Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen

Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen
Stiftsgebäude

Das Stift Inzigkofen war ein Augustinerchorfrauenstift in Inzigkofen im heutigen Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Es ist Zeugnis der Geschichte, Kultur und Frömmigkeit eines Frauenklosters in Oberschwaben von 1354 bis 1856. Mit seiner wirtschaftlichen Bedeutung, sowie seiner spirituellen und kulturellen Wirkung hat es seine Umgebung ein halbes Jahrtausend lang nachhaltig geprägt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Vom besonderen Rang des Inzigkofer Augustinerchorfrauenstifts in der klösterlichen Welt Oberschwabens künden bis heute spätmittelalterliche Handschriften im Geist der Mystik, eine reiche künstlerische Hinterlassenschaft, qualitätsvolle Klosterarbeiten aus der Barockzeit, eine gehaltvolle Quellenüberlieferung zu Alltag und Frömmigkeit des Konvents und nicht zuletzt ein weitgehend unverfälscht erhaltenes bauliches Erbe mit Zeugnissen von der Gotik über das Barock bis zum Frühklassizismus. Berühmt ist das Kloster für sein anspruchsvolles Musikleben, seine qualitätsvollen Klosterarbeiten und für seine Bibliothek. Auch war die Musik für das Stiftsleben äußerst wichtig, auf Musikalität wurde bei der Auswahl der Novizinnen Wert gelegt. Eine Stiftsschule kann nicht nachgewiesen werden, allerdings unterstützte der Konvent die Dorfschule. Neben dem Chorgebet war die Meditation eine Säule der Inzigkofer Spiritualität, wobei die Mystik eine große Rolle spielte. Eine reiche Sammlung mystischer Literatur in der Stiftsbibliothek zeugte davon. Beachtenswert ist die kunsthandwerkliche Tätigkeit der Chorfrauen, sie stellten in Gold, Silber und Perlen gefasste Reliquiare her. Eine Besonderheit waren Krippenfiguren aus Wachs und Draht.

Gründung bis Reform

Gestiftet wurde die Inzigkofer Frauengemeinschaft der Klosterchronik zufolge 1354 als kleine Klause von zwei Schwestern einer bürgerlichen Sigmaringer Familie, Mechthild und Irmengard Sönnerin, sowie von einer Lùdgart. 1356 wurde die Klause erstmals urkundlich genannt. Die Frauengemeinschaft, die bereits angewachsen war, nahm bald darauf die Regel des Dritten Ordens der Franziskaner (Terziarinnen) an. 1388 wurde ein Kreuzgang errichtet.

Was die religiöse Entwicklung anbelangt, so schloss sich das Stift im 15. Jahrhundert einer augustinischen Reformbewegung an: 40 Jahre nach der Gründung, die Gründerinnen waren bereits verstorben, wollten die Schwestern, nachdem sie bis dahin als Franziskaner-Tertiarinnen gelebt hatten, aus eigenen Willen eine strengere monastische Lebensweise und eine richtige Ordensregel annehmen und Augustiner-Chorfrauen werden. Die Zahl der Chorfrauen wurde zunächst auf 13 festgelegt - später waren es bis zu 30 -, dazu kamen noch Laienschwestern; für die Visitation wurde das Stift Mariazell bei Winterthur bestimmt. 1395 erfolgte die Exemption von der Laizer Pfarrei. 1412 nahmen die 13 Schwestern unter Priorin Anna Schmid († 1420), welche Visionen hatte, auf eigens Betreiben die strenge Klausur an, nachdem sie sich über Störungen ihrer geistlichen Verrichtungen beklagt hatten. Im selben Jahr wurde das Stift rechtlich zu einer eigenen Pfarrei. Die Seelsorge übernahm ein Beichtvater, für den eine Kaplaneipfründe geschaffen wurde.

