Janusz Radziwill (1880-1967)

Janusz Radziwill (1880-1967)

Fürst Janusz Radziwill (* 3. September 1880 in Berlin; † 4. Oktober 1967 in Warschau) war ein polnischer Großgrundbesitzer und Politiker.

Janusz Radziwill

Inhaltsverzeichnis

Ausbildung und Familie

Radziwill war Sohn von Ferdinand von Radziwill und dessen Frau Pelagia Sapieha.

Sein Abitur machte Radziwill am Karolineum in Osnabrück. Anschließend studierte er Forstwissenschaften in Eberswalde.

Er heiratete 1905 die Fürstin Anna Lubomirska (1882–1948). Radziwill sprach eine Reihe von europäischen Sprachen.

Erster Weltkrieg

Radziwill der neben der deutschen auch die russische Staatsbürgerschaft besaß, befand sich beim Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 auf seinem Schloss Olyka in der heutigen Ukraine. Nach der Oktoberrevolution kam er mit seiner Familie in den Westen.

Danach erst trat Radziwill politisch hervor. Er war Mitglied der Regierung des von den Mittelmächten 1916 ausgerufenen Regentschaftskönigreich Polen. Er übte vom 4. April 1918 bis zum 26. September 1918 die Funktion eines Außenministers aus.

Politiker der polnischen Republik

In der zweiten polnischen Republik war er Großgrundbesitzer, Unternehmer und Verleger. Er besaß eine große Kunstsammlung. Zu dieser gehörten Werke der Antike ebenso wie italienische und französische Gemälde des 16. und 17. Jahrhunderts. Auch Kunstwerke von Rang aus Deutschland gehörten zu seiner Sammlung. Wegen seiner Unterstützung der deutschen Marionettenregierung war er anfangs unpopulär.

Dennoch machte er später auch als Politiker Karriere. Im Jahr 1926 traf er als maßgeblicher Sprecher des konservative Adels mit Józef Piłsudski zusammen und versprach ihm die politische Unterstützung durch monarchistische und konservative Organisationen.

Zwischen 1928 und 1935 war Radziwill Mitglied des Sejm und von 1935 bis 1938 des Senats. Zeitweise war er Vorsitzender des auswärtigen Ausschusses des polnischen Parlaments. Er war konservativ, ein Gegner sowohl des Rechts- wie des Linksradikalismus. Den zeitweise nationalistischen Kurs der Politik hat er kritisiert.

Auf die Bitte von Józef Piłsudski 1934 als Botschafter nach Deutschland zu gehen, antwortete er ablehnend, da er von den anhaltenden Friedensbeteuerungen von Adolf Hitler nicht überzeugt war. Dennoch war er an guten Beziehungen mit Deutschland interessiert. Auf Drängen von Außenminister Józef Beck hat er Hermann Göring 1935 zur Jagd besucht, um so ein Treffen Görings mit der polnischen Führungsspitze zu vermitteln.

Zweiter Weltkrieg

Nach der sowjetischen Besetzung von Teilen Polen wurde Radziwill 1939 vom NKWD inhaftiert und in der Lubjanka inhaftiert. Dabei wurde er zweimal auch vom Geheimdienstchef Lawrenti Beria verhört, der versuchte Radziwill für die sowjetische Seite zu gewinnen.

Auf ausländischen Druck unter anderem durch Göring und die italienische Königsfamilie wurde Radziwill einige Monate später freigelassen. Er kehrte in das deutsch besetzte Polen zurück. Er wurde Leiter des von den Deutschen geduldeten „Haupthilfsrat“ und unterhielt Kontakte zum Widerstand. 1940 überreichte er Göring ein Memorandum mit dem Ziel, die Freilassung der Krakauer Professoren zu erreichen. Seine Versuche zu Gunsten seiner Landleute bei den Deutschen einzutreten scheiterten. Während des Warschauer Aufstandes von 1944 wurde er zeitweise festgenommen.

