Hitparade

Hitparade

Musik-Charts, oft kurz Charts, seltener auch als Hitlisten bezeichnet, sind geordnete Listen erfolgreicher Musik-Singles („Single-Charts“) oder Musik-Alben („Album-Charts“). Bisweilen wird synonym der Begriff „Hitparade“ verwendet, obgleich dieser Begriff im engeren Sinn eher die audio-visuelle Aufbereitung der Charts, ihre Veröffentlichung in Radio, Fernsehen, Presse oder anderen Massenmedien, bezeichnet. Charts können auf verschiedenen individuellen Einschätzungen basieren oder auf Grundlage von numerischen Indikatoren ermittelt werden.

Inhaltsverzeichnis

Einteilung

Verkaufscharts

Verkaufscharts bedeuten, dass ausschließlich die Verkäufe des Handels an Endverbraucher als Kriterium für die Rangfolge der „Bestsellerliste“ ausschlaggebend sind. Auslieferungen der Musikindustrie an den Handel werden nicht berücksichtigt. In der Regel werden die absoluten Verkaufszahlen aus wirtschaftlichen Gründen nicht veröffentlicht. Die Veröffentlichung der Daten beschränkt sich auf Detailangaben wie die Platzierung, die Anzahl der gesamten Wertungswochen in den Charts oder die höchste erreichte Chart-Position.

Entstanden sind die ersten auf Zahlen basierenden Hitlisten aus den von der Musikindustrie in Auftrag gegebenen Untersuchungen über die Verkaufszahlen von Musikprodukten. Aus diesen wurden Bestenlisten erstellt und veröffentlicht. So sind aus den USA bereits 1890 frühe Musik-Charts bekannt. Damals wurde der Verkauf von Notenblättern ermittelt, später dann der Verkauf von Tonträgern. Die Ermittlung der Verkaufszahlen wird durch die Einführung von neuen Medien regelmäßig angepasst. Zu den Kriterien, die sich ändern, gehört die Durchführung der Datenerfassung, die Einteilung der Listen nach Genres und die Indikatoren, die in die Wertung einfließen. Beispielsweise werden in den deutschen Verkaufscharts seit Juli 2002 auch die Verkäufe von Musik-DVDs und seit August 2004 kommerzielle Musik-Downloads für die Single-Chartwertung berücksichtigt.

Hörer- und Leser-Charts

Neben den Verkaufscharts gibt es Hörer- und Leser-Charts, die nicht mit den aus Waren- und Dienstleistungmarkt für Musik entnommenen Kriterien ermittelt werden. Dies geschieht heutzutage in den allermeisten Fällen mittels Internet und/oder telefonischer Abstimmung. Meist werden sie von Radio- selten von Fernsehsendern veranstaltet. Es wird dem jeweiligen Voter per Post (selten), per Telefon oder über das Internet ermöglicht seine(n) Lieblingssong(s) aus einer Liste auszuwählen. Eigenvorschläge des Abstimmers sind in vielen Fällen auch möglich.

Die Wertung, die daraus entsteht, hat unterschiedliche Aussagen: Die Zielgruppe eines bestimmten Mediums ist z.B. der Meinung, dass ein bestimmter Titel der beste ist. Die objektive Aussagekraft solcher Hitparaden ist daher durchaus zu hinterfragen. Dies insbesondere, wenn die abzustimmenden Titel ausschließlich redaktionell zur Abstimmung aufbereitet und vorgegeben werden (meist bei TV-Sendern der Fall). Dennoch ist festzustellen, dass Titel, die in mehreren Radio/TV-Votingcharts gleichzeitig gut platziert sind im Normalfall auch immer gute Verkaufszahlen erreichen. Oftmals ist es auch so, dass neue Songs in Votingcharts vorgeschlagen werden, noch Wochen bevor sie käuflich erhältlich sind und somit durchaus eine Aussage darüber gemacht werden kann, wie kommerziell erfolgreich ein solcher Titel sein wird.

Airplay-Charts

Die Airplay-Charts geben die Rangfolge der im Rundfunk gespielten Titel nach Anzahl der Einsätze pro Woche und Reichweite wieder. Die Charts können dabei z. B. durch die Auswertung der von den Sendern erstellten Sendelisten oder durch die direkte Beobachtung der gesendeten Programme erfolgen[1]. Basis der Ermittlung der Einsätze (der Airplays) ist heutzutage meist ein elektronisches Erkennungssystem, bei dem jeder Song durch sogenannte „Fingerprints“ erfasst ist, d.h. in kurzen zeitlichen Abständen wird eine Art musikalischer Fingerabdruck genommen. Das Ermittlungssystem vergleicht dann die elektronische Struktur der ausgestrahlten Titel in den überwachten Sendern permanent mit den Fingerprints in der Datei. Wird ein Titel erkannt, wird automatisch der jeweilige Einsatz mit Titel, Interpret, Sender und Uhrzeit festgehalten und später ausgewertet. Bei der Auswertung werden die Plays mit den jeweiligen Hörer-Reichweiten der Sender gewichtet.