Doch verlangten sie schon bald darauf nach noch strengeren Statuten. Nachdem sie in dieser Sache bei dem für ihre Betreuung zuständigen Augustiner-Chorherrenstift Beuron, das 1419 die Visitation übernahm, offenbar keine Unterstützung fanden, wandten sie sich an den Propst der Augustiner-Chorherrenstift Langenzenn bei Fürth, der sie an das jüngst reformierte Chorfrauenstift Pillenreut verwies. In den Jahren mit der Langenzenner Visitation ab 1430 geriet das Stift in den Bannkreis der „Raudnitzer Reform“ der Augustiner-Chorherren. Mit Rat aus Langenzenn übernahm Inzigkofen 1431 die Statuten des Augustiner-Chorfrauenstifts Pillenreuth bei Schwabach. Enge Beziehungen bestanden im 15. Jahrhundert zum Reformmittelpunkt Indersdorf und den Chorfrauen von Pillenreuth. 1458 wurde eine zweite Pfründe gestiftet. Obwohl Laiz für den Ort Inzigkofen Pfarrei blieb, durften die Dorfbewohner die Gottesdienste im Stift besuchen. 1466 ging die Visitation an Indersdorf bei Dachau, 1550 an das Ulmer Wengenstift, 1578 an Kreuzlingen.

Die Reformation fasste in Inzigkofen nicht Fuß, das geistliche Leben flachte ab, bereits 1502 wurden abgemilderte Statuten eingeführt, das Stiftsleben lockerte sich. Erst unter dem Eindruck des Dreißigjährigen Kriegs und des Konstanzer Exils 1632 bis 1645 fand eine geistige Erneuerung statt: 1643 traten neue Statuten in Kraft, die die tridentinischen Beschlüsse umsetzten und auch die strenge Klausur erneuerten. Diese Statuten blieben im Prinzip bis zur Aufhebung des Stifts gültig.

Aufstieg des Stifts

Stift Inzigkofen um 1700

Die Frauengemeinschaft erlebte im Spätmittelalter einen durchaus ungewöhnlichen Aufstieg von einer armen Beginenklause zu einem vornehmen und geistlich angesehenen Frauenkloster. Möglich wurde die Inzigkofer Erfolgsgeschichte zum einen durch die Protektion und Förderung adliger, stadtpatrizischer und geistlicher Stifter und Wohltäter, unter denen dem auf der Dietfurt ansässigen Niederadelsgeschlecht von Reischach und dem von diesem abstammenden Kanoniker Michael von Reischach eine besondere Bedeutung zukommen. Zum anderen gewinnt die Frauengemeinschaft durch den Anschluss an die Reformbewegung innerhalb ihres Ordens sowie die Pflege einer mystisch bestimmten Frömmigkeit im 15. und 16. Jahrhundert ein hohes spirituelles Prestige und eine starke Anziehungskraft zunehmend auch für Frauen aus dem hohen und niederen Adel sowie dem wohlhabenden städtischen Bürgertum.

Die Vogtei lag stets bei den Ortsherren von Inzigkofen: zunächst bei den Herren von Reischach, ab 1421 bei den Werdenbergern, ab 1534 bei den Fürstenbergern und ab 1540 bei den Hohenzollern. Letztere integrierten das Stift völlig in ihre entstehende Landesherrschaft. Die geistliche Aufsicht lag beim Konstanzer Bischof und den jeweiligen Visitatoren, doch ist auch der Einfluss der Beichtväter nicht zu unterschätzen.

Wirtschaftliche Grundlage des Stifts waren Schenkungen und die Mitgift der Chorfrauen. Die finanzielle Situation verbesserte sich beträchtlich, als vor allem seit dem 15. Jahrhundert mehr und mehr Angehörige des Adels und des Patriziats größerer Städte eintraten und im 16. Jahrhundert Fürstenberger und Hohenzollern das Stift förderten.

1595/97 wurde das nahe gelegene Dominikanerinnenkloster Hedingen integriert, was den Grundbesitz stark vergrößerte, jedoch im Konvent zu Spannungen zwischen alten und neuen Schwestern führte.

Bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts kann das Kloster auf eine ausgedehnte Grundherrschaft mit schließlich 44 Lehenshöfen im Jahr 1626 aufbauen, deren Angaben zusammen mit weiteren Feudaleinkünften, einer ertragreichen klösterlichen Eigenwirtschaft, den Mitgiften neu eintretender Novizinnen, den Zinsen einer zeitweise umfangreichen Geldwirtschaft sowie dem Erlös aus dem Verkauf von Klosterarbeiten die materielle Grundlage für ein zunehmend strenges Klosterleben in Kontemplation und Klausur bieten.

