- Schönborn (Adelsfamilie)
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Die Familie der Grafen von Schönborn ist ein deutsches Adelsgeschlecht, das in der Frühen Neuzeit viele kirchliche Würdenträger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation stellte und im Maingebiet und in Franken eine reichsunmittelbare Herrschaft aufbaute.
Inhaltsverzeichnis
Geschichte
Ihren Ursprung führt die Familie auf ein Ministerialengeschlecht zurück, das bereits vor 1180 zur rheinischen Ritterschaft gehörte und zur Reichsunmittelbarkeit aufgestiegen war. Das Stammland der Familie befand sich im Rheingau und im hinteren Taunus; ihr Name leitet sich von dem Ort Schönborn bei Diez an der Lahn her. Erster bekannter Träger dieses Namens war ein Ritter namens Eucharius von Schönborn, der in der Mitte des 12. Jahrhunderts lebte. Urkundlich erscheint das Geschlecht bei einer Belehnung erstmals 1275 mit Heinrich von Sconenburne.[1]
Die Familie Schönborn lebte noch bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts in ihrem Stammgebiet. Zu dieser Zeit breitete sich die Reformation im Hintertaunus aus, während die Familie weiterhin katholisch blieb, da viele ihrer Mitglieder traditionell in Domstifte eingetreten waren. Philipp Erwein von Schönborn verließ seine Heimat und wurde von seinem Bruder Johann Philipp, Erzbischof und Kurfürst von Mainz als kurmainzischer Oberamtmann in Steinheim eingesetzt. Durch Erbschaft, Kauf und Belehnung erwarb er Ländereien und Güter beiderseits des Rheins, am Main und im Taunus. Die Herrschaft Heusenstamm mit dazugehörenden Gütern in der Wetterau kaufte er 1661. Bereits 1663 wurden er und alle seine Nachkommen durch Kaiser Leopold I. zum edlen Panierherren und Reichsfreien ernannt. Gleichzeitig wurde ihm das große Palatinat und ausgedehnte Vorrechte verliehen. Sein Bruder ernannten ihn überdies zum Erbschenken des Erzstifts Mainz und zum Erbtruchsessen des Hochstifts Würzburg. Des weiteren führte er die Titel Reichshofrat und kurmainzischer Geheimer Rat. 1635 ging er mit Maria Ursula von Greiffenclau-Vollraths die Ehe ein, aus der 12 Kinder hervorgingen. Ein Sohn aus dieser Ehe war Lothar Franz, der 1695 Kurfürst und Erzbischof von Mainz wurde (siehe unten).
Als Philipp Erwein am 4. November 1668 starb, wurde sein vierzehnjähriger Sohn Johann Erwein von Schönborn sein Nachfolger. Er heiratete 1675 die Freifrau Maria Anna Waldbott von Bassenheim. Aus der Ehe ging nur ein Sohn hervor, der aber schon ein halbes Jahr nach seiner Geburt verstarb. 1671 erhielt die Familie wegen der reichsständischen Herrschaft Reichelsberg Sitz und Stimme im Reichstag und im fränkischen Kreistag. Gemeinsam mit seinen vier Brüdern wurde Johann Erwein 1701 in den Reichsgrafenstand erhoben. Kurz nach dem Tod seiner Frau Maria Anna 1702 heiratete er 1704 deren Nichte Mariana Waldbott von Bassenheim. Ohne aus dieser Ehe einen Erben erhalten zu haben, verstarb Graf Johann Erwein ein Jahr später.
Das Erbe über die Herrschaft Heusenstamm erhielt sein ältester Bruder Graf Melchior Friedrich von Schönborn, kaiserlicher und kurmainzischer geheimer Rat und Vizedomus zu Aschaffenburg, der mit Sophie Freifrau von Boineburg verheiratet war.
Wappen
Das Stammwappen zeigt in Rot einen auf drei silbernen Spitzen schreitenden zweischwänzigen goldenen Löwen, der blau gekrönt ist. Auf dem Helm mit rot-silbernen Decken der Löwe zwischen zwei roten Büffelhörnern sitzend.
Bedeutende Namensträger
Bischöfe aus dem Hause Schönborn
- Christoph Kardinal Schönborn (* 1945), Erzbischof von Wien.
