Grynszpan

Grynszpan
Herschel Feibel Grynszpan nach seiner Festnahme durch die französische Polizei

Herschel Feibel Grynszpan (manchmal auch: Grünspan; * 28. März 1921 in Hannover; verschollen 1942) war ein in der Weimarer Republik geborener und aufgewachsener Jude polnischer Staatsangehörigkeit, der wahrscheinlich im Zuchthaus Magdeburg ermordet wurde. Am 7. November 1938 verübte er in Paris ein Attentat auf den deutschen Diplomaten Ernst vom Rath, der zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Diese Tat diente dem nationalsozialistischen Regime als Vorwand für die antijüdischen Novemberpogrome 1938, in der NS-Diktion „Reichskristallnacht“.

Inhaltsverzeichnis

Kindheit

Herschel Grynszpan wurde 1921 in Hannover als Sohn polnisch-jüdischer Eltern geboren und besaß die polnische Staatsangehörigkeit. Der Vater Sendel Grynszpan war Schneider und verheiratet mit Ryfka, geb. Silberberg. Grynszpan hatte zwei Geschwister: Markus (* 29. August 1919) und Esther (* 31. Januar 1916). Die Familie war im April 1911 aus Russisch-Polen nach Hannover umgezogen und wohnte schließlich in der Burgstraße 36. Bis 1935 besuchte Herschel die Volksschule[1]. In Hannover war er Mitglied der Zionistengruppe Misrachi und des Sportclubs Bar-Kochba. Zu dieser Zeit waren junge Juden in Deutschland heftiger antisemitischer Diskriminierung durch den sich in alle Bereiche des öffentlichen Lebens ausbreitenden Nationalsozialismus ausgesetzt. Grynszpan verließ 1935 die Volksschule und besuchte mit Unterstützung seiner Familie und der hannoverschen jüdischen Gemeinde die in der Christgasse 6 gelegene rabbinische Lehranstalt (Jeschiwa) in Frankfurt [2]. Offensichtlich sagte ihm diese Ausbildung nicht zu, denn er brach sie nach elf Monaten wieder ab. In Hannover fand Grynszpan keine Lehrstelle und keine Arbeit. Dann bemühte er sich, nach Palästina (britisches Protektorat) auszuwandern, erhielt jedoch aufgrund seines Alters einen vorläufig abschlägigen Bescheid (er sollte sich in einem Jahr wieder bewerben).

Frankreich

Im Juli 1936 reiste Grynszpan im Alter von 15 Jahren mit offiziellen Dokumenten (einem polnischen Pass gültig bis zum 1. April 1937 und deutschem Ausreisevisum, das eine Wiedereinreise bis zu diesem Datum erlaubte) zu seinem Onkel Wolf Grynszpan nach Brüssel. Dort war er nicht willkommen. Er verfügte über keine Mittel, durfte offiziell nur 10 Mark ins Ausland mitnehmen, und verstand sich außerdem mit seinem Onkel nicht. Er nahm daher das Angebot seines anderen Onkels Abraham Grynszpan aus Paris an, dort zu wohnen. Seine Verwandten schmuggelten ihn illegal über die Grenze nach Frankreich, da man befürchtete, dass ihm auf dem offiziellen Weg die Einreise verweigert würde. Als er ankam, war er krank – er litt unter Magenschmerzen und häufigem Erbrechen. Grynszpan war klein, nur 1,54 m groß und wog etwa 45 kg. Er wurde von der Familie seines Onkels trotz seines Alters von siebzehn Jahren 1938 noch nahezu als Kind angesehen.

Grynszpan war ein orthodoxer Jude und besuchte regelmäßig und häufig den Gottesdienst. In der Umgebung der Familie seines Onkels lebten überwiegend Juden. Die Hauptsprache war jiddisch, aber es wurde auch viel Deutsch gesprochen.

