Isis-Kult

Isis-Kult
Isis in Hieroglyphen
meistens nur
st t
H8

Ast / Aset
ˁst
Sitz, Thron
oder
mit Determinativ
st t
H8
C10
Isis mit Was-Zepter und Anch-Zeichen

Isis (auch Ise(t)) (ägypt. as(e)t: 'Sitz, Thron') war in der ägyptischen Mythologie die Tochter des Geb und der Nut, Schwester des Seth und der Nephthys, sowie Schwester und Gemahlin des Osiris. Von diesem empfing sie Horus als Sohn, den sie in der Einsamkeit der Nilsümpfe, versteckt vor dem Gott Seth, zur Welt brachte. Da sie den toten Osiris beklagte, der von Seth getötet wurde, war sie auch Göttin der Toten und ihr gelang es mit Anubis ihren Gatten wieder zusammenzusetzen und auferstehen zu lassen.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

In den Pyramiden- und Sargtexten erscheint Isis während der Einbalsamierung in ihrer Funktion als Klagefrau mit dem Epitheta Die von der Kopfstütze und war während der Zeremonie am Kopfende des Totenbettes oder des Sarges positioniert. Ihre Vergöttlichung im Verlauf der 5. Dynastie ist im Zusammenhang mit dem Aufkommen von Osiris zu sehen. Es besteht daher die Vermutung, dass Isis ursprünglich eine der Priesterinnen von Hathor und Neith war.

Zuschreibungen

Den Ägyptern galt sie als „Göttin der Liebe”, als „Meergöttin”, „Gottesmutter”, „Sonnenmutter”, „Königin des westlichen Himmels” und als „Zauberin”, da sie sich in ihrer Beziehung zu Horus und Osiris der Zauberei bediente. Mütter baten sie um Segen für ihre Kinder. Sie galt als mächtige Zauberin, die alle Geheimnisse und zukünftigen Ereignisse kannte. In Inschriften wird gesagt, sie sei „klüger als alle Götter”. So hatte sie für die Ägypter auch dunkle Seiten. Sie stahl dem gealterten Gott Re die Magie, um sich so zur Herrscherin über die Welt aufzuschwingen.

Der Altarstein im Isistempel von Philae

Die ägyptischen Pharaonen beriefen sich darauf, Söhne der Isis zu sein und ihr Schoß wurde als königlicher Thron angesehen. Das Trinken von Milch, die als Milch der Isis galt, war Bestandteil der Inaugurationszeremonie im Pharaonenreich. Später wurde ihre Gestalt in Ägypten mit anderen ägyptischen Gottheiten (besonders Hathor) vermischt. Und durch die Missionierungsarbeit der ägyptischen Isis-Priester wurde ihr Kult unter den Ptolemäern im ganzen Römischen Reich populär.

Der Tempel der Isis stand auf der Insel Philae, welche tief im Süden Ägyptens liegt. Wegen des Baus des Assuan-Staudamms wurde der Tempel Stein für Stein weiter nördlich, auf der Insel Agilkia, von 1977 bis 1980 wieder aufgebaut. Isis wurde bis ins 5. oder 6. Jahrhundert in Ägypten verehrt und ihr dienten nur Priesterinnen. In heutiger Zeit dient der Tempel wieder gelegentlich einer Religionsgemeinschaft als Kultstätte der Göttin.

Ihr Symbol war der Sirius, denn als Fruchtbarkeitsgöttin war Isis für die Nilüberschwemmung verantwortlich, die mit der ersten morgendlichen Sichtbarkeit des Sirius begann.

Durch die spätere Vermischung mit der Hathor erhielt sie außerdem als Kopfzierde Kuhhörner mit einer Sonnenscheibe. Oft wurde sie auf Gruft- und Sarkophagwänden mit ausgebreiteten Flügeln dargestellt, mit denen sie die Toten beschützte und Luft zuwedelte. Die Kuhhörner bedeuten zugleich die Mondsichel. Als Göttin der Magie und der Toten wurde Isis, v.a. in späterer Zeit, auch als Mondgöttin gedeutet.

Bedeutung in Griechenland

Im Hellenismus setzte man den lebenden König, den man mit Horus gleichsetzte, mit dem Osiris als dem verstorbenen König in Verbindung, so wurde Isis auch mit dem Osirismythos in Beziehung gebracht, und dadurch Teil des so genannten Isis- und Osiriskultes.[1] Der griechische Historiker Plutarch beschrieb sie im 2. Jahrhundert als das weibliche Prinzip in der Natur. Bei Apuleius, einem eklektischen Platoniker, wird sie zur universellen Allgöttin, die in die Mysterienkulte einweiht.

