Pontische Vasenmalerei

Pontische Vasenmalerei

Als Pontische Vasen sind ein Unterstil der griechisch-schwarzfigurigen Vasenmalerei Unteritaliens.

Diomedes und Polyxena, Pontische Amphora des Silenus-Malers, um 540/30 v. Chr.

Der Stil der Pontischen Vasen war stilistisch dem der ionischen Vasenmalerei nahe verwandt. Es wird angenommen, dass die Vasen in etruskischen Werkstätten von aus Ionien eingewanderten Handwerkern hergestellt wurden. Den irreführenden Namen bekamen die Vasen von Georg Ferdinand Dümmler aufgrund der Darstellung von Bogenschützen auf einer Vase, die man für Skythen hielt, die am Schwarzen Meer (Pontus) lebten. Der Großteil der Vasen wurde in Gräbern in Vulci gefunden, ein weiterer beträchtlicher Teil in Cerveteri. Leitform war die Halsamphora, die auffallend schlank gebaut war. Sie sind Tyrrhenischen Amphoren sehr ähnlich. Andere Formen waren Oinochoen mit Spiralhenkeln, Dinoi, Kyathos, Teller und hochfußige Becher, seltener Kantharos oder andere. Der Aufbau Pontischer Vasen gleicht sich. Im Allgemeinen haben sie auf dem Hals einen ornamentalen Schmuck, auf der Schulter folgte figürlicher, darauf folgte ein weiteres Ornamentband, dem sich ein Tierfries und schließlich ein Strahlenkranz anschloss. Fuß, Hals und Henkel sind schwarz. Auffällig ist der hohe Stellenwert der Ornamente. Manchmal werden Gefäße rein ornamental verziert.

Urteil des Paris auf der Namenvase des Paris-Malers, Amphora um 530 v. Chr.

Der Ton der Vasen ist gelblich-rot, der Glanzton mit dem die Vasen überzogen wurden schwarz bis bräunlich-rötlich, ist von hoher Qualität und glänzt metallisch. Rote und weiße Deckfarbe wird viel für Figuren wie auch die Ornamente verwendet. Tiere wurde meist mit einem weißen Streifen auf dem Bauch verziert. Die Ornamente sind häufig eher nachlässig gestaltet worden. Die Forschung hat bis heute sechs Werkstätten erkannt. Als früheste und beste gilt die des Paris-Malers. Gezeigt werden mythologische Figuren wie ein bartloser Hermes, Kentauren, Theseus, der Minotaurus, Achilleus und Troilos, Satyrn, Mänaden und wie in Ostgriechenland üblich ein bartloser Herakles. Hinzu kommen Darstellungen aus dem trojanischen Sagenkreis. Manchmal finden sich Szenen außerhalb der griechischen Mythologie, etwa Herakles im Kampf gegen Iuno Sospita des Paris-Malers oder ein Wolfsdämon des Tityos-Malers. Außerhalb der mythologischen Themen finden sich Komasten und Reiter. Die Vasen werden in die Zeit zwischen 550 und 500 v. Chr. datiert. Inschriften fehlen völlig. Es sind heute etwa 200 Vasen bekannt. Die Vasen sind sowohl von kunsthistorischer, als auch von etruskologischer Bedeutung.

Literatur

  • Matthias SteinhartPontische Vasenmalerei. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 10, Metzler, Stuttgart 2001, ISBN 3-476-01480-0, Sp. 138–139.
  • Thomas Mannack: Griechische Vasenmalerei. Eine Einführung. Theiss, Stuttgart 2002, S. 133 ISBN 3-8062-1743-2.

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