Seschellen

Seschellen
Republic of Seychelles (engl.)

République des Seychelles (frz.)
Repiblik Sesel (Seselwa)
Republik der Seychellen

Flagge der Seychellen
Wappen der Seychellen
Flagge Wappen
Wahlspruch: Finis Coronat Opus
Latein: „Der Abschluss krönt das Werk“
Amtssprache Seselwa, Englisch, Französisch
Hauptstadt Victoria
Staatsform Republik
Staatsoberhaupt und Regierungschef Präsident James Alix Michel
Fläche 455 km²
Einwohnerzahl 87.476 (Stand: 2009)
Bevölkerungsdichte 177 Einwohner pro km²
BIP nominal (2007)[1] 710 Mio. US$ (166.)
BIP/Einwohner 8.581 US$ (58.)
HDI 0,843 (50.)
Währung Seychellen-Rupie
Unabhängigkeit 29. Juni 1976 (vom Vereinigten Königreich)
Nationalhymne Koste Seselwa
Zeitzone UTC +4
Kfz-Kennzeichen SY
Internet-TLD .sc
Telefonvorwahl +248

Die Republik der Seychellen (dt.: Seychellen [zeˈʃɛlən], engl.: Seychelles[seɪˈʃɛlz], frz.: Seychelles [seˈʃɛl], seselwa.: Sesel) ist ein Inselstaat im Indischen Ozean. Dieser liegt östlich von Afrika und nördlich von Madagaskar und Mauritius. Zwischen Afrika und den Seychellen liegen die Komoren.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Republik besteht aus 115 Inseln und gliedert sich in 32 Gebirgsinseln (hauptsächlich Granitstein), welche die eigentlichen Seychellen darstellen, und in zahlreiche kleine Koralleninseln, die sogenannten Outer Islands, die auf einer Meeresfläche von über 400.000 km² verteilt liegen.

Die Inselgruppe um Mahé mit Praslin und La Digue, die „Inner Islands“ oder „Seychelles Bank“ genannt wird, ist die am dichtesten bevölkerte und damit wichtigste Inselgruppe des Landes. Wie auch die meisten anderen bewohnten Gebiete, gehören ihre Inseln zu den Gebirgsinseln. Auf Mahé ist auch der höchste Punkt des Landes zu finden, der Morne Seychellois, der 905 m über dem Meeresspiegel liegt. Rund um diese drei großen Inseln befinden sich mehrere kleine Inseln, die teilweise bewohnt, im Besitz von Hotelbetreibern oder aus Gründen des Naturschutzes völlig unbewohnt belassen werden. Alle sind beliebte Ausflugsziele für Touristen von den drei großen Inseln. Etwas davon abgelegen, also keiner „Mutterinsel“ zuzuordnen, und trotzdem zur „Seychelles Bank“ gehörend, liegen die Inseln Silhouette, Île du Nord (North Island), Frégate, Île Aride, Île aux Vaches und Île Denis.

Außerhalb der „Seychelles Bank“ erstrecken sich die Outer Islands, mit den Inselgruppen Aldabra (Hauptinseln liegen im Aldabra-Atoll), dem Cosmoledo-Atoll, der Farquhar-Gruppe mit den Atollen Farquhar und Providence, der Alphonse-Gruppe mit den Atollen Alphonse und St. François sowie der Gruppe der Amiranten mit Desroche als Hauptinsel. Von den anderen Gruppen abgelegen sind die Inseln Platte (etwa 135 km südlich von Mahé) und Coëtivy (290 km südlich von Mahé).

Auf den zahlreichen Koralleninseln existieren wegen der geringen Höhe (höchste Punkte bei 9 m über dem Meeresspiegel) und dem mangelnden Trinkwasser nur wenige, kleine Siedlungen. Das Klima ist wegen der Nähe zum Äquator tropisch und recht konstant, die Temperatur schwankt zwischen 24 °C und 30 °C. Die Niederschlagsmenge auf Mahe variiert zwischen 2.880 mm in der Hauptstadt Victoria und 3.550 mm in den Bergregionen.

