Krieg in Angola

Krieg in Angola
Karte Angolas

Der Bürgerkrieg in Angola dauerte mit Unterbrechungen von 1975 bis 2002 und schloss sich direkt an den Unabhängigkeitskrieg an. Er begann 1975 unmittelbar vor der Unabhängigkeit von der Kolonialmacht Portugal und weitete sich schnell zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Ostblock und NATO aus. Nach Ende des Kalten Krieges dauerte er über ein weiteres Jahrzehnt als innerangolanischer Konflikt um Macht und um die Bodenschätze des Landes an.

Inhaltsverzeichnis

Anfänge

Die Nelkenrevolution in Portugal 1974 ermöglichte die Unabhängigkeit der beiden Kolonien Mosambik und Angola, die die letzten verbliebenen Kolonien auf dem afrikanischen Kontinent waren. Guinea-Bissau, eine weitere portugiesische Kolonie in Afrika, hatte gerade im Jahr davor seine Unabhängigkeit erkämpft. Mosambik wurde verhältnismäßig problemlos bereits am 25. Juni 1975 in die Unabhängigkeit entlassen. Angola dagegen, aus dem Portugal einen Großteil seiner Reichtümer bezogen hatte, wurde zum Zankapfel zwischen den rivalisierenden Befreiungsgruppen

Die MPLA war die erste angolanische Unabhängigkeitsbewegung. Ethnisch war sie in der Volksgruppe der Kimbundu und in der Hauptstadt Luanda verwurzelt. Die MPLA war politisch kommunistisch-sozialistisch ausgerichtet und hatten sich schon in den 60er Jahren dem Ostblock angeschlossen. Wie auch zuvor Lumumba und Cabral erhielt er Unterstützung von der Sowjetunion, Kuba und anderen sozialistischen Ländern, z. B. der DDR.

Die von Jonas Savimbi gegründete UNITA war dagegen im Süden des Landes aktiv, rekrutierte sich vorrangig aus der Ethnie der Ovimbundu im zentralen Hochland und wurde im Laufe ihres Bestehens von den verschiedensten Ländern unterstützt, im wesentlichen Verlauf des Bürgerkrieges aber hauptsächlich von den USA und dem Apartheidregime in Südafrika.

Die FNLA wurde 1954 gegründet, operierte im Norden Angolas und vertrat zunächst vor allem die Interessen der Volksgruppe der Bakongo. Sie erhielt Unterstützung aus den USA unter Vermittlung Zaires unter Präsident Mobutu Sese Seko. Dennoch wurde sie in den 1970er Jahren bedeutungslos.

Die Uneinigkeit und die Weigerung der drei Bewegungen zu gemeinsamen Verhandlungen verhinderten die Machtübergabe durch die Portugiesen. Nach langen Vermittlungsbemühungen fanden in Portugal im Januar 1975 erstmals Delegationen der drei Bewegungen zusammen, um über die Rahmenbedingungen der Unabhängigkeit zu verhandeln. Diese Verhandlungen waren von großem Misstrauen der Delegationen untereinander wie auch gegenüber den Portugiesen begleitet, weil sie beispielsweise mit einer möglichen Verhaftung rechneten. Während der einwöchigen Gespräche wurde der Übergang zur Unabhängigkeit Angolas vorbereitet, aber der ausgehandelte Vertrag schuf dafür keine solide Basis. Vor allem kam keine Einigung zustande, wer bis zu den vorgesehenen Wahlen am 11. November 1975 die Präsidentschaft übernehmen sollte.

Jeder der drei Anführer wollte schon vor diesen Wahlen Präsident werden und stellte jeweils seine eigene Armee auf. Jede Gruppe versuchte sich der Hauptstadt zu bemächtigen, denn wer am Unabhängigkeitstag Luanda kontrollierte, hatte die besten Chancen, von der übrigen Welt als legitime Regierung anerkannt zu werden. Als die Kämpfe zunahmen, wurden diese von den Supermächten noch geschürt. Angola wurde somit schnell zum Austragungsort einer gewaltsamen Konfrontation zwischen den beiden Blöcken.

Die Kämpfe in Angola brachen nur kurz nach dem Ende des Vietnamkrieges aus und die USA reagierten daher empfindlich auf eventuelle weitere Rückschläge in anderen Regionen. Der Erfolg einer linksgerichteten Befreiungsarmee mit Unterstützung der Sowjetunion und Kubas hätte die erstmalige ernsthafte Einmischung des Ostblocks in die inneren Angelegenheiten eines afrikanischen Landes bedeutet, was die USA als strategische Bedrohung betrachteten. Daher unterstützten sie die FNLA mit Geld, Waffen und Ausbildern, wobei das Nachbarland Zaire unter Mobutu als Vermittler fungierte und darüber hinaus eigene Einheiten beisteuerte.