Interessant ist diese Art der Erhebung vor allem für die Musik- und Medienbranche. Da Lieder zuerst von Radio- und Fernsehstationen gespielt werden, bevor sie in den Verkauf kommen, gilt der Airplay als Indikator für die Entwicklung eines Titels in den Verkaufscharts. Durch die Zuordnung von Radiosender und Musikprogramm wird zudem die Positionierung eines Musiktitels hinsichtlich der Zielgruppen transparent. Veröffentlicht werden Airplay-Charts vor allem in den Fachmedien, in Deutschland z.B. in Musikwoche oder Musikmarkt.

Das irische Unternehmen Nielsen Music Control ermittelt in 18 Ländern die Airplay-Charts[2], z. B. in Österreich und Deutschland. In der Schweiz werden die offiziellen Schweizer Charts durch das deutsche Unternehmen MusicTrace erstellt, diese Firma bietet im Auftrag mehrerer Plattenlabels ebenfalls deutsche Airplay-Charts an.[3]

Händler-Charts

Händler-Charts sind von größeren Händlern selbst zusammengestellte und in den eigenen Ladengeschäften ausgehängte, teilweise auch in Zeitungen oder auf Webseiten veröffentlichte, Bestsellerlisten. Sie sind ein Marketinginstrument, welches den Verkauf fördert und auf das gelistete Repertoire verweisen soll. Rückschlüsse auf den Gesamtmarkt lassen sich nur bedingt ziehen, da händlerindividuelle Sortimente und Marketingmaßnahmen sich im Ergebnis niederschlagen.

Genre- bzw. Repertoire-Charts

Genre- bzw. Repertoire-Charts sind in den meisten Fällen einem musikalischen Genre zugeordnete Wertungen (Beispiele: Popmusik, R&B, Metal, Country, Schlager, Volksmusik oder Klassik). Interessant sind solche Charts vor allem auf bestimmte Genre spezialisierte Plattenfirmen sowie für Fachmedien zum Genre und sie werden für die Verkaufsförderung von Künstlern genutzt, die in den allgemeinen Charts nicht oder nur nur auf hinteren Plätzen vertreten sind. Speziell in den Trendcharts ist die Chartlandschaft stark wachsend.

Manipulation

Bei allen Arten der Chartermittlung gibt es schon immer Gerüchte über Manipulationen. Dies reicht von der Bestechung von DJs und Musikredakteuren, über gefälschte Verkaufsmeldungen von Geschäften bis hin zu verdeckten, massenhaften Aufkäufen von Platten. Allerdings haben die Auftraggeber für die Charts (in Deutschland der Bundesverband der Phonographischen Wirtschaft) und die Chart-Provider selbst (in Deutschland für die Top 100 Charts die Firma Media Control) ein fundamentales Interesse an einer korrekten Chartermittlung, weil andernfalls die Charts unglaubwürdig und damit wertlos würden. Daher wird eventuellen Verdächtigungen, Hinweisen, Gerüchten auf Chart-Manipulationen nachgegangen. Dass dies tatsächlich passiert, stellte sich im Frühjahr 2005 heraus, als in Deutschland ein solcher Massenaufkauf nachgewiesen werden konnte und daraufhin mehrere Titel aus der Chartwertung genommen wurden.

Kritik

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Immer mehr Independentkünstler, -labels und -vertriebe äußern Kritik am Chartregelwerk. Um überhaupt für die Charts gezählt zu werden, muss man auch in den großen Ketten, wie beispielsweise Media Markt/Saturn vertreten sein, eine Listung im Phononet reicht dafür nicht aus. Es sind jedoch gerade die Indie-Labels und deren Vertriebe, die keinen Zugang zu diesem Markt erhalten, aber dennoch hohe Verkaufszahlen über alternative Wege erzielen. Da die Chartplatzierung eines Titels oftmals als alleiniges Verkaufsargument dient und nur ein kleiner Kreis von Vertrieben überhaupt gezählt wird, werden aus dem Independentbereich immer mehr kritische Stimmen laut. So strebt der Independentvertrieb Radar Music aus Köln ein kartellrechtliches Verfahren an.

Beispiele für internationale Charts

Nummer-eins-Hits

Auflistungen von Singles und Alben, die auf Platz eins der Charts waren, sind für folgende Länder erstellt:

Siehe auch

Portal
 Portal: Charts und Popmusik – Weitere Artikel zu den Themen Charts und Popmusik

Quellen

  1. http://www.radiocharts.com/html/about.htm
  2. http://www.nielsenmusiccontrol.com/index_ger
  3. http://www.mmba.de/index.php?content=news&mode=nv&nr=248205

Weblinks


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