Miniatur-Bibel

Miniatur-Bibel

Die Schlachter-Bibel, in der Urfassung von 1905 als Miniaturbibel bezeichnet, ist eine Bibelübersetzung in die deutsche Sprache. Sie wurde von dem Schweizer Prediger Franz Eugen Schlachter (1859–1911) übersetzt. Schlachter stand der Heiligungsbewegung bzw. der protestantischen Erweckungsbewegung nahe.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte der Miniaturbibel

Miniaturbibel.

Franz Eugen Schlachter berichtet im Correspondenzblatt der A.P.S (Alt-Prediger-Schüler) der Evangelischen Predigerschule in Basel von der Entstehung der Miniaturbibel, dass er eine mit einem Leerblatt durchschossene Zürcher Bibel dazu benutzte. Er verglich dann den Text mit den Grundtexten, Lexika, Wörterbüchern usw. und fertigte so im Laufe der Jahre eine eigene Übersetzung, die Miniaturbibel, an. Er las die Bibel laufend in den Grundsprachen und schlug jedes Wort in guten Wörterbüchern nach. Das Buch Hiob war der erste Teil der Bibel, den er übersetzte und in einer Sonderbroschüre herausgab. Später folgten weitere Einzelteile, z.B. 1901 das Buch Jesaja. 1903 erschien das Neue Testament und im November 1905 veröffentlichte er dann die ganze Bibel.

Parallel dazu gab Schlachter ein Studienblatt namens „Der Schriftforscher“ heraus. Es war eine Mischung aus Bibelstudienblatt und Bibellexikon. Es war vorgesehen, den lexikalischen Teil später als Anhang der Miniaturbibel zuzufügen. Schlachter gab die Miniaturbibel und den Schriftforscher in seiner Miniaturbibelgesellschaft selber heraus. Sein früher Tod verhinderte eine weitere Bearbeitung bzw. Zusammenführung von Miniaturbibel und Miniaturbibel-Lexikon.

Die o.g. erste Ausgabe dieser Bibel erschien 1905 als so genannte Miniaturbibel in der Schweiz beim Verlag der Miniaturbibel in Biel und in Deutschland beim Verlag Johannes Schergens in Bonn am Rhein.

Die Ausgabe war nur ca. 1,5 cm dick, hatte 728 Seiten, wies ein Format von 11,7 cm × 17,7 cm auf und passte so in jede Jackentasche. Sie hatte einen fortlaufend gesetzten Text, der nur unterbrochen wurde, wenn ein neuer Sinnabschnitt begann. Die kleine Schrift war gestochen scharf und gut lesbar.

Die Miniaturbibel erlebte in den ersten zwei Jahren 6 Auflagen; die erste war schon nach zwei Monaten, im Januar 1906 vergriffen. Sie lief in kurzer Zeit sowohl der Luther-Bibel als auch der Elberfelder Bibel den Rang ab. Vor allem in Kreisen der Heiligungsbewegung und des Pietismus war sie verbreitet. Bis zum Tode Schlachters erlebte sie in der ursprünglichen Form 13 Auflagen.

1907 erschien sie zusätzlich zur Miniaturbibel als Großdruck-Hausbibel und 1908 als Handbibel mit Dünndruck- und Normal-Papier.

Erste Revision nach Schlachters Tod

Nach Schlachters Tod erfolgte – ab 1911 – durch die Schweizer Pfarrer Linder aus Oberhelfenswil (St. Gallen) und Kappeler aus Zollikon (Zürich) eine erste Überarbeitung.

Vorab erschien eine Fassung des Neuen Testamentes dieser revidierten Ausgabe 1912 bei Johannes Schergens, dem deutschen Verleger der Miniaturbibel, in Bonn.

Die vollständige Revision kam im Juni 1913 als Handbibel-Ausgabe bei Johannes Schergens heraus. Im November 1913 erfolgte die zusätzliche Herausgabe als 13. Ausgabe der Miniaturbibel. Mit Zustimmung der Familie Schlachter übernahm die privilegierte Württembergische Bibelanstalt in Stuttgart die weitere Herausgabe der Miniaturbibel. Am Reformationstag 1918 kam die erste Ausgabe der Stuttgarter Bibelanstalt als 14. Auflage der Miniaturbibel auf den Markt und erlebte insgesamt 7 Auflagen. Die letzte Ausgabe der revidierten Miniaturbibel von Johannes Schergens und die erste Ausgabe der Württembergischen Bibelanstalt in Stuttgart waren vom Text her fast identisch. Lediglich kleinere Änderungen bzw. Tippfehlerbereinigungen wurden durchgeführt.

Sonderauflage für Kriegsgefangene

Eine Sonderauflage erlebte das leicht überarbeitete Neue Testament der Miniaturbibel 1945, als die englische Scripture Gift Mission diese mit Zustimmung der Familie Schlachter bei der Genfer Bibelgesellschaft orderte und sie zu Hunderttausenden an die deutschen Kriegsgefangenen in englischer Gefangenschaft verteilen ließ. Die Witwe von Franz Eugen Schlachter, Maria Schlachter-Jakob hatte dieser Sonderauflage zugestimmt. Der Druck dieses Neuen Testaments war bereits 1944 erfolgt.

Schlachter-Bibel von 1951.

