Kiffhäuser

Kiffhäuser
Alte Karte des Kyffhäuser
Blick von Nordosten auf den Kyffhäuser
Die durch Verkarstung unbewaldeten Hänge des Kyffhäusers
Das Kyffhäuserdenkmal um 1900
Blick von Norden zum Kyffhäuser

Der Kyffhäuser ist ein Bergrücken südöstlich des Unterharzes und der Goldenen Aue an der Grenze Thüringens zu Sachsen-Anhalt.

Der Kyffhäuser ist etwa 19 km lang und 7 km breit. Die höchste Erhebung ist mit 477 m ü. NN der Kulpenberg in der Gemarkung Steinthaleben. Auf ihm sind ein Richtfunkturm und Fernsehfüllsender mit 94 m Höhe installiert. Bekannt ist der Kyffhäuser vor allem durch das Kyffhäuserdenkmal zu Ehren Kaiser Wilhelms I..

Während der größte Teil des Höhenzugs mit Wald bedeckt ist, fallen am Süd- und Westrand des Kyffhäusers die unbewaldeten Hänge auf. Das Fehlen von Wald resultiert aus einem Mangel an Grundwasser des sehr gipshaltigen und stark verkarsteten Untergrundes.

Der Name Kyffhäuser wird auf das Wort cuffese (=Kuppe/Kopf) zurückgeführt.[1] Historisch existieren auch die Schreibweisen Kiffhäuser und Kyfshäuser. [2]

Inhaltsverzeichnis

Erhebungen

  1. Kulpenberg (477 m)
  2. Thallebener Berg
  3. Halber Berg
  4. Tannenberg (351 m)
  5. Sittendorfer Köpfe
  6. Mönchenberg
  7. Falkenburg (283 m)
  8. Kelterberg
  9. Kippenhügel
  10. Kautzberge (430 m)
  11. Bärenköpfe
  12. Kälberköpfe
  13. Lindenkopf
  14. Brandberg
  15. Rehkopf
  16. Pfingstberge
  17. Gietenkopf (427 m)
  18. Solberkopf
  19. Schneeberg
  20. Saukopf
  21. Böttcherberg
  22. Großer Herrnkopf
  23. Großer Schweinskopf (303 m)
  24. Kleiner Schweinskopf
  25. Spatenberg
  26. Breiter Berg
  27. Kosakenberg (223 m)
  28. Galgenberg
  29. Klocksberg
  30. Schlachtberg (271 m)
  31. Scheitsköpfe (311 m)
  32. Hüttenberg
  33. Roter Berg
  34. Lückenhügel

Historische Bauten und Denkmäler

Auf dem Kyffhäuserburgberg in 457 m ü. NN wurde zwischen 1890 und 1896 oberhalb der 972 erstmalig erwähnten Pfalz Tilleda das auch Barbarossadenkmal genannte Kyffhäuserdenkmal auf den Ruinen der Reichsburg Kyffhausen gebaut. Das 81 m hohe Monumentaldenkmal wurde von Bruno Schmitz entworfen, der später auch das Völkerschlachtdenkmal in Leipzig gebaut hat. Neben dem Denkmal sind auch noch Reste der Reichsburg Kyffhausen mit dem tiefsten Burgbrunnen der Welt mit einer Tiefe von 176 m zu sehen. Dieser Brunnen wurde ohne Zuhilfenahme eines Lots abgeteuft, der Vortrieb ist leicht nach Norden abgedriftet. [3] Der Begriff „Kyffhäuser“ wird oft als Synonym für das Kyffhäuserdenkmal benutzt.

Weiterhin sehenswert ist die Barbarossahöhle bei Rottleben. Ferner befindet sich auf einem steilen Bergvorsprung am Nordrand des Kyffhäusergebirges die Burgruine Rothenburg mit einem 1906 errichteten Bismarckturm.

Am Südrand des Kyffhäuser nahe Bad Frankenhausen erinnert das in einem Rundbau untergebrachte Monumentalgemälde Frühbürgerliche Revolution in Deutschland (auch Bauernkriegspanorama genannt) an die Entscheidungsschlacht im Deutschen Bauernkrieg, die am 15.Mai 1525 stattfand. Das Bild wurde von 1983 bis 1987 vom Leipziger Künstler Werner Tübke zusammen mit zahlreichen Helfern gemalt. Mit seinen 123 m Breite und 14 m Höhe gehört es zu den größten Tafelbildern der Welt.

Kyffhäusersage

Der Kyffhäuser ist der zentrale Punkt einer Sage der Bergentrückung. Nach dieser Sage schläft im Inneren des Kyffhäuserberges der Kaiser Friedrich I., genannt Friedrich Barbarossa mitsamt seinen Getreuen, um eines Tages zu erwachen, das Reich zu retten und es wieder zu neuer Herrlichkeit zu führen.

Innerhalb des Berges liegt eine Höhle. Dort sollen Besucher mit viel Vorstellungsvermögen den Kaiser Friedrich sehen können, wie er auf einer Bank sitzt und schläft. Sein roter Bart sei schon durch den steinernen Tisch gewachsen. Bis zum 16. Jahrhundert nahm nicht Barbarossa, sondern Friedrich II. die Rolle des schlafenden Kaisers in der Sage ein, später auch Karl der Große.[4] Vor allem im Mittelalter gab es immer wieder Hochstapler, die sich als auferstandener Kaiser ausgaben und viele damit täuschten. Das vielleicht bekannteste Beispiel hierfür ist das des Tile Kolup.