Charakteristisch für das klösterliche Leben in Inzigkofen ist zumal seit der Annahme neuer Statuten 1643 eine rigoros gehandhabte Klausur mit einer strengen Abgrenzung zur äußeren Welt. Zur Strenge der Alltagsführung gehören gleichermaßen die konsequente tägliche Begehung der acht kanonischen Gebetszeiten einschließlich der die Nachtruhe zweiteilenden mitternächtlichen Mette, wöchentlich und saisonalen Fastenzeiten, verschiedenen Bußpraktiken sowie zusätzliche freiwillige Gebetsverpflichtungen und ausgedehnte Anbetungszeiten vor dem ausgesetzten Altarsakrament bei Tag und bei Nacht.

Die klösterliche Gemeinschaft im 18. Jahrhundert, zumeist um die 40 Nonnen, teilte sich in eine Zweidrittel-Mehrheit der eigentlichen Chorfrauen und eine kleinere Gruppe der Vor- oder Laienschwestern. In einer deutlich ausgeprägten Zwei-Klassen-Gesellschaft widmeten sich die Frauen zur Gänze dem geistlichen Leben und hatten in unterschiedlichen Ämtern Anteil an der klösterlichen Selbstverwaltung, während bei den Laienschwestern hauswirtschaftliche Aufgaben im Vordergrund stehen. An der Spitze des Klosters stand die in freier Wald der Chorfrauen auf Lebenszeit bestimmte Pröbstin als geistliche und weltliche Vorsteherin der Gemeinschaft.

In dieser Frauenwelt mit ihrer weitreichenden Autonomie besaßen gleichwohl vier Männer einen ganz erheblichen Einfluss: Der Beichtiger mit seiner Schlüsselrolle in der innerklösterlichen Gruppendynamik und Frömmigkeitspraxis, der dem Vorsteher eines Augustinerchorherrenstifts gestellte Visitator als Aufseher und Ratgeber, der Bischof von Konstanz als kirchlicher Gerichtsinstanz und Schutzherr des Stifts und schließlich der weltliche Ortsherr und Schutzvogt des Klosters.

Aufhebung und fürstliche Zeit

Schloss Inzigkofen um 1830

1802 wurde der klösterliche Besitz durch Fürst Anton Aloys von Hohenzollern-Sigmaringen aufgehoben und bereits in Besitz genommen. Erst durch den Reichsdeputationshauptschluss von 1803 ratifiziert, ging nach der Säkularisation von 1803 der reiche Besitz des Stifts offizielle an den Fürsten von Hohenzollern-Sigmaringen über. Den Schwestern wurde ein Bleiberecht mit Pensionszahlungen bis zu Tod der letzten Nonne 1856 eingeräumt. Die Kirche stand den Inzigkofern weiterhin zur Verfügung. Der Großteil der Stiftsausstattung wurde verkauft, Teile den Schwestern überlassen.

Mit der Aufhebung des Stifts 1802 wurde eine lebendige Gemeinschaft getroffen, die noch keine Anzeichen von Verfall zeigte, zugleich begann jedoch damit die 200jährige „fürstliche Zeit“ Inzigkofens: 1810 wurde das frühere Kloster-Amtshaus zu einem Landschlösschen umgestaltete. Der Sigmaringer Fürstin Amalie Zephyrine und ihrem Enkel Erbprinz Karl Anton dient es in Jahren zwischen 1811 und 1848 als Sommerresidenz. Der angrenzende Hangbereich zu beiden Seiten der Donau wurde zu einem romantischen Landschaftsgarten umgeformt. Zu der Anlage zählt auch der benachbarte Amalienfelsen.

Das Konventsgebäude stand den Chorfrauen bis zu ihrem Tod zur Verfügung, anschließend stand es lange Zeit leer. Im Dritten Reich wurde es von 1939 bis 1944 als Lager für den weiblichen Reichsarbeitsdienst genutzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Auffanglager.