Der Tsunami, der am 26. Dezember 2004 durch ein Seebeben vor Indonesien ausgelöst wurde, erreichte auch die Seychellen und verursachte Schäden.

Siehe auch

Bevölkerung

Die große Mehrheit der Bevölkerung (über 90 %), oft als „Kreolen“ bezeichnet, ist eher dunkelhäutig und gemischter Abstammung aus afrikanischen und madagassischen Sklaven und europäischen Siedlern und spricht Seselwa als Muttersprache. Daneben existiert eine Minderheit rein europäischer Abstammung sowie kleine chinesische und indische Minderheiten. Die große Mehrheit der Bevölkerung (90 %) ist katholisch, etwa 8 % sind Protestanten. Chinesen und Inder sind Anhänger der Religionen ihrer Herkunftsländer.

Geschichte

siehe Hauptartikel Geschichte der Seychellen

Es wird vermutet, dass die Inseln von arabischen Händlern entdeckt wurden. Die frühesten protokollierten Entdecker waren die Portugiesen, welche die Inseln erstmals 1505 erwähnten. Obwohl sie der westlichen Welt bekannt waren, wurden die Seychellen erst 150 Jahre nach ihrer Entdeckung von den Franzosen besiedelt.

Von 1794 bis 1811 kam es im Zuge des größeren Konflikts zwischen dem napoleonischen Frankreich und dem Vereinigten Königreich zum Konflikt um die Inseln, aus welchem die Briten als Sieger hervorgingen. Die Seychellen wurden unter der britischen Herrschaft Teil von Mauritius. Am 31. August 1903 erhielten die Seychellen den Status einer eigenständigen Kolonie.

Selbstverwaltung erlangten die Seychellen 1970, Unabhängigkeit 1976. Die so genannte erste Republik wurde aber erst 1976 gegründet und 1979 zugunsten eines Ein-Parteien-Regimes, der zweiten Republik, abgeschafft. Erst 1993 trat die aktuelle Verfassung, die dritte Republik, in Kraft, die wieder mehrere Parteien zulässt. Regierungspartei ist die ehemalige Einheitspartei Seychelles People’s Progressive Front (SPPF).

Politik

Der Präsident der Seychellen ist seit dem 14. April 2004 James Alix Michel (* 1944). Er löste France-Albert René ab, der zuletzt 2001 mit 54 % der Stimmen in seinem Amt bestätigt wurde und im März 2004 sein Amt als Präsident der Seychellen niederlegte. Michel hatte bisher das Amt des Vizepräsidenten inne. Die Präsidentschaftswahlen finden alle fünf Jahre (seit 2001 getrennt von den Parlamentswahlen) statt. Das Staatsoberhaupt ist in den Seychellen gleichzeitig auch der Regierungschef und setzt die Richter der zwei höchsten Gerichte ein. 2006 wurde James Alix Michel wieder gewählt.

Das Parlament (genannt: National Assembly oder Assemblee Nationale) besteht aus 34 Abgeordneten, von denen 25 direkt gewählt werden, die restlichen neun Sitze werden proportional zu allen Stimmen an die Parteien verteilt, die mindestens zehn Prozent der Stimmen erhalten haben.

Bezirke

Die Seychellen haben 25 Regierungsbezirke, nach geographischen Bezirken (Hauptorte in Klammern):

Greater Victoria

  • La Rivière Anglaise
  • Mont Buxton
  • Saint Louis
  • Bel Air
  • Mont Fleuri
  • Roche Caiman
  • Les Mamelles
  • Plaisance

Rural Mahé

  • Anse aux Pins
  • Anse Boileau (Anse Boileau)
  • Anse Étoile
  • Anse Louis
  • Anse Royale
  • Baie Lazare
  • Beau Vallon (Beau Vallon)
  • Bel Ombre (Bel Ombre)
  • Cascade (Cascade)
  • Glacis
  • Grand' Anse (Mahé)
  • Pointe La Rue
  • Port Glaud (Port Glaud)
  • Takamaka (Takamaka)