Er versuchte über ein Jahr lang vergeblich, in Frankreich eine Aufenthaltsgenehmigung zu erlangen. Seine späteren Bemühungen, zu seiner Familie nach Hannover zurückzukehren, scheiterten am Widerspruch des hannoverschen Polizeipräsidenten, weil seine Papiere „nicht in Ordnung“ waren. Im August 1938 wurde Grynszpan der Ausweisungsbefehl aus Frankreich zugestellt.

Ausweisung polnischer Juden im Oktober 1938 aus Nürnberg, reichsweit wurden 15.000 Menschen als polnische Juden ausgewiesen.

Zur gleichen Zeit waren seine Eltern und Geschwister (noch polnische Staatsbürger, obwohl die Familie schon seit 27 Jahren in Deutschland lebte) in einer Blitzaktion (sogenannte Polenaktion) aus Hannover an die Grenze nach Polen abgeschoben worden. Das Ganze hatte in einer großen Abschiebeaktion stattgefunden, von der etwa 15.000 Juden betroffen waren. Die völlig unvorbereiteten Menschen wurden von Polen zurückgewiesen und mussten sich wochenlang im Niemandsland zwischen der deutschen und polnischen Grenze im Freien aufhalten. Darüber war auf der ganzen Welt und auch in der Pariser Presse berichtet worden [3]. Grynszpan erhielt am 3. November eine Postkarte von seiner Schwester Bertha („Beile“), in der sie sich darüber beklagte, dass die ganze Familie überfallartig ohne weitere Vorbereitungen und ohne Geldmittel unter Zurücklassung von allem Hab und Gut von der Polizei abtransportiert worden war. Sie bat ihren Bruder Herschel dringend um Geldmittel. Später im November hatte Grynszpans Familie das Glück, in die Grenzstadt Zbąszyń (Bentschen) in Polen reisen zu können. Das wusste der junge Grynszpan aber nicht, als er die Karte seiner Schwester erhielt und selbst in größter Not war.

Das Attentat

Herschel Grynszpan nach seiner Festnahme

Grynszpan erhielt den Brief seiner Schwester am 3. November, einem Donnerstag. Am 6. November bat er seinen Onkel darum, sofort Geld zu seinen Eltern zu schicken. Abraham wollte aber erst einmal die weitere Entwicklung abwarten, zumal es einerseits nahezu unmöglich und illegal war, Geld nach Deutschland an einen Juden zu schicken, und andererseits völlig unklar war, wo sich Sendel Grynszpan mit seine Familie aufhielt. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in deren Verlauf Grzynspan die Familie seines Onkels verließ, vorher aber 300 Franc erhalten hatte. Grzynspan übernachtete in einem billigen Hotel und schrieb einen Abschiedsbrief an seine Eltern, den er in seine Tasche steckte. Am 7. November 1938 kaufte er in einem Waffengeschäft einen Revolver[4] für 235 Franc. Danach ging er zur deutschen Botschaft und verlangte einen Botschaftsbeamten zu sprechen. Er wurde von Botschaftssekretär vom Rath empfangen, der der jüngere der beiden zu diesem Zeitpunkt diensthabenden Beamten war. Grynszpan schoss sofort mit seiner Waffe fünf Mal auf vom Rath und verletzte ihn so schwer, dass dieser zwei Tage später seinen Verletzungen erlag. Nach dem französischen Polizeiprotokoll beschimpfte er vom Rath dabei als un sale boche - als dreckigen Deutschen und rief, dass er im Namen von 12000 verfolgten Juden handele. Ähnlich äußerte er sich in der bei ihm gefundenen Abschiedskarte an seine Eltern: Sein Herz habe geblutet, als er von ihrem Schicksal hörte, er müsse protestieren, so dass die ganze Welt davon höre. Grynszpan flüchtete nicht, sondern ließ sich verhaften und begründete auch gegenüber dem französischen Untersuchungsrichter seine Tat in diesem Sinn. Da Grynszpan zum Tatzeitpunkt minderjährig war, wurde er in das Jugendgefängnis Fresnes bei Paris überstellt.[5]

