Cöslin

Cöslin
Koszalin
Wappen von Koszalin
Koszalin (Polen)
DEC
Koszalin
Koszalin
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Westpommern
Landkreis: Kreisfreie Stadt
Fläche: 83,2 km²
Geographische Lage: 54° 11′ N, 16° 11′ O54.18333333333316.1833333333337Koordinaten: 54° 11′ 0″ N, 16° 11′ 0″ O
Einwohner: 107.307 (30. Juni 2008[1])
Postleitzahl: 75-016 bis 75-903
Telefonvorwahl: (+48) 94
Kfz-Kennzeichen: ZK
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 6 (StettinDanzig), DK 11 (KolobrzegBytom), DW 167 (Koszalin–Ogartowo), DW 203 Koszalin–Ustka, und DW 206 (Koszalin–Miastko)
Schienenweg: PKP-Linien 202 Danzig - Stargard in Pommern und 402: Koszalin - Goleniów
Nächster int. Flughafen: Stettin-Goleniów
Verwaltung (Stand: 2007)
Stadtpräsident: Mirosław Mikietyński
Adresse: Rynek Staromiejski 6-7
75-007 Koszalin
Webpräsenz: www.koszalin.pl

Koszalin [koˈʃalʲin] (deutsch Köslin) ist die zweitgrößte Stadt in der polnischen Woiwodschaft Westpommern. Die in Hinterpommern gelegene Großstadt hat eine hohe regionale Verkehrs- und Wirtschaftsbedeutung. Koszalin ist Kreissitz des Powiat Koszaliński, Sitz eines katholischen Bischofs und kreisfreie Stadt.

Von 1950 bis 1999 war Koszalin die Hauptstadt einer gleichnamigen Woiwodschaft. Vor 1945 war Köslin Hauptstadt des Regierungsbezirks Köslin in der preußischen Provinz Pommern.

Inhaltsverzeichnis

Geographische Lage

Die Stadt liegt im Nordosten der Woiwodschaft Westpommern. Im Norden befindet sich in gut 10 km Entfernung die pommersche Ausgleichsküste, der der Jamunder See mit den beiden Badeorten Mielno (Groß Möllen) und Łazy vorgelagert ist. Im Osten und Süden ist die Stadt von großen Waldgebieten umgeben, in denen der 137 m hohe Góra Chełmska (Gollenberg) liegt. Stettin ist 151 km entfernt, nach Danzig sind es 193 km.

Geschichte

Wappen vor 1938
Kösliner Wappen
Rathaus von Koszalin
Köslin, Marktplatz
Denkmal Friedrich Wilhelms I.

Die Stadt Köslin wurde 1214 als Dorf Koszalice (bzw. Cossalitz) erstmals erwähnt in einer Schenkungsurkunde, in der Herzog Bogislaw II. von Pommern den Ort an das Kloster Belbuck bei Treptow verschenkte.[2] 1248 kam Cossalitz an das Bistum Cammin. Im Zuge der deutschen Ostkolonisation gründete der Bischof von Cammin, Graf Hermann von Gleichen, zusammen mit den Deutschen Marquardt und Hartmann am 23. Mai 1266 die Stadt Cussalin, und zwar nach lübischem Stadtrecht. Ab etwa 1300 wurde auch das Umland von Köslin von deutschen Bauern besiedelt.

Während des ausgehenden Mittelalters blieb Köslin beim Bistum Cammin und stand mit diesem von 1356 bis 1417/1422 unter der Oberhoheit des Teilfürstentums Pommern-Wolgast. Köslin lag an der bedeutenden Handelsstraße von Stettin nach Danzig und wurde Hansestadt. 1447 hatte Köslin eine erfolgreiche militärische Auseinandersetzung mit dem größeren, in der Hanse einflussreicheren und ebenfalls zu Cammin gehörenden Kolberg. 1486 geriet Köslin mit Cammin erneut unter herzoglich-pommersche und damit brandenburgische Oberhoheit.

Der Stadtbrand von 1504 leitete den Niedergang der Stadt ein. 1530 wurde das Herzogtum Pommern reichsunmittelbar. 1534 wurde die Stadt durch die Einführung der Reformation in Pommern evangelisch, 11 Jahre später trat der erste protestantische Bischof von Cammin, Bartholomäus Suave, sein Amt an. 1556 wurde Cammin pommersche Sekundogenitur und Köslin nach der Einsetzung des Sohnes Herzogs Philipp I. Johann Friedrich als Titularbischof fürstbischöfliche Residenz. Johann Friedrich ließ 1569 bis 1574 ein Renaissance-Schloss erbauen, in dem bis 1622 die Herzöge von Pommern-Stettin als Bischöfe von Cammin residierten. Mehrere Pestepidemien und der Dreißigjährige Krieg schwächten die Bedeutung Köslins weiter.

