Gedimin

Gedimin
Großfürst Gediminas
Die Eiche von Raudonė, unter der Gediminas, der Überlieferung zufolge, sein letztes Mahl einnahm, bevor er bei der Belagerung der Bayerburg durch einen Armbrustbolzen tödlich verwundet wurde

Gediminas (auch Gedimin; * ca. 1275; † Dezember 1341) war ab 1316 Großfürst von Litauen. Neben Mindaugas und Vytautas zählt er zu den großen Regenten in der litauischen Geschichte. Litauen stieg unter ihm endgültig zu einer regionalen Großmacht auf und Gediminas betrachtete sich als „König der Litauer und Ruthenen“.

Leben

Um 1293 trat in Litauen nach Jahrzehnten weitgehender Unordnung mit Vytenis, Sohn von Pukuwer, wieder ein mächtiger Großfürst auf den Plan. Nach seinem Tod 1316 trat sein Cousin [1] Gediminas die Nachfolge an.

Gediminas erwies sich als erfolgreicher Taktiker, der über eine planvolle Heirats-, Bündnis- und Innenpolitik Litauen zu einer Großmacht aufsteigen ließ und gleichzeitig die Dynastie der Gediminiden begründete. So erklärte er 1323/24 gegenüber dem Papst die Absicht, sich taufen zu lassen. Die Taufe diente dabei wie bei Mindaugas zur Abwehr von Übergriffen des Deutschen Ordens). Als seine innenpolitische Situation schwierig wurde, zog er seine Taufabsicht wieder zurück.

Zur selben Zeit wurde Vilnius Litauens Hauptstadt, Einwanderer (darunter auch aus Deutschland) belebten die Stadt. Es wurden enge wirtschaftliche Beziehungen zur Hansestadt Riga und über Polen nach Westeuropa aufgebaut.

Gediminas zwang mehreren ruthenischen Fürstentümern der ehemaligen Kiewer Rus sein Protektorat auf: Smolensk, Pskow und Kiew (um 1325). Andere ruthenische Gebiete (Wizebsk, Turow, Pinsk) wurden seinem Staat gänzlich eingegliedert. Kurz vor seinem Tod konnte Gediminas noch das große ruthenische Fürstentum Halitsch-Wolhynien als Erbmasse seines Sohnes Liubartas seinem Staat angliedern (1340, Halitsch musste allerdings 1349 Polen überlassen werden). Plünderungen der tatarischen Goldenen Horde (z.B. um 1340/41) konnten den Staat dabei nicht längerfristig schwächen.

Im Norden und Südwesten musste sich Gediminas ständiger Angriffe des Deutschen Ordens erwehren, der unter dem Vorwand der christlichen Missionierung nach dem Besitz Schemaitens strebte.

Schwere Einfälle erfolgten besonders 1329/30 und 1336/37. Er tat dies mit wechselndem Erfolg. Bei Kämpfen mit dem von adligen Preußenfahrern wie König Johann von Luxemburg massiv unterstützten Ritterorden wurde Gediminas Anfang Dezember 1341 vor der Bayerburg tödlich verwundet. Laut der Überlieferung traf Gediminas unweit der noch heute vorhandenen "Gediminaseiche" ein vom Eckturm der belagerten Burg abgeschossener Armbrustbolzen.

Quellen

  1. http://viduramziu.istorija.net/gediminas.htm




Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gedimin — Gedimin, 1315–24 Fürst von Lithauen, s.d …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Gedimin — Gedīmin (Gedymin), seit 1315 Großfürst von Litauen, durch Eroberung Kiews Begründer des Litauisch Russ. Reichs, gründete 1320 Wilna, fiel 1337 bei Belagerung der Ordensfestung Bajerburg; seine 6 Söhne (Gedimine oder Gediminowitsche) teilten das… …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Gedimin — Gedimịn,   litauisch Gedimịnas, Großfürst von Litauen (seit 1316), * um 1275, ✝ 1341; Schöpfer des litauischen Großreiches; zog durch Sendschreiben (1323) an die deutschen Hansestädte sowie an Franziskaner und Dominikaner deutsche Kaufleute,… …   Universal-Lexikon

  • Herzogtum Pomerellen — Pommerellen im 14. Jahrhundert als Teil des Deutschordenslandes (deutscher Schulatlas von 1905), weitere historische Karten auf Websites unten Pommerellen ist eine sich über große Teile der Ostseeküste erstreckenden Landschaft an der… …   Deutsch Wikipedia

  • Herzogtum Pommerellen — Pommerellen im 14. Jahrhundert als Teil des Deutschordenslandes (deutscher Schulatlas von 1905), weitere historische Karten auf Websites unten Pommerellen ist eine sich über große Teile der Ostseeküste erstreckenden Landschaft an der… …   Deutsch Wikipedia

  • Karl Beffart von Trier — Hochmeisterwappen Karls von Trier Karl von Trier (* um 1265 in Trier; † 11. Februar 1324) war der 16. Hochmeister des Deutschen Ordens von 1311 bis 1324. Inhaltsverzeichnis 1 Familie 2 Ordenslaufbahn …   Deutsch Wikipedia

  • Kestutis — Kęstutis Kęstutis (deutsch Kenstut; * um 1297; † 1382 in Krewa) war Großfürst des mittelalterlichen Großfürstentums Litauen und Rutheniens. Der Sohn Gediminas herrschte lange Zeit gemeinsam mit seinem Bruder Algirdas (gest. 1377). Der tatkräftige …   Deutsch Wikipedia

  • Kinstut — Kęstutis Kęstutis (deutsch Kenstut; * um 1297; † 1382 in Krewa) war Großfürst des mittelalterlichen Großfürstentums Litauen und Rutheniens. Der Sohn Gediminas herrschte lange Zeit gemeinsam mit seinem Bruder Algirdas (gest. 1377). Der tatkräftige …   Deutsch Wikipedia

  • Ostpommern — Pommerellen im 14. Jahrhundert als Teil des Deutschordenslandes (deutscher Schulatlas von 1905), weitere historische Karten auf Websites unten Pommerellen ist eine sich über große Teile der Ostseeküste erstreckenden Landschaft an der… …   Deutsch Wikipedia

  • Pomerellen — Pommerellen im 14. Jahrhundert als Teil des Deutschordenslandes (deutscher Schulatlas von 1905), weitere historische Karten auf Websites unten Pommerellen ist eine sich über große Teile der Ostseeküste erstreckenden Landschaft an der… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”