Von französischen Behörden wurde ein Vorprozess gegen Grynszpan eingeleitet; auch von deutscher Seite bereitete man sich auf den Prozess vor. Goebbels ernannte schon am 8. November den Fachmann für schwierige Propagandaaufgaben und Rechtsberater des Reiches, den Juristen Friedrich Grimm, zum Vertreter des Deutschen Reiches, er solle die Interessen des Deutschen Reiches in Sachen des Mordes an vom Rath wahren [6]. Für den 11. November 1938 initiierte Göbbels das Treffen einer Prozessplanungsgruppe im Propagandaministerium unter der Leitung des Regierungsrates Wolfgang Diewerge. Teilnehmer waren Vertreter des Auswärtigen Amtes, der NSDAP-außenpolitischen Organisation und Friedrich Grimm. Grimm referierte, dass eine Auslieferung Grynszpans auf keinen Fall erwartet werden könne. Daher werde in Frankreich ein Prozess gegen Grynszpan durchgeführt werden. Auf der Sitzung wurde beschlossen, dass Grimm den Prozess beeinflussen solle und als Nebenklägervertreter die Interessen der Eltern und des Bruders vom Rath vertreten solle. Das ging nur mit französischen Anwälten zusammen, mit deren Auswahl Grimm beauftragt wurde. Göbbels hatte in dem Attentatsfall interveniert, da er aus diesem Prozess einen Propagandaerfolg für Deutschland machen wollte. Es sollte nachgewiesen werden, dass eine jüdische Weltverschwörung gegen Deutschland Krieg führe und auch das Attentat organisiert habe. Die deutsche antijüdische Politik sollte als Abwehr des jüdischen Angriffs auf der ganzen Welt verstanden werden. So sollten in Deutschland und auch im Ausland Verständnis für die Vorgänge der Reichspogromnacht und die weitere Unterdrückung der Juden in Europa entstehen. Grünspan sei von dieser „Jüdischen Weltverschwörung“ gelenkt. Diese stecke nach der Propaganda der Nationalsozialisten auch hinter der französischen liberalen demokratischen Presse, die den jugendlichen Grynszpan indoktriniert habe. Damit solle, so die nationalsozialistische Propaganda, auch das deutsch-französische Verhältnis beschädigt werden (das Münchner Abkommen war gerade etwa einen Monat zuvor vereinbart worden). Grimm fuhr umgehend nach Paris. Dort bekam er den Hinweis, dass der Verteidiger Grynszpans, Maître Vincent de Moro-Giafferi, von der französischen Liga gegen den Antisemitismus, der Ligue Internationale Contre l'Antisémitisme (LICA), dessen Eltern aus Polen zum Prozess habe einladen wollen, um sie über die deutschen antijüdischen Aktionen aussagen zu lassen. Grimm hintertrieb diese Einladung in Polen, so dass die polnische Regierung, selbst antisemitisch eingestellt, den Eltern die Ausreise untersagte. Grimm pendelte ständig zwischen Frankreich und Deutschland hin und her und nahm Einfluss auf die Vorbereitung des Prozesses.

Der Prozess verzögerte sich, bis er zu Kriegsbeginn am 1. September 1939 endgültig ins Stocken kam. Die französischen Behörden hätten Grysnzpan wohl auf freien Fuß gesetzt, wenn nicht Grimm gewesen wäre. Grimm, nach eigener Aussage selbständiger Rechtsanwalt, begab sich für einige Monate während des Sitzkrieges an die Deutsche Botschaft nach Bern und hielt über die Schweiz und Schweizer Anwälte Kontakt zu den französischen Untersuchungsbehörden. Dafür wurde er extra zum Generalkonsul des Deutschen Reiches ernannt. Das Ergebnis war, dass der Prozess sistiert wurde, aber Grynszpan im Gefängnis blieb.

Innerhalb von jüdischen Kreisen, z.B. in Frankreich, wurde das Attentat, nicht zuletzt aus den kurz darauf durch die Ereignisse bestätigten Befürchtungen, es würde als Vorwand für eine Vergeltung durch die Nationalsozialisten genutzt werden, überwiegend negativ aufgenommen[7]. Man versuchte von jüdischer Seite, Grynszpan als verrückt hinzustellen, eine Haltung, die noch lange nachwirkte und sich z. B. noch in entsprechenden Äußerungen von Hannah Arendt in ihrem Buch Eichmann in Jerusalem von 1963 wiederfindet.

