Dreikönigenpförtchen

Dreikönigenpförtchen

Das versteckt gelegene Dreikönigenpförtchen (Kölsch: „Dreikünnijepöötzche“) ist als einziges der Tore der vielen ehemaligen Kölner klösterlichen Immunitätsbezirke erhalten geblieben .[1] An den Mauern dieser Klöster und Stifte endete die städtische Gesetzesmacht und Steuerhoheit. Das Törchen verbindet den Lichhof (ehemaliger Kirchhof) der Kirche St. Maria im Kapitol mit dem Marienplatz.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Johann-Peter Weyer, Dreikönigenpförtchen, Tuschzeichnung aus 1827

Am 23. Juli 1164 brachte Erzbischof Rainald von Dassel, Erzkanzler von Italien und Kanzler des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, die Gebeine der Heiligen Drei Könige als Kriegsbeute von Italien nach Köln. Als er am 9. Juni 1164 mit diesem Geschenk des Deutschen Kaisers Friedrich I. Barbarossa von Mailand aus seine beschwerliche und gefährliche Reise antrat, musste er viel List anwenden, um die wertvolle Fracht vor Diebstahl zu schützen.[2] Es gelang ihm, Köln unversehrt zu erreichen, und er wurde schon vor der Stadt begeistert empfangen. In einer Art Prozession geleitete man ihn und seine Fracht in die Stadt. Durch welches Tor dies erfolgte, ist nicht erwiesen. Einer Überlieferung des 19. Jahrhunderts nach sollen die Gebeine aber zuerst in die Kirche St. Maria im Kapitol, der neben dem Dom wichtigsten Kirche Kölns, gebracht worden sein. Diese Pforte zum Immunitätsbezirk wurde von daher „Dreikönigenpförtchen“ genannt. Ob von Dassel wirklich mit den Gebeinen durch das romanische Vorgängertor dieses gotischen Tors gezogen war, ist geschichtlich allerdings nicht gesichert. Das heute vorhandene Törchen ließ der Kölner Bürger und Ratsherr Johannes Hardenrath im Jahre 1460 an der Stelle des ursprünglich romanischen Durchgangs neu errichten.[3][4] Es wurde 1842 vom Kölner Stadtbaumeister Johann-Peter Weyer restauriert.

Über dem spitzbogigen Durchlass des Tores ist die Anbetung der Heiligen Drei Könige dargestellt; sie wurde nachträglich (1310) eingefügt. Die Originale befinden sich im Museum Schnütgen, sie wurden 1981 durch Kopien ersetzt. Früher waren die Nische und die Figuren farbig gestaltet; so war der Hintergrund z. B. dunkelblau mit goldenen Sternen.

Die Heiligen Drei Könige

Durch die Aufbewahrung der Gebeine der Heiligen Drei Könige wurde Köln zu einem der bedeutendsten Wallfahrtsorte nördlich der Alpen. Ihnen zu Ehren wurden drei Kronen in das Stadtwappen aufgenommen. Allerdings waren die „heiligen drei Könige“ formal weder heilig noch echte Könige.[5]

Trivia

Das kleine gotische Tor ist auch in einem alten Kölner Karnevalslied verewigt: „Nor am Dreikünningepöötzge, do weiß die Oma joot Bescheid“ (Karl Berbuer, 1953).

Bilder

Weblinks

 Commons: Dreikönigenpförtchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Pförtchen bei Romanische Kirchen Köln (Zugriff Jan. 2010)

Einzelnachweise

  1. Herbert Rode: Kunstführer Köln. J. P. Bachem, Köln 1966, S. 55 und unten gelinkte Webseite
  2. mynetcologne.de
  3. Informationen zum Kölner Brauhauswanderweg (PDF)
  4. Kölner Krippenweg
  5. Walter Krämer, Götz Trenkler: Lexikon der populären Irrtümer: 500 kapitale Missverständnisse, Vorurteile und Denkfehler von Abendrot bis Zeppelin. Frankfurt 1996, 8. Aufl., S. 140 f
50.9342626.9589280555556

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужен реферат?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Hardenrath — Kapelle, Detail Die Kölner Familie Hardenrath war eine wohlhabende Kaufmannsfamilie, die im 15. Jahrhundert aus Hameln an der Weser nach Köln übersiedelte. Als Begründer der dann auf Dauer in Köln ansässigen Familie gilt Johannes Hardenrath (der… …   Deutsch Wikipedia

  • Sankt Maria im Kapitol — St. Maria im Kapitol in Köln, Dreikonchenanlage und Skulptur Die Trauernde Ostkonche mit Chorschranken …   Deutsch Wikipedia

  • St. Maria im Capitol — St. Maria im Kapitol in Köln, Dreikonchenanlage und Skulptur Die Trauernde Ostkonche mit Chorschranken …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Denkmäler im Kölner Stadtteil Altstadt-Süd — Die folgende Liste enthält die in der Denkmalliste ausgewiesenen Denkmäler auf dem Gebiet des Stadtteils Köln Altstadt Süd, Stadtbezirk Köln Innenstadt, Nordrhein Westfalen. Hinweis: Die Reihenfolge der Denkmäler in dieser Liste orientiert sich… …   Deutsch Wikipedia

  • Immunitätsbezirk — Als Immunitätsbezirk wurde in mittelalterlichen Städten ein besonders streng von der übrigen Stadt abgetrennter Bezirk rund um einen Dom, ein Kloster oder ein Stift bezeichnet. In diesem Bereich galten andere Rechte, was auch als „Mundat“… …   Deutsch Wikipedia

  • Köln-Altstadt-Süd — Altstadt Süd Stadtteil 101 von Köln …   Deutsch Wikipedia

  • Köln-Altstadt Süd — Altstadt Süd Stadtteil 101 von Köln …   Deutsch Wikipedia

  • St. Maria im Kapitol — St. Maria im Kapitol in Köln, Dreikonchenanlage und Skulptur Die Trauernde …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Carl Heimann — (* 14. Februar 1850 in Köln; † 8. November 1921 ebenda) war ein deutscher Architekt und Baubeamter, ab 1890 war er Leiter des Kölner Hochbauamtes. Heimann war Gründungsmitglied des Kölnischen Geschichtsvereins und von 1913 bis zu seinem Tod 1921… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”