Schönborn (Adelsgeschlecht)

Schönborn (Adelsgeschlecht)
Stammwappen der von Schönborn

Die Familie der Grafen von Schönborn ist ein hochadeliges Adelsgeschlecht, das in der Frühen Neuzeit viele kirchliche Würdenträger des Heiligen Römischen Reiches stellte und im Maingebiet und in Franken eine reichsunmittelbare Herrschaft aufbaute.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ihren Ursprung führt die Familie auf ein Ministerialengeschlecht zurück, das bereits vor 1180 zur rheinischen Ritterschaft gehörte und zur Reichsunmittelbarkeit aufgestiegen war. Das Stammland der Familie befand sich im Rheingau und im nördlichen Taunus (Östlicher Hintertaunus); ihr Name leitet sich von dem Ort Schönborn bei Diez an der Lahn her. Erster bekannter Träger dieses Namens soll ein Ritter namens Eucharius von Schönborn gewesen sein, der in der Mitte des 12. Jahrhunderts gelebt haben soll. Allerdings ist dieser Eucharius lediglich in einer Sekundärquelle aus der Zeit um 1670 erwähnt. Urkundlich erscheint das Geschlecht bei einer Belehnung erstmals 1275 mit H. von Sconenburne.[1] Möglicherweise waren die frühen Vorfahren der Familie als Vasallen an die Herren der Schaumburg gebunden, ihr Wappen lässt allerdings auch auf eine Verbindung zu den Grafen von Diez schließen.

Zum Ende des 14. Jahrhunderts hatten sich die Schönborn in drei Linien gespalten, von denen die "Stroß" bald wieder erloschen war. Die ältere Linie behielt den Stammsitz Schönborn sowie als wichtigste Besitzungen Burgschwalbach und Hahnstätten. Ihre Angehörigen erscheinen mehrfach als Inhabern von Ämtern für die Grafschaft Katzenelnbogen und Kurmainz. Zudem zeigt sich bereits bei ihr eine Häufung kirchlicher Würden, mehrere Äbte, ein Großbailli des Geschichte des Johanniterordens und ab dem 16. Jahrhundert Domherren in Trier und Mainz. Die dritte Linie bildete einen Besitzschwerpunkt im Westerwald. Die Westerwälder Schönborn standen in den Diensten von Westerburg, Kurtrier, Kurmainz, Nassau-Weilburg und der Grafschaft Wied. Zwei Unterlinien der Westerwälder bildeten sich in Laubuseschbach und Freienfels). Zahlreiche Urkunden beweisen die fortgesetzt engen Verbindungen zwischen den beiden fortbestehenden Linien, die sich bis zum Erlöschen der älteren, Hahnstätter Linie mit dem Mainzer Domherren Friedrich Gerog 1640 fortsetzte.

Die Familie Schönborn lebte noch bis in die Mitte des 17. Jahrhunderts in ihrem Stammgebiet. Zu dieser Zeit breitete sich die Reformation im Hintertaunus aus, während die Familie weiterhin katholisch blieb, da viele ihrer Mitglieder traditionell in Domstifte eingetreten waren. Philipp Erwein von Schönborn verließ seine Heimat und wurde von seinem Bruder Johann Philipp, Erzbischof und Kurfürst von Mainz als kurmainzischer Oberamtmann in Steinheim eingesetzt. Durch Erbschaft, Kauf und Belehnung erwarb er Ländereien und Güter beiderseits des Rheins, am Main und im Taunus. Die Herrschaft Heusenstamm mit dazugehörenden Gütern in der Wetterau kaufte er 1661. Bereits 1663 wurden er und alle seine Nachkommen durch Kaiser Leopold I. zum edlen Panierherren und Reichsfreien ernannt. Gleichzeitig wurde ihm das große Palatinat und ausgedehnte Vorrechte verliehen. Sein Bruder ernannte ihn überdies zum Erbschenken des Erzstifts Mainz und zum Erbtruchsessen des Hochstifts Würzburg. Des Weiteren führte er die Titel Reichshofrat und kurmainzischer Geheimer Rat. 1635 ging er mit Maria Ursula von Greiffenclau-Vollraths die Ehe ein, aus der 12 Kinder hervorgingen. Ein Sohn aus dieser Ehe war Lothar Franz, der 1695 Kurfürst und Erzbischof von Mainz wurde (siehe unten).

