Gamasche

Gamasche
Angriff preußischer Grenadiere in der Schlacht bei Hohenfriedberg. Gut erkennbar die weißen, seitlich geknöpften Gamaschen, die in dieser Epoche auch noch von unberittenen Offizieren getragen wurden.

Als Gamaschen (Beinlinge, Kamaschen, Gamaschenschuhe, Stulpen), eigentlich Socken ohne Sohlen, werden Fußbekleidungsstücke aus Tuch, Leinwand, Kunststoff oder Leder bezeichnet, die früher seitlich geschnürt oder geknöpft wurden. Gamaschen schließen an das Schuhwerk an und reichen teilweise bis über das Knie. Sie sollen gegen Verletzungen, Schmutz, Kälte und Feuchtigkeit schützen und - in festerer Ausführung bei knöchelfreien Schuhen - den Knöchelbereich stabilisieren. Gamaschen wurden in der Vergangenheit überwiegend beim Militär verwendet und kommen heute insbesondere noch bei verschiedenen Sportarten und bei Pferden zum Einsatz.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Filzgamasche

Der Begriff war ursprünglich die spanische Bezeichnung für eine bestimmte Ledersorte gaudamaci. Dieses Wort geht auf das arabische gild gadamasiy zurück, was „Leder aus Ghadames“ bedeutet. Im 17. Jahrhundert wurde der Begriff als gamache ins Französische übernommen und floss danach in den deutschen Sprachgebrauch ein.

Militärkleidung

US-Kavallerist mit Wickelgamaschen 1918

Weiß oder schwarz gefärbte Leinengamaschen gehörten im 18. und beginnenden 19. Jahrhundert zur Uniformierung der Fußtruppen in den meisten westlichen Armeen. Diese Gamaschen, welche mit einem Stoff- oder Ledersteg vor dem Absatz der Schuhsohle gehalten wurden, hat man als knielange Variante entweder über der Hose zugeknöpft oder - besonders während und nach den Koalitionskriegen- in gekürzter Form unter den Hosenbeinen getragen. Unberittene Offiziere trugen zunächst auch Gamaschen, erhielten aber etwa ab 1780 Stiefel. Im Verlauf der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kamen die Gamaschen in vielen Ländern zumindest in der knielangen Ausführung außer Gebrauch und tauchten erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in veränderter Form wieder auf. Ab da fehlte meistens der Steg, der die nun sehr häufig aus Leder gefertigten Gamaschen am Fuß fixierte. Sie wurden in dieser Zeit wie eine mit ledernen Schnürsenkeln verschließbare „Verlängerung“ der zumeist knöchelhohen militärischen Schnürstiefel verwendet oder sind – beispielsweise in der preußischen und russischen Armee – durch kniehohe Knobelbecher vollständig verdrängt worden.

Doch noch im 20. Jahrhundert gehörten verschiedenartig gefertigte wadenhohe Stoff- und Ledergamaschen bei vielen Armeen zur militärischen Ausrüstung im Ersten Weltkrieg. Von der Form her völlig abweichend, in der Funktion identisch waren Wickelgamaschen. Diese wurden zunächst insbesondere von Großbritannien (seit Einführung der Khaki-Uniform ab 1902) und dann Frankreich verwendet. Im Verlauf des Ersten Weltkrieges führten neben funktionalen Erwägungen auch drastischer Materialmangel zu einer teilweisen Übernahme bei den deutschen Streitkräften. Wickelgamaschen wurden anders als ihre normale Gamaschen sogar bei berittenen Truppenteilen verwendet. Gamaschen aller Art fanden sich während des Zweiten Weltkrieges bei vielen Armeen. Im Verlauf der Zeit verschwanden in den meisten Streitkräften Gamaschen als Bestandteil von Feld- und Arbeitsanzug und sind heute, wenn überhaupt, nur mehr bei der Paradeuniform zu finden. Einige paramilitärische Polizeiverbände, wie beispielsweise der Bundesgrenzschutz, verwendeten kurze knöchelhohe Stoffgamaschen bis in die 1970er Jahre. Die Bundeswehr folgte in ihrer Gründungsphase zunächst dem amerikanischen Vorbild mit niedrigen Schnürstiefeln und verschiedenen Gamaschenmodellen. Seit den 1960er Jahren wurden dann aber hohe, geschnürte Kampfstiefel getragen, die dem unteren Beinbereich selbst bereits genügend Halt und Schutz boten, so dass heute nur mehr einige Truppenteile als Nässeschutz Flecktarn-Gamaschen mit Klettverschlüssen tragen.

Umgangssprachlich hat sich Gamaschendienst als Synonym für einen pedantischen, auf das Kleinliche gerichteten Dienst ohne erkennbaren Sinn erhalten.

Zivilkleidung

Gamaschen als Kälteschutz

Im zivilen Bereich gehörte die stark gekürzte Gamasche mit Steg, welche kaum den Knöchel bedeckte, zum modischen Zubehör des Biedermeier, das besonders von eleganten Herren geschätzt wurde. Der Knopfverschluss bei diesen Modellen war seitlich angebracht. Diese Gamaschen wurden zu knöchellangen Hosen getragen.

