Mary (Elefant)

Mary (Elefant)
Mary, 13. September 1916, in Erwin (Tennessee)

Mary († 13. September 1916 in Erwin, Tennessee, USA; genannt Mighty Mary) war ein fünf Tonnen schwerer weiblicher asiatischer Elefant. Mary wurde in Erwin (Tennessee) gehängt.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Über Marys Herkunft ist nichts bekannt. Sie trat als Zirkuselefant auf in Sparks World Famous Shows. Berühmt wurde sie durch die Umstände ihres Todes.

Am 11. September 1916 hatte der Zirkus in Kingsport, Tennessee, den Hotelangestellten Red Eldridge als Hilfstrainer für die Elefanten angeheuert. Einen Tag später, am 12. September, kam Eldridge zu Tode, als er Mary zu einer nahe gelegenen Tränke führen wollte; der Elefant hatte ihm den Kopf zertreten.

Die Unklarheit über die näheren Umstände des Unfalls führten umgehend zur Sensationsberichterstattung in der lokalen Presse über die „mörderische Mary“, die angeblich bereits mehrere Arbeiter auf dem Gewissen habe, woraufhin die Bürger lautstark ein „Tötet den Elefanten!“ forderten, was wiederum den Sheriff des Ortes veranlasste, dem Zirkus jede Vorstellung zu untersagen, solange der Elefant zu ihm gehörte. Der Zirkusdirektor, Charlie Sparks, beschloss, dem von ihm befürchteten finanziellen Ruin mit dem Vorschlag, Mary öffentlich hinrichten zu lassen, entgegenzuwirken.

Tod

Am 13. September 1916 wurde Mary mit der Eisenbahn nach Erwin, Tennessee, transportiert, wo sich bereits 2500 Menschen, darunter auch die meisten Kinder des Ortes, am Bahnhof versammelt hatten. Vor den Augen des Publikums wurde Mary mit Hilfe eines auf einen Güterwagen montierten Industriekrans am Hals aufgehängt. Der erste Versuch schlug fehl, da eine Kette brach und Mary zu Boden stürzte und sich die Hüften brach. Der zweite Versuch, das schwerverletzte Tier aufzuhängen, gelang. Der Kadaver wurde anschließend neben der Bahnlinie vergraben.

Hintergrund und Nachwirken

Tierprozesse sind seit dem 13. Jahrhundert bis ins 18. Jahrhundert belegt; den Hintergrund dieser Rechtspraxis bildeten die Ketzer- und Hexenverfolgungen des Mittelalters und der frühen Neuzeit.[1] In einem Tierprozess der Gegenwart wurde der „Angeklagte“ namens Taro, ein Akita Inu aus Trenton, New Jersey, bekannt als der „Hund im Todestrakt“; er hatte im Jahre 1991 die Nichte seines Besitzers gebissen und blieb drei Jahre im Gewahrsam des Sheriffs, bis er, unter anderem durch die Fürsprache von Brigitte Bardot, 1994 begnadigt wurde mit lebenslänglichem Exil.[2]

Marys Ende führte in Folge zu widersprüchlichen Geschichten und Auslegungen. So wurde ihr Fall Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA als Beispiel für Tiermisshandlungen geführt, hingegen von anderer Seite die Geschichte ebenso wie ein kursierendes Hinrichtungsfoto in der Echtheit angezweifelt. Die offensichtlich retuschierte Fotografie konnte allerdings durch weitere Aufnahmen des Ereignisses in ihrer Herkunft bestätigt werden. Ähnlich wie die Zirkuselefanten Jumbo, der 1885 mit einer Lokomotive kollidierte, oder Topsy, die 1903 elektrokutiert wurde, verfügt Mary unterdessen über eine beachtliche Präsenz im englischsprachigen Internet.

Literatur

  • Peter Dinzelbacher: Das fremde Mittelalter. Gottesurteil und Tierprozess. Magnus-Verlag: Essen 2006. ISBN 978-3-88400-504-0
  • Hanne Tügel: Tiere vor Gericht. In: GEO Magazin 10, 2007; S. 218 –224
  • Stephan Oettermann: Die Schaulust am Elefanten. Eine Elephantographia Curiosa. Syndikat, Frankfurt am Main 1982; Verweis S. 73, Anm. 84

Einzelnachweise

  1. Peter Dinzelbacher: Das fremde Mittelalter. Gottesurteil und Tierprozess. Magnus-Verlag: Essen 2006
  2. Hanne Tügel: Tiere vor Gericht. In: GEO Magazin 10, 2007; S. 218 –224.

Weblinks


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