Praslin

  • Baie Sainte Anne (Anse Volbert)
  • Grand' Anse (Praslin) (Grande Anse)

La Digue und restliche Inner Islands

Wirtschaft

Das Wirtschaftssystem ist begrenzt frei; es herrscht Annahmepflicht für die nicht-konvertierbare Währung Rupie, deren Wert auf dem freien Markt nur etwa drei Viertel des amtlich festgesetzten Kurses beträgt. Marktpreise werden konsequent verfälscht. Der Staat gilt seit Mitte 2008 als zahlungsunfähig[2].

Tourismus

Die Hauptstadt Victoria
Île St. Pierre
Flughafen auf der Insel Mahe

Der Fremdenverkehr beschäftigt ca. 30 Prozent der arbeitenden Bevölkerung die damit 70 Prozent des Volkseinkommens erwirtschaften. In den vergangenen Jahren wurde von privaten Investoren massiv in den Neu- und Ausbau von Hotels investiert, primär im Fünfsternebereich. Die Risiken dieser Monokultur sind bekannt, die Geographie der Seychellen verhindert jedoch weitgehend die Ansiedlung von Export-Industrie.

Verkehr

Auf Mahé befindet sich der internationale Flughafen der Seychellen. Air Seychelles verbindet alle großen Inseln untereinander und fliegt Städte in Europa und Asien an. Des Weiteren fliegen Condor Flugdienst, Air France, Qatar Airways, Emirates, British Airways, Air Austral, Kenya Airways und Air Mauritius nach Mahé. Schnellboote verbinden Mahé mit Praslin, La Digue und Fregate.

Staatsausgaben

Zwischen 1992 und 2000 lag der Anteil der Staatsausgaben für

Die Seychellois genießen außerdem ein überaus dichtes soziales Netz.

Umwelt

Luftbild: Anse Source D’Argent
Der Strand Anse Lazio auf Praslin
Sonnenuntergang auf den Seychellen

Die Seychellen verfügen über zwei Orte, die von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt wurden. Das Umweltschutzprogramm weist 20 Schutzgebiete aus und kennzeichnet weitere 370 Orte, deren Natur besonderen Schutzes bedarf. Das Tauchen ist in den Gewässern der Seychellen ein Erlebnis – aber nur zum Anschauen. Taucher dürfen nichts aus dem Meer mitnehmen und Harpunen sind verboten. Segler finden spezielle Ankerplätze vor, um die Korallenriffe vor Schäden von Schiffsankern zu schützen.

Hinter all dem Bestreben steht das Bewusstsein, dass die Seychellen Meeresoasen sind, die sich in Millionen von Jahren kaum verändert haben. Es existieren weder Tropenkrankheiten noch Wirbelstürme, kaum Armut oder Verbrechen und keine giftigen Lebewesen.

Die Seychellen sind Heimat von 75 Pflanzenarten, zwölf Amphibien- und 209 Vogelarten (davon 10 endemische Arten) und über 1.000 Arten wirbelloser Tiere, die alle eines besonderen Schutzes bedürfen. Die Regierung des Landes hat deshalb 230 km² Wasserfläche und etwa 49 % der insgesamt 455 km² Landfläche (210 km²) als Naturschutzgebiete ausgewiesen, darunter auch einige Inseln in ihrer Gesamtheit. Gemessen an der Grundfläche verfügen die Seychellen damit über den größten Anteil an Naturschutzgebieten auf der ganzen Welt.