Volkshochschulheim

Seit 1948 dienen die Konventbauten dem Volkshochschulheim Inzigkofen e.V. als eine unabhängige, überkonfessionelle und überparteiliche Stätte der freien Erwachsenenbildung. Die Nonnenzellen wurden in moderner Zeit zu Schlafzimmern umgebaut, um bei der Nutzung als Volkshochschulheim auch Wochenkurse und Wochenendseminare zu ermöglichen. Der Kapitelsaal ist der größte Kursraum, alle Gästezimmer sind wie auch die Kursräume im Kloster selbst.

2002 ging die gesamte Klosteranlage innerhalb der Klausurmauer durch Kauf an die Gemeinde Inzigkofen über, sie galt zu diesem Zeitpunkt als die besterhaltene Klosteranlage Südwestdeutschlands. Das Volkshochschulheim rechnete 2002 mit Kosten von fünf Millionen Euro für eine Sanierung. Diese Summe war nur aufzubringen, da die Landesstiftung Baden-Württemberg mitfinanzierte. Die Landesstiftung verwaltet die Gelder aus dem Erlös des EnBW-Aktienverkaufs und finanziert Maßnahmen zum Erhalt denkmalgeschützter Objekte.[1] 2003 ging die Klosterkirche durch Schenkung an die katholische Filialkirchengemeinde.

2007/2008 fanden umfangreiche Renovierungsarbeiten statt. Dabei erfolgte eine Sanierung des Hauptbaus mit Fassadenerneuerung, Umbau der Küche und des Speisesaals, Ausstattung von weiteren Gästezimmern mit Nasszellen, sowie die Sicherung der Statik. Im Frühjahr 2008 wurde die Felderdecke im Zuge der Sanierungsmaßnahmen abgenommen, um die Statik wieder in Ordnung zu bringen. Dabei wurde sichtbar, dass mehrere Deckenbalken gebrochen waren und die Sanierung von höchster Dringlichkeit war. Die Felderdecke wurde von Farbe befreit, wieder eingebaut, am Fries kam die Verzierung zum Vorschein. Von Juni bis August 2008 war der Flügelbau des ehemaligen Klosters eine Großbaustelle. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz konnte jedoch 2008 kein Geld zur Verfügung stellen. Deshalb wurde die Sanierung des Gewölbes und des Werkraumes vorerst zurückgestellt. Seit diesem Sommer zeigt sich der Kapitelsaal wieder im ursprünglichen Zustand.

Die Denkmalstiftung Baden-Württemberg hat im Dezember 2008 das ehemalige Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen als „Denkmal des Monats“ ausgezeichnet. Die Denkmalstiftung hat sich nach dem Mesnergebäude, dessen Instandsetzung mit 100.000 Euro seit 2003 gefördert wurde, ganz auf die Wiederherstellung des Kapitelsaales konzentriert und stellte hierfür weitere 100.000 Euro zur Verfügung.

Der Kapitelsaal im Erdgeschoss eines zweigeschossigen Gebäudes im Ostflügel wurde 2007 im ursprünglichen Zustand wieder hergestellt. Hierzu wurde unter anderem die Felderdecke abgenommen, von der alten Farbschicht befreit und der darunter verborgene aufgestempelte Fries mit verschiedenen Ornamenten restauriert. Die aufgrund gebrochener Deckenbalken gefährdete Statik wurde aufwändig wiederhergestellt. Nicht mehr restaurierbar war der ursprüngliche Fußboden, bei dem es sich vermutlich um Holzdielen handelte. Diese wurden durch Parkett ersetzt. Im Kapitelsaal befindet sich ein großer Kachelofen aus dem späten 18. Jahrhundert.

Klosteranlage

Nonnenempore in der ehemaligen Stiftskirche

Der Aufstieg Inzigkofens zu einem wohlhabenden Stift von regionalem Rang ist auch an den fünf Ausbauphasen der Klosteranlage vom ausgehenden 14. bis ins endende 18. Jahrhundert ablesbar.

