Breda 88

Breda 88
Breda Ba.88 während des Sturzfluges

Die Breda Ba.88 Lince (Luchs) war ein zweimotoriger italienischer Ganzmetall-Mitteldecker mit doppeltem Seitenleitwerk und einem einziehbarem Spornradfahrwerk, der im Zweiten Weltkrieg eingesetzt wurde. Der Erstflug erfolgte im Jahr 1936. Das zweisitzige Flugzeug war für den Einsatz als Langstreckenaufklärer, schwerer Jäger und Bodenkampfflugzeug konzipiert, konnte die gesetzten Erwartungen jedoch nicht erfüllen und wurde nach kurzer Zeit wieder aus dem Einsatz zurückgezogen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der von den Ingenieuren Antonio Parano und Giuseppe Panzeri ursprünglich entwickelte Prototyp besaß zunächst ein Leitwerk mit nur eine Heckflosse. Der Erstflug der mit zwei 900 PS (671 kW) leistenden von Isotta-Fraschini in Lizenz gefertigten Gnome-Rhône 14K Sternmotoren ausgerüsteten Maschine fand im Oktober 1936 statt. Es zeigte sich, das die Maschine ein großes Leistungspotential besaß und im April 1937 konnte sie sich 2 Weltrekorde sichern, einmal 517 km/h über l00 km und 475 km/h über den geschlossenen 1000 km Kurs. Im Dezember desselben Jahres konnten die Werte nochmals auf 554 km/h respektive 524 km/h gesteigert werden.

Umgehend wurden Fertigungsaufträge erteilt. Durch den Einbau der vorgesehenen Bewaffnung und militärischer Ausrüstung brach jedoch die Leistungsfähigkeit dramatisch ein. Daraufhin wurde ein Programm gestartet, das zu einer Gewichtsreduktion führen sollte. Gleichzeitig wurden stärkere Triebwerke vom Typ Piaggio P.XI RC.40 mit einer Leistung von 746 kW montiert. Breda fertigte zwischen Mai und Oktober 1939 achtzig Maschinen dieses Typs. Dazu kamen noch mal acht Maschinen mit Doppelsteuer zur Ausbildung. Unmittelbar nach dem Eintritt Italiens in den Zweiten Weltkrieg flogen ab dem 16. Juli 1940 Maschinen diese Typs einen Angriff auf Korsika. Dabei zeigte sich der geringe Kampfwert der Maschinen.

Für den Einsatz in Libyen gegen englische Verbände mussten wegen des Sandes spezielle Luftfilter verwendet werden. Diese reduzierten die Leistungsfähigkeit der Motoren derart, das teilweise nicht mal mehr ein Start möglich war. Überhitzungen und Motorschäden waren an der Tagesordnung. Die Maschinen erreichten kaum die Hälfte der vom Hersteller zugesagten Geschwindigkeit. Trotz allem wurde inzwischen an einem zweiten Los von 67 Maschinen (19 von Breda und 48 von IMAM)gearbeitet. Die Maschinen konnten jedoch kaum verwendet werden und so wurden ab November 1940 die meisten überlebenden Flugzeuge des ersten Loses aus dem aktiven Dienst ausgemustert. Sie dienten, ausgeschlachtet, als Attrappen auf Flughäfen. Die fertiggestellten Zellen des 2. Bauloses wurden direkt nach Fertigstellung verschrottet.

Im Jahre 1942 wurde von Agusta mit der Breda 88M nochmals der Versuch unternommen den Typ zu rehabilitieren. Man verlängerte bei 3 erhaltenen Ba.88 die Tragflächen um 2 m, baute Fiat A.74-Motoren mit 870 PS ein und verstärkte die Frontalbewaffnung auf vier 12,7 mm Breda-SAFAT-MGs. Zusätzlich wurde eine Sturzflugbremse montiert. Ab dem 7. September 1943 wurde der Typ durch Piloten der deutschen Luftwaffe evaluiert. Die Ergebnisse waren ebenfalls unzureichend.

