Büblikon

Büblikon
Wohlenschwil
Wappen von Wohlenschwil
Basisdaten
Kanton: Aargau
Bezirk: Baden
BFS-Nr.: 4046Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Gemeinde
PLZ: 5512
Koordinaten: (661967 / 251777)47.4138868.259725374Koordinaten: 47° 24′ 50″ N, 8° 15′ 35″ O; CH1903: (661967 / 251777)
Höhe: 374 m ü. M.
Fläche: 4.39 km²
Einwohner: 1349
(31. Dezember 2008)[1]
Website: www.wohlenschwil.ch
Karte
Karte von Wohlenschwil

Vorlage:Infobox Ort in der Schweiz/Wartung/Pixel

Wohlenschwil (schweizerdeutsch: Woleschwiil) ist eine Einwohnergemeinde im Bezirk Baden im Schweizer Kanton Aargau. Sie liegt nahe der Reuss bei Mellingen und ist bekannt als Schauplatz der Entscheidungsschlacht im Schweizer Bauernkrieg von 1653. Die heutige Gemeinde entstand 1906 durch die Fusion von Wohlenschwil und Büblikon.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Die Gemeinde besteht aus vier Siedlungen, die in den letzten Jahren zusammengewachsen sind. Am nördlichsten befindet sich Reusstal, weiter südlich folgt Büblikon, dann das eigentliche Dorf Wohlenschwil und schliesslich Oberberg. Die Ortsteile bilden ein zwei Kilometer langes Siedlungsband entlang einer Endmoräne nördlich des Wagenrains, die am Ende der Würmeiszeit durch den Rückzug des Reussgletschers entstanden ist und zahlreiche Findlinge aufweist.

Die Fläche des Gemeindegebiets beträgt 439 Hektaren, davon sind 155 Hektaren bewaldet und 65 Hektaren überbaut. Die tiefste Stelle liegt auf 346 Metern an der Reuss, die höchste auf 547 Metern auf dem Haneberg, einer Erhebung am Nordrand des Wagenrains.

Nachbargemeinden sind Birrhard und Birmenstorf im Norden, Mellingen im Osten, Tägerig im Südosten, Hägglingen im Westen und Mägenwil im Westen.

Geschichte

Wohlenschwil wurde wahrscheinlich zwischen 700 und 800 als Bauernsiedlung alamannischer Einwanderer gegründet, Büblikon wahrscheinlich bereits zwischen 600 und 700. In einer Klageschrift aus dem Jahr 893 wird Wohlenschwil erstmals urkundlich als Woleeswilare erwähnt. In dieser Urkunde führte das Fraumünster in Zürich Personen aus dem niederen Adel auf, die sich widerrechtlich Abgaben angeeignet hatten, darunter auch solche aus Wohlenschwil und Umgebung. Die erste Erwähnung von Büblikon (als Buoblinchon) geschah erst 1250.

Bis zum 13. Jahrhundert stiegen die Kyburger zur dominierenden Macht im Aargau auf. Als sie im Jahr 1264 ausstarben, gingen ihre Besitztümer an die Habsburger über. Ein bedeutender Grundherr war im Hochmittelalter das Kloster Königsfelden in Windisch. 1415 eroberten die Eidgenossen den Aargau und Wohlenschwil lag fortan zu den Freien Ämtern, einer gemeinen Herrschaft. Die Dörfer Mägenwil, Büblikon und Wohlenschwil sowie der Weiler Eckwil wurden zum Amt Büblikon zusammengefasst und von einem Untervogt verwaltet. 1529 erfolgte die Einführung der Reformation. Dies wurde jedoch 1531 nach der Niederlage der reformierten Orte im Zweiten Kappelerkrieg wieder rückgängig gemacht.

1653 brach aufgrund einer durch den Dreissigjährigen Krieg verursachten Wirtschaftskrise und gesteigerter Machtansprüche der «gnädigen Herren» der Schweizer Bauernkrieg aus; das Zentrum der Unruhen lag dabei im Entlebuch und im Emmental. Das schlecht ausgerüstete Bauernheer mit 20'000 Mann zog gegen Zürich und schlug sein Lager westlich von Mägenwil auf. Von Osten her rückten die 9'000 Mann starken Truppen der Zürcher Obrigkeit unter General Konrad Werdmüller vor, die das Städtchen Mellingen besetzten. Am 3. Juni 1653 kam es bei Wohlenschwil zu einem Gefecht, wobei die Zürcher gezielt Brände legten. Wohlenschwil brannte bis auf vier Häuser nieder, mitsamt der Kirche. Am Tag darauf gaben die Bauernführer Niklaus Leuenberger und Christian Schybi auf und unterzeichneten den «Mellinger Frieden». Die aufrührerischen Bauern wurden hart bestraft und sämtliche zerstörten Gebäude in Wohlenschwil und Büblikon auf Kosten der Krieg führenden Orte wieder aufgebaut.