Seit der Gründung 1354 konnten die Schwestern die bestehende Mauritiuskapelle nutzen. 1388 erfolgten Abriss und Neubau einer Johannes dem Täufer und den Heiligen Bartholomäus und Mauritius geweihten turmlosen Kirche. Nach dem Ordenswechsel wurde 1484 ein Glockenturm angefügt. 1391 bis 1449 wurden die provisorischen Holzgebäude durch Konventsgebäude bei der Kirche ersetzt und bis 1576 immer wieder Umbauten und Erweiterungen an Konvent und Kirche vorgenommen.

Im Erscheinungsbild der Klosteranlage bis heute dominierend sind die mit den Stiftungen des Michael von Reischach finanzierten Bauten aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts mit dem spätgotischen Mesnerhaus sowie die nach dem im Jahre 1659, elf Jahre nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, durch die Pröpstin Maria Franziska Raßler (1658 - 1680) in Auftrag gegebenem Neubau des Klostergebäudes nebst Klosterkirche. Die Pröpstin leitete das Stift zusammen mit Priorin, Schafferin und Ratsschwestern. Daneben bestand eine Vielzahl weiterer Ämter. Mit dem Neubau wurde der Architekt und Begründer der Vorarlberger Baumeisterschule Michael Beer aus Au im Bregenzerwald beauftragt. Es entstand in der Zeit von 1659 bis 1663 ein dreiflügliges Gebäude im Übergangstil zwischen Renaissance und Barock. Zu Baubeginn soll nach der Chronik die Finanzierung noch nicht gesichert gewesen sein und die Nonnen selbst Hand angelegt haben, „wenn sie von keinem Weltlichen beobachtet wurden“. Der heutige Bau weist Kreuzgang, Prälatensaal und Stuckdecken auf.

Der Kapitelsaal, damals als Konventstube bezeichnet, entstand im Ostflügel. Er enthält als Schmuckstück einen großen Kachelofen aus dem späten 18. Jahrhundert. Der Raum wurde mit einer hölzernen Felderdecke ausgestattet, profilierte Deckleisten gliedern rechteckige Felder. Während die Fichtenbretter der Decke ohne Farbe und Verzierung blieben, finden sich auf dem Fries verschiedene aufgestempelte Ornamente. In der Raummitte ist auf dem Fries das Lamm Gottes dargestellt. Dies bezeichnet möglicherweise die Stelle, an der die Pröpstin ihren Platz hatte, wenn der Konvent versammelt war. Die Jahreszahl 1663 auf dem Fries erinnert an das Jahr der Fertigstellung des Gebäudes.

Die ehemaligen Stiftskirche St. Johannes Baptist hat einen Turm von 1484, wurde aber im Jahr 1780 nach Plänen des Haigerlocher Baumeisters Christian Großbayer umgebaut, wobei die Nonnenempore eingebaut wurde, um diesen weiterhin die Einhaltung der „strengen Klausur“ zu ermöglichen. Die Emporenbrüstung mit den Zollernwappen und dem Chorgitter ist ein herausragendes Beispiel des Zopfstils im südwestdeutschen Raum: Zwischen vergoldeten Pfeilern befinden sich aus Papier und Gips geformte Blumenvasen. Auf einem von den Pfeilern getragenen geschwungenen Gesims stehen die Zwölf Apostel, zwischen denen sich Weinstöcke empor ranken. Das Gebäude weist ein beeindruckenden Hochaltar auf. Die Nonnenempore zeigt ein kunstvolles Gitter aus Zweigen und Pappmaché. Beim Umbau erhielt sie ihre heute weitestgehend klassizistische Form.

Daneben wurden zwischen 1726 und 1729 ein Amtshaus und eine höhere Umfassungsmauer mit integrierter Einsiedlerkapelle errichtet und diese 1740 durch Ignaz Wegschaider mit Wessobrunner Stuckaturen und Deckengemälden ausgemalt. Spätestens seit der Barockzeit besteht in Inzigkofen eine kleiner „Klosterstadt“, die, eingefasst von der 1728/29 errichteten 900 Meter langen äußeren Klausurmauer, neben Kirche und Konventsbezirk auch ein Gästehaus, eine Unterkunft für den Beichtvater, diverse Wirtschaftsgebäude und nicht zuletzt ausgedehnte Gärten umfasst.