Auslieferung nach Deutschland

Grynszpan blieb trotz seiner Jugend ohne Prozess ca. 20 Monate inhaftiert, bis die Deutschen Frankreich erobert hatten. Die Franzosen hatten sogar sein Gesuch abgelehnt, auf Seite Frankreichs gegen die Deutschen kämpfen zu dürfen. Sobald der künftige Botschafter Otto Abetz mit seiner Mannschaft, zu der auch der Rechtsprofessor Friedrich Grimm gehörte, am 19. Juni mit den deutschen Truppen nach Paris kam, wurde nach Grynszpan gefahndet, denn schon einen Tag vor Ankunft der Botschaftsmitarbeiter war eine Gestapoeinheit unter Dr. Helmut Knochen nach Paris gekommen. Ein Sturmbannführer dieser Einheit, Karl Bömelburg, war gleichzeitig Leiter einer Gruppe der Geheimen Feldpolizei. Bömelburg und Grimm hatten nun den Auftrag, Herschel Grynszpan zu fangen[8]. Dazu ließ Grimm innerhalb eines Tages durch die Geheime Feldpolizei Polizei- und Gerichtsdienststellen durchsuchen und alle Verfahrensakten beschlagnahmen. Alle Jüdischen Organisationen und alle Anwaltskanzleien wurden durchsucht, die mit Grynszpan zu tun gehabt hatten. Grimm eignete sich sogar die Handakten Moro-Giafferis an, des Verteidigers von Grynszpan.

Am 19. Juni meldete Grimm an das Außenministerium, dass Grynszpan illegal aus dem Gefängnis in Paris entfernt worden sei. In der Tat war Grynszpan vorher mit anderen Gefangenen in den unbesetzten Süden geschickt worden und kam bei einer Bombardierung des Zuges zunächst frei. Er konnte - mittellos und ohne ausreichende Sprachkenntnisse - die Chance unterzutauchen nicht wahrnehmen, sondern stellte sich erneut den französischen Behörden, zuerst im Gefängnis von Bourges, wo ihn ein Staatsanwalt laufen ließ, und dann in Toulouse.
Grimm machte Grynszpan in Südfrankreich ausfindig und ersuchte den französischen Justizminister, Grynszpan auszuliefern[9]. Am 18. Juli 1940 wurde Grynszpan von den Franzosen an Deutschland übergeben und nach Berlin in das Gestapogefängnis im Reichssicherheitshauptamt in der Prinz-Albrecht-Straße 8 transportiert. Diese Auslieferung widersprach dem Inhalt des Waffenstillstandsvertrages und den Bestimmungen des Völkerrechts, denn Grynszpan hatte keine deutsche Staatsbürgerschaft, und die Tat war vor dem Einfall der Deutschen auf französischem Boden geschehen.

Dem lange von Joseph Goebbels erhofften Schauprozess, in dem er die Existenz der „Jüdischen Weltverschwörung“ beweisen wollte und der unter maßgeblicher Beteiligung des Professors Grimm geplant wurde, stand eigentlich nichts mehr im Weg. Grynszpan bediente sich jetzt allerdings einer Verteidigungstaktik seines Pariser Anwalts und behauptete, das Opfer vom Rath aus der Pariser Homosexuellenszene zu kennen[10]. Damit durchkreuzte er die Strategie der Nationalsozialisten. Denn die Ankläger mussten nun befürchten, dass Grynszpan in dem geplanten Prozess die Homosexualität vom Raths und eventuell anderer Nazis in Paris zur Sprache brächte. Auch hätte Grynszpan die Rechtmäßigkeit seiner Auslieferung in Zweifel ziehen[10]können. Auf Befehl Hitlers wurde der Prozess im Juli 1942 abgesetzt, und Grynszpan kam zunächst ins KZ Sachsenhausen. Um den 26. September 1942 wurde er in das Zuchthaus Magdeburg verbracht[11]. Was danach mit ihm geschah, ist nicht geklärt. Vermutlich wurde er noch 1942 oder Anfang 1943 ermordet[12].