Nachkriegszeit

Nach 1945 wurden er und seine Frau erneut vom NKWD inhaftiert. Seine Frau starb während der Haft. Sein Grundbesitz und seine Schlösser wurden von der Regierung der Volksrepublik Polen verstaatlicht. Radziwill hatte seine Kunstschätze unmittelbar vor Beginn des Krieges dem polnischen Nationalmuseum zur Aufbewahrung übergeben. Auf diese Weise entgingen sie der Enteignung. Ein Teil der Werke verkaufte er an den Staat und konnte so von dem Erlös leben. Die Regierung erlaubte ihm später sogar einige Auslandsreisen. Im Jahr 1953 benutzte der sowjetische Geheimdienstchef Berija ihn als Abgesandten, um im Westen den Plan einer deutschen Wiedervereinigung zu lancieren.

Eine der Söhne Radziwills war Schwager von John F. Kennedy.

Literatur

  • Munzinger: Internationales Biographisches Archiv vom 1. Januar 1968

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать курсовую

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Janusz Radziwiłł (1880–1967) — Janusz Franciszek Radziwiłł (1880 1967) was a Polish nobleman and politician. Member of the government of the Kingdom of Poland (1916–1918). A conservative politician in the Second Polish Republic, he was a supporter of Józef Piłsudski, member of …   Wikipedia

  • Janusz Radziwiłł (1880–1967) — Fürst Janusz Radziwill (* 3. September 1880 in Berlin; † 4. Oktober 1967 in Warschau) war ein polnischer Großgrundbesitzer und Politiker. Janusz Radziwill Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Janusz Radziwiłł — or Jonušas Radvila is the name of several Polish–Lithuanian nobles:* Janusz Radziwiłł (1579–1620), castellan of Vilnius and the starost of Borysów * Janusz Radziwiłł (1612–1655), signatory of the Union of Kėdainiai * Janusz Radziwiłł (1880–1967) …   Wikipedia

  • Radziwiłł — in Polish, ( lt. Radvila; de. Radziwill; be. Радзівіл, Radzivił; la. Radvil) is a family of high nobility which has been powerful and important for centuries, first in the Grand Duchy of Lithuania and later in the Polish Lithuanian Commonwealth.… …   Wikipedia

  • Janusz — ist ein polnischer männlicher Vorname, der von Johannes abgeleitet ist.[1] Inhaltsverzeichnis 1 Namensträger 1.1 Herrscher 1.2 Vorname …   Deutsch Wikipedia

  • Radziwill — Das Adelswappen der Familie von Radziwill, Wappengemeinschaft Trąby Radziwiłł [ɾadʒˈiviˌw] (auch Radziwill, Radzivil, litauisch Radvila) ist der Name eines litauischen, polnischen und preußischen Adelsgeschlechts, das …   Deutsch Wikipedia

  • Radziwiłł — Wappen der Fürsten und Prinzen Radziwiłł Radziwiłł [ɾadʒˈiviˌw] (auch Radziwill, Radzivil, litauisch Radvila) ist der Name eines litauischen, polnischen und preußischen Adelsgeschlechts, das ursprünglich zum litauischen Hochadel gehörte …   Deutsch Wikipedia

  • Radziwiłł family — ▪ Polish family       an important Polish–Lithuanian princely family that played a significant role in Polish–Lithuanian history.       Prince Mikołaj I (d. 1509) started a long line of Radziwiłł palatines of Wilno (Vilnius) when he was named to… …   Universalium

  • Радзивилл, Януш (1880-1967) — В википедии есть также статья о дворянском роде Радзивиллы. Януш Францышек Радзивилл (польск. Janusz Franciszek Radziwiłł, 3 сентября 1880, Берлин 4 октября 1967, Варшава) князь, последний ординат Олыки и магнат Неборова, сын Фердинанда Радзивлла …   Википедия

  • Stanisław Albrecht Radziwiłł — Infobox British Royalty|highness name =Stanisław Albrecht Prince Radziwiłł title =Prince of the Holy Roman Empire imgw =200 successor =John Stanislaw Albrecht spouse =Caroline Lee Bouvier Canfield (1959–1974) Grace Kolin (1946–1958) Rose de… …   Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”