mit etwa 850 Kremierungen gerechnet, die Kapazitätsgrenze wird mit etwa 1.200 Einäscherungen jährlich angegeben [16]

Vorarlberg

Das Land Vorarlberg verfügt über ein Krematorium in Hohenems (Riedstraße 31).

In Betrieb genommen wurde es Ende 1998 und verfügt über zwei Einäscherungsöfen. Um öffentliche Interessen sichern zu können, ist mit 10 Prozent der Vorarlberger Gemeindeverband an der Betreibergesellschaft „Krematorium Ethik & Umwelt GesmbH“ beteiligt [17] 2006 wurden nach eigenen Angaben etwa 1.600 Verstorbene kremiert [18]

Wien

Das Land Wien verfügt über Krematorien in:

  • Simmering (Simmeringer Hauptstraße 337)
  • Stammersdorf (Stammersdorfer Straße 244–260, außer Betrieb stehend)

Simmering

Hauptartikel: Feuerhalle Simmering

Die Pläne für das mittlerweile denkmalgeschützte [19] Krematorium stammen von Clemens Holzmeister. Mit seinen Türmen und Zinnen soll es an das nahe gelegene Schloss Neugebäude erinnern.

Für die Einäscherung von jährlich etwa 5.000 Verstorbenen jährlich stehen vier Elektroöfen zur Verfügung [20]

Im Jahr 2008 erhielt das Krematorium eine neue Filteranlage zur Abgasreinigung sowie einen behindertengerechten Lift. Die Verabschiedungshalle war aus diesem Grund während dieser Zeit geschlossen, der Kremationsbetrieb konnte jedoch weiterhin durchgeführt werden.

Unter dem Namen Krematorium GmbH stellt das Krematorium in Simmering ein eigenes Geschäftsfeld innerhalb der Wiener Stadtwerke dar.[21]

Stammersdorf

Auf dem Stammersdorfer Zentralfriedhof in Floridsdorf wurde zwischen 1964 und 1966 das zweite Krematorium Wiens errichtet, nachdem bereits 1928 eine Urnennischenanlage und eine Urnenbegräbnisstätte errichtet worden war, die ab dem 2. Jänner 1929 belegt wurden.

Die Änderungen des Kirchenrechts bezüglich Feuerbestattungen im Jahr 1963 sowie die zunehmende Besiedlung der Bezirke am linken Donauufer veranlassten die Wiener Stadtregierung zur Errichtung eines weiteren Krematoriums in Wien in den Jahren 1964 bis 1966 mit zwei Verbrennungsöfen. Architekt dieser Anlage war Josef Strelec.

Da die Zahl der Einäscherungen in Wien trotz der geänderten Einstellung der Kirche gegenüber der Feuerbestattung nicht anstieg, erwies sich der Betrieb von zwei Krematorien in der Stadt als nicht sinnvoll. Der Betrieb des Stammersdorfer Krematoriums wurde deshalb zunächst probeweise am 7. September 1981 eingestellt und nur zwischen 1984 und 1986, als die Feuerhalle Simmering neue Öfen erhielt, wieder aufgenommen.

Verabschiedungszeremonien für zur Einäscherung bestimmte Verstorbene werden allerdings nach wie vor auf dem Stammersdorfer Zentralfriedhof abgehalten.

Fußnoten

  1. Johann Werfring: Die Feuerbestattung in Wien, Artikel in der Wiener Zeitung vom 28. Oktober 2002, Seite 7
  2. http://www.villach.at/inhalt/31292_42265.htm
  3. a b Boltenstern, Erich. In: Österreich-Lexikon, online auf aeiou.
  4. http://science.orf.at/science/news/151266
  5. Rudolf Lehr: Landeschronik Oberösterreich, 2008, S. 327
  6. http://www.dioezese-linz.at/redaktion/index.php?action_new=Lesen&Article_ID=8022
  7. http://www.linzag.at/content/section,id,594,nodeid,811,_country,service,_language,de.html
  8. http://www.ka-hamburg.de/ah/index.php4?ref=ah000063.php4
  9. http://alo.uibk.ac.at/filestore/servlet/GetFile?id=LJFHUCZDHGJWSBUGGPQC Seite 4
  10. http://www.feuerhalle.at/Umbau/default.html
  11. Eintrag über Erich Boltenstern im Weblexikon der Wiener Sozialdemokratie
  12. Feuerbestattung. In: Österreich-Lexikon, online auf aeiou.
  13. http://www.trauerhilfe.at/mitglieder/kramsach.php
  14. http://www2.ikb.at/geschaeftsbereich/krematorium/krematorium_innsbruck/index.php?css=l
  15. http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=080415010
  16. http://tt.com/tt/tirol/story.csp?cid=14868&sid=56&fid=21
  17. http://www.gemeindeverband.at/fileadmin/Image_Archive/gemeindeverband/Presse/Presseaussendung_30Okt07.pdf pdf-Datei
  18. http://vorarlberg.orf.at/stories/184113
  19. http://www.krematoriumwien.at/krw/ep/contentView.do;jsessionid=E4EF2832B81BC6190CFD252D1EFF7E76?contentTypeId=1001&channelId=-26778&displayPage=%2fep%2fcontent%2fcontentDetailsTextBottom.jsp&programId=16324&pageTypeId=13579&contentId=18763
  20. http://www.krematorium-wien.at/description.php
  21. http://www.wien.gv.at/kultur/friedhoefe/orte/feuerhalle.html

Weblinks


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