Myspace.com

Myspace.com
MySpace
Offizielles Logo
URL www.myspace.com
Slogan „A Place for Friends“
Kommerziell? Ja
Beschreibung Kleine-Welt-Netzwerk
Registrierung? für die meisten Dienste erforderlich
Sprachen mehrsprachig
Eigentümer News Corporation
Urheber Thomas Anderson, Chris DeWolfe

MySpace (von englischmy space“, „mein Raum/Platz“) ist eine mehrsprachige Website, die sich über Werbung finanziert und den Nutzern ermöglicht, kostenlose Benutzerprofile mit Fotos, Videos, Blogs, Gruppen usw. einzurichten. MySpace wird als der bekannteste Vertreter eines als Website realisierten Sozialen Netzwerks (Web 2.0) angesehen. In den USA gilt MySpace – im Gegensatz zum eher arbeitsnetzwerkorientierten Facebook – als das soziale Netzwerk für Privates und Freizeit.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Entwicklung

Logo der Betaversion

Ursprünglich war MySpace.com ein Anbieter für kostenlose Datenspeicherung im Internet. Erst im Juli 2003 gründete Tom Anderson die Community unter der gleichen Internetadresse. Das Unternehmen wurde im Juli 2005 vom Medienmogul Rupert Murdoch für 580 Millionen US-Dollar gekauft. MySpace hat laut Angaben in Vanity Fair vom 12. Juli 2007 etwa 180 Millionen Mitglieder.[1] Das 100-millionste Mitglied hat sich am 9. August 2006 angemeldet. Die Website verzeichnet täglich bis zu 230.000 neue Mitglieder.[2] Im sog. Control Panel findet sich eine Anzeige der aktuellen Statistiken. Demnach sind momentan etwa 260.000.000 (26. Dezember 2008) Mitglieder registriert. Die öffentliche Präsentation und soziale Verknüpfung hat laut New Scientist auch schon den US-amerikanischen Geheimdienst NSA aufmerksam gemacht.[3]

Das Besondere an MySpace war seit Gründung durch Tom Anderson der Schwerpunkt Musik. Anderson nutzte seine Kontakte zu Künstlern und Bands und überzeugte sie davon, sich „ihren MySpace“ einzurichten. Damit wurde es möglich, dass Bands und Fans miteinander in Kontakt treten konnten – und das war zu Beginn der größte Erfolgsfaktor der Website.

Heute werden viele Band-Spaces nicht mehr von den Musikern selbst, sondern von Fanclubs oder dem Management gepflegt. Dies ist natürlich vor allem bei bekannten Künstlern der Fall. Weniger bekannte Künstler pflegen ihren Space weiterhin selbst. Sie informieren über das Erscheinen von neuen Alben und Tourneedaten. Auch bieten die meisten Bands Hörproben einzelner Musikstücke an, manche sogar zum Download. Zusätzlich können sich die Nutzer eigene Seiten individuell einrichten, um damit etwas von sich preiszugeben, ganz getreu dem Motto „Sehen und Gesehen werden“. Für viele zählt, möglichst viele „Freundschaften“ zu schließen.

Durch den Schwerpunkt Musik bildeten sich im Laufe der ansteigenden Popularität auch Szenen in der MySpace-Community, die mit den Klangelementen der jeweiligen Künstler zusammenführt. Da Musiker aus verschiedenen Staaten per Internet miteinander kommunizieren können, ist eine Szeneentwicklung online verfügbar. Die Musiker, die ähnliche Musik machen, „freunden“ sich an und werben für den jeweils anderen durch Bulletins, Kommentare oder Blogeinträge.[4] Auch ist durch die Bildung von Szenen eine Möglichkeit der Musiker entstanden, Plattenlabels auf sich aufmerksam zu machen.

Seit dem Kauf der Domain myspace.com durch Rupert Murdoch zeichnet sich ein (von Murdoch auch angekündigter) Trend dahingehend ab, die Website für andere multimediale Inhalte, vor allem für Filme zu öffnen. Während Anderson ursprünglich allerdings vorwiegend kleine, unbekannte Künstler für MySpace gewinnen wollte, zielt Murdochs Strategie auf große, kommerzielle Filmprojekte ab. Inzwischen ist auch eine Compilation-CD erschienen, auf der ausschließlich Künstler zu hören sind, die über MySpace bekannt geworden sind und bei MySpace Records unter Vertrag stehen.

Im August 2006 wurde eine Kooperation mit Google vereinbart, die vorsieht, dass die Google-Suche sowie Google AdSense in MySpace integriert wird. MySpace erhält dafür zwischen 2007 und 2010 mindestens 900 Millionen Dollar.

