Casino-Fraktion

Casino-Fraktion
Lithographie "Club de Casino" von Friedrich Pecht, 1849.

Casino war die Bezeichnung einer seit dem 25. Juni 1848 bestehenden politischen Fraktion in der Frankfurter Nationalversammlung. Wie bei den meisten Fraktionen der Nationalversammlung bezieht sich der Name auf den üblichen Versammlungsort der Fraktionsangehörigen in Frankfurt am Main.

Die Casino-Fraktion war in der Frankfurter Paulskirche die größte und einflussreichste Fraktion. Ihre Vertreter waren im wesentlichen nationalliberal. So wie auch die Einberufung der Nationalversammlung wesentlich auf Vorarbeiten von zum Casino zählenden Personen zurückgeht, beispielsweise durch die publizistische Arbeit der Deutschen Zeitung sowie die maßgebliche Beteiligung an der Heppenheimer Tagung, der Heidelberger Versammlung und am Vorparlament, war auch die Arbeit der Nationalversammlung, vor allem die Paulskirchenverfassung, wesentlich von Vertretern der Casino-Fraktion bestimmt. Das Casino setzte in einem Bündnis mit der Fraktion Westendhall auch die Staatsform der konstitutionellen Monarchie für den angestrebten Nationalstaat durch, was ihr die deskriptivere Bezeichnung als Erbkaiserliche einbrachte.

Das Casino stellte mit Heinrich von Gagern und Eduard Simson bis zum Niedergang der Nationalversammlung im Rahmen der Reichsverfassungskampagne den Parlamentspräsidenten, mit Friedrich Daniel Bassermann den Vorsitzenden des Verfassungsausschusses sowie mit bekannten liberalen und rechtsliberalen Politikern wie Hans Adolf Erdmann von Auerswald, Hermann von Beckerath, Friedrich Christoph Dahlmann, Johann Gustav Droysen, Georg Gottfried Gervinus, August Hergenhahn, Felix Fürst Lichnowsky, Karl Mathy, Gustav von Mevissen, Alexander von Soiron, Georg Waitz und Carl Theodor Welcker einen Großteil der politischen Prominenz der Frankfurter Nationalversammlung.

Im September 1848 spaltete sich vom Casino die Fraktion Landsberg mit Politikern wie Carl Friedrich Wilhelm Jordan, Heinrich von Quintus-Icilius und Maximilian Heinrich Rüder ab, die eine stärkere Stellung des Parlaments befürworteten. Am 21. Dezember 1848 spaltete sich um Welcker, Johann Gustav Heckscher, August Reichensperger und Victor Franz Freiherr von Andrian-Werburg der konservativere Pariser Hof ab.

Literatur

  • Detlef Hoffmann / Ute Wrocklage: Die daguerreo-typisierten Männer der Paulskirche. Parlamentarierportraits der ersten deutschen Nationalversammlung in Frankfurt 1848/49. In: Bodo von Dewitz / Reinhard Matz (Hrsg.): Silber und Salz: Zur Frühzeit der Photographie im deutschen Sprachraum 1839–1860. Kataloghandbuch zur Jubiläumsausstellung 150 Jahre Photographie, Köln 1989, ISBN 3-925835-65-2, S. 404–437 [Abbildung der Lithographie, ebd., S. 431, Abb. 59].
  • Heinrich Best / Wilhelm Weege (Hrsg.): Biographisches Handbuch der Abgeordneten der Frankfurter Nationalversammlung 1848/49, Düsseldorf: Droste 1996, S. 401 [Liste der Abgeordneten].



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