Die bemerkenswerte Bibliothek, deren Buchbestände, hauptsächlich deutschsprachige mittelalterliche Handschriften, in der die Mystik einen Schwerpunkt bildete, nach der Säkularisation verstreut wurden, wurde von Werner Fechter rekonstruiert.

Ausstellung

Der Abschluss der denkmalgerechten Sanierung des spätgotischen Mesnerhauses sowie das Doppeljubiläum der urkundlichen Erstnennung von Ortschaft und Kloster Inzigkofen vor 700 bzw. 650 Jahren, war Anlass für eine Ausstellung von 16. März bis 20. Mai 2007 im ehemaligen Kloster Inzigkofen. Die Schau mit rund 120 Exponaten, überwiegend wertvollen Originalen, von 28 Leihgebern zeigte einen Querschnitt durch die fünfhundertjährige Klostergeschichte sowie die anschließende „fürstliche Zeit“ Inzigkofens. Es wurden Einblicke geboten in die wirtschaftlichen Grundlagen des Klosterlebens, die Baugeschichte, den klösterlichen Alltag und die Formen der Frömmigkeit. Glanzstücke in der Ausstellung bildeten Zeugnisse des kunsthandwerklichen Schaffens der Schwestern, bedeutende Werke der bildenden Kunst aus dem Besitz des Klosters und nicht zuletzt auch Schätze der mittelalterlich-mystischen wie der barocken Frömmigkeit. Urkunden und gebundene Handschriften sind in der Schau ebenso vertreten wie zahlreiche Gemälde, Striche, Skulpturen, Reliquien, Paramente und Klosterarbeiten vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert.

Erstmals in Inzigkofen zu sehen waren die reich verzierte Eisentür zur frühen klösterlichen Schatzkammer aus dem 17. Jahrhundert, Teile der ehemaligen Klosterbibliothek sowie fünf aquarellierte Zeichnungen zu Schloss und Fürstlichen Park aus den 1830er Jahren. Darunter unter anderem „Bootsfahrt auf der Donau mit Eremitage“, eine aquarellierte Zeichnung (10,7 x 17,5 Zentimeter) von Charles de Mayenfisch von 1833 aus dem Kreisarchiv Sigmaringen. Die Rekonstruktion einer barocken Nonnenzelle vermittelte einen Eindruck von der Strenge und Frömmigkeit im klösterlichen Leben vor 250 Jahren. Klangbeispiele aus der Barockzeit verwiesen auf die hochstehende Musikkultur.

Eine 102 Zentimeter große Holzplastik des Heiligen Mauritius mit Rüstung, Schwertgurt, Helm und vorgestrecktem Schwert, um 1350, befindet sich im Besitz der Katholischen Filialkirchengemeinde Inzigkofen. Der Reliquienschrein mit Armspindel des Heiligen Fidelis, 18. Jahrhundert, ist Besitz des Allgemein Katholischer Kirchenfonds für Hohenzollern. Eine Kommode mit Gebetsschemmel und Altaraufbau mit Maria und Kind, Holz mit Intarsien, 18. Jahrhundert, befindet sich im Josefinenstift Sigmaringen. Die Hostienmonstranz des Klosters Inzigkofen, gefertigt von Michael Mair, Augsburg, 1680-1648, Silber, teilweise vergoldet, Höhe 89 Zentimeter, ist Eigentum der Katholischen Filialkirchengemeinde Inzigkofen. Die Tür zur ehemaligen Kloster-Schatzkammer, Massiveisen, vermutlich 17. Jahrhundert befindet sich in den Fürstlich Hohenzollernsche Sammlungen Sigmaringen. Ein Altarstrauß, Blech und Draht, gefasst, in Holzvase, 18. Jahrhundert, in Privatbesitz.

Trivia

Eine Briefmarke der deutschen Post Berlin von 1967 zeigt eine Christus-Johannes-Gruppe eines unbekannten Meisters aus Oberschwaben, vermutlich aus dem Kloster Inzigkofen, Eichenholz, um 1320; jetzt im Museum Berlin-Dahlem.

