Fritz Poth

Fritz Poth
„Zuckerfritz“
Die Fuhr vor ihrem Abriss 1887

In der Liste der Wuppertaler Originale sind Stadtoriginale aus Wuppertal aufgeführt.

Originale sind Personen aus der Geschichte der Stadt, die durch ihr unverwechselbares Auftreten oder ihre Eigenschaften und/oder ihr Erscheinungsbild einen hohen Bekanntheitsgrad in der lokalen Bevölkerung erlangt haben und auch nach ihrem Ableben noch besitzen. Sie werden zum Teil als Originale in der Literatur beschrieben.

Inhaltsverzeichnis

Originale

Köphannes

Köphannes oder Kob Hannes, Räuberhauptmann zur napoleonischen Zeit um 1800. Siehe Köphannes.

Tante Hanna

Tante Hanna, mit bürgerlichen Namen Hanna Faust, war als Seelsorgerin und Fürsorgerin sowie als Kirchenerbauerin und Beichtmutter tätig. Nach ihrer Arbeit in einer Seidenweberei besuchte sie Arme und Kranke unter anderem auch im Elendstal. Geboren am 28. September 1828 als Johanne Wilhelmine Keßler am Arrenberg, starb sie am 20. Dezember 1903.

Mina Knallenfalls

Mina Knallenfalls

Mina (oft auch Minna) Knallenfalls ist eine literarische Figur des Heimatdichters Otto Hausmann. Dennoch wird sie zu den Wuppertaler Originalen gezählt. Anfang der 1990er Jahre haben Forschungen ergeben, dass Hausmann für die Figur seine Großmutter als Vorbild genommen hat.[1] Mina lebte vor mehr als 200 Jahren im Armenviertel „An der Fuhr“ an der Isländer Brücke in Elberfeld und war eine der Töchter einer kinderreichen Familie mit einem arbeitslosen trinkenden Vater. Nach ihrer Heirat besserte sich ihre Lage nicht, ihr Mann wurde auch zum Trinker.

Ein „Standbild“ dieser Figur steht heute in der Poststraße am Übergang zur Alten Freiheit in Elberfeld.

Zuckerfritz

„Zuckerfritz“

Zuckerfritz, mit bürgerlichem Namen Fritz Poth (gelegentlich auch als Fritz Pothen) (* 1830), war als Hausierer bekannt. Er trug immer eine Taffetkappe oder eine alte Militärmütze und um seinen Hals ein grauseidenes Tuch. Seinen Namen erhielt er, weil er dankend gerne Zuckerstückchen, Süßigkeiten oder Zigarettenstummel annahm. Seinen Lebensunterhalt bestritt er durch Botengänge und Kurierdienste von Gegenständen und Briefen aller Art. Ein Gesangsverein schenkte ihm dafür eine Schubkarre, die er seitdem mitführte. Kinder begrüßten ihn, wenn sie ihn sahen, mit den Rufen „Zuckäär, Zuckeräärfritz“. Am 9. Mai 1906 starb er im städtischen Krankenhaus.

Sein „Standbild“ steht heute am Übergang des Neumarkts zum Kerstenplatz in Elberfeld.

August Kallenbach

August Kallenbach, „dä roade Kaldenbach“ – nach seinen roten Haaren, wird als Freund des Zuckerfritz beschrieben. Er verstarb zwei Jahre nach seinem Freund.

Husch Husch

Husch Husch, mit bürgerlichen Namen Peter Held, war ein bärtiger Hausierer. Geboren am 2. August 1886, soll er laut der Legende einer Pastorenfamilie abstammen und Bruder eines berühmten Hals-Nasen-Ohren-Arztes gewesen sein; tatsächlich war er der Sohn eines Tagelöhners. Um 1914 lebte er in der Plateniusstraße 30a im Ortsteil Ostersbaum, hatte aber viele alte Freunde auch in Oberbarmen und Heckinghausen, wo er geboren wurde und aufwuchs. Nach dem Tod des Vaters 1920 verließ er seine Wohnung und ging - wie er sagte - "auf die Walz"

