- Hälfte des Lebens
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Hälfte des Lebens ist ein bekanntes Gedicht von Friedrich Hölderlin aus dem Jahr 1805.
Inhaltsverzeichnis
Inhalt
Hölderlins Gedicht hat folgenden Wortlaut:[1]
Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm’ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.Rezeption
Auch Verehrer Hölderlins konnten dieses Gedicht nicht einordnen. Christoph Theodor Schwab, der 1846 Hölderlins Werke herausgibt, kategorisierte „Hälfte des Lebens“ unter der Überschrift „Aus der Zeit des Irrsinns“.
Marie Luise Kaschnitz las Hölderlins Gedicht vor dem Hintergrund ihrer eigenen Lebenserfahrung und fand sich darin selber, obwohl sie „beinahe noch ein Kind“ war, als sie es kennenlernte:[2]
„Die Landschaft, die ich beim Lesen der ersten Strophe vor Augen hatte, die des Bodensees nämlich mit ihrer nachsommerlichen Fülle von Blumen und Früchten, beglückte mich, das winterliche Bild der sprachlosen Mauern erregte in mir eine Wollust der Einsamkeit, das Klirren der Drähte an den leeren Fahnenstangen war dazu die passende Musik. Erst in späteren Jahren verstand ich recht eigentlich die schmerzliche Frage und Klage des Gedichts, ich bezog sie auf das Alter, das jedem jungen Menschen als ein halber Tod erscheint und dessen Schrecken ich durch die Vision einer nicht mehr von Blumen und schönen Tieren belebten, grauen Winterlandschaft vollkommen ausgedrückt fand. Noch später las ich das Gedicht wieder anders, nämlich als tödliche Furcht vor einem krankhaften und doch auch jedem gesunden Menschen bekannten Seelenzustand der inneren Verödung und Kälte, in dem die Dinge ihre Farben, ihren Duft und ihre Stimme verlieren. Diese Furcht vor einer ewigen, nur von kalten metallischen Geräuschen noch erfüllten Gefühllosigkeit weiß der Dichter, der vorher die Liebestrunkenheit und die heilige Nüchternheit seines lebendigen Lebens in so herrlichen Bildern darstellte, auch im Leser und Hörer zu erwecken, nicht nur durch die Wahl seiner Worte, sondern auch durch die Folge seiner Vokale ...“
Sonstiges
„Hälfte des Lebens“ ist ein vom DEFA-Studio für Spielfilme produzierter Film von Herrmann Zschoche aus dem Jahre 1984.
Literatur
- Karl Hotz: „Gedichte aus sieben Jahrhunderten“. Interpretationen. Bamberg. C. C. Buchners Verlag, 1993. ISBN 3-7661-4311-5
Quellen
- ↑ Stuttgarter Ausgabe (StA), Bd. 2, S. 117, zit. nach: www.hoelderlin-gesellschaft.de
- ↑ http://www.zum.de/Faecher/D/BW/gym/hoelder/haelfte.htm
Weblinks
Roman
Hyperion oder Der Eremit in Griechenland
Drama
Der Tod des Empedokles | Trauerspiele des Sophokles
Lyrik
Gedichte | Patmos. Dem Landgrafen von Homburg | Hälfte des Lebens
Philosophische Schriften
Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus (Verfasserschaft nicht eindeutig)
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