- Lambert Automobile Company
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Die Lambert Automobile Company war ein US-amerikanischer Automobilhersteller, der in Anderson (Indiana) von 1905 bis 1916 PKWs und LKWs baute[1]. Sie ging aus der Automobilteilefertigung der ebenfalls der Lambert-Familie gehörenden Buckeye Manufacturing Company hervor.
Bei den frühen Lambert-Automobilen wechselte der Motor öfters den Einbauort: Zuerst wurden die Motoren hinten eingebaut, dann in der Mitte, dann ganz vorne und schließlich wieder hinten. Die Motoren der frühen Fahrzeuge entstanden in der Lambert Gas and Gasoline Engine Company; später kamen sie von anderen Zulieferern[2].
Das Lambert-Fahrgestell besaß Dreipunkt-Radaufhängungen, die den auf Grund der Fahrbahnunebenheiten notwendigen Federweg begrenzten. Diese Art der Aufhängung verminderte auch den Verschleiß. Andere Hersteller hatten einfachere Fahrwerke[1]. Manche Lambert-Automobile hatten Kardanwellen, die meisten aber besaßen Kettenantrieb zur Hinterachse[2].
Das Lambert-Fahrgestell mit Reibscheibenantrieb war die Basis, auf der die Automobile und Lastwagen 1906 – 1916 aufgebaut wurden. Die Motoren waren mit gehärteten Nockenwellen ausgestattet. Die Nocken waren dabei leicht konvex ausgeführt und bedienten gehärtete Zylinderrollen, die in Schwinggabeln saßen und die Kraft an quadratisch ausgebildete Schlepphebel weitergaben, die dann ihrerseits die Ventile bewegten.[1].
Der Lambert-Boxermotor hatte einige Details, die damals bei Benzinmotoren nicht üblich waren. Z. B. war die Ölversorgung genau mit verschiedenen Stellschrauben einzustellen, sodass jede Kurbel und die Kurbelwellenenden mit der jeweils ausreichenden Menge an Öl versorgt wurden. Alle Kurbeln besaßen Wangen aus Vollscheiben und die Kurbelwellenlager waren in Bronze ausgeführt[1].
Ein Lambert wurde Zweiter des 1905 durchgeführten Autorennens von Chicago nach St. Paul. Es waren 53 Automobile gemeldet und der Lambert schaffte als einziger benzinbetriebener Wagen die volle Renndistanz. Der Erfolg des 16 bhp-Lambert gegen andere Automobile mit 40 bhp wird dem Reibscheibenantrieb zugeschrieben[3].
Einige Lambert-Modelle werden im Folgenden beschrieben:
PKW-Modelle
Modellübersicht[2]
Modell Bauzeitraum Zylinder Leistung Radstand Aufbauten A 1906 2 Boxer 16 bhp (11,8 kW) 1.981 mm Runabout 2 Sitze 4 1906 2 Boxer 16 bhp (11,8 kW) 2.388 mm Tourenwagen 5 Sitze 5 1906 2 Boxer 16 bhp (11,8 kW) 2.388 mm Tourenwagen 5 Sitze 6 1906 2 Boxer 18 bhp (13,2 kW) 2.134 mm Tourenwagen 5 Sitze 7 1906 4 Reihe 34 bhp (25 kW) 2.489 mm Tourenwagen 5 Sitze 8 1906 4 Reihe 34 bhp (25 kW) 2.489 mm Tourenwagen 5 Sitze L 1907 2 Boxer 16 bhp (11,8 kW) 2.388 mm Tourenwagen 5 Sitze J 1907 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.667 mm Runabout 2 Sitze G 1907 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.692 mm Tourenwagen 7 Sitze F 1907 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.692 mm Tourenwagen 5 Sitze H 1907 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.692 mm Tourenwagen 5 Sitze 18 1908 2 Boxer 18 bhp (13,2 kW) 2.413 mm Runabout 2 Sitze S 1908 2 Boxer 24 bhp (17,6 kW) 2.388 mm Tourenwagen 5 Sitze Shaft Drive 1908 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.667 mm Tourenwagen 5 Sitze Friction Drive 1908 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.692 mm Tourenwagen 7 Sitze A1 1909 2 Boxer 20 bhp (14,7 kW) 2.413 mm Roadster 3 Sitze, Surrey 4 Sitze 27 1909 4 Reihe 28 bhp (20,6 kW) 2.794 mm Roadster 4 Sitze 30 1909 4 Reihe 28 bhp (20,6 kW) 2.794 mm Tourenwagen 5 Sitze B2 1909 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.972 mm Tourenwagen 5/7 Sitze 17 1910 4 Reihe 28 bhp (20,6 kW) 2.540 mm Runabout 2 Sitze 21 1910 4 Reihe 28 bhp (20,6 kW) 2.540 mm Surrey 4 Sitze 28 1910 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.667 mm Tonneau 4 Sitze 36 1910 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.794 mm Tourenwagen 5 Sitze 47 1910 4 Reihe 49 bhp (36 kW) 2.921 mm Tourenwagen 5 Sitze 44 1911 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.540 mm Runabout 2 Sitze 55 1911 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.540 mm Surrey 4 Sitze 77 1911 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.718 mm Tonneau 4 Sitze 88 1911 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.845 mm Tourenwagen 5 Sitze 101 1911 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.845 mm Torpedo 4 Sitze 100 1911 4 Reihe 40 bhp (20,6 kW) 