Kematsried-Moos

Kematsried-Moos
Oberjoch
Koordinaten: 47° 31′ N, 10° 24′ O47.51501666666710.4058472222221136Koordinaten: 47° 30′ 54″ N, 10° 24′ 21″ O
Höhe: 1136–1200 m ü. NHN
Postleitzahl: 87541
Vorwahl: 08324
Ortstafel in Oberjoch

Oberjoch (1.136 m) ist ein Ortsteil vom Markt Bad Hindelang im bayerisch-schwäbischen Landkreis Oberallgäu. Der Ort bewirbt sich als "Deutschlands höchstes Ski- und Bergdorf", jedoch gibt es höher gelegene Siedlungen in Deutschland (Feldberg-Ort, Gerstruben).

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Der heilklimatische Kurort liegt über dem Ostrachtal am nördlichen Rand der Kalkalpen, auf einem sonnigem Hochplateau zwischen den Bergen Iseler und Ornach, an der Deutschen Alpenstraße, welche als Bundesstraße 308 über Oberjoch nach Österreich führt. Der Oberjochpass gilt mit 106 Kurven als die kurvenreichste Straße Deutschlands.

Geschichte

Oberjoch hatte sich vor allem auf agrarischer Grundlage entwickelt. Urkunden von 1482 berichten, dass viele "Zillenpuhler" sich in Oberjoch ansiedelten. Die Siedler kamen wohl bereits seit dem 15. Jahrhundert aus dem Ostrachtal herauf und waren alemannischer Abstammung. Als solche bevorzugten sie die geschlossene Gruppensiedlung, fanden aber eine Straße (den römischen Saumpfad) als Leitlinie vor, so dass der alte Ort eine lang gezogene, etwas offene Gestalt erhielt. Die Alemannen versuchten zwar immer, möglichst autarke Hofwirtschaften zu gründen, doch wird die Eigenversorgung in Oberjoch nie ganz möglich gewesen sein. Dagegen sprechen die Höhenlage über der Höhengrenze des Getreideanbaus (in den nördlichen Kalkalpen bei ca. 1000 m), die ungünstigen Bodenverhältnisse im Talbereich (bei geringem Gefälle vernässte und damit saure Böden) und die ungünstigen klimatischen Bedingungen (infolge der Ost-West-Erstreckung des Jochpasses eine lang währende, mächtige Schneedecke). Die natürlichen Voraussetzungen gestatteten also nur eine bescheidene Viehwirtschaft, deren Erträge durch Nebenerwerb aufgebessert werden mussten. Gelegenheit boten das Handwerk des Nagelschmiedes, die Straße (Beherbergung der Fuhrleute, Roßfütterung) und die Leinenweberei (Flachsanbau im Ostrachtal). Mit Beginn des 20. Jahrhunderts verschlechterten sich die Existenzbedingungen der Oberjocher rapide. Die Verkehrserschließung des Allgäus durch Eisenbahnlinien brachte die Auflösung der Selbstversorgung mit sich. Die Ostrachtaler Bauern konnten nun Getreide- und Hackfrüchte billiger kaufen als anbauen. Das Ostrachtal, das in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schon den Flachsanbau aufgegeben hatte, stellte jetzt völlig auf die rentablere Grünlandwirtschaft um. Diese Umstellung war in Oberjoch jedoch nicht nötig oder möglich, da hier die Bauern ohnehin nur Viehwirtschaft betrieben hatten. Sie standen nun im Vergleich mit den Talbauern noch schlechter da. Auch an einer