Ehrliche Arbeit

Ehrliche Arbeit

Der Begriff „ehrliche Arbeit“ wurde im Nationalsozialismus benutzt, um Juden der „unehrlichen Arbeit“, d. h. des Wuchers und Schachers zu bezichtigen. Nach nationalsozialistischer Vorstellung unterscheidet sich ehrliche von unehrlicher Arbeit dadurch, dass ihr Gewinn selbst erwirtschaftet ist und sie sich in den Dienst der Volksgemeinschaft stellt. Juden hingegen, die als Feinde der Volksgemeinschaft identifiziert wurden, unterstellte man, sie eigneten sich „parasitär die Früchte ehrlicher deutscher Arbeit“ an. Ihre Stellung in der Gesellschaft und die Dinge, die sie besaßen, hätten sie nur unrechtmäßig erwerben können, da „ehrliche Arbeit“ „dem Juden wesensfremd“ sei. Die Rede von der „ehrlichen Arbeit“ gipfelte in der Forderung nach Brechung der Zinsknechtschaft.

Inhaltsverzeichnis

Ursprünge

Die Vorstellung von ehrlichen und unehrlichen Berufen gab es bereits im Mittelalter.

Martin Luther, in dessen Schriften sich antijudaistische Passagen finden, stellte die „deutsche ehrliche Arbeit“ dem „jüdischen Schmarotzertum und Wucher“ gegenüber.[1]

Ende des 19. Jahrhunderts hatte sich der Begriff der „deutschen Arbeit“ etabliert, der schon implizit „jüdische Arbeit“ als sein unehrenhaftes Gegenteil auffasste. Damit wurde auch kaschiert, dass die Spezialisierung der Juden auf einige Berufszweige ein Ergebnis der Berufsverbote vergangener Jahrhunderte waren, und keineswegs ökonomische oder gar gesellschaftliche Gründe hatte.

Heutige Verwendung

Heute wird der Begriff unbedarft verwendet. Die Gegner von Einschnitten im sozialen Bereich argumentieren, dass Manager und „Bonzen“ nicht von fremder Arbeit zu leben, sondern ihr Handeln in den Dienst des Volkes zu stellen hätten statt dieses auszusaugen. Schlagworte wie „Gutes Geld für ehrliche Arbeit“ sind in der sich sozial gebenden deutschen Rechten populär, finden aber ebenso auch Anklang in der Linken. Ein aktuelles Beispiel bietet die Heuschreckendebatte.

Literatur

  • Andrea Woeldike, Holger Schatz: Freiheit und Wahn deutscher Arbeit. Zur historischen Aktualität einer folgenreichen antisemitischen Projektion. Unrast, Hamburg 2001, ISBN 3-89771-805-7 (Reihe antifaschistischer Texte 9).
  • Victor Klemperer: LTI – Notizbuch eines Philologen. Aufbau-Verlage, Berlin, 1947 (Auch: Nach der Ausgabe letzter Hand herausgegeben und kommentiert: Elke Fröhlich (Hrsg.). 24. völlig neu bearbeitete Auflage. Reclam, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-15-010743-0).

Quellen

  1. Vgl. Woeldike/Schatz, S. 16.

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