2.972 mm Tourenwagen 5 Sitze 66 1912 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.845 mm Tourenwagen 4/5 Sitze 99-C 1912 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.845 mm Roadster 4 Sitze 99 1912-1913 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.972 mm Torpedo 4 Sitze, Tourenwagen 5 Sitze 9 1913 4 Reihe 20 bhp (14,7 kW) 2.591 mm Roadster 2 Sitze 10 1913 4 Reihe 20 bhp (14,7 kW) 2.718 mm Tourenwagen 5 Sitze 40 1913 3 Reihe 16,8 bhp (12,4 kW) 2.845 mm Tourenwagen 5 Sitze 50 1913 4 Reihe 40 bhp (29 kW) 2.845 mm Tourenwagen 5 Sitze 46-C 1914 4 Reihe 23 bhp (16,9 kW) 2.845 mm Tourenwagen 4 Sitze 60-C 1914 4 Reihe 27 bhp (19,9 kW) 2.921 mm Tourenwagen 5 Sitze 48-C 1915 4 Reihe 23 bhp (16,9 kW) 2.845 mm Tourenwagen 5 Sitze 68-C 1915 4 Reihe 27 bhp (19,9 kW) 2.921 mm Roadster 2 Sitze, Tourenwagen 5 Sitze 76 1916 4 Reihe 23 bhp (16,9 kW) 2.845 mm Roadster 2 Sitze, Tourenwagen 5 Sitze 90 1917 4 Reihe 35 bhp (25,7 kW) 2.921 mm Tourenwagen 5 Sitze Ausgewählte Modelle
Modell A Runabout (1906)
Der Lambert Modell A Runabout besaß einen Radstand von 1.981 mm, eine Spurweite von 1.422 mm und 89 mm breite 30“-Räder. Es wog 815 kg und kostete US-$ 900,-- einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 2-Zylinder-Boxermotor mit 3.707 cm³ Hubraum hinten eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[1].
Das Modell A Runabout war 1906 das preisgünstigste Modell der Lambert-Palette. Der Boxermotor im Heck war billig herzustellen und sorgte zudem für zusätzliches Gewicht auf den Antriebsrädern[1].
Modell 4 (1906)
Das Modell 4 von 1906 hatte einen demontierbaren Tonneau-Aufbau mit 5 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.388 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 30“ Durchmesser und waren 89 mm breit. Das Fahrzeug wog 906 kg und kostete US-$ 1.050,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 2-Zylinder-Boxermotor mit 3.707 cm³ Hubraum ganz vorne eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[1].
Modell 5 (1906)
Das Modell 5 von 1906 entsprach dem Modell 4, wog aber 951 kg und kostete US-$ 1.200,--[1].
Modell 7 (1906)
Das Modell 7 von 1906 hatte einen Tourenwagen-Aufbau mit Seiteneinstieg und 5 Sitzplätzen. In Radstand und Spurweite entsprach es den Modellen 4 und 5, hatte aber einen Vierzylindermotor mit 7.414 cm³, wog 1.019 kg und kostete US-$ 2.000,--. Der Aufbau entsprach dem Modell 6[1].
Modell 8 (1906)
Das Modell 8 von 1906 hatte einen Tourenwagen-Aufbau mit Seiteneinstieg und 5 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.489 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 34“ Durchmesser und waren 114 mm breit. Das Fahrzeug wog 1.042 kg und kostete US-$ 3.000,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 5.212 cm³ Hubraum, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete. Es besaß seitliche Türen für die Rücksitzpassagiere und den Fahrer und war für ausgedehnte Reisen gebaut[1].
Modell F (1907)
Das Modell F von 1907 hatte einen Tourenwagen-Aufbau mit Seiteneinstieg und 5 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.692 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 34“ Durchmesser und waren 114 mm breit. Das Fahrzeug wog 1.314 kg und kostete US-$ 3.000,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe, Lichtmaschine, JONES-Tachometer und Werkzeug. Es hatte einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 5.212 cm³ Hubraum, der 40 bhp (29 kW) leistete und seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete. Es besaß seitliche Türen für die Rücksitzpassagiere und den Fahrer und war für ausgedehnte Reisen gebaut[2].
Modell 18 Runabout (1908)
Das Modell 18 Runabout von 1908 besaß 2 Sitzplätze. Der Radstand betrug 2.413 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 30“ Durchmesser und waren 89 mm breit. Das Fahrzeug wog 1.042 kg und kostete US-$ 800,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 2-Zylinder-Boxermotor mit 3.707 cm³ Hubraum uber der Hinterachse eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[2].
Modell 30 (1909)
Das Modell 30 von 1909 hatte einen demontierbaren Tonneau-Aufbau mit 5 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.794 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 34“ Durchmesser und waren 114 mm breit. Das Fahrzeug wog 1.314 kg und kostete US-$ 1.250,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 28 bhp (21 kW) Leistung vorne eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[2].