zweiten Innovation, die den Talbauern neue Vorteile brachte, konn­ten die Oberjocher nicht teilhaben, nämlich der Rundkäseherstellung. Der Grund liegt in der hohen Milchmenge. Die Oberjocher Bauern konnten aber infolge der natürlichen Voraussetzungen nur wenige Kühe halten und brachten daher diese Milchmenge nicht auf. Bis Ende des 19. Jahrhunderts hatte Oberjoch seine größte Ausdehnung als Bergbauerndorf erreicht. Der Ort, mit damals 21 Häusern mehr ein Weiler als ein Dorf, bestand aus 13 landwirtschaftlichen Anwesen, hinzu kamen Salzstadel, Zollhaus, Straßenwärterhaus, Kirche und drei Nagelschmieden. Da schließlich der Nebenerwerb in den Nagelschmieden, die vor allem Nägel für Bergschuhe herstellten, durch die Einführung der Noppengummi-Schuhsohlen um 1920 gänzlich zum Erliegen kam, entschlossen sich viele Oberjocher zur Abwanderung. Nur sieben landwirtschaftliche Anwesen verzeichnet daher die Karte von 1930. Einen neuen Impuls gab dann in den 30er Jahren die Entwicklung des Fremdenverkehrs. Er setzte trotz des Ausbaus der Jochstraße 1895-1900 in Oberjoch erst 1932 ein. Anders als im übrigen Alpengebiet, wo der Fremdenverkehr als Bädertourismus schon seit dem 18. Jahrhundert und dann als Alpinismus und Sommerfrischenverkehr zum Ende des 19. Jahrhunderts begann, setzte in Oberjoch der Fremdenverkehr gleich in seiner damals modernsten Form, dem Wintersporttourismus, ein. 1932 baute ein Münchner Verleger das Hotel Ingeburg, nach dem Alpengasthof Löwen (aus der Salzstraßenzeit) und dem Hochpasshaus (1927/28) die dritte Übernachtungsstätte im Ort. Der Münchner Verleger, selbst engagierter Skisportler, hatte somit die gleiche Idee wie vier Jahre vor ihm der sportbegeisterte General Reichenau, unter dessen Regie das Berghaus Iseler für eine Ulmer Nachrichteneinheit erbaut wurde. 1934 folgte das Reichsarbeitsdienstlager an der Straße nach Unterjoch, 1937 die Polizeiskischule (heute Kinderklinik), 1938 das Cafe Lanig. Oberjoch wuchs nun fast ausschließlich für den Fremdenverkehr weiter, es entstanden an der Straße mehrere Geschäfte, Gästehäuser, Pensionen. Das Zentrum bildete sich damals am Gasthof Löwen heraus. Hier wurde ein Lebensmittelgeschäft eröffnet, der Gasthof erhielt einen neuen Osttrakt, im ehemals bäuerlichen Anwesen Nr. 9 wurde eine Skiwerkstätte betrieben. Von der Einweihung des Iseler-Skiliftes im Jahre 1940 hatte man sich einen weiteren Aufschwung des Ortes erhofft, doch machte der Zweite Weltkrieg vorläufig einen Strich durch die Rechnung. Nach 1945 wurde Oberjoch aber zügig weiter erschlossen, wobei der Ortskern verdichtet und die peripheren Gebiete überbaut wurden. Neuestes Element der Fremdenverkehrsteilgemeinde sind hierbei die Zweitwohnsitze, die als Ferienwohnungen und Ferienhäuser zum Teil weitervermietet werden. Die Zahl der Ferienwohnungen stieg von 5 im Jahre 1950 auf 88 Mitte der Siebziger Jahre.