Auch Apartheid-Südafrika war darauf bedacht, die Etablierung eines marxistisch-sozialistischen Systems durch die MPLA in seiner Nachbarschaft zu verhindern, da es davon ausgehen konnte, das nächste Ziel der Befreiungsbewegungen zu sein. Die südafrikanische Armee marschierte am 23. Oktober 1975 mit Billigung der USA in Angola ein, mit dem Ziel, die FNLA zu unterstützen und gleichzeitig die namibische SWAPO, die von Angola aus operierte, zu bekämpfen. Kurioserweise traf sie dort als erstes auf die UNITA, die von der MPLA aus Luanda vertrieben worden war und von deren Existenz sie nichts gewusst hatte.

Vom Norden rückte die FNLA mit zairischen Einheiten und logistisch unterstützt von den USA nach Luanda vor, von Süden die von Südafrika unterstützten Truppen der UNITA. Trotz sowjetischer Waffenlieferungen zeichnete sich eine Niederlage für die MPLA ab.

Kubanische Intervention

Hauptartikel: Kubanischer Militäreinsatz in Angola

Kuba beobachtete die Entwicklung. Neto hatte die Sowjetunion um Hilfe ersucht, doch diese war nicht gewillt, noch vor den Wahlen zu intervenieren. Kuba dagegen war dazu bereit, was Fidel Castro in einer Rede wie folgt begründete: „Als am 23. Oktober die Invasion Angolas durch reguläre Truppen Südafrikas begann, konnten wir nicht die Hände in den Schoß legen. Und als die MPLA uns um Hilfe gebeten hatte, boten wir die nötige Hilfe an, um zu verhindern, dass die Apartheid sich in Angola breit macht.“ Anders als die kubanischen Engagements in den 1960ern, war dies keine geheime Operation. Castro beschloss, sich offen in Angola zu engagieren und schickte Spezialtruppen und 35.000 Mann Infanterie. Mit der „Operation Carlota“ wurde Kuba zu einem Hauptakteur im Angolakonflikt.

Die Entsendung dieser Truppen war nicht, wie vielfach bisher dargestellt, mit der UdSSR abgesprochen und traf diese völlig unvorbereitet. (N. Broutens, Sowjet. Politbüro, Abt.-leiter Außenpolitik). Die UdSSR musste dieses Vorgehen notgedrungen hinnehmen, weil sie ihren wichtigsten Vorposten in direkter Nähe zur USA keinesfalls gefährden wollten. Die USA gingen davon aus, dass die Sowjets hinter der kubanischen Einmischung standen. Erst Jahre später wurde ihnen klar, dass dem nicht so war und dass die Kubaner mit diesem Schachzug die Sowjetunion erst ins Spiel bringen wollten. (Frank Wisner Jr., Botschafter, US-Außenministerium). Die USA wussten allerdings, entgegen ihren Behauptungen, dass die Intervention eine direkte Reaktion auf den Einmarsch Südafrikas in Angola war. Aufgrund der intimen Feindschaft zwischen den USA und Kuba betrachteten die Amerikaner ein solches Auftreten der Kubaner als Niederlage, die nicht hingenommen werden konnte. (Hermann Cohen, Nationaler Sicherheitsrat, USA). Castro sah das Verhalten der USA wie folgt:

„Warum waren sie irritiert? Weshalb hatten sie alles geplant, um sich Angolas vor dem 11. November zu bemächtigen? Angola ist ein an natürlichen Ressourcen reiches Land. In Cabinda gibt es viel Erdöl. Manche Imperialisten fragen sich, weshalb wir den Angolanern helfen, welche Interessen wir hätten. Sie sind es gewohnt zu denken, dass ein Land einem anderen nur dann hilft, wenn es dessen Erdöl, Kupfer, Diamanten o. a. Bodenschätze will. Nein, wir verfolgen keine materiellen Interessen, und es ist logisch, dass die Imperialisten das nicht verstehen. Denn sie kennen nur chauvinistische, nationalistische und egoistische Kriterien. Wir erfüllen eine elementare Pflicht des Internationalismus, wenn wir dem Volk Angolas helfen.“

