Bahnkundenverband

Bahnkundenverband

Der Deutsche Bahnkunden-Verband e. V. (DBV) ist als Fahrgastverband eine Organisation von Fahrgästen, Bahnbenutzern und -kunden des Personenverkehrs und Güterverkehrs, mit dem Ziel Einfluss auf die Verkehrspolitik und Eisenbahnpolitik zu nehmen. Inhalt der Arbeit des Verbandes ist die Erarbeitung eigener Verkehrskonzepte, Stellungnahmen zur Verkehrspolitik, Beteiligung in Fahrgastbeiräten und anderen Gremien, Erhalt von Bahnstrecken und Gleisanschlüssen, Förderung des Umwelt- und Schienenbewußtseins sowie die Pflege des historischen Erbes im Bahnbereich[1]. Sitz des Verbandes ist Berlin. Der Verband veröffentlicht zusammen mit dem Berliner Fahrgastverband IGEB die Zeitschrift Signal und betreibt mit ihm das Fahrgastzentrum Berlin[2]. Er ist Mitglied im Europäischen Fahrgastverband (European Passengers' Federation (EPF)) und bei Allianz pro Schiene.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Der Deutsche Bahnkunden-Verband wurde im Februar 1990 in Berlin als DDR-Gegenstück zum bereits bestehenden ProBahn-Verband in der damaligen Bundesrepublik Deutschland zunächst unter dem Namen ProBahn - Hauptverband der DDR gegründet. Nach der Wiedervereinigung erfolgte im Februar 1991 die Umbenennung in ProBahn - Hauptverband Ostdeutscher Länder., aus dem im Jahr 1993 der Deutsche Bahnkunden-Verband e.V. hervorging.

Im gleichen Jahr wurde von Aktiven des DBV die heutige Deutsche Regionaleisenbahn (DRE) mit dem Ziel gegründet, auf von der Deutschen Bahn stillgelegten Strecken zumindest einen touristischen Betrieb weiter aufrecht zu erhalten. Diese Gesellschaft hatte zunächst die Bezeichnung Deutsche Regionalbahn, Sondervermögen des DBV. Dieses wurde 1996 in die heutige GmbH überführt. Inzwischen erfolgte eine organisatorische Trennung zwischen DRE und DBV, wobei eine Kooperationsvereinbarung zur weiteren Zusammenarbeit abgeschlossen wurde, die für die DBV-Mitgliedsvereine Vorteile vorsieht (Meistbegünstigungsprinzip).[3]

Gliederung

Der Deutsche Bahnkunden-Verband gliedert sich in einen Bundesverband, Landesverbände, Regionalverbände, Fördervereine und Mitgliedsvereine[4]. Die Landesverbände können mehrere Bundesländer umfassen. Die Regionalverbände sind überwiegend auf Kreisebene aktiv, können aber auch über mehrere Kreise und länderübergreifend sein (beispielsweise der Regionalverband Havelland, der den Berliner Bezirk Spandau und die Kreise Havelland und Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg umfasst).

Projekte

DBV-ReiseStation

Das DBV-Projekt ReiseStationen dient der Übernahme von schließungsgefährdeten Fahrkartenverkaufsstellen in den Regionen mit dem Ziel des Erhalts eines qualitativ hochwertigen Beratungsverkaufs für Bahnprodukte. Zusätzlich wird ein regionsspezifisches Angebot (z.B. Bahnliteratur, Gepäckaufbewahung, Fahrradverleih) zur Verfügung gestellt. Bis Ende 2009 erfolgt eine Erweiterung zu Fahrkartenagenturen mit umfangreichem Sortiment zum Reisebedarf. Bisher gibt es ReiseStationen in Oschatz Hbf und Sassnitz auf Rügen (seit November 2006).[5] Die im Oktober 2006 übernommene ReiseStation in Züssow musste Anfang 2008 wieder geschlossen werden, da nach einem Bahnsteigumbau ein bahnsteiggleicher Umstieg von bzw. zur UBB möglich ist[6].

DBV-BürgerBahn

Das Ziel des DBV-Projektes BürgerBahn ist es, auf stillgelegten Strecken den Schienenpersonenverkehr bedarfsorientiert wieder aufzunehmen. Dabei soll der Fahrbetrieb weitgehend eigenwirtschaftlich erfolgen, indem nach dem Vorbild zahlreicher Bürgerbus-Projekte der Fahrbetrieb durch ehrenamtliches Personal durchgeführt und die Strecke kostengünstig durch eine Kooperation mit der DRE unterhalten wird. Eine erste BürgerBahn ist der Elbe-Elster-Express, der vom gleichnamigen DBV-Förderverein seit Juni 2006 auf der Niederlausitzer Eisenbahn durchgeführt wird[7].

Deutsche Schienenverkehrs-Wochen

Zur Förderung des Umwelt- und Schienenbewußtseins werden vom DBV und seinen Migliedsvereinen jährlich die mehrwöchigen Deutschen Schienenverkehrs-Wochen an zahlreichen Orten und Bahnstrecken in Deutschland durchgeführt. Einen Schwerpunkt bilden die von den DBV-Fördervereinen betreuten Strecken, auf denen häufig Sonderfahrten stattfinden. Ein weiterer Schwerpunkt sind die Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen (Fahrgastsprechtage) mit DB Fernverkehr, den regionalen Verkehrsbetrieben in Berlin und Brandenburg (DB Regio, NEB, ODEG) sowie den städtischen Verkehrsbetrieben S-Bahn Berlin GmbH und den Betriebszweigen Omnibus, Tram und U-Bahn der BVG. Die 25. Deutschen Schienenverkehrs-Wochen fanden vom 29. August bis 5. Oktober 2008 schwerpunktmäßig am Gründungsort Berlin statt.[8] Dabei nahmen an 129 Veranstaltungen erstmals über 10.000 Besucher teil.[9]

Deutscher Schienenverkehrs-Preis

Seit 1986 zeichnet der DBV Persönlichkeiten und Institutionen für deren herausragende Leistungen um die Belange der Bahnkunden aus. Hierfür vergibt der Verband jährlich in verschiedenen Sparten den Deutschen Schienenverkehrs-Preis (z.B. Bahnpreis, Bürger - und Vereinspreis, Europapreis, Kulturpreis, Medienpreis)[10].

Der Ehrenpreis wurde bisher erst zweimal vergeben:

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Vgl. "DBV-Aktivitäten".
  2. Vgl. "Fahrgastzentrum Berlin im Bahnhof Lichtenberg".
  3. Vgl. "Kooperationsvereinbarung DBV/DRE", in: Signal, GVE-Verlag Berlin, ISSN 0723-7499.
  4. Vgl. "DBV-Gliederungen und Mitgliedsvereine".
  5. Vgl. "DBV-ReiseStationen".
  6. Vgl. Signal, Heft 1/2008, S.23.
  7. Siehe Elbe-Elster-Express.
  8. Vgl. "Deutsche Schienenverkehrs-Wochen".
  9. Vgl. Eisenbahn Webkatalog, "25. Deutsche Schienenverkehrs-Wochen enden mit Besucher- und Veranstaltungsrekord", 9. Oktober 2008.
  10. Vgl. "Deutscher Schienenverkehrs-Preis".
  11. Vgl. Signal, "Schienenverkehrs-Preis 2006 wird im März überreicht", Heft 1/2007, S.28.

Literatur

  • Deutscher Bahnkunden-Verband e.V. (Hrsg.): Die Bahn macht's. Selbstdarstellung, Berlin 2006

Weblinks


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