Auf den Seychellen existiert eine reiche endemische Flora und Fauna, allein drei Arten von Riesenschildkröten. Vor allem auf dem Aldabra-Atoll findet man die weltgrößte Kolonie von Riesenlandschildkröten, mit 150.000 Aldabra-Riesenschildkröten. Auch der letzte überlebende flugunfähige Vogel des indischen Ozeans, die Weißkehlige Ralle, ist hier beheimatet. Das Vallée de Mai („Maital“) auf Praslin – von der UNESCO zum Weltnaturerbe erklärt und von der „Seychelles Island Foundation“ (SIF) verwaltet, die 1979 eigens zu diesem Zweck gegründet wurde – ist die Heimat des Seychellen-Vasapapageis (Coracopsis nigra barklyi) und der berühmten Seychellennuss, der „Coco de Mer“. Auf der Hauptinsel Mahé sowie auf Silhouette ist die dort endemische Familie der Seychellenfrösche anzutreffen. Daneben kann man auch auf den geschützten Inseln Aride, Cousin und Curieuse seltene Tiere und Pflanzen beobachten. Bemerkenswert sind auch die in den Granitfelsen der Inseln, v. a. an den Küsten, auftretenden Verkarstungserscheinungen Silikatkarst, karrenähnliche, meist vertikal verlaufende Rinnen, die durch Gesteinslösung unter tropischen Bedingungen entstanden.

Das Umweltministerium ist für die Verwaltung und den Schutz bedrohter Arten und ihrer Lebensräume und für die Nationalparks verantwortlich. Die 1982 ins Leben gerufene Umweltkommission (SNEC) überwacht die Einhaltung von Vorschriften und erstellt in regelmäßigen Abständen Zustandsberichte für Boden, Wasser, Flora und Fauna sowie über die Luft-, Wasser- und Lärmbelastung.

Schon früh in der noch jungen Geschichte des Landes schloss die Republik Seychellen die Umwelt als Unterpunkt des Kapitels Fremdenverkehr in den „Nationalen Entwicklungsplan“ (NDP) ein und entwarf einen „Umwelt-Management-Plan“ (EMPS), der bis zum Ende des zweiten Jahrtausends reicht. Letzterer beschreibt eine Vielzahl von umweltpolitischen Projekten in Bereichen wie Überwachung von Schadstoffemissionen, Abfallverwertung, Verwaltung natürlicher Ressourcen, Energieeinsparung, Schutz bedrohter Tierarten, Umweltgesetzgebung sowie Information, Aus- und Weiterbildung zum Thema Umweltschutz bei der einheimischen Bevölkerung. In diesen Plänen erklären die Seychellen, dass sie sich verpflichten, ihre Umwelt und ihre Natur zu bewahren und sicherzustellen, dass sich die Bedürfnisse nach Wohnraum und Infrastruktur in die natürliche Umgebung einfügen. Die Seychellen, so heißt es dort weiter, dürften nicht zulassen, dass sich der Tourismus auf Kosten der Umwelt entwickle, wie dies andernorts geschehen sei. Aus diesem Grund ist das Umweltministerium bereits in den frühen Planungsstadien an Fremdenverkehrsprojekten beteiligt und fordert Umweltverträglichkeitsstudien für alle größeren Vorhaben.

Unter dem Stichwort „sustainable development“ sind alle beteiligten Stellen direkt dafür verantwortlich, dass keine ihrer Maßnahmen der Umwelt schadet, sondern, im Gegenteil, zu einer Entwicklung beiträgt, die sowohl unter ökologischen wie auch ökonomischen Gesichtspunkten tragbar ist.

Jedes Jahr besuchen mehr als 120.000 Touristen die Seychellen. Obwohl das Land einen erstaunlich hohen Lebensstandard erreicht hat, ist es den nur 81.000 Einwohnern kaum möglich, den Schutz von Umwelt und Natur ganz allein und ohne Unterstützung von außen zu finanzieren. Deshalb appelliert die Regierung der Seychellen an alle, die die natürlichen Vorzüge des Landes genießen, sich auch finanziell an deren Erhalt zu beteiligen.

