Hezbollahi

Hezbollahi

Hezbollah („Partei Gottes“ von arabisch hizbu 'llah, vgl. Koran 5:56) ist eine iranisch-shiitische Bewegung, die sich vor der islamischen Revolution als Anhängerschaft des Ajatollah Khomeini im Iran entwickelte.

Die Anhänger der Hezbollah-Bewegung im Iran werden als Hezbollahi bezeichnet und spielten eine entscheidende Rolle bei der islamischen Kulturrevolution von 1980 bis 1987 im Iran.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Hezbollah entwickelte sich seit Anfang der 1970er Jahre als gesellschaftliche Bewegung, die bis heute eher als eine Art Volksbewegung oder politische Strömung als eine strukturierte Organisation angesehen wird.

Der Name Hezbollah („Partei Allahs“) ist koranischer Herkunft (5:56) und wird in Ayatollah Khomeinis wichtigster Abhandlung Hokumat-e Eslami (Velayate Faqih), die er 1970 in einem Buch publizierte, das erste Mal in diesem Kontex erwähnt.

Mitte der 1970er Jahre kam es bei wiederholten Demonstrationen gegen den Schah Reza Pahlevi zu Zusammenstößen zwischen den Demonstrierenden und Mitgliedern des Schah-Geheimdienstes SAVAK. Bei diesen Demonstrationen riefen die Anhänger Khomeinis „Hezb faqad Hezbollah, Rahbar faqad Ruhollah“ (Hezbollah ist die einzige Partei und Khomeini ist unser einziger Führer), das seither zum Slogan der Hezbollahbewegung geworden ist.

Während dieser Zeit nahmen die revolutionären Hezbollah-Gruppen den bewaffneten Kampf gegen das Schahregime aus dem Untergrund auf. Anfang Januar 1978 kamm es in Qom zu ersten Zusammenstößen studentischer Demonstranten mit der Schah-treuen Royalistischen Armee, die bis 1979 schließlich zum Sturz des Schahs führte. Nach dem Sieg der islamischen Revolution im Iran teilte Khomeini die Hezbollah-Milizen in verschiedene staatliche Gruppierungen auf, die zum Teil in die Armee (Artesh) und dem iranischen Geheimdienst (VEVAK) integriert wurden.

Eine der wichtigsten Gruppierungen die sich aus den Hezbollahmilizen bildete, war die iranische Revolutionsgarde (Pasdaran), die 1979 von Khomeini gegründet wurden. Nach dem Beginn des Iran-Irak-Kriegs 1980, bildete sich ebenfalls aus den Anhängern der Hezbollahbewegung die Freiwilligenmiliz der Bassiji, so wie die Al-Quds-Einheit. Weitere Gruppierungen die sich aus der Hezbollah bildeten, sind die Studentenvereinigung Tahkime Wahdat und die Ansare Hisbollah, die als organisatorisches Sprachrohr der iranischen Hezbollahbwegung gilt.

In den ersten Jahren nach der islamischen Revolution (1980–1982) entwickelten sich wiederholte Machtkämpfe zwischen den verschiedenen politischen Fraktionen, wobei es in Teheran zu bewaffneten Straßenschlachten zwischen den Mitgliedern der Volksmudjahedin (MKO) und den Hezbollahis kam, die wiederum Anhängern der Islamisch Republikanischen Partei Khomeinis waren.

Bis heute existieren ein Dutzend voneinander unabhängigen Hezbollahi-Gruppen, die den Namen Hezbollah tragen und jederzeit vom Regime mobilisiert werden können. Während der Studentenproteste 1999 kam es zu Übergriffen der Hezbollah auf die protestierenden Studenten. In dem Zusammenhang gab es Verbindungen zwischen hochrangigen Mitgliedern der iranischen Hezbollah als Drahtzieher der sogenannten Kettenmorde im Iran.

Islamische Kulturrevolution

Die Hezbollahi wurden während der Islamischen Kulturrevolution instrumentalisiert, um an Irans Universitäten hauptsächlich gegen Säkularisierung und Modernisierung nach westlichem Vorbild vorzugehen. In einer Ansprache am 18. April 1980 übte Ayatollah Khomeini harte Kritik gegenüber einigen iranischen Universitäten, die seiner Meinung nach dem westlichen Vorbild folgten und die islamische Revolution gefährdeten: „Wir fürchten uns nicht vor ökonomischen Sanktionen oder vor einer militärischen Intervention. Wovor wir uns fürchten, sind westlich orientierte Universitäten, die unsere Jugend mit falschen Werten für ihre eigenen westlichen Interessen manipulieren wollen!“

