Penan

Penan

Die Penan sind eine indigene Volksgruppe der Insel Borneo. Sie werden zu den Dayak-Völkern gezählt. Die Penan sind etwa 10.000 Mitglieder stark und leben sowohl im malaysischen Bundesstaat Sarawak als auch in Kalimantan, dem zu Indonesien gehörenden Teil der Insel.

Die Penan werden unterteilt in die östlichen Penan, die im Baram- und Limbang- Flussgebiet leben, und in die westlichen Penan, die in Balui (dem oberen Rejang-Gebiet) und am Baram-Nebenfluss Silat leben.

Ursprünglich nomadische Jäger und Sammler, halten heute nur noch wenige hundert Penan im östlichen Teil Sarawaks an der nomadischen Lebensweise im Regenwald fest. Die Mehrheit lebt heute sesshaft in Langhäusern.

Traditionelle Lebensgrundlage der Penan ist neben Jagen, Fischen und dem Sammeln von über 300 verschiedenen Wildfrüchten, Wurzeln und Pflanzen die Herstellung von Sagomehl aus der Sagopalme. Die Sagopalme deckt den Bedarf an Kohlenhydraten.

Inhaltsverzeichnis

Lebensweise

Die Penan lassen sich, nachdem sie ein Gebiet mit ausreichenden Sagovorkommen gefunden haben, in einfachen Hütten nieder. Diese Hütten bestehen aus einer Plattform, aus einem mit Sagopalm-Blättern bedecktem Dach und haben keine Wände. Wenn die Sagovorkommen an diesem Standort aufgebraucht sind, ziehen sie weiter.

Zur Jagd verwenden die Penan ein Blasrohr, mit dem sie vergiftete Pfeile abschießen. Das hierbei verwendete Gift, Tajem genannt, wird aus dem Saft des Upas-Baumes (Antiaris toxicaria) gewonnen und bringt die Herztätigkeit der getroffenen Beute zum Erliegen. Gejagt werden vor allem Vögel, Rotwild, Affen, Eidechsen und Wildschweine. Wegen des Bedarfs an Mineralstoffen werden die Tiere mitsamt Haut und Blut verzehrt. Die Penan halten auch Haustiere, diese werden aber nicht des Verzehrs wegen getötet. Die Penan gelten als geschickt in der Herstellung von Korbwaren aus Rattan und von Parang (Bezeichnung für eine Dayak-typische Form von einhändigem Schwert, das als Arbeitswerkzeug, Buschmesser, aber auch als Waffe verwendet wird).

Die meisten Penan sind Analphabeten. Ihre Kenntnisse über die biologischen Zusammenhänge des sie umgebenden Regenwaldes sind dagegen sehr ausgeprägt. Nach einer Studie kennen die Penan beispielsweise über 100 verschiedene fruchttragende Bäume und 50 verschiedene Heilpflanzen, 8 verschiedene Pfeilgifte und 10 Pflanzengifte für den Fischfang.

Die Gesellschaft der Penan ist kaum hierarchisch. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind kaum ausgeprägt. Die Jagd wird von den Männern ausgeübt, das Gewinnen des Sagomehls ist vornehmlich Aufgabe der Frauen. Darüber hinaus gibt es jedoch kein Spezialistentum. Das Zusammenleben wird von Beobachtern als relativ friedlich und konfliktarm geschildert. Privateigentum in unserem Sinne ist nicht bekannt. Das Teilen von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgegenständen ist üblich. Das Nicht-Teilen gilt als größtes Vergehen. Im Unterschied zu anderen Dayak-Völkern wie den Iban oder den Bidayuh waren die Penan niemals Kopfjäger.

Die Kultur der Dayak-Völker ist einem starken Anpassungsdruck durch Regierung, Missionare und der westlichen Lebensweise der sie umgebenden Ethnien ausgesetzt. Die meisten Penan sind heute, wenn auch meist nur oberflächlich, christianisiert. Ursprünglich sind die Penan Animisten und glauben an einen höchsten Gott Bungan. Die Penan kennen keinen Zeitbegriff. Sie zählen weder Tage noch Jahre, Geburtstage und Alter sind unbekannt. Die Penan kannten keine Landkarten in unserem Sinne, jedoch hatten sie durch die Benennung von Landschaftsmerkmalen nach vergangenen Ereignissen eine Art geistige Landkarte ihres Gebietes im Kopf.