In den 1930er Jahren zog er mit seinem Pappkarton umher, der zu seinem Markenzeichen geworden war, und verkaufte Kleinwaren. Er wurde schnell zornig, wenn man ihm nichts abkaufen wollte, daher gingen ihm viele aus dem Weg. Er hatte zudem ein angespanntes Verhältnis zu den Ordnungsbehörden und wurde wiederholt durch Pöbeleien und Beleidigungen auffällig. Bei seinen Wegen wurde er mit den Rufen „Husch Husch“ von Jugendlichen gehänselt, worüber er sich erwartungsgemäß lautstark aufregte. Er hasste diesen Spottnamen zutiefst und reagierte sehr aggressiv. Dennoch fand er als Stadtoriginal Aufnahme in das Herz der Bevölkerung.

Als er im März 1936 in ein Krankenhaus eingeliefert wurde, versammelte sich eine große Menschenmenge an der Pforte, die sich, aufgeschreckt von einem Gerücht über sein baldiges Ableben, nach seinen Befinden erkundigen wollten. Das Krankenhaus sah sich aufgrund des großen Andrangs genötigt die Presse zu bitten, eine Mitteilung abzudrucken, wo nach es sich nur um leichte Erkrankung handelte.

Am 2. November 1937, also in der Zeit des Nationalsozialismus, wurde er wegen Bettelei und Landstreicherei verurteilt und verbüßte sechs Wochen Haft in der Justizvollzugsanstalt Bendahl, danach weitere zwei Jahre in Nachhaft. Nicht zuletzt seine Respektlosigkeit und seine schlagfertigen Pöbeleien gegenüber der Polizei und den nationalsozialistischen Ordnungshütern, die von Teilen der Bevölkerung mit heimlichen Schmunzeln gesehen wurde, trugen zu der harten Strafe bei.

Husch Husch wurde das letzte mal in der Elberfelder Bombennacht von Juni 1943 gesehen, danach verliert sich jedes Lebenszeichen. Augenzeugen berichtet von seinem Tod in seiner zerbombten Wohnung, andere dagegen wollen gesehen haben, wie er mit schweren Verletzungen gerettet wurde. Seine Schwester Maria berichtete, ihn nach dieser Nacht nie mehr gesehen zu haben. Laut einem Aktenvermerk der Stadt Wuppertal soll er am 28. November 1953 in der Psychiatrischen Klinik Galkhausen in Langenfeld gestorben sein. In den Klinikarchiven fanden sich bei einer Recherche im Jahr 2003 aber keine Akten über einen Patienten Peter Held, so dass sein Schicksal ungeklärt bleibt.

Zeitgenössische Originale

Erika Nagel

Erika Nagel war in den 1970er Jahren den meisten Wuppertaler Bürgern bekannt, indem sie zunächst ohne Erlaubnis das gemauerte Wupperufer mit bunten Tiermotiven bemalte. Nach einer Kontroverse, die eine öffentliche Diskussion auslöste, stellte sich Oberbürgermeister Gurland hinter sie. Sie starb 2007.

Paul Decker

Paul Decker, Kopf der Mundart-Musikgruppe Striekspöen und Kneipenwirt auf dem Ölberg, wurde schon als ein Wuppertaler Original bezeichnet.[2]

Literatur

  • Helmut Böger: Berühmte & Berüchtigte Wuppertaler : 27 Portraits Hammer, Wuppertal 1975, ISBN 3-87294-091-0
  • Wilhelm Busch: Tante Hanna – Ein Wuppertaler Original, Evangelische Gesellschaft für Deutschland, 1904
  • Heinrich K Schmitz, Wolfgang Winkelsen: Originale aus dem Wupper-Tal, Born, Wuppertal 1993, ISBN 3-87093-064-0

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 25 Jahre Wuppertaler Originale Zugriff März 2008
  2. Der Weihnachtsmann kommt aus Barmen Westdeutsche Zeitung (online) vom 6. Dezember 2007

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