Als Philipp Erwein am 4. November 1668 starb, wurde sein vierzehnjähriger Sohn Johann Erwein von Schönborn sein Nachfolger. Er heiratete 1675 die Freifrau Maria Anna Waldbott von Bassenheim. Aus der Ehe ging nur ein Sohn hervor, der aber schon ein halbes Jahr nach seiner Geburt verstarb. 1671 erhielt die Familie wegen der reichsständischen Herrschaft Reichelsberg Sitz und Stimme im Reichstag und im fränkischen Kreistag. Gemeinsam mit seinen vier Brüdern wurde Johann Erwein 1701 in den Reichsgrafenstand erhoben. Kurz nach dem Tod seiner Frau Maria Anna 1702 heiratete er 1704 deren Nichte Mariana Waldbott von Bassenheim. Ohne aus dieser Ehe einen Erben erhalten zu haben, verstarb Graf Johann Erwein ein Jahr später.

Das Erbe über die Herrschaft Heusenstamm erhielt sein ältester Bruder Graf Melchior Friedrich von Schönborn, kaiserlicher und kurmainzischer geheimer Rat und Vizedomus zu Aschaffenburg, der mit Sophie Freifrau von Boineburg verheiratet war. Darüber hinaus blieben die Schönborn weiterhin in der katholischen Kirche einflussreich. 1743 waren Söhne der Familie Bischöfe von Bamberg, Würzburg, Konstanz, Speyer und Worms. Auch auf dem Trierer Erzstuhl saß mit Franz Georg ein Schönborn, auf dem von Mainz mit Johann Friedrich Karl von Ostein ein enger Verwandter der Familie.

Wappen

Gemehrtes fürstbischöfliches Wappen an einem Tor der Festung Marienberg
Schönborn-Wappen.png

Blasonierung des Stammwappens:

„In Rot ein auf drei silbernen Spitzen schreitender zweischwänziger blau gekrönter und blau bezungter goldener Löwe.“

Helmzier: „Auf einem Topfhelm in Seitenansicht mit rot-silbernen Decken der Löwe zwischen zwei roten Büffelhörnern stehend.“

Bedeutende Namensträger

Bischöfe aus dem Hause Schönborn

Kirchenfürsten aus dem Hause Schönborn


Altarbild in Pfarrkirche Gaibach, um 1745, Franz Lippold

Das Altarbild in der Pfarrkirche Gaibach zählt als Denkmal der Familie. Es zeigt drei Generationen von männlichen Mitgliedern des Hauses Schönborn, welche in der Reichskirche und im weltlichen Bereich Karriere machten (die im Vordergrund liegenden Insignien dienen als Hinweise auf die geistliche und weltliche Herrschaft, welcher sie dienten - Reichskirche, heiliger Stuhl und Kaiser). Der Auftraggeber des Werkes, Friedrich Karl von Schönborn (Fürstbischof von Bamberg und Würzburg), kniet als Stifter links im Vordergrund. Hinter diesem eine relativ systematische Darstellung der Angehörigen dreier Generationen. Die Vertreter der ersten Generation (in verbeugender Haltung) links Johann Phillip (Kurfürst von Mainz, Fürstbischof von Würzburg und Worms), rechts Philipp Erwein (Mainzer Oberamtmann). Hinter diesem rechts leicht vorgebeugt dessen Sohn Melchior Friedrich (Mainzer Obermarschall und Vizedom von Aschaffenburg). Hinter diesem wiederum die nächste Generation mit Anselm Franz (ganz rechts hinten, kaiserlicher General) und daneben Rudolf Franz Erwein (Mainzer Vizedom, mit dem Orden vom Goldenen Vlies dargestellt), die beiden Gründer der Linien Wiesentheid und Heusenstamm. Auf der linken Bildseite sind die geistlichen Repräsentanten des Hauses dargestellt. Hinten ganz links außen Johann Philipp Franz (Fürstbischof von Würzburg), daneben Lothar Franz (Bischof von Bamberg und Erzbischof von Mainz), rechts von diesem Franz Georg (Kurfürst von Trier, Fürstbischof von Worms). In der Bildmitte Kardinal Damian Hugo (Fürstbischof von Speyer und Konstanz) und rechts hinter diesem noch Marquard Wilhelm (Dompropst von Bamberg und Eichstätt).