- Franz Georg von Schönborn (1682–1756), seit 1729 Kurfürst-Erzbischof von Trier, seit 1732 Fürstbischof von Worms und seit 1732 Fürstpropst von Ellwangen.
- Franziskus von Paula Schönborn (1844–1899), Bischof von Budweis, Erzbischof von Prag, Kardinal.
- Friedrich Karl von Schönborn (1674–1746), seit 1729 Fürstbischof von Würzburg und Bamberg, 1705-1734 Reichsvizekanzler.
- Hugo Damian von Schönborn (1676–1743), seit 1715 Kardinal und seit 1719 Fürstbischof von Speyer, weiterhin seit 1740 Bischof von Konstanz.
- Johann Philipp von Schönborn (1605–1673), Sohn Georgs VI. von Schönborn und seiner Frau Barbara von der Leyen, seit 1647 Erzbischof von Mainz sowie seit 1641 Fürstbischof von Würzburg und Herzog von Franken, auch Fürstbischof von Worms
- Johann Philipp Franz von Schönborn (1673–1724), seit 1719 Fürstbischof von Würzburg.
- Lothar Franz von Schönborn (1655–1729), seit 1693 Bischof von Bamberg und ab 1695 Erzbischof von Mainz.
Kirchenfürsten aus dem Hause Schönborn
Johann Philipp von Schönborn, Darstellung in einem Krönungsdiarium aus dem Jahre 1658
Franz Georg von Schönborn (um 1740), Kurfürst-Erzbischof von Trier, Fürstbischof von Worms
Damian Hugo Philipp von Schönborn-Buchheim, Deckengemälde von Januarius Zick im Schloss Bruchsal
Christoph Schönborn, Kardinal und Erzbischof von Wien.
Das Altarbild in der Pfarrkirche Gaibach zählt als Denkmal der Familie. Es zeigt drei Generationen von männlichen Mitgliedern des Hauses Schönborn, welche in der Reichskirche und im weltlichen Bereich Karriere machten (die im Vordergrund liegenden Insignien dienen als Hinweise auf die geistliche und weltliche Herrschaft, welcher sie dienten - Reichskirche, heiliger Stuhl und Kaiser). Der Auftraggeber des Werkes , Friedrich Karl von Schönborn (Fürstbischof von Bamberg und Würzburg), kniet als Stifter links im Vordergrund. Hinter diesem eine relativ systematische Darstellung der Angehörigen dreier Generationen. Die Vertreter der ersten Generation (in verbeugender Haltung) links Johann Phillip (Kurfürst von Mainz, Fürstbischof von Würzburg und Worms), rechts Philipp Erwein (Mainzer Oberamtmann). Hinter diesem rechts leicht vorgebeugt dessen Sohn Melchior Friedrich (Mainzer Obermarschall und Vizedom von Aschaffenburg). Hinter diesem wiederum die nächste Generation mit Anselm Franz (ganz rechts hinten, kaiserlicher General) und daneben Rudolf Franz Erwein (Mainzer Vizedom, mit dem Orden vom Goldenen Vlies dargestellt), die beiden Gründer der Linien Wiesentheid und Heusenstamm. Auf der linken Bildseite sind die geistlichen Repräsentanten des Hauses dargestellt. Hinten ganz links außen Johann Philipp Franz (Fürstbischof von Würzburg), daneben Lothar Franz (Bischof von Bamberg und Erzbischof von Mainz), rechts von diesem Franz Georg (Kurfürst von Trier, Fürstbischof von Worms). In der Bildmitte Kardinal Damian Hugo (Fürstbischof von Speyer und Konstanz) und rechts hinter diesem noch Marquard Wilhelm (Dompropst von Bamberg und Eichstätt).
Weitere Personen
- Gottlob Friedrich Ernst Schönborn (1737-1817), deutscher Diplomat in dänischen Diensten, Dichter, Förderer Goethes
Einzelnachweise
- ↑ R. Knipping, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter III 2, 1913, Nr 3533
Literatur
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIII, Band 128 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 2002, ISSN 0435-2408
Siehe auch
- Liste fränkischer Rittergeschlechter
- Liste hochadeliger Familien in Franken
- Schönborner Hof (Aschaffenburg)
- Schönborner Hof (Mainz)
- Schönbornkapelle (Würzburg)
Weblinks
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