Die zweite Revision von 1951

Die zweite Revision entstand 1951 durch die Genfer Bibelgesellschaft. Sie war eine Neubearbeitung der ursprünglichen Übersetzung von 1905, keine erneute Revision der Linder-und-Kappeler-Ausgabe. Diese Bibel war sprachlich vorsichtig revidiert und ähnelte im Text und den Ausgaben sehr der ursprünglichen Miniaturbibel bzw. der Hand- und Familienbibel. Die Revision wurde vom damaligen Assistenten der Bibelschule in Genf, Willi Mauerhofer und seiner Frau Gertrud, durchgeführt.

Dazwischenliegender Revisionsversuch

Anfang der 70er Jahre gab es den Versuch einer Revision des 1951er Textes durch die Genfer Bibelgesellschaft, der aber letztlich scheiterte und zum Neuprojekt der Neuen Genfer Übersetzung (NGÜ) führte. Lediglich das Johannes-Evangelium, bearbeitet von Prof. Otto Siegfried von Bibra, wurde 1976 aufgelegt. Unabhängig davon kam es Jahre danach aber doch zur klassischen Revision der Schlachter-Bibel.

Die dritte Revision: die „Schlachter 2000“

Diese erneute Revision der 1951er Schlachter-Bibel wurde 1995 von der Genfer Bibelgesellschaft begonnen und als „Schlachter 2000“ herausgegeben. Mitarbeiter dieser Revision waren für die direkte Textbearbeitung Rudolf Ebertshäuser, Peter Toscan, Karl-Hermann Kauffmann und zeitweise für das Neue Testament zusätzlich Herbert Jantzen, bzw für das Alte Testament Roger Liebi und Martin Heide. Zusätzliche Mitarbeiter waren u.a. für die Parallel-Stellen Gottfried Maron, der frühere Präsident der Genfer Bibelgesellschaft und zeitweise Gottfried Wüthrich, der frühere Reise-Sekretär der Genfer-Bibelgesellschaft, für die alte Schlachter Version. Im Jahre 2003 wurde die Revision nach 9 Jahren Bearbeitungszeit abgeschlossen. Die neue revidierte Schlachterbibel benutzt ausschließlich den Grundtext der Reformationszeit, d.h. den (Textus Receptus) als Grundlage.

Die „Schlachter 2000“ gibt es derzeit in fünf Ausgaben: Miniaturbibel, Taschenbibel, Taschenbibel mit Parallelstellen, Studienbibel und Schreibrandbibel. Seit November 2003 liegt die Studienausgabe mit ca. 100.000 Parallelstellen und einem reichhaltigen Anhang bzw. erweiterten Fußnotenapparat vor. Die Taschenbibel mit Parallelstellen ist eine verkleinerte Ausgabe der Studienbibel.

Als Besonderheit liegt seit Anfang 2009 eine zweisprache Ausgabe der gesamten Bibel russisch-deutsch vor. Neben der russischen Synodale-Übersetzung findet sich der Text der Schlachter 2000.

Besonderheiten

Die Schlachter-Bibel ist an die Luther-Bibel, die nicht-revidierte Elberfelder Bibel, aber auch an die alte, nicht-revidierte Zürcher Bibel angelehnt, weist aber an manchen Stellen sehr individuelle Übersetzungsvarianten von Schlachter auf. Sie ist dafür bekannt, den Grundtext sinngemäß genau in verständlichem, prägnantem Deutsch wiederzugeben.

Den Gottesnamen JHWH gab sie an den Stellen, an denen der Name im Gegensatz zu anderen Göttern steht, mit Jehova wieder, ansonsten mit „Herr“. Seit der Revision 1951 wird der Gottesname grundsätzlich mit „HERR“ wiedergegeben.

Eine Besonderheit der „Schlachter 2000“ ist die Übersetzung von geographischen Ausdrücken: Orte und Landschaften Israels wurden so benannt, dass der Leser sie auf einer herkömmlichen Landkarte Israels wiederfindet, z. B. Negev statt „Wüste“ und Schephela, statt „Ebene“.

Literatur zur Schlachter-Bibel

  • Franz Eugen Schlachter, ein Beitrag zur Geschichte und Theologie der Gemeinschaftsbewegung im Kanton Bern – Akzessarbeit von Walter Wieland, evang. theol. Fakultät der Uni Bern, eingereicht bei Prof. Dr. A. Lindt im Sommer-Semester 1982, Edition Neues Leben, Lützelflühstr. CH 3452 Grünenmatt
  • Gottfried Wüthrich: Franz Eugen Schlachter - sein Leben und Wirken, Genf, 16. März 2002 Manuskriptdruck
  • Karl-Hermann Kauffmann: Franz Eugen Schlachter und die Heiligungsbewegung, Biographie unter Bezugnahme auf das geistliche Umfeld Schlachters und mit einer kurzen Geschichte der Schlachter Bibel, ausführliche Fassung mit 100 Abbildungen. Gedenkschrift zum Jubiläum "100 Jahre Schlachter-Bibel". Eigenverlag Freie Brüdergemeinde Albstadt, 2005
  • Karl-Hermann Kauffmann: Franz Eugen Schlachter, ein Bibelübersetzer im Umfeld der Heiligungsbewegung, Verlag Johannis, Lahr, 2007, ISBN 978-3-501-01568-1

Siehe auch

Portal
 Portal: Bibel – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bibel

Weblinks


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