Die eindeutige Ausrichtung auf den nordamerikanischen bzw. englischsprachigen Raum hat sich bisher jedoch noch nicht sichtbar verändert. Daher ist MySpace, die laut Alexa Internet sechst-beliebteste englischsprachige und sechst-beliebteste multilinguale Website, in Kontinentaleuropa eher weniger bekannt. Ende 2006 startete MySpace eine deutsche Betaversion, die im Januar 2007 bereits 2,5 Millionen Mitglieder hatte. Im Sommer 2007 wurde eine separate Österreich-Version bereitgestellt.[5]

Im November 2007 berichteten die Medien über MySpace in Verbindung mit dem Selbstmord von Megan Meier.[6]

Kritik

Kritik an MySpace gibt es aufgrund verschiedener Probleme mit Barrierefreiheit, Sicherheitslücken, gefälschte Profil-Seiten von Prominenten (Fakes), Verbreitung von Drohungen, Rassismus, Spam-Freundschaftsanfragen zu Werbezwecken und anderem. Ende Februar 2006 gab es Meldungen, dass über 7.000 Account-Daten im Internet kursieren sollten, da eine Sicherheitslücke ausgenutzt wurde und die Zugangsdaten dadurch ausgespäht werden konnten.[7]

In Internet-Marketing-Foren werden MySpace-Profile mit tausenden Kontakten verkauft, um es Spammern zu ermöglichen, kostengünstig sogenannte Bulletins, also Mitteilungen, an alle „Freunde“ zur selben Zeit zu verschicken. Auch sind bereits Programme (umgangssprachlich: Bots) entwickelt worden, um bis zu 500 Freunde pro Tag automatisiert einzuladen.

Einige nordamerikanische und europäische Schulen haben MySpace auf Schulrechnern gesperrt, da viele Schüler dank Notebooks und Wireless LAN ihre Unterrichtszeit gerne bei MySpace verbringen.

Ende März 2006 wurden rund 200.000 Benutzerseiten aufgrund allzu freizügiger Darstellungen und anderer Gründe gelöscht. Kritik äußerte sich nach einem Fall von sexuellem Missbrauch nach Kontaktanbahnung über das Portal, so wurde MySpace als ein „Jagdgrund für Pädophile“ bezeichnet. Aber auch von potenziellen jugendlichen Amokläufern, die zum Beispiel ihr Waffenarsenal präsentierten, sowie von Drohungen gegen Lehrer, Mitschüler und Schulen wurde berichtet.[8]

Anfang Dezember 2006 wurden alle vorhandenen Profile mit einer amerikanischen Sexualstraftäter-Datenbank abgeglichen. Als Grund für dieses Vorgehen wurde genannt, die Benutzer vor Belästigung zu beschützen. Dieses Vorgehen hat Kritik bei Datenschützern hervorgerufen.[9]

Ende Januar 2008 gelang es Unbekannten des Online-Forums TribalWar.com durch eine Sicherheitslücke bei MySpace Fotos herunterzuladen, die von den jeweiligen Benutzern eigentlich als privat deklariert wurden und nur von befreundeten Profilen aus zugänglich sein sollten. Über ein Programm wurden rund 44.000 Profile durchlaufen und etwa 500.000 private Bilder heruntergeladen, welche dann später als 17 Gigabyte große BitTorrent-Datei im Internet angeboten wurden.

Bei Löschungen von Accounts wird in der Regel lediglich eine Standard-Mail verschickt und den Benutzern keine konkreten Gründe genannt, weshalb der Firma vorgeworfen wird, willkürlich oder aus weltanschaulichen Gründen Accounts zu löschen.[10] Auch ein Forum zum Austausch von betroffenen Nutzern wurde inzwischen von MySpace entfernt.[11] Beispielsweise wurde die religionskritische Atheist and Agnostic Group, die zu einer der größten Nutzergruppen bei MySpace im weltanschaulichen Bereich angewachsen war, plötzlich und ohne Vorwarnung entfernt. Zehntausende Benutzer waren betroffen.

Sonstiges

In einer vom Pew Internet & American Life Project[12] am 8. Januar 2007 veröffentlichten Studie wird deutlich, dass 55 Prozent der amerikanischen Kinder im Alter von 12 bis 17 Jahren sich an sozialen Netzwerken im Internet beteiligen. Mädchen im Alter von 15 bis 17 Jahren nutzen mit 70 Prozent Seiten wie MySpace am meisten. Für sie sind diese Seiten vor allem Orte, an denen sie bereits bestehende Freundschaften pflegen, während Jungen sie auch als gute Gelegenheit zum Flirten betrachten.[13]

Einzelnachweise

  1. Vanity Fair: Wer auf MySpace versagt, wird nicht ins Oval Office kommen. 180 Millionen können nicht irren., 11. Juli 2007
  2. CNN: MySpace cowboys, 29. August 2006
  3. Spiegel Online: Datenmine der Geheimdienste?, 9. Juni 2006
  4. http://www.simplewelt.com/2008/01/myspace-szenen/
  5. Spiegel Online: Spiegel-Gespräch: "Jetzt geht's erst richtig los", 12. Januar 2007
  6. Spiegel Online: Spiegel-Bericht: "Cyber-Mobbing: Tod eines Teenagers", 18. November 2007
  7. heise online: Myspace-Account-Daten kursieren im Web, 21. Februar 2006
  8. Financial Times: MySpace acts to calm teen safety fears (englisch), 30. März 2006
  9. Myspace gleicht Nutzerprofile mit Sexualtäter-Datenbank ab, 12. Dezember 2006
  10. Peter Mühlbauer: "Bart Simpson Child Fucker". In: Telepolis. Heise, 10. März 2007 (HTML ; Stand: 10. März 2007). 
  11. http://www.myspace.com/myspaceprofiledeletions (Zugriff über Google-Cache möglich)
  12. Pew Research Center: Pew Internet & American Life Project: Social Networking Websites and Teens(englisch), 8. Januar 2006
  13. Financial Times, Aline van Duyn, Teenagers love social networking sites, 8. Januar 2007

Weblinks


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