Tragelaphus eurycerus

Tragelaphus eurycerus
Bongo
Bongo

Bongo

Systematik
Ordnung: Paarhufer (Artiodactyla)
Unterordnung: Wiederkäuer (Ruminantia)
Familie: Hornträger (Bovidae)
Unterfamilie: Bovinae
Gattung: Tragelaphus
Art: Bongo
Wissenschaftlicher Name
Tragelaphus eurycerus
(Ogilby, 1837)

Der Bongo (Tragelaphus eurycerus) ist eine afrikanische Antilope. Von seinen nächsten Verwandten, dem Kleinen Kudu (Tragelaphus imberbis), Großen Kudu (Tragelaphus strepsiceros), der Nyala-Antilope (Tragelaphus angassii) sowie der Sitatunga-Antilope (Tragelaphus spekei) unterscheidet er sich am auffälligsten dadurch, dass bei ihm auch die Weibchen Hörner tragen. Wegen dieses Umstands wird er gelegentlich auch einer eigenen Gattung Boocercus zugeordnet; auch eine nähere Verwandtschaft mit den Elenantilopen ist möglich, dafür sprechen die horntragenden Weibchen, die ähnliche Schwanzform und das Fehlen von Leistendrüsen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Schulterhöhe des Bongos beträgt 1,25 m. Die Männchen sind mit einem Gewicht bis zu 280 kg erheblich schwerer als die Weibchen, die bis zu 253 kg wiegen können (Daten von Wildfängen aus Kenia von 1971).

Beide Geschlechter tragen ein leierförmig gewundenes Gehörn, das bis zu 100 cm lang wird. Die Hörner der weiblichen Tiere sind dünner und schmaler und laufen enger zusammen als die der Bullen. Das leuchtend rot- bis kastanienbraune Haarkleid ist auf beiden Körperseiten mit 10 bis 16 schmalen, weißen Streifen markiert. Bullen sind kräftiger gefärbt als die Bongokühe. Mit zunehmendem Alter wird das Haarkleid dunkler. Die Streifen beginnen in der Rückenmähne und reichen bis zum Bauch/zu den Keulen. Die Bauchseite ist dunkler, und die Vorderläufe und der Kopf tragen eine auffällige schwarzweiße Musterung.

Lebensweise

Der Bongo lebt in dichten Wäldern, manchmal sogar im Bambusdickicht. Hier ist der Bongo zwar tagaktiv, lebt aber so verborgen im dichtesten Gebüsch, dass man ihn kaum jemals zu Gesicht bekommt.Der Bongo ernährt sich außer vom Laub von verschiedenen anderen Pflanzen.

Die Männchen sind Einzelgänger, die Weibchen leben mit den Nachkommen in Verbänden von etwa fünf bis zwanzig Tieren. In Zoos kann man die Tiere in größeren Gruppen mit einem adulten Bullen halten. Auf die Schreckhaftigkeit der Tiere muss unbedingt Rücksicht genommen werden.

Fortpflanzung

Ein einzelnes Junges wird nach einer Tragzeit von 282-291 Tagen geboren. In zoologischen Gärten wurden bis 1997 1.090 Bongokälber geboren (Aufzuchtquote 80%, steigende Tendenz). Bei nur sechs dieser Geburten handelte es sich um Mehrlingsgeburten (fünf Zwillingsgeburten und eine Drillingsgeburt). Das Geburtsgewicht beträgt 17-27 kg, Bullkälber sind meistens schwerer als Kuhkälber; männliche Zwillinge wogen knapp 20 kg (Zoo Wuppertal 1999). Neugeborene Bongos haben eine Schulterhöhe von 70 cm. Die Kopf-Rumpf-Länge wurde mit rund 90 cm gemessen. Bongogeburten finden das ganze Jahr über statt, es gibt keine feste Wurfzeit.

Im Alter von knapp zwei Jahren werden Bongos geschlechtsreif, die Mehrzahl der in Zoos geborenen Bongokühe bekam ihr erstes Kalb im dritten Lebensjahr. Die Fruchtbarkeit hält bis ins hohe Alter an, mehrere Bongokühe züchteten noch im Alter von 17 Jahren. Bongokühe kommen alle drei Wochen für etwa drei Tage in Hitze. Der Östrus ist aber auch für erfahrene Tierpfleger schwer zu erkennen, Anhaltspunkt kann Verhalten des Bongobullen sein. Mehrere Paarungen am Tag.

Bongos sind keine besonders langlebigen Tiere, nur wenige in Zoos gehaltene Bongos wurden 15 Jahre oder älter; der Altersrekord (Bongokuh) liegt bei knapp 21 Jahren, der langlebigste Zoo-Bongobulle wurde mindestens 16 Jahre alt (Stand 1997).

Unterarten & Verbreitung

Man unterscheidet zwei Unterarten, den Westlichen Bongo (Tragelaphus eurycerus eurycerus) und den Östlichen Bongo oder Kenia-Bongo (Tragelaphus eurycerus isaaci). Während ersterer in den großen Regenwäldern West- und Zentralafrikas noch als relativ häufig gilt (obwohl auch seine Bestände infolge der Waldzerstörung zurückgehen), lebt letzterer in den kleinen Waldgebieten Kenias und Ugandas und gilt als bedroht.

Bongos in Zoos

Seit den Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts gelangten Bongos als Einzeltiere in Zoologische Gärten (Zoo Paris, Zoo London, Zoo Rom, Bronx Zoo New York, Zoo Cleveland, Zoo Antwerpen, Zoo Omaha). Die erste Bongogeburt in Menschenobhut erfolgte 1936 auf einem Schiff auf dem Seeweg von Kenia nach London von einer trächtig gefangenen Bongokuh. Das erste in Menschenobhut gezeugte und geborene Bongokalb kam 1971 im Zoo Washington D.C. zur Welt. Seit 1968 wuchsen durch die Bongoimporte aus Kenia die Bestände in Zoologischen Gärten mit regelmäßigen Zuchterfolgen rasch an. Die europäische Erstzucht (tragend importierte Bongokuh) gelang im Zoo Antwerpen 1972, das erste in Europa gezeugte Bongokalb kam 1973 im Frankfurter Zoo zur Welt. Mittlerweile sind Bongos "häufige" Zootiere. 1977 gab es noch 73 in Zoos gehaltene Bongos, 1987 bereits 213. 2008 registriert die Zoo-Datenbank ISIS 490 weltweit in wissenschaftlich geleiteten zoologischen Gärten gehaltene Bongos, davon 232 in Europa. Es ist sehr wahrscheinlich, dass es heute in den Zoos der Erde mehr Bongos gibt als in Kenia selbst. Auch alle heute in zoologischen Einrichtungen lebenden Bongos stammen aus Kenia. Bisher wurden nur wenige nicht in Kenia gefangene Bongos in Zoos gezeigt, diese hatten aber bisher keine lebenden Nachkommen und sind auch nicht mehr am Leben. Für den Östlichen Bongo (Tragelaphus euryceros isaacii) besteht ein Zuchtbuch im Rahmen des Europäisches Erhaltungszuchtprogramm. EEP-Koordinator ist Jake Veasey im Woburn Safari Park, Woburn (Bedfordshire).

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