Der Truppenaufmarsch in Angola lief auf eine große Schlacht in Kifangondo hinaus, einem Ort 30 km östlich von Luanda, wo UNITA und FNLA die MPLA in die Zange nehmen wollten. Es sollte unbedingt verhindert werden, dass die MPLA in der Hauptstadt am 11. November einseitig die Unabhängigkeit Angolas ausrief, und die Eroberung Kifangondos war für die Einnahme Luandas entscheidend. Die Kubaner trafen erst am Vorabend der Schlacht im Raum Luanda ein. Ihre überlegene Ausrüstung enthielt u. a. Kanonen, Mörser und die berüchtigten Katjuschas Stalinorgel, ein Raketenwerfer mit 48 Startschienen. Damit gewann die MPLA in der Schlacht bei Kifangondo die erste große Machtprobe. In der Nacht zum 11. November 1975 endeten 400 Jahre portugiesische Herrschaft. Neto wurde zum ersten Präsidenten Angolas erklärt. Die OAS erkannte seine Regierung an.

Nach der Unabhängigkeit

Mit den Kämpfen war es damit nicht vorbei. Die USA erkannten Netos Regierung nicht an und zeigten sich entschlossener denn je, die pro-sowjetische Regierung zu stürzen. Präsident Gerald Ford ließ der UNITA Unterstützung zukommen, aber der US-Kongress befürchtete ein weiteres Vietnam und verbot ein amerikanisches Engagement (Clark Amendment). Obwohl die UNITA beispielsweise über Israel weiterhin Hilfe erhielt, ermöglichte dies der Regierung in Luanda, FNLA und UNITA in Schach zu halten. Auch Südafrika zog sich aus Angola zurück, unterstütze aber weiterhin die UNITA vom benachbarten Namibia aus.

In der Folgezeit bis Ende der 1970er Jahre rückte Angola weitgehend aus dem Blickfeld des internationalen Interesses, obwohl die Kämpfe im Lande weitergingen. Am 27. Mai 1977 kam es zu einem Putschversuch des Angolanischen Innenministers, Nito Alves, der mit Hilfe der Kubaner niedergeschlagen wurde. Alves wandte sich gegen die blockfreie, unabhängige Linie Netos und wollte Angola fest mit der Sowjetunion liiert sehen. Die FNLA war nach der Schlacht bei Kifangondo in die Bedeutungslosigkeit versunken. Im Süden des Landes leistete nach wie vor die UNITA zähen Widerstand und hielt Gebiete unter ihrer Kontrolle. Deshalb bat Präsident Neto die Kubaner, Einheiten in Angola stationiert zu lassen.

Nach dem Tode Netos am 10. September 1979 wurde José Eduardo dos Santos sein Nachfolger. Kaum einen Monat später wurde Ronald Reagan Präsident der USA, der eine härtere Gangart in Angola einlegte: Die Kubaner sollten unbedingt aus dem Land vertrieben werden.

Ab 1975 führte Südafrika vom besetzten Namibia aus Krieg gegen Angola. Dabei geriet es bald auch in Konflikt mit der South-West Africa People's Organisation (SWAPO), der namibischen Befreiungsbewegung, die ab 1976 von Angola aus mit Unterstützung Angolas gegen die südafrikanischen Besatzer in Namibia kämpfte. Daher erhielt die UNITA großzügige Unterstützung, um sowohl die angolanische Regierung als auch die SWAPO zu bekämpfen. Auf internationaler Ebene unternahm Südafrika Anstrengungen, um das Image des UNITA-Anführers Jonas Savimbi aufzupolieren, besonders in den USA, um ihn als Beschützer des Christentums und als Befreier Angolas darzustellen. (General Magnus Malan, Verteidigungsministerium Südafrika 1980–91). Mit Unterstützung der USA ab 1986 wurde die UNITA zur bestausgerüsteten Widerstandsbewegung. Sie erhielt sogar FIM-92 Stinger Raketen, ein Waffensystem, das die USA nur engsten Verbündeten lieferten. Savimbi erhoffte sich damit zwar keinen Sieg, aber die angolanische Regierung an den Verhandlungstisch zu zwingen.

