Perchtenlauf

Perchtenlauf
Perchtengruppe aus St.Johann/Pongau

Perchten sind im alpenländischen Brauchtum vorkommende weibliche Schreckgestalten, die vor allem im Dezember und Januar auftreten. Sie weisen Ähnlichkeiten zum Krampus auf, der als Begleitung des Nikolaus auftritt. Ihr Name leitet sich vermutlich von der Sagengestalt der Perchta ab. Eine andere Theorie zu Namensgebung geht davon aus, dass sich der Begriff von Epiphanias, dem Dreikönigsfest am 6. Januar, ableitet.

Wichtiges Utensil der Perchten ist die Glocke, mit der der Winter ausgetrieben werden soll. Der Besuch von Perchten wird im Volksmund als glücksbringendes Omen hochgehalten. Inwieweit das Perchtenlaufen wirklich auf heidnische Bräuche zurückgeht, ist umstritten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte des Perchten-Brauchtums

Perchtenmaske aus St.Johann/Pongau

Eine Übertragung des Namens Perchta auf Dämonen und Geister findet man erstmals im 16. Jahrhundert. Deren wildes Treiben wurde in den folgenden Jahrhunderten im Zuge der Gegenreformation allerdings zunehmend als unchristlicher Aberglaube abgetan und es gab Anstrengungen seitens der katholischen Kirche dieses Brauchtum zu unterbinden. Eine Renaissance erlebten die Perchtenkulte erst wieder mit der Säkularisation und einer sich ändernden Einstellung zur Volkskultur im 19. Jahrhundert, und dann noch einmal gegen Ende des 20. Jahrhunderts.

Perchtenlaufen heutzutage

Figur aus dem Kärntner Perchten-Brauchtum

Vermehrt bis in die 50er Jahre und noch heute finden sich in manchen Orten in Süddeutschland und den Alpen die Perchtenläufe, insbesondere in der Zeit um den 5. Dezember (Krampustag, eigentlich nicht der Zeitpunkt für Perchten, sondern nur für Krampusse) und in der Nachweihnachtszeit (den Rauhnächten von Heiligabend bis Dreikönigstag, traditionellerweise haben Perchten auch nur in dieser Zeit etwas mit Brauchtum zu tun).

In Salzburg wurde das Fest der Perchta 1941 zum letzten Mal mit Masken gefeiert. So genannte Schönperchten (Tresterer) finden sich noch heute in Zell am See, Stuhlfelden und Unken. Neben den Schönperchten treten auch Schiachperchten (von bairisch schiach „hässlich“) auf, die eine hässliche oder greuliche Maske tragen. Weiters gibt es auch größere Perchtenläufe in Wiener Neustadt, Pitten, Aspang und Zöbern (Niederösterreich).

Auch in Bayern finden noch heute z. B. in Karlstein und Nonn bei Bad Reichenhall und im Rupertiwinkel in Ainring und Laufen (Salzach) Perchtenläufe statt. In Kirchseeon bei München wurde, angeregt durch ältere Überlieferungsfragmente, das Perchtenlaufen ab 1954 wieder zum jährlichen Brauch.

Bekannt ist der Pongauer Perchtenlauf, dieser findet abwechselnd in den vier Gemeinden: St.Johann/Pg, Altenmarkt, Bischofshofen und Bad Gastein am 6. Januar statt. Nachweislich wurden die ersten Perchtenläufe schon vor 1850 ausgetragen. Zu sehen sind unter anderem Tafelperchten, Kappenperchten, Habergoaß, Bären mit Treiber, der Rettenbachbock, Werchmandln sowie Jäger und Wilderer und Teufelsbrünnljäger als Figuren.

Die Wilde Jagd findet noch immer in einem der Orte rund um den Untersberg (Großgmain, Viehausen, Maxglan, Morzg, Grödig, Anif, Marzoll oder in Leopoldskron-Moos) ihre Darstellung. Und Schnabelperchten kennen Rauris, Wörth und Bad Gastein.

Im Gebiet des österreichischen Salzkammergut und im steirischen Ennstal lebt das Perchten-Brauchtum auch noch fort. Am Abend des 5. Januar kann sich jeder, der Lust und Laune dazu hat, als Percht verkleiden, um dann von Haus zu Haus zu ziehen, wo ihm, je nach Laune des Besitzers, Einlass gewährt wird und er reichlich bewirtet wird, oder nicht. Als Verkleidung dienen meist alte Stofffetzen (diese, oder im Hinterberg speziell Rosshaare, bedecken auch das Gesicht), als Ausnahme gilt Altaussee, wo es auch Pelzperchten (Bärigln) gibt. Der Percht kontrolliert das Haus auf Sauberkeit - ganz im Sinne der Frau Perchta-Sage - und darf, während er sein Gesicht noch verborgen hält, kein Wort sprechen.

Perchtengruppe und Passen

Viele dieser Perchtaufführungen sind aber eher als touristische Attraktion, denn als lebendiges Brauchtum zu bewerten. Es existieren jedoch noch eine Vielzahl von Passen, Vereinigungen, die Perchtenkostüme herstellen und Perchtenläufe veranstalten.

Das Perchtenlaufen vermischt sich mit einem anderen Brauch der Alpenregion, dem Krampuslaufen. Sinnentfremdet finden sich Perchtenkostüme auch bei verschiedenen Faschingsumzügen, seit neuestem auch zu Halloween.

Vom österreichischen Schriftsteller Richard Billinger gibt es ein Drama "Das Perchtenspiel" (1928).

Typische Perchtengestalten

Vogelpercht und Schönpercht im Volkskundemuseum Salzburg
Perchtenkostüm aus dem Ausseerland

Daneben finden sich zahlreiche lokale Formen, die teils für eine Ortschaft typisch sind.

Siehe auch

Literatur

  • Ernestine Hutter: Volkskundliche Sammlungen, Salzburger Museum Carolino Augusteum; 1986
  • Felix Müller, Ulrich Müller: Percht und Krampus, Kramperl und Schiach-Perchten. In: Ulrich Müller, Werner Wunderlich (Hrsg.): Mittelalter-Mythen 2. Dämonen-Monster-Fabelwesen. St. Gallen 1999, S. 449–460 (Webdokument, mit ausführlicher Biblographie)
  • Schweiggert, Alfons: Winter- und Weihnachtsgeister in Bayern. Geheimnisvolle Gestalten und Bräuche von Allerseelen bis Dreikönig. Bayerland Verlag, Dachau 1996

Medien

  • Von einer, die auszog das Gruseln zu lernen. Christine Untermoser (Red., Mod.), Elmar Weihsmann (Reg., Kam.), Stefan Peczelt (Ton, Schn.), Tigerline Filmproduktion, 2005

Weblinks

  • www.perchten.at Internationale vereinsübergreifende Plattform zum Perchtenwesen
  • [1] Homepage des Perchtenvereines Murau (Steiermark)

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