Besonders im 19. Jahrhundert wurden mit der Sage auch aktuelle politische Forderungen verknüpft. Vor der deutschen Einigung 1871 hegten viele Deutsche den Wunsch nach einem Nationalstaat, wie er nach damaliger Auffassung zu Zeiten Friedrichs I. existierte.

Eine der bekanntesten literarischen Bearbeitungen dieser Sage ist das 1817 von Friedrich Rückert verfasste Gedicht „Der alte Barbarossa“:

Der alte Barbarossa,
der Kaiser Friederich,
im unterirdischen Schlosse
hält er verzaubert sich.
Er ist niemals gestorben,
er lebt darin noch jetzt;
er hat im Schloss verborgen
zum Schlaf sich hingesetzt.
Er hat hinabgenommen
des Reiches Herrlichkeit
und wird einst wiederkommen
mit ihr, zu seiner Zeit.
Er nickte als wie im Traume
sein Aug halb offen zwinkt;
und je nach langem Raume
er einem Knaben winkt.
Er spricht im Schlaf zum Knaben:
Geh hin vors Schloss, o Zwerg
und sieh, ob noch die Raben
herfliegen um den Berg.
Und wenn die alten Raben
noch fliegen immerdar,
so muss ich auch noch schlafen
verzaubert hundert Jahr.

Die Sage wurde in der Literatur vielfach aufgegriffen, wie beispielsweise in dem Volksmärchen Der Schmied von Jüterbog von Ludwig Bechstein. Heinrich Heine persiflierte die Barbarossa-Sehnsucht in Deutschland. Ein Wintermärchen. Nach 1871 wurde der Kyffhäuser-Mythos nicht mehr auf die nationale Einigung bezogen, sondern vielmehr auf das Weltmachtstreben des deutschen Kaiserreichs unter Wilhelm II. (siehe Imperialismus). In diese Zeit fiel deshalb auch der Aufbau des Kyffhäuserdenkmals, welches nicht nur Friedrich Barbarossa zeigt, sondern auch Wilhelm I., den ersten Kaiser des Hohenzollernreichs, in Form eines Reiterstandbilds als Erben des Staufers präsentiert.

Sport rund um den Kyffhäuser

Eine Attraktion am Kyffhäuser ist das jährlich ausgetragene Tourenwagen-Bergrennen, bei dem eine 3,8 km lange Strecke am Nordhang zwischen Kelbra und dem Kulpenberg vom Forsthaus zum Jungfern-Brunnen befahren wird.

Ein weiteres sportliches Ereignis ist der Kyffhäuser-Berglauf. Seit 1979 treffen sich im April in Bad Frankenhausen Läufer von Nah und Fern. Es gibt einen Marathon, einen Halbmarathon sowie einen 14km- und einen 6km-Lauf.

Etabliert hat sich auch der Kyffhäuser-Bergtriathlon. Dabei wird im Stausee Kelbra geschwommen und beim anschließenden Radfahren der Anstieg zum Kyffhäuser bewältigt. Gelaufen wird dann wieder am Stausee-Zeltplatz.

Weiterhin ist der Kyffhäuser ein Mekka für Motorradfahrer. Während der Saison kommen bei schönem Wetter viele Biker extra zum Berg, um dort eine einzigartige Kombination von 36 Kurven bis zum Gipfel abzufahren. Dabei kommt es oft zu zum Teil schweren Unfällen zwischen Motorradfahrern und anderen Verkehrsteilnehmern.

Der Kyffhäuser ist ein bekanntes Wandergebiet. Folgende Wanderwege führen über den Kyffhäuser oder haben hier ihren Anfangs- bzw. Endpunkt:

Ein weiterer sportlicher Höhepunkt ist der seit 2000 jährlich im Mai durchgeführte Turmtreppenlauf über die 366 Stufen des Kyffhäuserdenkmals.

Sonstiges

Viele öffentliche Einrichtungen der Gegend sind nach dem Kyffhäuser benannt, zum Beispiel das Kyffhäusergymnasium Bad Frankenhausen und die Kyffhäusertherme. Selbst der Landkreis trägt die Bezeichnung „Kyffhäuser“, aufgrund der außerordentlichen Prägung der Region, im Namen.

Im Februar 2008 hat sich in Bad Frankenhausen eine Bürgerinitiative Kyffhäuserwald gebildet, um gegen die vermehrten und großflächigen Abholzungen auf dem Kyffhäuser vorzugehen. Dies tat sie zunächst mit einer Unterschriftenliste, die am 21. Februar 2008 zusammen mit Kinderzeichnungen und eine Materialsammlung, die den Kahlschlag an verschiedenen Stellen dokumentiert, dem Thüringer Ministerpräsidenten Dieter Althaus übergeben wurde.

Literatur

  • Sven Frotscher: Der Kyffhäuser - Natur, Geschichte, Architektur, Denkmale Europas. Artern 1996, ISBN 3-00-000509-9
  • Günter Behm-Blancke: Höhlen Heiligtümer Kannibalen. Ein archäologischer Tatsachenbericht aus dem Kyffhäuser. Dingsda-Verlag Querfurt, Leipzig 2005, ISBN 3-928498-86-X

Einzelnachweise

  1. Zur Namensherkunft auf der Seite über die Burg Kyffhausen bei kyffnet.de
  2. Brockhaus 1911
  3. Burg Kyffhausen im Kyffnet.
  4. August Witzschel: Der im Berge schlafende Kaiser. In: Sagen und Geschichten aus deutschen Gauen. 3 Auflage. Loewes Verlag (Webdokument als Online-Text im Projekt Gutenberg-DE). 

Weblinks

51.41166666666711.102777777778477Koordinaten: 51° 25′ N, 11° 6′ O


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