Kematsried-Moos

Kematsried-Moos bei Oberjoch

Das rund 23 ha große Kematsried-Moos (Moos ist eine im bayerischen häufig verwendete Bezeichnung für ein Moor), liegt östlicher Richtung von Oberjoch. Fast an das Dorf angrenzend und heute durch die Straßen nach Schattwald und Unterjoch umgeben, breitet sich die Moorfläche aus. Die Herkunft des Moornamens "Kematsried-Moos" ist unklar. 1435 taucht der Name erstmals schriftlich als "Krämetzried" auf. Vielleicht steckt in dieser Bezeichnung ein alter, verstümmelter Personenname, vielleicht hat der Name aber auch mit der Bezeichnung "Kremmat" = Wacholder zu tun. Die Endung "ried" ist eher vom althochdeutschen "hreod" (was Sumpfboden bedeutet), herzuleiten, als dass es ein Hinweis auf Rodung wäre. Beim Kematsried-Moos handelt es sich um ein Hochmoor. Berücksichtigt man das besondere Lagemoment des Moores auf einem Passsattel, so ist das Kematsried-Moos als ein Sattelhochmoor zu bezeichnen. Es verdankt seine Entstehung ausschließlich den Niederschlägen. Hydrologisch ist es, im Gegensatz zu den verschiedenen Typen der Niedermoore, unabhängig von Quellen oder dem Grundwasser bzw. stehenden Wasserflächen (Seen, Tümpel). Das Attribut "Hoch" hat nichts mit der Lage im Gebirge zu tun. Vielmehr zeigen vollausgeprägte Hochmoore im Querschnitt eine uhrglasförmige Aufwölbung, die mehrere Meter betragen kann. Das Kematsried-Moos freilich lässt diese Aufwölbung nicht deutlich erkennen. Es dehnt sich flach, ohne erkennbare Neigung auf dem Passsattel aus. Allem Anschein nach ist der Vertorfungsprozeß in diesem Moor in Teilen jedenfalls zum Erliegen gekommen. Auch der Befund der sich angesiedelten Pflanzengesellschaften spricht dafür. Ein Querweg teilt das Moor in zwei voneinander verschiedene Teile. Im westlichen Teil des Moores hat sich eine Baum-Strauch-Vegetation angesiedelt, wie sie üblicherweise nur für das "Randgehänge" eines Hochmoores charakteristisch ist. Stellenweise lässt sich schon von einem lichten Moorwald sprechen. In diesem Bereich wächst das Moor nicht mehr. Im östlich des Moor-Querweges gelegenen Teil hingegen findet man kaum Bäume, lediglich im Randbereich zur Straße nach Schattwald hin. Hier trifft man noch eher die für das Hochmoor charakteristischen Vertreter der Torfmoose: in den Rüllen (kleinen natürlichen Wasserläufen) verschiedene Arten des Schlenkentorfmooses (z. B. Sphagnum cuspidatum) gelegentlich auch die Weiße Schnabelbinse (Rynchospora alba) und auf den trockeneren Standorten die zu kleinen Horsten auf Wachsenden ("Bülten") Bulttorfmoose (z. B. Sphagnum magellanicum). Die Torfmoose verfügen über die erstaunliche Fähigkeit, ein Vielfaches (bis über das 30fache) ihres Trockengewichtes an Wasser in ihren Poren aufnehmen zu können. Sie sind darin einem Schwamm vergleichbar. Die Moose wachsen normalerweise, wenn das Hochmoor noch wächst, d. h. nicht künstlich entwässert wurde oder auf natürliche Weise kein Wasserausbruch stattgefunden hat, alljährlich einige Millimeter in die Höhe. Nach unten sterben die Wurzelteile langsam ab und leiten infolge des reichlich vorhandenen Bodenwassers und dem damit zusammenhängenden Luftmangel den Vertorfungsprozeß ein. So wächst ein Hochmoor langsam zu seiner charakteristischen Uhrglasform in die Höhe. Je nach dem Zersetzungsrad des pflanzlichen Ausgangsmaterials lassen sich verschiedene Torfarten unterscheiden. Blickbestimmend im östlichen Moorbereich sind vor allem ausgedehnte Bestände sich flach am Boden hinziehender, kaum höher als zwei Meter werdender Latschen bzw. Kiefern (Bergkiefer, pinus montana oder Moorkiefer, pinus mugo). Dazwischen erstrecken sich vielfach Heidegewächse, z. B. beträchtliche Areale der Rasenbinse (Trichophomm caespitosum) die ebenfalls das Endstadium der Moorentwicklung andeuten. Stellenweise trifft man auch kleinere Kolke, d. h. Wasserlöcher, an. Nach langer Trockenheit, wenn z. B. die Rüllen wasserfrei sind, kann man den anstehenden Torfsehen. Die einzelnen Horste des Bulttorfmooses haben dann schon helle, weiße Verfärbungen. Hierbei handelt es sich im Trockenheitsphänomene. Hochmoore sind insgesamt nährstoffärmer als Niedermoore. Dies gilt auch für die jeweiligen Torfe. Auch der Artenreichtum der Pflanzen in den Hochmooren ist viel geringer als in den Niedermooren. Glücklicherweise gab es bisher keine umfassenden Versuche zur Kultivierung des Moores, lediglich die Randbereiche des Moores wurden kultiviert. In den ersten Jahrzehnten dieses Jahrhunderts und kurz vor und während des Zweiten Weltkrieges wurde jedoch aus Energiegründen vereinzelt Torf gestochen. Diese Eingriffe sind auch an einigen Gräben zu erkennen, die den Wasserhaushalt des Moores verändert haben. Der den Moor-Quer- bzw. Ringweg begleitende, geradlinig verlaufende Graben ist ein Zeugnis dieser Vorgänge. Die hie und da stehenden Holzhütten wurden teilweise als Heustadel genutzt, teils auch im Zusammenhang mit dem Torfstich. Neben dem Versuch der landwirtschaftlichen Kultivierung und dem Torfabstich zu Heizzwecken wurde auch Torf für heilmedizinische Zwecke entnommen (Moorbäder im Hotel Ingeburg). Heute sind derartige Eingriffe nicht mehr möglich.