Danach geriet die Gamasche als Modeaccessoire wieder weitgehend in Vergessenheit um erst ab 1900 als fester Bestandteil des Cutaway, diesmal in einer Ausführung aus weißem schweren Wollstoff mit weicher Innenseite, eingeführt zu werden. Zum Sommersakko gehörten champagnerfarbene kurze Gamaschen mit Ledersteg und zum Winteranzug farblich passende Modelle aus grobem Wollstoff. Für sportliche Betätigungen gab es ebenfalls eine spezielle Gamasche. Prinzipiell wurden die Gamaschen in jener Zeit nur zum Tagesanzug und zu knöchellangen, meist umschlaglosen Hosen getragen. So in einer wadenlangen Ausführung zwischen 1915 bis 1917 mit der Kriegskrinoline. Nach der ersten Hälfte der 1920er Jahre verlor die Gamasche zunächst Stellung im modischen Bereich. Doch bereits in der Zeit nach 1930 taucht sie wieder auf, nun als Zubehör zur gestreiften Hose.

In der zweiten Hälfte der 1960er Jahre wurden Gamaschen in knielangen Modellen zu minilangen Mänteln angeboten. Die zu Beginn der 1980er Jahre auftauchenden und bis heute noch oft bei Ballett oder Aerobic getragenen Legwarmers können als gestrickte Variante der Gamaschen betrachtet werden.

Abgesehen von einer Verwendung beim Reenactment oder bei Karneval ist die Gamasche heute im öffentlichen Bewusstsein nur als eines der charakteristischen Kleidungsstücke von Dagobert Duck präsent.

Außerdem finden Leder-Gamaschen beim Schweißen Verwendung. Sie dienen dabei als Fußschutz, um Verbrennungen an den Füßen durch hineinspritzende Funken zu verhindern.

Sport- und Freizeitkleidung

Im Sport- und Freizeitbereich wurde die Gamasche ab 1900 beliebt. So trugen Jagdgesellschaften lange und mittellange Modelle, außerdem knielange Stoffgamaschen. Auch beim 1911 gegründeten Deutschen Pfadfinderbund wurde in vielen Ortsgruppen kniehohe schilfgrüne Stoffgamaschen mit seitlicher Schnürung bis in die frühen 1920er Jahre getragen.

Zum Schutz vor Schmutz, Feuchtigkeit und Kälte sind Gamaschen bis heute beim Radfahren, Skifahren, Bergsteigen und Wandern beliebt. Auch vor Zecken bieten sie einen gewissen Schutz. Beim Expeditionsbergsteigen dienen spezielle Expeditionsgamaschen außerdem zur Isolation der Unterschenkel und Füße. Die Isolation erfolgt durch geschlossenporigen Isolationsschaum. Expeditionsgamaschen ermöglichen somit, gewöhnliche, normalisolierte und steigeisenfeste Bergstiefel auch zum Bergsteigen in wesentlich kälteren Regionen zu verwenden. Es gibt inzwischen auch Expeditionsschuhe zum Höhenbergsteigen, die integrierte Gamaschen besitzen.

Pferdeausrüstung

Gamaschen am Pferdebein

Gamaschen werden in verschiedenen Bauarten auch zum Schutz des Pferdebeines, insbesondere Röhrenbein, Fesselkopf und Sehnen beim Reiten oder Fahren benutzt. Besonders im Spring- und Geländesport sind Gamaschen heutzutage unverzichtbar, da beim Überwinden der Sprünge eine enorme Verletzungsgefahr besteht, welche zu großen Einschränkungen der Belastbarkeit des Pferdes führen kann. Zusätzlich stützen die Gamaschen das Pferdebein, wodurch die Gefahr des Umknickens und somit folgenden Sehnen-, Knorpel- und Knochenschäden verringert wird. Dabei kommen als Materialien Leder, Fell und zunehmend verschiedene Kunststoffe, v.a. Neopren zum Einsatz.

Literatur

  • Laurent Mirouze: Infanteristen des Ersten Weltkriegs. Dißberger, Düsseldorf 1990, ISBN 3-924753-28-8.
  • Laurent Mirouze, Stéphane Dekerle: Die französische Armee im Ersten Weltkrieg. Ausmarsch 1914. Bd. 1: Uniformierung – Ausrüstung – Bewaffnung. Verlag Militaria, Wien 2007, ISBN 978-3-902526-08-3.
  • Otto von Pivka, G. A. Embleton: Napoleon’s German Allies, Teile 2 – 5, Osprey Publishing Limited, London 1991, Teil 2: ISBN 0850452554.
  • Ingrid Loschek Reclams Mode- und Kostümlexikon, Verlag Philipp Reclam jun., Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3
  • Ludmila Kybalova, Olga Herbenova, Milena Lamariva: Das große Bilderlexikon der Mode – Vom Altertum zur Gegenwart, Artia Verlag, Prag 1966

Siehe auch

 Commons: Gaiters – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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