Modell 36 (1910)
Das Modell 36 von 1910 hatte das gleiche Fahrgestell und den gleichen Aufbau wie das Modell 30, aber die kleineren 30“-Räder mit 89 mm Breite. Es wog 1.087 kg und kostete US-$ 1.275,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 35 bhp (26 kW) Leistung vorne eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[2].
Modell 99-C Roadster (1912)
Das Modell 99-C von 1912 hatte einen Roadster-Aufbau mit 2 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.972 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 34“ Durchmesser und waren 114 mm breit. Das Fahrzeug wog 1.450 kg und kostete US-$ 1.250,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 40 bhp (29 kW) Leistung vorne eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[2].
Modell 46-C (1914)
Das Modell 46-C von 1914 hatte einen Tourenwagen-Aufbau mit 4 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.845 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Räder hatten 30“ Durchmesser und waren 89 mm breit. Das Fahrzeug wog 1.133 kg und kostete US-$ 1.200,--, einschließlich zwei Öllampen, Matten, Hupe und Werkzeug. Es hatte einen 4-Zylinder-Reihenmotor mit 23 bhp (17 kW) Leistung vorne eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete[2].
Modell 48-C (1915)
Das Modell 48-C von 1915 war der Nachfolger des 46-C und entsprach ihm in den wesentlichen Werten[2].
LKW-Modelle
Modell A
Der LKW Modell A hatte ein Führerhaus mit 2 Sitzplätzen. Der Radstand betrug 2.438 mm, die Spurweite 1.422 mm. Die Hinterräder hatten 32“ Durchmesser und waren 102 mm breit; die Vorderrädern hatten eine Breite von 89 mm. Alle Reifen kamen von Firestone. Das Fahrzeug wog 1.359 kg leer, hatte 1,4 to. Nutzlast und kostete US-$ 2.000,--. Es hatte einen 2-Zylinder-Boxermotor mit 4.672 cm³ Hubraum hinter dem Fahrersitz eingebaut, der seine Kraft über Reibscheiben und seitliche Ketten an die Hinterräder weiterleitete. Pritsche und Motorhaube wurden gegen Aufpreis geliefert[1].
Modell B
Das LKW-Modell B wog leer 1.087 kg und die Nutzlast lag bei 680 kg. Es kostete US-$ 1.500,--. Der 2-Zylinder-Boxermotor besaß 4.170 cm³ Hubraum, saß ebenfalls direkt hinter dem Fahrer und trieb auch über ein Reibscheibengetriebe die Hinterräder an. Ansonsten entsprachen seine Daten dem Modell A[1].
Weblinks
Commons: Lambert – Sammlung von Bildern, Videos und AudiodateienQuellen
- Archiv des Anderson Morning Herald, Anderson (Indiana)
- Biographie von John W. Lambert, geschrieben von seinem Sohn am 25. Januar 1935 – erhalten von der Detroit Public Library, National Automotive History Collection
- Forkner, John L.: History of Madison County, Indiana, The Lewis Publishing Company, York und Chicago (1914)
- The Horseless Age: The Automobile Trade Magazine, The Horseless Age Company, (1902)
- Scott, Bailey L.: Historic Discovery: 1891 Lambert, New Claim for America's First Car, Antique Automobile magazine, Ausgabe 24, Nr. 5, Oktober / November 1960
- Wise, David Burgess: The New Illustrated Encyclopedia of Automobiles, ISBN 0-7858-1106-0
- Dittlinger, Esther et al.: Anderson: A Pictorial History, G. Bradley Publishing, (1990), ISBN 0943963168
- Georgano, G. N.: The Beaulieu Encyclopedia of the Automobile, Taylor & Francis, (2000), ISBN 1-5795829-3-1
- Huffman, Wallace Spencer: Indiana's Place in Automobile History in Indiana History Bulletin, Ausgabe 44, Nr. 2, Indiana Historical Bureau, Indianapolis (Februar 1967)
- Huhti, Thomas: The Great Indiana Touring Book: 20 Spectacular Auto Tours, Big Earth Publishing (2002), ISBN 1-9315990-9-2
- James, Wanda: Driving from Japan, McFarland (2005), ISBN 0-786417-3-4X
- Madden, W. C.: Haynes-Apperson and America's First Practical Automobile: A History, McFarland (2003), ISBN 0-7864139-7-2
- Scharchburg, Richard P.: Carriages Without Horses: J. Frank Duryea and the Birth of the American Automobile Industry, Society of American Engineers, (1993), ISBN 1-5609138-0-0
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l Dolnar, Hugh: The Lambert, 1906 Line of Automobiles, Automobile Trade Journal, Chilton Company, 10. Januar 1906
- ↑ a b c d e f g h i j Kimes, Beverly Rae, Standard Catalog of American Cars, 1805–1942, Krause Publications, Iola (1996), ISBN 0-8734142-8-4
- ↑ Anderson Morning Herald, 6. Juli 1905
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