Moorbad in Oberjoch

In den ersten Nachkriegsjahren wurde noch ein kleines Moorbad betrieben, das aber bald nicht mehr zeitgemäß war und seinen Badebetrieb einstellte. Nach langer Pause wurde 1982/83 in rund 2000 freiwilligen Arbeitsstunden das Bad erneuert, ein Schwimmer - und ein Nichtschwimmerteil errichtet, das heute als Attraktion Oberjochs gelten kann. Die Materialkosten wurden durch Spenden aufgebracht, so dass bis heute kein Eintrittsgeld erhoben wird. Auch die Badeaufsicht wird auf freiwilliger Basis organisiert. Bei so viel Idealismus sollte es Ehrensache jeden Besuchers sein, diese Mühen durch eine kleine Spende zu belohnen. Das Bad ist bei Badewetter von 9-19 Uhr geöffnet und hat trotz fehlender Heizung infolge der natürlichen Aufheizwirkung des Moorbodens im Sommer eine angenehme Badetemperatur von über 20 °C. Das kleine Bad ist sehr behutsam in die Moorvegetation hinein modelliert worden. So wird jeder Besucher seine Freude beim barfüßigen Gang auf dem federnden Moorboden haben oder sich die Zeit mit dem Bestimmen der Moorvegetation vertreiben können.

Bauwerke

  • Bildkapelle - An der alten Jochstraße steht südlich von Oberjoch kurz vor dem Steilabstig ins Ostrachtal die sogenannte Bildkapelle.
  • Kapelle St. Jakob - Von der ersten Kapelle wissen wir nur, dass sie 1731 abgebrochen und auf dem heutigen Platz eine größere Kapelle errichtet wurde.
  • Heilig-Geist-Kirche - Grundsteinlegung im Jahr 1968

Panorama

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Blick vom Iseler auf Oberjoch in der Bildmitte, rechts an den Ort angrenzend das Kematsried-Moos und ganz rechts die Bergstation der Iselerbahn auf 1559 m Höhe. Der Gipfel mit dem Mast im Hintergrund links vom Ort ist der 1738 m hohe Grünten.
Blick vom Iseler auf Oberjoch in der Bildmitte, rechts an den Ort angrenzend das Kematsried-Moos und ganz rechts die Bergstation der Iselerbahn auf 1559 m Höhe. Der Gipfel mit dem Mast im Hintergrund links vom Ort ist der 1738 m hohe Grünten.


Persönlichkeiten

  • Hans-Peter Lanig, geb. 1935, und seine Schwester Evi waren in den 1950er Jahren berühmte Skiläufer. Hans-Peter gewann bei den Olympischen Winterspielen 1960 in Squaw Valley die Silbermedaille.
  • Anton Morent (1924–2006), Busunternehmer, Mentor des Tourismus im Oberallgäu und Träger des Bundesverdienstkreuzes.

Weblinks

47.51555555555610.40751136Koordinaten: 47° 30′ 56″ N, 10° 24′ 27″ O


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