Einzelnachweise

  1. Hermann-Peter Steinmüller: Fünf Millionen Euro, vier Jahre. In: Südkurier vom 14. Dezember 2002

Literatur

  • Ernst Louis Beck: Das Kloster Inzigkofen seit der Säkularisation. In: Hohenzollerische Heimat. 33 (1983) S. 22-25.
  • F. Eisele: Das Klosterleben der regulierten Augustiner-Chorfrauen von Inzigkofen. In: Freiburger Diözesan-Archiv. 38 (1937): S. 125-55
  • Ursmar Engelmann: Der Konvent der Klosterfrauen von Inzigkofen. In: Freiburger Diözesan-Archiv. 88 (1968) S. 452-462
  • Ursmar Engelmann: Chorfrauenstift Inzigkofen - klösterliches Leben einst und jetzt. In: Hohenzollerische Heimat. 34 (1984) S. 24f.
  • Maria E. Flad: Die Entstehung des Klosters Inzigkofen. In: Hohenzollerische Heimat. 1 (1951) S. 41
  • Werner Fechter: Deutsche Handschriften des 15. und 16. Jahrhunderts aus der Bibliothek des ehemaligen Augustinerchorfrauenstifts Inzigkofen (= Arbeiten zur Landeskunde Hohenzollerns 15), Sigmaringen: Jan Thorbecke Verlag 1997 Rezension
  • Claus Gräwe: 20 Jahre Volkshochschulheim Inzigkofen. In: Hohenzollerische Heimat. 18 (1968) S. 26
  • C. Köhle-Hezinger, I. Kick: Inzigkofen. Fünfzig Jahre Volkshochschulheim im einstigen Augustinerinnenkonvent. Weißenhorn 1998
  • Johann Adam Kraus: Kirchweih im Kloster Inzigkofen 1665. In: Hohenzollerische Heimat. 12 (1962) S. 41
  • Siegfried Krezdorn: Zur Geschichte des Chorfrauenstifts Inzigkofen. In: Hohenzollerische Heimat. 32 (1982) S. 49-53
  • Anton Lichtschlag: Schicksale des Klosters Inzigkofen während des Schwedenkrieges. In: Mitteilungen des Vereins für Geschichte und Alterthumskunde in Hohenzollern. 6 (1872/73) S. 23-48
  • Wilfried Schöntag: Rechtliche und wirtschaftliche Grundlagen von Klause und Stift Inzigkofen. In: Hohenzollerische Heimat. 32 (1982) S. 33-36
  • Johann Schrenk: Schwäbische Alb Naturpark Obere Donau. 2. Auflage. Michael Müller Verlag, Erlangen 2002, ISBN 978-3-89953-322-4. 
  • Edwin Ernst Weber: Das Kloster Inzigkofen als Hort der Mystik. In: Hohenzollerische Heimat. 50 (2000). S. 51-53
  • Edwin Ernst Weber: Krippenbau und Kunsthandwerk im Kloster Inzigkofen. In: Hohenzollerische Heimat. 51 (2001). S. 2-7
  • Edwin Ernst Weber: Geistliches Leben und klösterlicher Alltag im Augustinerchorfrauenstift Inzigkofen im 18. Jahrhundert. In: Zeitschrift für hohenzollerische Geschichte. 2003. S. 7-51
  • Edwin Ernst Weber: Das Kloster Inzigkofen. In: Ders.: Klöster im Landkreis Sigmaringen. Kunstverlag Josef Fink. 2005. S. 166-212. ISBN 3-89870-190-5
  • Edwin Ernst Weber: Das Augustiner-Chorfrauenstift Inzigkofen. Hrsg. vom Landkreis Sigmaringen, Stabsbereich Kultur und Archiv, 2007
  • 650 Jahre Kloster - 700 Jahre Inzigkofen 1306 - 1356 - 2006. Hrsg. von der Gemeinde Inzigkofen. Inzigkofen 2006

Weblinks

48.0741199.1771237Koordinaten: 48° 4′ 27″ N, 9° 10′ 38″ O


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