Future Pop

Future Pop
Future Pop
Stilistischer Ursprung: Elektro · Electro Pop · Techno · Trance
Geographischer Ursprung: Europa
Entstehungsphase: zweite Hälfte der 1990er Jahre
Genretypische Instrumente
Synthesizer · Sampler · E-Drums

Future Pop ist ein in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre entstandener Stil der Elektronischen Tanzmusik, der mit seinen klaren, tanzbaren Songstrukturen im 4/4-Takt auf Electro-Pop- und Uplifting-Trance-Komponenten zurückgreift.[1] Hauptvertreter des Stils sind bzw. waren Apoptygma Berzerk, VNV Nation und Covenant.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft

Die Titulierung „Future Pop“ entstammt dem gleichnamigen, im September 1983 veröffentlichten Buch „Future Pop: Music for the Eighties“ des Autors Peter L. Noble und fand später unter anderem für einen Roman von M. G. Burgheim Verwendung (Buchbesprechung auch im Zillo, Heft 11/1999).[2][3] Allerdings nimmt auch Ronan Harris von VNV Nation für sich in Anspruch, die Bezeichnung geprägt zu haben.[4] Außerhalb des popmusikalischen Kontextes reicht sie bis ins 19. Jahrhundert zurück.[5] Ab 2001 wurde „Future Pop“ verstärkt für die Protagonisten des Stils, darunter auch Icon of Coil, verwendet. Gleichzeitig erschienen unter der Bezeichnung erste Kompilationen auf den deutschen Labels Angelstar („Future Pop: The Best of Modern Electronic“, 2001) und Zoomshot Media Entertainment („Future Pop Generation“, 2002).

Geschichte

Erste Versuche einer Überlagerung gab es bereits Anfang und Mitte der 1990er Jahre. So griff unter anderem das zum Duo geschrumpfte Electro-Pop-Projekt Camouflage vereinzelt Techno- und Trance-Elemente auf und hatte mit der Maxi „Suspicious Love“ (1993) einigen Erfolg. Die Electro-Wave-Formation Fortification 55 veröffentlichte 1995 ihr viertes Album „Trancemigration“, auf dem es zu ähnlichen Experimenten kam. Das Album floppte allerdings, da zu jener Zeit keine geeignete Zielhörerschaft vorhanden war. Gleichartige Entwicklungen ließen sich auch bei anderen deutschen Gruppen, wie Boytronic („Blue Velvet“, 1995), Delay („Soul Cremation“, 1995), Distain! („Remote Control“, 1996) oder Rame („Space's Embrace“, 1996), beobachten.

Zur selben Zeit erschienen die Maxi „Non-Stop Violence“ (1995) sowie das Album „7“ (1996) von Apoptygma Berzerk, auf denen sich bereits einige Veränderungen gegenüber den vorangegangenen Veröffentlichungen der Band bemerkbar machten. So besitzen sowohl „Non-Stop Violence“ als auch die Tracks „Deep Red“ und „Love Never Dies“ bereits technoide Grundstrukturen. Drei Jahre später kam die Maxi „Eclipse“ auf den Markt. „Eclipse“ gilt hierbei als einer der ersten Future-Pop-Tracks. Parallel dazu veröffentlichte das irisch/britische Projekt VNV Nation das Album „Empires“ (1999), von dem insbesondere die Songs „Rubicon“ und „Standing“ in dasselbe Umfeld steuern.

Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. So konnte das schwedische Projekt Covenant einen Deal mit Sony Music Entertainment verbuchen und Apoptygma Berzerk schafften zusammen mit VNV Nation den Sprung in die Media-Control-Charts. Alle drei Bands waren zuvor im Elektro- und Electro-Pop-Bereich aktiv, gelten allerdings durch ihre zunehmende Hinwendung zum Trance als stilprägend für Future Pop.

Rezeption

Future Pop wird in Deutschland überwiegend innerhalb der so genannten Schwarzen Szene gehört. In anderen Ländern, wie den USA, ist das Publikum dagegen heterogen zusammengesetzt und hauptsächlich im Alternative-Umfeld beheimatet. Die Musik vermittelt zwar zum Teil eine als melancholisch oder düster wahrgenommene Grundstimmung, ist aber im Gegensatz zu anderen technoid geprägten Genres wie Hellektro deutlich melodischer und pop-orientierter. Aufgrund der starken Orientierung an der kommerziellen Dance- und Popmusik und der zahlreichen Bands, die die Einflüsse ihrer Vorreiter zumeist unreflektiert wiedergaben, ist der Future Pop vor allem bei älteren Szeneanhängern umstritten.

Es überwiegen Track-Strukturen wie im Techno. [...] Klare Sounds, durchgängige Rhythmen um die 140 BPM mit spannungsfördernder, partieller Rücknahme von Beat oder Soundteilen, Breaks und eingängige Melodien. Genau genommen lassen sich keine zwingenden Unterschiede zu chartkompatiblem Dance-Techno feststellen, außer dass die mit dem Begriff „Future Pop“ belegten Protagonisten eben innerhalb der Schwarzen Szene zu finden sind. [...] „Party machen“ ist hierbei ein wichtiger Aspekt.[6]

Das verstärkte Aufkommen des Genres löste bereits Ende der 1990er Jahre zunehmend szene-interne Konflikte aus[7], sodass sich vor allem traditionelle Goths von den herkömmlichen Szenepartys abwandten und gothic-rock-, dark-wave- bzw. death-rock-spezifische Veranstaltungen organisierten:[8]

Es gibt inzwischen regelrechte »Anti-Future-Pop«-Veranstaltungen. Wenn das schon auf dem Flyer steht, ist das ein Anzeichen dafür, dass die Leute langsam genug davon haben.

Paul Cuska, Journalist, Musiker und Labelinhaber von Strobelight Records, 2004: [9]

Bedeutende Vertreter

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Peter Matzke, Tobias Seeliger: Das Gothic- und Dark-Wave-Lexikon. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2003, ISBN 3-89602-277-6, S. 166.
  2. Peter L. Noble: Future Pop. Music for the Eighties. Putnam Pub Group, New York 1983, ISBN 0-933328-70-2.
  3. M. G. Burgheim: Future Pop. Eichborn Verlag, Berlin 1999, ISBN 3-8218-0679-6. (Klappentext)
  4. Being a little bit productive. Interview mit Ronan Harris auf: sortedmagazine.com (engl.)
  5. William George Smith, Henry Wace: A Dictionary of Christian Biography, Literature, Sects and Doctrines. London 1882, S. 34.
  6. Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun: Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. VS, Wiesbaden 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 273.
  7. Entry Musikmagazin: Leserbriefe, Ausgabe 6/96, S. 10, Dezember 1996
  8. Axel Schmidt, Klaus Neumann-Braun: Die Welt der Gothics. Spielräume düster konnotierter Transzendenz. 2004, ISBN 3-531-14353-0, S. 94.
  9. Rebekka Elisabeth Härtl: Strobelight Records – Labelreport. „Black“-Musikmagazin, Ausgabe 36/04, Sommer 2004, S. 37.

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