Pula (Stadt)

Pula (Stadt)
Luftbild von Pula
Lage von Pula an der Südspitze Istriens

Pula [ˈpuːla] (italienisch und lateinisch Pola, deutsch veraltet Polei, slowenisch Pulj) ist eine Stadt in Kroatien. Mit 58.594 Einwohnern (Stand 2001) die größte Stadt der Gespanschaft Istrien. Pula liegt nahe der Südspitze der istrischen Halbinsel und gehört zur katholischen Diözese Poreč-Pula.

Inhaltsverzeichnis

Bevölkerung

Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sind mit 72% Kroaten. Etwa 28% gehören ethnischen Minderheiten an, von denen die Serben mit 5,8% und die Italiener mit 4,8% die beiden größten in Pula sind. Außerdem leben Slowenen, Bosniaken, Albaner, Ungarn, Deutsche, Sinti und Roma in Pula. Die jüdische Gemeinde zählt heute 30 bis 50 Mitglieder.

Geschichte

Historische Karte (um 1888)

Das Gebiet um Pula kann auf eine rund 7.000-jährige Geschichte zurückblicken. Erste Siedlung − die des illyrischen Stammes Histri − stammt aus dem 10. Jh v. Chr.

Von Römern im Jahr 177. v. Chr. erobert, wurde Pula eine römische Kolonie unter dem Namen Colonia Pietas Iulia Pola. Unter Kaiser Augustus wurde das Amphitheater erbaut, das heute eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt ist. Neben dem Amphitheater gibt es aus der augusteischen Zeit den Rom-und-Augustus-Tempel, die in Teilen erhaltene Stadtmauer mit Toren und die Überreste von zwei Theatern.

Beim Zerfall des weströmischen Reiches im 5. Jahrhundert gelangte Pula unter die Herrschaft der Ostgoten. Kaiser Justinian konnte Pula im 6. Jahrhundert für das Oströmische Reich erobern; die Stadt wurde zum Flottenstützpunkt der Byzantiner ausgebaut. In der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts drangen die Slawen nach Istrien vor, die istrischen Küstenstädte, darunter auch Pula, konnten sie aber nicht einnehmen. Hier setzte sich die städtische Kultur der alteingesessenen Romanen bruchlos fort. Während das istrische Hinterland seit dem Ende des 8. Jahrhunderts Teil des Frankenreichs und später des Römisch-Deutschen Reichs war, blieb Pula nominell Teil des byzantinischen Reiches, war aber faktisch unabhängig.

Mit dem Niedergang der byzantinischen Macht musste sich Pula neue Verbündete suchen. An die Stelle des byzantinischen Kaisers trat seit dem Ende des 11. Jahrhunderts die Republik Venedig. 1150 hat Pula mit der Lagunenstadt einen Vertrag geschlossen, durch den sich die Stadt mehr oder weniger der Herrschaft der Venezianer unterwarf. Seitdem zahlte man Tribute an Venedig, beteiligte sich am Bau und an der Ausstattung von Galeeren für die venezianische Flotte und entsandte Truppen, wenn die Markusrepublik Krieg führte. Später wurde auch ein venezianischer Adliger an die Spitze der Stadtverwaltung gestellt.

Bis zum Ende der Republik Venedig im Jahr 1797 blieb Pula Teil dieses Staatswesen, danach wurde sie Teil des Kaisertums Österreichs.

In der Zeit Österreich-Ungarns war die Stadt der Marinehafen der Monarchie. Es waren neben den U-Booten der Österreichisch-Ungarischen Kriegsmarine auch die der deutschen Kriegsmarine hier stationiert. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges musste die SMS Viribus Unitis – wie die gesamte in Pula stationierte k.u.k. Kriegsflotte – am 31. Oktober 1918 durch Admiral Miklós Horthy von Nagybánya an die jugoslawische Marine übergeben werden. Das Schiff wurde am 1. November von zwei italienischen Kampfschwimmern, die mittels eines umgebauten Torpedos Sprengsätze am Rumpf verteilten und zündeten, in den Morgenstunden versenkt. Es starben über 400 Seeleute, darunter auch der letzte Kommandant des Schiffes, Janko Vukovic de Podkapelski, zu dessen Ehren eine Gedenktafel in Pula aufgestellt wurde.