Aus diesem Grunde haben die Seychellen ein umfassendes Umwelt- und Naturschutzkonzept entwickelt. Der Umweltschutz genießt seit Juni 1993 in der neuen Konstitution der „Dritten Republik“ der Seychellen Verfassungsrang. Artikel 38 garantiert das Recht der Bürger auf eine „saubere, gesunde und ökologisch ausgewogene Umwelt“, während Artikel 40(e) jeden Bürger verpflichtet, die Umwelt zu schützen, zu erhalten und zu verbessern. Der kleine Staat möchte sich als Modell für einen ökologisch verantwortlichen Fremdenverkehr präsentieren, der einer dauerhaft gesunden Umwelt größere Bedeutung beimisst als kurzfristigen Besucherzuwächsen.

Die Naturlandschaft ist der Reichtum des an Rohstoffen armen Landes und die Seychellen verstehen sich nicht als Besitzer, sondern als Hüter dieses Schatzes. Das geht so weit, dass die ursprünglichen Landbesitzer, Einheimische und Zugewanderte, durch die Regierung enteignet wurden, um große Hotelkomplexe zu errichten. Urlaub in einer einzigartigen Umgebung, die geprägt ist von geologischen Naturwundern (Silikatkarst) und einer vielfältigen Flora und Fauna ist ein unvergessliches, unersetzliches und für viele einmaliges Erlebnis. Um sicherzustellen, dass sich dieses wertvolle Gut, das die Seychellen hüten, nicht erschöpft, sind umfangreiche Maßnahmen und Initiativen zur Erhaltung notwendig. Die Seychellen haben in den vergangenen beiden Jahrzehnten vorausschauend Millionen von Euro in die Entwicklung einer umweltverträglichen und dauerhaft lebensfähigen Fremdenverkehrs- und Freizeitindustrie investiert und gleichzeitig in den Erhalt seltener Tier- und Pflanzenarten.

Nationalparks:

  • Ste. Anne Marine (1973)
  • Morne Seychellois (1979)
  • Baie Ternay Marine (1979)
  • Curieuse Marine (1979)
  • Port Launay Marine (1979)
  • Praslin (Valle de Mai, Maital) (1979) – UNESCO World Heritage Site
  • Silhouette Marine (1987)

Special Reserves:

  • Aride Island (1975)
  • Cousine Island (1975)
  • Aldabra (1981) – UNESCO World Heritage Site
  • La Digue Veuve (1991)

Sehenswürdigkeiten

Der Strand von Anse Source d`Argent erlangte Berühmtheit durch Werbespots von Bacardi, Rafaello und anderen Firmen. Er befindet sich auf der viertgrößten Insel der Seychellen, La Digue. Auf der zweitgrößten Insel, Praslin, befindet sich der Strand Anse Lazio. Auf Praslin findet man auch die weltberühmte „Coco de Mer“. Es handelt sich hierbei um die weltweit größte Kokosnuss, die ihren Namen durch ein Missverständnis erhielt. Als man die „Coco de Mer“ auf Sri Lanka entdeckte, glaubte man, dass diese Kokosnuss unter Wasser wächst, daher Coco de Mer. Ebenfalls sehenswert ist Bird Island. Dort befindet sich die älteste Riesenschildkröte der Welt, Esmeralda.

Projekte zum Schutz der Natur

Von den 455 km² Landfläche der Seychellen ist etwa ein Viertel bewaldet. Die sieben Nationalparks nehmen insgesamt eine Fläche von 43,8 km² ein, die vier Sonderreservate noch einmal 154,8 km². Zu diesen Gebieten zählen auch die beiden „World Heritage Sites“ der UNESCO. Dazu kommen noch sechs weitere Schutzgebiete. Insgesamt hat man auf den Seychellen 4.000 Tier- und 850 Pflanzenarten identifiziert; davon werden 60 bzw. 13 Arten als bedroht eingestuft. In den ersten beiden Jahrzehnten ihrer staatlichen Unabhängigkeit haben die Seychellen internationale Abkommen ratifiziert, die u. a. den Handel mit bedrohten Arten, den Walfang, sowie die Herstellung, Erprobung und Stationierung von ABC-Waffen im Hoheitsgebiet der Seychellen verbieten, die Handhabung und Entsorgung giftiger Abfälle regeln und den Schutz der Meere, der Küstenregionen, der Ozonschicht, der natürlichen Ressourcen und des Weltnatur- und Kulturerbes gewährleisten.