Khomeinis Ansprache galt als Signal für die Hezbollahbewegung im Lande, gegen die westlichen Einflüsse an den iranischen Universitäten vorzugehen. Es führte zur Islamisierung des allgemeinen Schulsystemes im Iran, die an den Oberschulen und Universitäten bis Mitte der 1980er Jahre betrieben wurde. Diese Säuberungen durchzogen das gesamte Land, vor allem in den Teheraner Universitäten, der Universität Shiraz, Ahvaz, Rasht, und weitere grössere Städte des Landes. Im Zuge dieser Konfrontationen zwischen den Khomeini Treuen Hezbollahi und westlich orientierten Studenten verwandelten sich die Campusse in Schlachtfelder, wobei es über 300 Verletzte und mehr als 20 Tote Studenten gab. Diese Ausschreitungen führten zur Schließung einiger Universitäten im Iran für mehrere Jahre.

Die Hezbollahi

Die Hezbollahi sind nicht uniformiert, allerdings durch ihr Auftreten und ihre Erscheinung erkennbar. Hezbollahi tragen meist schlichte Kleidung aus Stoff, Hosen (keine Jeans) und einfache schwarze Schuhe oder Pantoffeln. Ein schwarz-weißes Palästinensertuch, das üblicherweise im Winter getragen wird, und einen Vollbart oder Drei-Tage-Bart. Ein Hezbollahi ist einer, der die Islamischen Bräuche und Regelungen umfassend befolgt, dieser wird auch im iranischen Kontex als maktabi bezeichnet. Mit Abscheu gegenüber jeglicher westlichen oder östlicher Ideologie und Lebensstil. Er ist einfach gekleidet, gibt sich aufrichtig und aufgebracht. Khomeini ist sein Herz und seine Seele. Ein Hezbollahi benutzt keine westlichen Produkte wie Parfüm oder aus seiner Sicht dekadente westliche Sachen und trägt als Zeichen seiner Ablehnung dem westlichen Kapitalismus gegenüber niemals eine Krawatte. Er raucht nicht und boykottiert amerikanische Produkte. Heute befinden sich Hezbollahi in allen Schichten der iranischen Gesellschaft. Allgemein werden Angehörige des Regimes und Mitglieder des iranischen Parlaments sowie Angehörige der Basij und Pasdaran als Hezbollahi bezeichnet. Zu den prominentesten Hezbollahi im Iran zählen der derzeitige iranische Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad sowie Veteranen aus dem Iran-Irak Krieg wie Hossein Allah Karam, Hassan Abbasi und Massoud Dehnamaki. Als einer der ersten Anführer der Hezbollahi im Iran gilt Hodjatoleslam Hadi Ghaffari, der als einer der jungen Schüler Khomeinis galt.

Verbreitung

Die Hezbollah Bewegung formierte und verbreitete sich in der vor-revolutionären Ära Irans in den 1970er Jahren bis zum Sturz des Shah-Regimes 1979. Mit dem Entstehen der Islamischen Republik Iran, die am 1. April 1979 von Ayatollah Khomeini proklamiert wurde, verbreitete sich die Hezbollah-Bewegung schlagartig im ganzen Land und wurde Anfang der 1980er Jahre im Rahmen des vom Iran beabsichtigten Revolutionsexports in die Nachbarländer des Iran und dem gesamten Nahen Osten verbreitet, wobei diese mehrheitlich auf die schiitische Bevölkerung in den jeweiligen Ländern ausgerichtet war. Aus diesen Bestrebungen heraus wurden tausende Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden (Pasdaran) in die jeweiligen Staaten geschickt, um die revolutionäre Hezbollah-Bewegung nach iranischem Vorbild zu verbreiten. Daraus entstanden verschiedene meist durch den Iran ideologisch und finanziell unterstützte schiitische Gruppierungen im Irak, Syrien, Libanon, Afghanistan, Aserbaidschan, Bahrain, Jemen und Saudi-Arabien wie die Hizballah Al-Hijaz, aber auch sunnitischen Gruppierungen wie der palästinensisch Islamische Jihad oder die Kurdische Hezbollah in der Türkei. Als bekanntester Ableger der iranischen Hezbollah-Bewegung gilt allerdings die 1982 entstandene Libanesische Hezbollah, die einerseits eine politische Partei, und seit 1992 auch im libanesischen Parlament vertreten ist. Die Libanesische Hezbollah ist bis heute die am stärksten vom Iran unterstützte Organisation, die im Besitz von schweren konventionellen Waffen ist.

Quellen

  • Baqer Moin: Khomeini: Life of the Ayatollah. Thomas Dunne Books, 2000.
  • Asghar Schirazi: The Constitution of Iran. Tauris, 1997.

Weblinks


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