Virolainen

Virolainen

Johannes Virolainen [ˈjɔhɑnːɛs ˈvirɔlɑi̯nɛn?/Info/IPA (* 31. Januar 1914 in der Landgemeinde Viipuri); † 11. Dezember 2000 in Lohja) war ein finnischer Politiker und Ministerpräsident.

Inhaltsverzeichnis

Karelische Herkunft und Zweiter Weltkrieg

Virolainen wurde nahe der karelischen Stadt Viipuri geboren, die damals die zweitgrößte Stadt Finnlands war. Nach dem Fortsetzungskrieg zwischen Finnland und der Sowjetunion von 1941 bis 1944 fiel Karelien an die Sowjetunion. Virolainen wurde anschließend evakuiert und ließ sich in Lohja nieder, wo er einer der Vorsitzenden der karelischen Flüchtlinge wurde.

Virolainen, der überzeugtes Mitglied der Abstinenzbewegung war, sagte einmal, dass er sein erstes Bier trinken würde, wenn die Sowjetunion Karelien an Finnland zurückgäbe.

Politische Laufbahn

Abgeordneter, Parteivorsitzender und Parlamentspräsident

Virolainen begann seine politische Laufbahn 1945 mit der Wahl zum Abgeordneten des Reichstags. Dort vertrat er bis 1983 sowie später erneut von 1987 bis 1991 die Interessen des Landbundes, der sich 1965 in Finnische Zentrumspartei (KESK) umbenannte.

Nach der Umbenennung des Landbundes in KESK wurde er 1965 zum Vorsitzenden der Zentrumspartei gewählt. Dieses Amt übte er bis 1980 aus und war neben dem damaligen Staatspräsidenten Urho Kekkonen der zweitmächtigste Mann der KESK.

Von 1966 bis 1968 sowie von 1979 bis 1983 war er auch Präsident des Reichstags.

Minister und Ministerpräsident 1964 bis 1966

Virolainen gehörte zwischen 1950 und 1979 mehreren Regierungen als Minister in unterschiedlichen Ressorts an. Mit 6169 Amtstagen als Minister und Ministerpräsident hatte er die längste Amtszeit aller finnischen Minister.

Von 1950 bis 1951 war er Vizeminister für Inneres. Später war er Minister in der Staatskanzlei (1951 und 1956 bis 1957). Darüber hinaus war er Erziehungsminister (1953, 1954 und 1956 bis 1957). Von Oktober 1954 bis März 1956, von Mai bis November 1957 sowie von August bis Dezember 1958 war er Außenminister. Daneben war er 1961 bis 1962 sowie 1962 bis 1963 Landwirtschaftsminister. Er war des weiteren 1957, 1958 und 1962 bis 1963 Stellvertretender Ministerpräsident.

Am 12. September 1964 wurde er selbst Ministerpräsident einer Koalitionsregierung aus KESK, Schwedischer Volkspartei (SFP-RKP), Liberaler Volkspartei sowie Nationaler Sammlungspartei (Kokoomus). 1965 wurde er zudem zum Vorsitzenden der KESK gewählt. Nach dem Linksrutsch bei den Parlamentswahlen vom März 1966 trat Virolainen am 27. Mai 1966 als Ministerpräsident zurück und wurde von Rafael Paasio von der sozialdemokratischen Partei abgelöst.

Virolainen war 1968 bis 1970 erneut Stellvertretender Ministerpräsident und Erziehungsminister. Er war 1972 bis 1975 Finanzminister, 1976 bis 1979 Minister für Land- und Forstwirtschaft sowie schließlich 1977 bis 1979 zusätzlich wiederum Stellvertretender Ministerpräsident.

Zuletzt kandidierte Virolainen 1982 erfolglos gegen Mauno Koivisto für das Amt des Staatspräsidenten.

Biographische Quellen und Hintergrundinformationen


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно решить контрольную?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Johannes Virolainen — 1955 Johannes Virolainen  [ˈjɔhɑnːɛs ˈvirɔlɑi̯nɛn] (* 31. Januar 1914 in der Landgemeinde Viipuri); † 11. Dezember 2000 …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes Virolainen — (Audio|Fi Johannes Virolainen.ogg|pronunciation) (January 31 1914 – December 11 2000) was a Finnish politician. Virolainen was born near Viipuri. After the Continuation War Virolainen moved to Lohja, but he remained one of the leaders of the… …   Wikipedia

  • Johannes Virolainen — Primer Ministro de Finlandia …   Wikipedia Español

  • Petri Virolainen — Données clés Nationalité  Finlande Né le 18 septembre 1974, Vaasa (Finlande) Taille 1,94  …   Wikipédia en Français

  • Виролайнен — (Virolainen)         Йоханнес (р. 31.1.1914, Лохья, Восточная Финляндия), финский государственный и политический деятель. В 1938 окончил Хельсинкский университет, в 1951 получил степень доктора с. х. наук и лесоводства. С 1932 член партии… …   Большая советская энциклопедия

  • Kekkonen — Urho Kekkonen Urho Kaleva Kekkonen [ˈurhɔ ˈkɛkːɔnɛn] ?/Info/IPA (* 3. September 1900 in Pielavesi; † 31. August 1986 in Helsinki) war ein finnischer Politiker, der als Ministerpräsident von …   Deutsch Wikipedia

  • Ralf Johan Gustaf Törngren — (* 1. März 1899 in Oulu; † 16. Mai 1961 in Turku) war ein finnischer Politiker und Ministerpräsident. Inhaltsverzeichnis 1 Studium und berufliche Laufbahn 2 Politische Laufbahn 2.1 Abgeordneter und Parteivorsitze …   Deutsch Wikipedia

  • Sakari Severi Tuomioja — (* 29. August 1911 in Tampere; † 9. September 1964 in Helsinki) war ein finnischer Politiker, Bankfachmann, Diplomat und Ministerpräsident. Inhaltsverzeichnis 1 Politische Laufbahn 1.1 Gouverneur der Zentralbank und Minister …   Deutsch Wikipedia

  • Sorsa — Taisto Kalevi Sorsa [ˈtɑi̯stɔ ˈkɑlɛvi ˈsɔrsɑ] (* 21. Dezember 1930 in Keuruu; † 16. Januar 2004 in Helsinki) war lange Zeit finnischer Premierminister und einer der bedeutendsten finnischen Sozialdemokraten. Er wurde in Keuruu geboren, aber seine …   Deutsch Wikipedia

  • Törngren — Ralf Johan Gustaf Törngren (* 1. März 1899 in Oulu; † 16. Mai 1961 in Turku) war ein finnischer Politiker und Ministerpräsident. Inhaltsverzeichnis 1 Studium und berufliche Laufbahn 2 Politische Laufbahn 2.1 Abgeordneter und Parteivorsitze …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”