Neben der Regierung der Seychellen haben sich auch zahlreiche unabhängige Organisationen auf den Seychellen dem Umweltschutz verschrieben: ENVI.R.O, der Nature Protection Trust, die Seychelles Geosociety und die vielen Wildlife Clubs, die schon die Kinder an Umweltthemen heranführen.

Hier seien einige Beispielen aufgezeigt, in welche Maßnahmen die Seychellen investiert haben und weiter investieren werden, um den Erhalt der Natur zu sichern, die natürlichen Ressourcen zu schützen und Schäden abzuwenden oder auszubessern. Auch wenn das Ziel hochgesteckt ist, wird am Ende – davon ist die Regierung der Seychellen überzeugt –, das Bewusstsein der weltweiten Mitverantwortung für die begrenzte Zahl der noch verbleibenden Naturschätze auf diesem Planeten obsiegen.

Im Jahr 1903 wurde bereits der heute noch existierende Botanische Garten bei Victoria eröffnet. Er diente schon damals nicht nur der Erbauung, sondern auch der Forschung an landwirtschaftlich nutzbaren Pflanzen. Mit der Zeit jedoch wurde das Areal des Gartens an der Mont Fleuri Road zu klein. Schon 1985 begann man deshalb mit Planungen für ein modernes und größeres Zentrum dieser Art. Bei Barbarons an der Westküste Mahés entsteht nun ein neues Biodiversity Centre, das einen weitaus größeren botanischen Garten, Baumschulen und einen Naturpark umfassen wird. Im Informationszentrum wird der interessierte Besucher alles über die Bedeutung und den Nutzen der Pflanzen erfahren können, während in den Labors die Forschung vorangetrieben wird.

Das Herbarium, das sich derzeit noch in der Obhut des Nationalarchivs befindet, hilft bei der Identifikation von Pflanzen. Die gesamte Einrichtung wird für Erholungssuchende und Wissbegierige, für Erwachsene wie für Schulkinder, für Einheimische wie für Besucher aus dem Ausland gleichermaßen interessant sein. Das Zentrum wird Hilfen bieten für Blinde und zugänglich sein für Besucher, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind. Während man im alten Botanischen Garten exotische Pflanzen aus aller Welt findet, wird das neue Biodiversity Centre hauptsächlich die einheimische Flora des Indischen Ozeans allgemein und der Seychellen im besonderen präsentieren. Indem alle Vegetationszonen der Seychellen auf kleinem Raum nachgebildet werden, können alle endemischen Pflanzen hier angesiedelt und so vor dem Aussterben bewahrt werden.

Über einen Zeitraum von zehn Jahren wird dieses Projekt, vorsichtig geschätzt, etwa zwölf Millionen Euro verschlingen. Am Ende der langen Bauzeit wird man dafür wohl ein pflanzenkundliches Zentrum besichtigen können, das einen Vergleich mit den besten Einrichtungen seiner Art auf der ganzen Welt nicht zu fürchten braucht. Aber nicht immer ist die Verwendung der Finanzmittel für den Naturschutz so spektakulär und offensichtlich: Im Jahr 1997 haben die Seychellen einen zunächst auf fünf Jahre (1998–2003) angelegten Aktionsplan der Artenvielfalt (National Biodiversity Strategy and Action Plan = NBSAP) erstellt.

Die einheimische Vogelwelt der Seychellen gehört zu den artenreichsten im gesamten westlichen Indischen Ozean. Durch die isolierte Lage des Archipels haben sich hier 15 Arten und 18 Unterarten entwickelt, die es nur auf den Seychellen gibt. Durch diese Besonderheit zählen sowohl die Granitinseln als auch das Aldabra-Atoll zu den 218 Endemic Bird Areas (EBA), die man weltweit identifiziert hat.