In Würzburg gibt es eine im Barockstil gebaute Grabkapelle deren von Schönborn.

Weitere Personen

Einzelnachweise

  1. R. Knipping, Die Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter III 2, 1913, Nr 3533

Literatur

Siehe auch

Weblinks

 Commons: House of Schönborn – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать реферат

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Schönborn — ist der Name folgender Orte: in Deutschland Bad Schönborn, Gemeinde im Landkreis Karlsruhe, Baden Württemberg Schönborn (Niederlausitz), Gemeinde im Landkreis Elbe Elster, Brandenburg Schönborn (Pfalz), Gemeinde im Donnersbergkreis, Rheinland… …   Deutsch Wikipedia

  • Schönborn (Adelsfamilie) — Stammwappen der von Schönborn Die Familie der Grafen von Schönborn ist ein deutsches Adelsgeschlecht, das in der Frühen Neuzeit viele kirchliche Würdenträger des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation stellte und im Maingebiet und in Franken …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Carl von Schönborn — Datei:Friedrich C v Schönborn.jpg Fürstbischof F. K. von Schönborn Buchheim (zeitgenössisches Gemälde) Friedrich Karl Reichsfreiherr (seit 1701 Reichsgraf) von Schönborn Buchheim (* 3. März 1674 in Mainz; † 26. Juli 1746 in Würzburg) war… …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Karl von Schönborn — Datei:Friedrich C v Schönborn.jpg Fürstbischof F. K. von Schönborn Buchheim (zeitgenössisches Gemälde) Friedrich Karl Reichsfreiherr (seit 1701 Reichsgraf) von Schönborn Buchheim (* 3. März 1674 in Mainz; † 26. Juli 1746 in Würzburg) war… …   Deutsch Wikipedia

  • Bad Schönborn — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim — Fürstbischof F. K. von Schönborn Buchheim (zeitgenössisches Gemälde) Friedrich Karl Reichsgraf (bis 1701: Reichsfreiherr) von Schönborn Buchheim (* 3. März 1674 in Mainz; † 26. Juli 1746 in Würzburg) war Fürstbischof von Würzburg und Bamberg und …   Deutsch Wikipedia

  • Wolfsthal (Adelsgeschlecht) — Wappen der Familie von Wolfsthal nach Siebmachers Wappenbuch Wolfsthal ist der Name eines alten Adelsgeschlechtes aus dem schwäbischen und fränkischen Raum. Die Familie nannte sich ursprünglich nach ihrem Besitz Thale bei Schwäbisch Gmünd Wolfe… …   Deutsch Wikipedia

  • Palais Schönborn (Prag) — Das Palais Schönborn (tsch. Schönbornský palác) ist ein repräsentatives Barockpalais in Prag. Geschichte Die Immobilie wurde um 1650/1715 erbaut und steht zwischen historischen Bürgerhäusern. Sie wurde bereits 1656 im Auftrag des Rudolf… …   Deutsch Wikipedia

  • Famille de Schönborn — Maison de Schönborn Blasonnement : In Rot ein auf drei silbernen Spitzen schreitender zweischwänziger blau gekrönter und blau bezungter goldener Löwe …   Wikipédia en Français

  • Johann Philipp von Schönborn — Johann Philipp von Schönborn, zeitgenössischer Stich Johann Philipp von Schönborn (* 6. August 1605 auf Burg Eschbach (heute Laubuseschbach) im Östlichen Hintertaunus; † 12. Februar 1673 in Würzburg) war Erzbischof von Mainz (1647), Bischof von …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”