Mit der Landung Gustav Adolfs an der Odermündung 1630 geriet Pommern mit Köslin unter schwedischen Einfluss und 1638 unter schwedische Verwaltung.

Mit dem Westfälischen Frieden kam Köslin 1648 mit Hinterpommern an Brandenburg, das schon während des Krieges – nach dem Aussterben der Greifenherzöge – mit Pommern beliehen worden war.

1718 wurde die nunmehr preußische Stadt erneut durch einen Brand fast völlig zerstört, aber einige Jahre später wieder aufgebaut.

1807 stand Köslin unter französischer Besatzung, blieb aber während der gesamten napoleonischen Zeit preußisch.

Mit der Neuorganisation der Kreisgliederung in Preußen 1816 wurde die Stadt Cöslin (damalige Schreibweise) Kreisstadt des Kreises Fürstenthum und 1848 Sitz des Regierungspräsidenten des Regierungsbezirks Köslin in der preußischen Provinz Pommern.

1858 bis 1878 wurde die Eisenbahn von Stettin über Köslin und Stolp nach Danzig gebaut.

Mit Auflösung des Kreises Fürstenthum zum 1. September 1872 wurde Cöslin Sitz des Landrates für den neuen Kreis Cöslin (13. Dezember 1872). Die von Friedrich dem Großen im Jahre 1776 gegründete Kadettenschule wurde 1890 vom westpreußischen Culm nach Köslin verlegt

1911 eröffnete die Stadt eine städtische elektrische Straßenbahn, die 1913 zur Kösliner Stadt- und Strandbahn ausgebaut wurde. Bereits 1937/38 wurde diese Bahn durch Omnibusse ersetzt.

In den 1920er Jahren wurde der Name Cöslin in Köslin geändert. Am 1. April 1923 verließ die Stadtgemeinde Köslin den Kreis Köslin und bildete seitdem einen eigenen Stadtkreis.

Mit Einführung des preußischen Gemeindeverfassungsgesetzes vom 15. Dezember 1933 gab es ab 1. Januar 1934 eine einheitliche Kommunalverfassung für alle preußischen Gemeinden. Die bisherige Stadtgemeinde Köslin führte jetzt die Bezeichnung Stadt. Mit Einführung der Deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar 1935 trat zum 1. April 1935 im Deutschen Reich eine einheitliche Kommunalverfassung in Kraft.

Im Februar 1945, als die bei Warschau durchgebrochene Rote Armee Ostpreußen vom übrigen Deutschland abzuschneiden drohte, zogen Flüchtlingstrecks aus Ost- und Westpreußen, ungefähr 65.000 Menschen, durch Köslin westwärts in Richtung Stettin. Am 4. März eroberte die Rote Armee in kurzem, heftigem Kampf Köslin, wobei etwa 40 % der Bausubstanz zerstört wurden. Infolge des Potsdamer Abkommens übergaben die sowjetischen Militärbehörden die Zivilverwaltung an eine neu eingerichtete polnische Stadtverwaltung, die alsbald mit der Ansiedlung polnischer Neubürger begann. Die Neubürger kamen ganz überwiegend aus Gnesen, teilweise auch aus Posen und aus Gebieten östlich der Curzon-Linie. Gleichzeitig wurde die in Koszalin umbenannte Stadt für kurze Zeit Sitz der neuen polnischen Provinzverwaltung für ganz Pommern. Nachdem feststand, dass auch Stettin unter polnische Verwaltung kam, wurde die Provinzverwaltung 1946 dorthin verlegt. Die vor der Roten Armee nicht geflohenen oder im Laufe des Frühlings 1945 zurückgekehrten deutschen Bewohner wurden enteignet und in der Mehrzahl bis 1947 vertrieben.

1950 wurde die Stadt zur Hauptstadt der Woiwodschaft Koszalin, die 1998 im Zuge der Verwaltungsreform abgeschafft und an die neue Woiwodschaft Westpommern angegliedert wurde.