Im März 1798 marschierten die Franzosen in die Schweiz ein und riefen die Helvetische Republik aus. Wohlenschwil und Büblikon wurden Gemeinden im kurzlebigen Kanton Baden; ab 1803 gehörten sie zum Kanton Aargau. Am 7. November 1830 nahmen 3'000 bis 4'000 Leute an einer Volksversammlung in Wohlenschwil teil. Solche Volkstage oder Landsgemeinden, die nach der französischen Julirevolution 1830 in mehreren Kantonen stattfanden (Ustertag), leiteten die Regeneration ein. Mit den führenden Politikern Karl Rudolf Tanner und Johann Martin Geissmann wollte man gewaltlos die Restaurationsverfassung revidieren. Dies führte zur ersten demokratischen Verfassung des jungen Kantons Aargau.[2]

Bis 1850 stieg die Bevölkerungszahl um mehr als das Doppelte an. Viele Einwohner verarmten und wurden von der Gemeinde Wohlenschwil, die mit finanziellen Sorgen zu kämpfen hatte, zur Auswanderung nach Übersee gedrängt. Büblikon hingegen betrieb keine aktive Auswanderungspolitik. Da kam 1872 die Ankündigung der Nationalbahn, in unmittelbarer Nähe eine Eisenbahnstrecke zu bauen, gerade recht. Wohlenschwil und Büblikon beteiligten sich am Aktienkapital. Die Bahnstrecke Zofingen–Wettingen nahm am 6. September 1877 den Betrieb auf. Doch schon ein Jahr später musste die Gesellschaft Konkurs anmelden. Zwar hatten die beiden Gemeinden weniger stark unter der Schuldenlast zu leiden als das benachbarte Mägenwil, doch machte sich dieses Fiasko noch während Jahrzehnten in den Gemeindefinanzen bemerkbar. Nicht zuletzt deshalb wurden die beiden Gemeinden nach einem Beschluss des Aargauer Kantonsparlaments am 1. Januar 1906 gegen ihren Willen fusioniert.

Während vielen Jahrzehnten stagnierte die Einwohnerzahl der fusionierten Gemeinde. Trotz der nahen Autobahn, die 1970 eröffnet worden war, setzte erst ab Mitte der 1980er Jahre eine verstärkte Bautätigkeit ein. Wohlenschwil und Büblikon wuchsen allmählich zusammen. Im Gegensatz zu Mägenwil und Mellingen liessen sich hier keine grossen Industriebetriebe nieder, dazu fehlte eine flache und ausreichend grosse Industriezone.

Sehenswürdigkeiten

Die Alte Kirche St. Leodegar im Dorfzentrum von Wohlenschwil stammt ursprünglich aus dem 12. Jahrhundert. Nach dem Bauernkrieg von 1653 wurde das zerstörte Gebäude neu errichtet, 1742/43 erhielt es sein heutiges barockes Aussehen und 1830 folgte der Umbau des Kirchturms. Das Gebäude erwies sich als zu klein, weshalb die Kirchgemeinde 1907/08 rund 200 Meter westlich davon eine neue Kirche im neuromanischen Stil errichten liess. Die Alte Kirche blieb bestehen und wurde 1947 unter Denkmalschutz gestellt. Von 1955 bis 1993 beherbergte sie das Schweizerische Bauernmuseum, seither wird sie als Kulturzentrum genutzt.[3]

Das organisch gewachsene Dorfzentrum Wohlenschwils hat sich im Wesentlichen bis heute bewahrt. Um den weiträumigen Dorfplatz gruppieren sich die Alte Kirche, das Pfarrhaus sowie mehrere Gebäude aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert. Am östlichen Dorfrand befindet sich der «Lindenhof», der 1793 als Landsitz des Wohlenschwiler Untervogts errichtet wurde. In dem frühklassizistische Giebelbau war bis 1862 eine Gaststätte eingerichtet.[4]

