Koordinationskommitee der Streitkräfte, Polizei und Territorialarmee

Koordinationskommitee der Streitkräfte, Polizei und Territorialarmee

Der Derg war eine Militärjunta, die in Äthiopien nach dem Sturz des Kaisers Haile Selassie 1974 an die Macht gekommen war und diese bis 1987 behielt. Derg (Ge'ez für „Rat“ oder „Komitee“) war die Kurzform des vollständigen Namen Koordinationskommitee der Streitkräfte, Polizei und Territorialarmee. Der Vorsitzende des Derg war Mengistu Haile Mariam, welcher das Land kommunistisch umgestaltete, eine Zusammenarbeit mit der Sowjetunion pflegte und von dort während seiner gesamten Wirkungszeit massive Finanzierung erhielt.

Geschichte

Das Koordinationskommitee der Streitkräfte, Polizei und Territorialarmee oder kurz Derg (Komitee) wurde im Juni 1974 von Armeeoffizieren gegründet, um die Korruption im Militär und die daraus folgenden Unruhen unter den Soldaten zu unterbinden. Zu Beginn gehörten dem Derg etwa 120 Mitglieder an (wobei diese Zahl im Verlauf der Zeit sank, da vor allem in den ersten Jahren Mitglieder zurücktraten oder getötet wurden). Der Major Mengistu Haile Mariam wurde vom Komitee zu dessen Vorsitzendem gewählt.

Nach und nach eignete sich der Derg immer mehr Macht an – einschließlich der Macht, Regierungsmitglieder zu inhaftieren –, sodass sich etliche Minister, Gouverneure etc. bald im Gefängnis wiederfanden. Am 12. September 1974 wurde der Kaiser Haile Selassie abgesetzt und inhaftiert, und am 15. September benannte sich das Komitee in Provisorischer Militärischer Verwaltungsrat (PMVR, engl. PMAC) um und übernahm die Kontrolle über die Regierung.

1975 erklärte der Derg offiziell die Abschaffung der Monarchie und den Marxismus-Leninismus zur Staatsideologie. Ziel war die klassenlose Gesellschaft. Zwischen 1975 und 1977 ließ der Derg Zehntausende Klassenfeinde, Oppositionelle und Gegner der sozialistischen Umgestaltungen verhaften, foltern und exekutieren.

Zum politischen Programm gehörte die Verstaatlichung der meisten Industrien und des gesamten Bodens und die Errichtung von Kollektivfarmen. Dies vermochte jedoch die wirtschaftlichen, sozialen und ökologischen Probleme Äthiopiens nicht zu beheben, sondern führte nach Ansicht einer zunehmenden Zahl von Beobachtern und Kommentatoren zu deren Verschärfung. In die Regierungszeit des Derg fiel die Hungersnot in Äthiopien 1984–1985, wobei dem Derg und Mengistu Haile Mariam vorgehalten wird, zu wenig dagegen unternommen bzw. vielmehr durch ihre Verstaatlichungs- und Umsiedlungs-Politik die Lage verschlimmert zu haben.

1976 bis 1978 kämpfte der Derg im Ogadenkrieg einen Stellvertreterkrieg gegen das Nachbarland Somalia. Während der gesamten Regierungszeit kämpfte er zudem gegen Rebellen in den Provinzen Eritrea und Tigray. Ferner kam es zu internen Konflikten zwischen den Derg-Mitgliedern. Während der Regierungszeit des Derg flohen Hunderttausende Äthiopier vor wirtschaftlicher Not und politischer Repression ins Ausland.

1991, bald nachdem die Sowjetunion ihre Finanzhilfen für Mengistu eingestellt hatte, gewannen Rebellen und Opposition die Oberhand, und der Derg wurde durch die Ethiopian People's Revolutionary Democratic Front entmachtet. Mengistu und die Derg-Führung flohen nach Simbabwe, dessen Präsident Robert Gabriel Mugabe sich seither Auslieferungsgesuchen Äthiopiens verweigert.


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