In der Astronomie ist sie durch Johann Palisa bekannt, der an der dortigen Sternwarte von 1874 bis 1880 die ersten 29 seiner 123 Asteroiden entdeckte. Die Marinesternwarte war mit dem hydrografischen Amt verbunden.

Nach den k.u.k. Volkszählungen 1900 lebten in Pula 24.056 Italiener, 1.543 Slowenen, 10.388 Kroaten und 4.654 Deutsche.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Pula von italienischen Truppen besetzt und kam durch die Friedensverträge ebenso wie ganz Istrien zu Italien.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges wurde die Stadt im Mai 1945 von jugoslawischen Truppen eingenommen und zusammen mit Istrien zu einem Teil der jugoslawischen Teilrepublik Kroatiens, eine Situation, die im Friedensvertrag von 1947 bestätigt wurde. Ein Großteil der italienischsprachigen Bevölkerungsgruppe verließ daraufhin die Stadt Richtung Italien. Zusammen mit ganz Kroatien war Pula bis 1991 Teil Jugoslawiens.

Verkehr und Tourismus

Nahe der Stadt befindet sich der aus vierzehn Inseln bestehende Nationalpark Brijuni.

Pula ist der Endpunkt des Radweges EuroVelo 9, der von Danzig an der Ostsee aus durch Polen, Tschechien, Österreich, Slowenien und Kroatien verläuft.

In Pula wurde im Jahr 1870 das erste Schifffahrtsmuseum der Welt eingerichtet.

Pula hat einen internationalen Flughafen.

Seit 1876 ist Pula durch die Zweigstrecke Divača-Pula als "Istrianische Staatsbahn" an die alte Südbahn WienTriest angeschlossen.

Sport

In der Stadt befindet sich eine große Sporthalle, in der die Vereine ŽRK Arena, MRK Arena, OK Pula, BK Pula, HK Istarski borac, STK Pula, KK Uljanik und andere spielen, der Dom sportova Mate Parlov.

Sehenswürdigkeiten

Die Rückseite des 10 Kuna-Geldscheines zeigt u.a. das römische Amphitheater von Pula
Römisches Amphitheater von innen

Eine der Hauptsehenswürdigkeiten und zugleich das Wahrzeichen der Stadt ist das Amphitheater, welches unter Kaiser Vespasian erbaut wurde. Es hat eine Größe von 133x105 Metern, bot etwa 23000 Menschen Platz und ist damit eines der größten von den Römern erbauten Amphitheatern. Die in großen Teilen bis zur ursprünglichen Höhe von 32,5 Metern erhaltene Fassade ist nach neuerer Ansicht ebenfalls augusteisch.

Beeindruckend, wenn auch nicht so groß wie das Amphitheater, ist der Sergierbogen, der zwischen 29 und 27 v. Chr. zur Erinnerung an den Sieg Octavians in der Schlacht bei Actium erbaut wurde. Sehenswert ist auch der Augustustempel (2 v. Chr. - 14 n. Chr.).

Partnerstädte

Trier (Deutschland), seit 8. September 1971

Graz (Österreich), seit 1972

Verona (Italien), seit 1972

Imola (Italien), seit 1982

Uschhorod (Ukraine)

Kranj (Slowenien)

Hekinan (Japan)

Mashad (Iran)

Söhne und Töchter der Stadt

Der berühmte irische Schriftsteller James Joyce arbeitete 1904 als Englischlehrer in Pula.

Siehe auch

Literatur

  • Günter Fischer: Das römische Pola. Eine archäologische Stadtgeschichte. Bayerische Akademie der Wissenschaften, München 1996, ISBN 3-7696-0105-X (Abhandlungen der Bayerischen Akademie der Wissenschaften / Philosophisch-historische Klasse, N.F.; Bd. 110)

Weblinks


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