Bedeutung im Römischen Reich

Über die Ptolemäer und den hellenistischen Kulturkreis kam dann auch der römische Kulturkreis in Kontakt mit dem Isis-Kult. In der römischen Republik und zu Anfang des Kaiserreiches, zuletzt unter Tiberius, teilweise verboten, etablierte sich der Isis-Kult endgültig unter Kaiser Caligula im römischen Imperium.

Der einzige vollständig erhaltene lateinische Roman der Antike, der „Goldene Esel” des Apuleius, handelt von den Isis-Mysterien. Der Kult hat sich sogar in den Alpen und nördlich davon ausgebreitet, es gab z.B. Isis-Tempel in Maria Saal, Köln, Mainz und London.

Auswirkungen auf das Christentum

Die Isis-Ikonografie, vor allem „Isis mit dem Horusknaben” (isis lactans), erinnert an spätere Darstellungen der „Maria mit dem Jesuskind”. Forscher halten es für möglich, dass der Marienkult teilweise seinen Ursprung aus dem bis in christliche Zeiten verbreiteten Isis-Glauben hat.

Siehe auch

Literatur

  • Altenmüller, H., 1999. Zum Ursprung von Isis und Nephthys (Studien zur altägyptischen Kultur 27), 1-26
  • Bricault, L., 2001, Atlas de la diffusion des cultes isiaques, Paris
  • Bricault, L., 2005, Recueil des inscriptions concernant les cultes isiaques, Paris
  • Burkard, G., 1995, Spätzeitliche Osiris-Liturgien im Corpus der Asasif-Papyri (Ägypten und Altes Testament 31), Wiesbaden
  • Dousa, T.M., 2002, Imagining Isis. On some continuities and discontinuities in the image of Isis in Greek Isis hymns and Demotic texts, in: Kim Ryholt (Hg.), Acts of the Seventh International Conference on Demotic Studies (CNI Publications 27), Kopenhagen, 149-184
  • Thorsten Fleck: Isis, Sarapis, Mithras und die Ausbreitung des Christentums im 3. Jahrhundert. In: K.-P. Johne, Th. Gerhardt, U. Hartmann (Hrsg.): Deleto paene imperio Romano. Transformationsprozesse des Römischen Reiches im 3. Jahrhundert und ihre Rezeption in der Neuzeit. Stuttgart 2006, S. 289–314. 
  • Levlant, J. / Clerc, G., 1972-1991, Inventaire bibliographique des Isiaca 1-4 (Études préliminaires aux religions orientales dans l’empire romain 18), Leiden
  • Martinez Maza, C., 2000, Los antecedentes isiacos del culto a Maria, Aegyptus 80, 195-214
  • Merkelbach, R., 1995, Isis regina – Zeus Sarapis, Stuttgart / Leipzig
  • Münster, Maria, Untersuchungen zur Göttin Isis vom Alten Reich bis zum Ende des Neuen Reiches (Münchner Ägyptologische Studien 11), Berlin 1968.
  • Quack, J.F., 2002, Königsweihe, Priesterweihe, Isisweihe, in: J. Assmann / M. Bommas (Hgg.), Ägyptische Mysterien?, 95-108.
  • Quack, J.F., 2003, „Ich bin Isis, die Herrin der beiden Länder“. Versuch zum demotischen Hintergrund der memphitischen Isisaretalogie, in: S. Meyer (Hg.), Egypt – Temple of the Whole World (FS J. Assmann), Leiden, 319-365
  • Quack, J.F., 2002, Zum ägyptischen Ritual im Iseum Campense in Rom, in: C. Metzner-Nebelsick (Hg.), Rituale in der Vorgeschichte, Antike und Gegenwart, Internationale Archäologie – Arbeitsgemeinschaft, Symposium, Tagung, Kongreß 5, Rahden (Westf.), 57-66
  • Žabkar, L.V., 1988, Hymns to Isis in her temple at Philae, Hanover, NH

Weblinks

Weiterführende

Einzelnachweise

  1. Kathrin Kleibl, Die Wasserkrypten in den hellenistischen und römischen Heiligtümern der ägyptischen Götter im Mittelmeerraum, Wissenschaftliche Hausarbeit zur Erlangung des akademischen Grades einer Magistra Artium der Universität Hamburg, 2003. (PDF von 218 Seiten)

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