Seine Eltern und sein Bruder überlebten den Holocaust. Nachdem sie 1938 nach Polen abgeschoben worden waren, konnten sie später in die Sowjetunion flüchten. Sie wanderten nach dem Krieg nach Israel aus. Grynszpans Vater und sein Bruder sagten 1961 im Eichmann-Prozess aus[1].
Herschel Grynszpan wurde 1960 in der Bundesrepublik von einem Gericht auf Antrag der Eltern offiziell für tot erklärt. Zuvor war in einigen Zeitungsmeldungen und in einer Untersuchung des Historikers Helmut Heiber die Behauptung verbreitet worden, Grynszpan hätte den Krieg überlebt und würde unter anderem Namen in Paris leben[13]. 1981 musste Heiber allerdings gegenüber dem Historiker Ron Roizen zugeben, dass er mittlerweile vom Tod Grynszpans vor Ende des Krieges ausgehe. Die letzte Erwähnung in deutschen Akten Grynszpans datiert jedenfalls von September 1942.

Folgen des Attentats in Deutschland

Grynszpans Attentat war in Deutschland auf Geheiß von Joseph Goebbels Aufmacher in allen Zeitungen und wurde als Vorwand für einige der schlimmsten bis dahin in Deutschland stattgefundenen Pogrome benutzt, die Novemberpogrome 1938 (so genannte „Reichskristallnacht“).[14] Einige Stunden nach Bekanntwerden des Todes vom Raths am Abend des 9. November gingen NSDAP und SA in einer konzertierten, vorbereiteten Aktion gegen jüdische Bürger und deren Besitztümer vor: Trupps von zivil gekleideten SA-Leuten und Parteiangehörigen waren unterwegs, ausgerüstet mit Stangen, Messern, Dolchen, Revolvern, Äxten, großen Hammern und Brechstangen. Sie brachen in die Synagogen ein und steckten sie in Brand und zerschlugen mit Stangen die Schaufenster jüdischer Läden. Dann brachen sie plündernd und zerstörend in die Geschäfte ein. Genauso gingen Schläger-Trupps gegen Juden in ihren Wohnungen vor, die gewaltsam aufgebrochen wurden, sofern nicht geöffnet wurde, und danach verwüstet wurden. Vorgefundene Geldbeträge wurden konfisziert, gefundene Sparbücher und Wertpapiere mitgenommen. Die Bewohner wurden misshandelt und gedemütigt, wobei Frauen und Kinder nicht ausgespart wurden. Insgesamt wurden etwa 400 Personen ermordet (hinzu kamen die Selbsttötungen), ca. 30.000 männliche Juden wurden in KZs eingeliefert. Rund 7.500 Geschäfte und fast alle Synagogen (ca. 1400) wurden niedergebrannt oder in sonstiger Weise zerstört. Zum Hohn für die Pogromopfer wurden diese in einer am 12. November 1938 erlassenen Verordnung über die „Sühneleistung“ auch noch gezwungen, zusätzlich eine „Kontributionszahlung“ in Höhe von einer Milliarde Reichsmark zu leisten.

Bezüge in der Kunst

Die Ereignisse um Herschel Grynszpan inspirierten den englischen Komponisten Michael Tippett zu seinem Oratorium A Child of Our Time.