Wappen

Die Blasonierung des Gemeindewappens lautet: «In Rot kreuzweise gestellt weisse Muskete mit gelbem Schaft und weisse Sützgabel mit gelbem Stiel, überhöht von gesichteter gelber Sonne.» Die Waffen erinnern an die Entscheidungsschlacht des Schweizer Bauernkrieges von 1653. Die Sonne weist auf den Sunnenhübel hin, den Ort der Schlacht. Eingeführt wurde das Wappen 1952 vor dem 300. Jahrestag der Schlacht.[5]

Bevölkerung

Bevölkerungsentwicklung:[6]

Jahr 1799 1850 1900 1930 1950 1960 1970 1980 1990 2000
Einwohner 373 817 614 752 702 679 762 839 1068 1263

Am 31. Dezember 2008 lebten 1349 Menschen in der Gemeinde Wohlenschwil, der Ausländeranteil betrug 12,4 %. Bei der Volkszählung 2000 waren 52,0 % römisch-katholisch und 30,4 % reformiert; 3,1 % gehörten anderen Glaubensrichtungen an. 92,7 % bezeichneten Deutsch als ihre Hauptsprache, 1,1 % Serbokroatisch, 1,0 % Italienisch, 0,8 % Französisch.[7]

Politik und Recht

Die Versammlung der Stimmberechtigten, die Gemeindeversammlung, übt die Legislativgewalt aus. Ausführende Behörde ist der Gemeinderat. Seine Amtsdauer beträgt vier Jahre und er wird im Majorzverfahren (Mehrheitswahlverfahren) vom Volk gewählt. Er führt und repräsentiert die Gemeinde. Dazu vollzieht er die Beschlüsse der Gemeindeversammlung und die Aufgaben, die ihm von Kanton und Bund zugeteilt wurden. Gemeindeammann der Amtsperiode 2006-2009 ist Erika Schibli (FDP).

Für Rechtsstreitigkeiten ist das Bezirksgericht Baden zuständig. Wohlenschwil gehört zum Friedensrichterkreis Mellingen.

Wirtschaft

In Wohlenschwil gibt es etwa 400 Arbeitsplätze, davon 17 % in der Landwirtschaft, 53 % in der Industrie und 30 % im Dienstleistungssektor.[8] Die meisten Erwerbstätigen sind Wegpendler und arbeiten im benachbarten Mägenwil oder in der Agglomeration Baden. Bis etwa 1930 wurde in einem Steinbruch südlich von Wohlenschwil Muschelkalkstein abgebaut. Die Menge war allerdings weit geringer als in Mägenwil und die Qualität um einiges schlechter.

Verkehr

Wohlenschwil ist verkehrsmässig gut erschlossen. Die Gemeinde befindet sich an der Hauptstrasse zwischen Mellingen und Lenzburg. Der Durchgangsverkehr führt seit 1930 über eine Umfahrungsstrasse zwischen Wohlenschwil und Büblikon. Der Autobahnanschluss der A1 bei Mägenwil ist nur wenige Fahrminuten entfernt. Büblikon und Wohlenschwil werden durch die Postautolinie MägenwilBaden erschlossen.

Bildung

Wohlenschwil besitzt einen Kindergarten und zwei Schulhäuser, in denen die Primarschule sowie die 1. und 2. Klasse der Realschule und der Sekundarschule untergebracht sind. Die übrigen Oberstufenklassen (inkl. Bezirksschule) können in Mellingen besucht werden. Die nächstgelegenen Kantonsschulen (Gymnasien) befinden sich in Baden und Wettingen.

Literatur

  • Andreas Steigmeier: Mägenwil und Wohlenschwil - Geschichte zweier Nachbargemeinden (1993)

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstatistik, 2. Halbjahr 2008 - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  2. Artikel Volkstage im Historischen Lexikon der Schweiz
  3. Stiftung Alte Kirche Wohlenschwil
  4. Peter Hoegger: Die Kunstdenkmäler des Kantons Aargau. Band VI, Bezirk Baden I. Birkhäuser Verlag, Basel 1976, ISBN 3-7643-0782-X. S. 458–472.
  5. Joseph Galliker, Marcel Giger: Gemeindewappen des Kantons Aargau. Lehrmittelverlag des Kantons Aargau, Buchs 2004. ISBN 3-906738-07-8
  6. Bevölkerungsentwicklung der Gemeinden im Bezirk Baden - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  7. Gemeindeporträt - Statistisches Amt des Kantons Aargau
  8. Betriebszählung 2005 - Statistisches Amt des Kantons Aargau

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