Einwohnerentwicklung


Evangelische Gertraudenkapelle
Straßenzug

Religionen

Politik

Partnerschaften

Domkirche St. Marien
Standesamt
‚Haus des Henkers‘, es beherbergt heute (2008) ein Sprachstudio

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Historische Bauten

  • Die katholische Kathedrale St. Marien war von 1534 bis 1945 evangelische Stadtpfarrkirche. Die backsteingotische, dreischiffige Basilika wurde 1300–1333 erbaut. Der 57 Meter hohe Frontturm[3] wird von einem Pyramidendach mit barocker Laterne bekrönt. Von der historischen Innenausstattung blieben nur die Statuen des gotischen Hochaltars erhalten, dessen vier überlebensgroße Skulpturen der Madonna, Johannes des Evangelisten sowie der Bischöfe Adalbert von Prag und Otto von Bamberg im Chor aufgestellt wurden. Die restlichen bilden, auf einem Stahlgerüst befestigt, einen modernen Altar.[4] Die Domorgel von Köslin, ein Instrument der Firma Schlag & Söhne aus Schweidnitz von 1899 mit 50 Registern – das in einem neugotischen Prospekt von 1842 eingebaut ist – ist eine bekannte Konzertorgel der Region.[5]
  • Das moderne Rathaus von Köslin von 1960–62 steht an der Stelle des 1945 zerstörten, alten Rathauses am Marktplatz.
  • Die achteckige Gertraudenkapelle wurde 1383 im gotischen Stil errichtet und dient heute wieder der evangelischen Gemeinde als Gotteshaus.
  • Die Schlosskirche. Der um die Wende vom 14. zum 15. Jahrhundert entstanden gotische Kernbau der Schlosskirche war ursprünglich die Klosterkirche der Zisterzienserinnen, die zwischen 1278 und den 50er Jahren des 16. Jahrhunderts in Köslin ihren Sitz hatten. Die Kirche wurde in den folgenden Jahrhunderten mehrfach umgestaltet. Der Umbau zur Schlosskirche erfolgte 1602–1609. Im 19. Jahrhundert wurde die Kirche schließlich neugotisch überformt. Heute wird die Kirche von einer orthodoxen Gemeinde genutzt.
  • Die erhaltenen Überreste der mittelalterlichen ringförmigen Stadtmauer aus dem 14. Jahrhundert, die ursprünglich 1.600 lang war und drei Stadttore sowie 46 Wachtürme aufwies.
  • Auch einige Bürgerhäuser lassen ihren gotischen Ursprung erkennen. So das Standesamt oder das Haus des Henkers, ein stadteigenes Gebäude, in dem die Familie des Scharfrichters wohnte (Hinrichtungen wurden bis ins 19. Jahrhundert auf öffentlichen Plätzen Köslins vorgenommen).
  • Der Müllerpalast, der zwischen 1880 und 1897 entstand; er beherbergt heute ein Museum.
  • Die St. Josef-Kirche, ein neugotischer Backsteinbau, der 1868 für die im im Jahr 1857 gegründete katholische Gemeinde errichtet wurde.
  • Das Gebäude des Hauptpostamts, ein neugotischer Backsteinbau.
  • Das neugotische Gebäude der Poliklinik.
  • Das Gebäude des Kösliner Staatsarchiv, ein neugotischer Backsteinbau. In dem ehemaligen preußischen Staatsarchiv des Regierungesbezirks Köslin werden heute u.a. pommersche Grundbuchakten und Kirchenbücher aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg aufbewahrt.
  • Der Brauereikomplex, ein neugotischer Backsteinbau.

Naturdenkmäler

  • Der Hexenbaum, ein Bergahorn am Großen Wall.

Bedeutende Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben

  • Johann Ernst Benno (1777–1848), Schriftsteller
  • Ernst-August Braun (1783–1859), Polizeidirektor und Bürgermeister
  • Heinrich Ludwig Beitzke (1798–1867), Geograph, Historiker und Chronist
  • Paul Dahlke (1904–1984), deutscher Schauspieler, wuchs in Köslin auf

Verweise

Siehe auch

Literatur

  • Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern, Abriß iher Geschichte, zumeist nach Urkunden, Sändig Reprint Verlag, Vaduz 1996 (unveränderter Nachdruck der Ausgabe von 1865), ISBN 3253027341, S. 71-80, online.
  • Franz Schwenkler: 1266–1966 KÖSLIN. Die siebenhundertjährige Geschichte einer pommerschen Stadt und ihres Kreises. 2. Auflage. Eckernförde 1988.

Weblinks

Fußnoten

  1. Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2008
  2. Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863, S. 605 ff.
  3. Vgl. koeslin.org; abger. am 25. August 2008
  4. Vgl. katedra.koszalin.pl; abger. am 25. August 2008
  5. Vgl. organy.art.pl; abger. am 25. August 2008

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