Literatur

  • Hans-Jürgen Döscher, „Reichskristallnacht“ : die Novemberpogrome 1938 , 3. Auflage, München 2000, ISBN 3-612-26753-1
  • H. Heiber, Der Fall Grünspan, in: Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 5, 1957, S. 134-172, vermutlich erste Abhandlung nach Ende des Dritten Reiches, stützt sich stark auf Angaben von Personen, die direkt oder indirekt ideologisch zum Holocaust beitrugen wie z.B. Friedrich Grimm. Der Antisemitismus dieser Personen schimmert in Heibers Darstellung durch.
  • Friedrich Karl Kaul, Der Fall des Herschel Grynszpan, Akademieverlag Berlin (Ost) 1965
  • Klaus Urner, Der Schweizer Hitler-Attentäter: Drei Studien zum Widerstand und seinen Grenzbereichen, Grynszpan hauptsächlich auf den Seiten 101 bis 111 abgehandelt, Zürich 1982
  • Ron Roizen, Herschel Grynszpan: the fate of a forgotten assassin in Holocaust_and_Genocide_Studies, Vol 1 No 2, 1986, hrsg. von The United States Holocaust Memorial Museum, online einsehbar hier: [2])
  • M. R. Marrus, The Strange Story of Hershel Grynszpan, in: The American Scholar, 57, 1988
  • Karl Jonca: Die Radikalisierung des Antisemitismus: Der Fall Herschel Grynszpan und die „Reichskristallnacht“, in Karl Dietrich Bracher/Manfred Funke/Hans-Peter Schwarz (Hrsg.), Deutschland zwischen Krieg und Frieden: Beiträge zur Politik und Kultur im 20. Jahrhundert, Bundeszentrale für politische Bildung 1990, S.43.
  • Gerald Schwab, The Day the Holocaust began: The Odyssey of Herschel Grynszpan, New York 1990

Film

  • Das kurze, mutige Leben des Herschel Grünspan. (OT: Livrez-nous Grynszpan.) Dokumentation und Doku-Drama, Frankreich, 2007, 76 Min., Regie: Joël Calmettes, Produktion: arte, Produktion: Septembre, deutsche Erstausstrahlung: 29. Oktober 2008, Inhaltsangabe von arte

Einzelnachweise

  1. a b Klaus Mlynek: Die „Reichskristallnacht“, in: Historisches Museum am Hohen Ufer (Hrsg.): Reichskristallnacht in Hannover. Eine Ausstellung zur 40. Wiederkehr des 9. November 1938, Hannover 1978, S. 58
  2. Friedrich Karl Kaul, Der Fall des Herschel Grynszpan, Akademieverlag Berlin (Ost) 1965, S. 12
  3. Artikel Massenaustreibungen polnischer Juden aus Deutschland in Pariser Zeitung vom 29.10.1938 - S -1 nachzulesen in Digitalpresse- Exil der DNB über http://deposit.ddb.de/online/exil/exil.htm
  4. Klaus Mlynek: Die „Reichskristallnacht“, in: Historisches Museum am Hohen Ufer (Hrsg.): Reichskristallnacht in Hannover. Eine Ausstellung zur 40. Wiederkehr des 9. November 1938, Hannover 1978, S. 59
  5. [1]
  6. Friedrich Karl Kaul, Der Fall des Herschel Grynszpan, Akademieverlag Berlin (Ost) 1965, S.45
  7. David H. Weinberg A community on trial: the jews of Paris in the 1930s, Chicago University Press 1977
  8. Gerald Schwab, The Day The Holocaust began: The Odyssey of Herschel Grynszpan, New York 1990, S. 124f
  9. Gerald Schwab, The Day The Holocaust began: The Odyssey of Herschel Grynszpan, New York 1990, S. 128
  10. a b Hans-Jürgen Döscher, „Reichskristallnacht“ : die Novemberpogrome 1938, 3. Auflage, München 2000, ISBN 3-612-26753-1, S. 165
  11. Gerald Schwab, The Day The Holocaust began: The Odyssey of Herschel Grynszpan, New York 1990, S. 184
  12. s. Die in der Literaturliste angegebenen Untersuchungen von Döscher, Jonka, Roizen, Schwab und Urner u.a.
  13. Heiber, Der Fall Grünspan, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1957 Heft 2, S. 172
  14. s. Pariser Tageszeitung vom 11. November 1938, Nr. 839, S. 1, als Beispiel einer deutschen Zeitung, DNB-Projekt Exilpresse Digital Pariser Zeitung

Weblinks


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