Bedrohung durch Regenwaldabholzung

Die traditionelle Lebensweise der Penan ist heutzutage jedoch durch das immer tiefere Eindringen von Holzfirmen in die unberührten Regenwaldgebiete bedroht. Gerade noch 10 % der Urwälder Sarawaks gelten als einigermaßen intakt, diese Restgebiete liegen vor allem auf dem Territorium der Penan. Die nomadisch lebenden Penan sind vom Regenwald abhängig, da sie auf die in ihm vorkommenden Wildtiere, Sagopalmen und anderen Pflanzen (unter anderem für ihre traditionelle Medizin) angewiesen sind. Deshalb bedeutet eine Ausrottung des Regenwaldes auch das Verschwinden traditionell lebender Penan. Die fortschreitende Entwaldung führt auch zu einer verstärkten Verschmutzung der Flüsse, weshalb sich Krankheiten unter den Penan (wie auch unter allen Dayak-Völkern, die noch ungefiltertes Flusswasser verwenden) ausbreiten. Der Gesundheitszustand der Penan verschlechterte sich daher durch Unterernährung, Ausbreitung von Malaria und durch das Verschwinden traditioneller Heilpflanzen. Die Versorgung der nomadisch lebenden Penan mit westlicher Medizin kann von der Regierung nur unzureichend garantiert werden. Auch bei den sesshaft gewordenen Penan ist der Bezug zum Regenwald noch stark.

Durch die Zerstörung des Waldes und ihrer Gebiete geht damit auch die Kenntnis ihrer Geschichte und ihrer Vorfahren verloren. Verwandtschaftsbeziehungen und ein komplexes Namensystem stärken den Zusammenhalt. Heute ist die Kenntnis der Kultur im Schwinden begriffen, westliche Kleidung, Konserven, Werkzeuge und der Gebrauch von Gewehren statt des Blasrohrs finden Verbreitung.

International bekannt wurden die Penan durch ihre gewaltlosen Blockaden von Zufahrtsstraßen der Holzindustrie ab 1987 bis Anfang der 1990er Jahre. Dabei kam es zu mehreren Menschenrechtsverletzungen seitens der Regierung und von Beschäftigten der Holzindustrie. Zahlreiche Penan wurden zeitweise inhaftiert. Bis heute kämpfen die Penan um die Anerkennung ihre Landrechte und die Beendigung der Waldzerstörung.

Weitere Bekanntheit erlangten die Penan auch durch den Schweizer Bruno Manser, der von 1984 bis 1990 mit ihnen lebte, sich ihrer Lebensweise anpasste und sie bei ihrem gewaltlosen Widerstand unterstützte. Heute ist er im Regenwald verschollen.

Literatur

  • Davis, Wade; MacKenzie, Ian; Kennedy, Shane: Nomads of the Dawn: The Penan of the Borneo Rain Forest. Pomegranate Art Books, San Francisco 1995, ISBN 978-0876543573
  • Manser, Bruno: Tagebücher aus dem Regenwald 1984-1990. 4 Bände. Merian, 2004, Gebunden in Schuber, 720 S., zahlreiche farbige Abbildungen, ISBN 978-3-85616-233-7
  • Hildebrand, Hartmut K.: Die Wildbeutergruppen Borneos. Minerva, München 1984, Münchner ethnologische Abhandlungen, 374 S., Illustrationen, 11 Karten, ISBN 3-597-10294-8, Dissertation

Film

  • Die letzten Nomaden im Dschungel Borneos. Dokumentarfilm, Kanada, Frankreich, 2008, 52 Min., Regie: Andrew Gregg, Inhaltsangabe von arte
    Der Film begleitet den kanadischen Anthropologen und Sprachwissenschaftler Ian Mackenzie bei seinen Begegnungen mit den Penan, die gerade erst sesshaft geworden sind. ([1])

Weblinks


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