Im Jahre 1998 wurde die Organisation BirdLife Seychelles ins Leben gerufen und übernahm Projekte und Programme, die zuvor unter der Obhut von BirdLife International, darunter das Sonderreservat Cousin Island, das schon seit 1968 von BirdLife verwaltet wird. Auf dieser Insel wurde die von Menschen angelegte Kokosnussplantage wieder durch den ursprünglich vorhandenen Urwald ersetzt. Seitdem wurden hier sehr erfolgreich die Bestände der Seychellengrasmücke (Acrocephalus seychellensis) wieder erweitert – von nur 29 Exemplaren auf inzwischen wieder über 1.000.

Außerdem wurde der Seychellendajal (auch Schamadrossel genannt) von der Insel Frégate eingeführt, wo auch die Population dieser Vogelart bereits auf 20 Exemplare zurückgegangen war. Dort wurden ebenfalls die Bestände wieder erheblich erweitert, nachdem man von Menschen eingeführte Raubtiere von der Insel verbannt hatte. Die gesamten Bauarbeiten an der Hotelanlage auf Frégate wurden von den Naturschützern überwacht, um sicherzustellen, dass die Vögel keinen Schaden nahmen.

Die Umsiedlungsprogramme zwischen den Seychelleninseln gehören zu den wenigen geglückten Vorhaben dieser Art in der Welt.

Ein großangelegtes Projekt zum Ökosystem-Management soll nicht nur seltenen, vom Aussterben bedrohten Vogelarten wie der Seychellen-Zwergohreule (Otus insularis), der Seychellendajal (Copsychus seychellarum) und dem Paradiesfliegenschnäpper (Terpsiphone corvina) helfen, die Populationen wieder zu vergrößern, sondern insgesamt die Artenvielfalt in den drei Ökosystemen, in denen diese Vogelarten heimisch sind, wieder erweitern.

Das Projekt mit der Bezeichnung Management of Avian Ecosystems in the Seychelles wird insgesamt 0,95 Millionen Euro kosten, von denen der Umweltfond der Weltbank 0,61 Millionen Euro, BirdLife Seychelles 200.000 Euro und die Regierung der Seychellen 90.000 Euro tragen.

Korallenriffe gehören, neben den tropischen Regenwäldern, zu den artenreichsten Lebensräumen der Erde. Mit einem Jahresfang von über einer Megatonne Fisch hängt die Wirtschaft der Seychellen in großem Maß von diesem Lebensraum ab. Außerdem dienen die Riffe als Wellenbrecher und schützen Küsten vor Erosion. Im Jahre 1998 wurden allein 100.000 Euro (davon 70.000 Euro in Devisen) in den Bau von umweltfreundlichen Ankerplätzen (embedment moorings) investiert, die die Korallen vor Beschädigungen durch Schiffsanker schützen. Durch die natürliche Erwärmung des Meerwassers (El Niño) auf der Südhalbkugel in den letzten Jahren, deren Ursachen noch nicht vollständig erforscht sind, wurden möglicherweise drei Viertel des Korallenbestandes der Seychellen durch Ausbleichen und Absterben in Mitleidenschaft gezogen. In Pilotstudien zur Wiederherstellung der Riffe soll nun durch die neue Biorock-Technologie („mineral accretion“) versucht werden, das Ökosystem Riff neu zu beleben. In der Nähe beschädigter natürlicher Korallenriffe werden zu diesem Zweck stählerne Kunstriffe verankert, auf denen nach künstlich beschleunigter Kalksteinbildung Korallen „angepflanzt“ werden. Die Fortschritte werden durch Unterwasserkameras laufend überwacht. Über einen Zeitraum von vier Jahren (1999–2002) kostete das Projekt ca. 250.000 Euro. Die Stahlgerüste müssen aus dem Ausland importiert werden, wozu das Land rund 60.000 Euro an Devisen benötigt.

Quellen

Traumstrand auf La Digue
  1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Database, April 2008
  2. Zahlungsausfall für Seychellen-Bonds droht

Weblinks

-7.152.7666666666677Koordinaten: 7° S, 53° O


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