Die Breda Ba.88 ist damit als die größte Fehlentwicklung der italienischen Flugzeugindustrie der 1940er Jahre anzusehen.

Insgesamt wurden von der Ba.88 149 Maschinen gefertigt.

Einsatz

Die ersten Einsätze im Zweiten Weltkrieg erfolgten ab dem 16. Juni 1940, als diverse Maschinen dieses Typs von Sardinien aus (Terranova und Alghero) wiederholte Angriffe auf die französischen Flugplätze auf Korsika wie Bonifacio, Porto Vecchio, Ghisonaccia und Travo flogen. Drei Tage später waren auch die westlich gelegenen Flugplätze Propriano und Ajaccio an der Reihe. Zwar gelang es dabei zahlreiche wenn auch meist bereits veraltete feindliche Flugzeuge mit Bomben und Bordwaffen am Boden zu zerstören, da es wegen des Überraschungseffektes praktisch keinem französischen Flugzeug gelang aufzusteigen und den Kampf aufzunehmen. Dennoch zeigte sich schon zu diesem Zeitpunkt der insgesamt geringe Kampfwert der Ba.88. Die Maschinen zeigten eine unzureichende Geschwindigkeit und Manövrierfähigkeit, was ihnen im Falle eines Luftkampfes mit zeitgemäßen feindlichen Jägern nur schlechte Chancen gelassen hätte.

Es folgten noch einige weitere durchaus erfolgreiche Einsätze als Angriffsflugzeug, vor allem gegen Gebäude und Truppenansammlungen, wobei die Leistungen letztlich wiederum nicht befriedigten.

Die noch leichten Siege der ersten Monate veranlassten die Regia Aeronautica zur Entsendung der 7. Gruppe mit 32 Ba.88 nach Nordafrika. Der Einsatz in Libyen gegen britische Verbände geriet jedoch schnell zum Debakel, da wegen des Wüstensandes erst spezielle Luftfilter montiert werden mussten, welche die Leistungen der Motoren derart herabsetzten, dass ein Abheben nur mit stark reduzierter Treibstoff- und/oder Waffenlast möglich war oder im Extremfall gar erst unmöglich wurde. Es wurden einige wenige Einsätze als Angriffsflugzeug gegen britische Kolonnen sowie einige Aufklärungsmissionen geflogen, doch die Leistungen waren enttäuschend. Zudem waren Motorüberhitzungen bzw. Motorschäden eine ständige Gefahr, was auch einige Not- und Bruchlandungen zur Folge hatte. Da die Ba.88 hier kaum die Hälfte der vom Hersteller zugesagten Geschwindigkeit erreichten, wurden einige Maschinen so auch noch zur leichten Beute für die feindlichen Jäger vom Typ Hawker Hurricane sowie Curtiss P-40 Kittyhawk. Ab November 1940 wurden die meisten überlebenden Flugzeuge aus dem aktiven Dienst zurückgezogen und nach der Demontage aller verwendbaren Teile als Attrappen zur Täuschung auf den eigenen Flugplätzen, wobei die meisten wiederum bei den folgenden feindlichen Luftangriffen zerstört wurden.

Technische Daten

  • Spannweite: 15,60 m
  • Länge: 10,79 m
  • Höhe: 3,10 m
  • Flügelfläche: 33,34 m²
  • Leergewicht: 4650 kg
  • Maximales Startgewicht: 6750 kg
  • Triebwerk: 2x Piaggio P.XI RC.40
  • Leistung: 1000 PS (746 kW)
  • Höchstgeschwindigkeit: 490 km/h
  • Dienstgipfelhöhe 8000 m
  • Reichweite: 1640 km
  • Bewaffnung: Drei 12,7 mm Breda-SAFAT-MG, ein 7.7 mm Breda-SAFAT, 1000 kg Abwurfbewaffnung im Bombenschacht oder drei 200 kg in speziellen Aufhängungen halbversenkt unter dem Rumpf.

Siehe auch

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