Während die CIA die UNITA weiter aufbaute, war das Ziel des US-Außenministeriums ein Friedensplan, der als Gegenleistung den Abzug Kubas aus Angola und den Rückzug Südafrikas aus Namibia vorsah. Kuba war grundsätzlich mit einer solchen Lösung einverstanden, wenn es damit Namibia zur Unabhängigkeit verhalf. Offen blieb jedoch, wer sich als erstes zurückziehen sollte. Bis gegen Ende der zweiten Amtszeit Reagans brachten die Verhandlungen kein Ergebnis. Während sie sich in die Länge zogen, wollte jede der Parteien ihre Ausgangsposition verbessern. Die Angolanische Regierung bat die UdSSR um Unterstützung, um die UNITA endgültig aus dem Feld zu schlagen. Aber die Hilfe war halbherzig und vor allem unqualifiziert, und es gelang der UNITA, den Regierungstruppen und den Russen eine Niederlage nach der anderen beizubringen. In der Nähe des Flusses Lomba wurden sie in die Flucht geschlagen, wobei die Sowjets große Mengen an zerstörter Ausrüstung zurücklassen mussten. 2.000 Angolaner starben bei diesem Gefecht, und ein Teil der angolanischen Armee wurde obendrein von der UNITA eingeschlossen.

Die im Lande noch stationierten kubanischen Truppen sahen sich genötigt, in die Kämpfe einzugreifen und den verbündeten Angolanern und Russen zu helfen. Am 15. November 1987 entschied sich Castro für einen massiven Eingriff, um auch die Südafrikaner endgültig aus Angola zu vertreiben. Die im Lande stationierten Truppen wurden auf über 40.000 Mann aufgestockt. Des weiteren schickte Kuba Luftabwehr, Panzer und Artillerie. Wie schon 1975 erfolgte auch dieses Mal keine Absprache mit der Sowjetunion. Die Beziehungen der beiden Länder waren in der Vergangenheit nie einfach, aber aufgrund der von Präsident Michail Gorbatschow nun betriebenen Entspannungspolitik waren sie äußerst gespannt.

Schlacht bei Cuito Cuanavale

Bei Cuito Cuanavale in der ostangolanischen Provinz Cuando Cubango kam es vom 13. Januar bis 23. März zwischen den kubanischen, angolanischen und südafrikanischen Streitkräften zur größten Schlacht, die auf dem Afrikanischen Kontinent seit dem Zweiten Weltkrieg stattgefunden hatte und in deren Verlauf fast 20.000 Soldaten ums Leben kamen.

Cuito Cuanavale war aufgrund seiner strategischen Lage bedeutsam. Die Einnahme der Stadt hätte es der UNITA und Südafrika erlaubt, nach Moxico und zur Benguelabahn vorzustoßen. Es kam zu keiner Entscheidung, und die USA bemühten sich erneut um eine Verhandlungsregelung, diesmal aber nur zwischen den Regierungen, was eine Teilnahme der UNITA ausschloss (Verifikationsmission der Vereinten Nationen in Angola I 1988). Allerdings hatten die USA nicht vor, Kuba in die Gespräche einzubeziehen. Castro ließ die USA wissen, dass Verhandlungen unter Beteiligung Kubas wesentlich erfolgsversprechender wären. Daraufhin ermächtigte US-Außenminister George P. Shultz die US-amerikanische Delegation, direkte Gespräche mit den Kubanern zu führen, jedoch unter der strikten Maßgabe, nur über Angola und Namibia, nicht aber über das US-Embargo über Kuba zu sprechen.

Die kubanische Regierung trat ab 28. Januar 1988 in Verhandlungen ein. Damit nahm Kuba erstmals direkt an den Verhandlungen um die Zukunft Angolas und Namibias teil. Die südafrikanische Regierung, deren Position vom Misserfolg bei Cuito Cuanavale geschwächt war, schloss sich ab 3. Mai den Verhandlungen an. Die ersten Gespräche fanden im Präsidentenpalast in Luanda statt, während die Kampfhandlungen bei Cuito Cuanavale weiter gingen. Die Verhandlungen wurden dann in Kairo und im Juni und August in New York und Genf fortgesetzt. Zu einem Waffenstillstand kam es schließlich am 8. August.

Drei-Mächte-Abkommen

Nach langwierigen Gesprächen kamen Kuba und Südafrika überein, dass Kuba aus Angola abzieht und Südafrika Namibia in die Unabhängigkeit entlässt. Am 22. Dezember 1988, einen Monat vor dem Ende der Amtszeit Reagans, wurde in New York der Dreimächtevertrag zwischen Angola, Kuba und Südafrika unterzeichnet, der Namibia die Unabhängigkeit gewährte und den Abzug der kubanischen Truppen innerhalb von 30 Monaten vorsah.[1] Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erließ noch am selben Tag die Resolution 626 zur Schaffung der Friedensmission Verifikationsmission der Vereinten Nationen in Angola I (UNAVEM I). Erste Einheiten dieser Truppen trafen ab Januar 1989 in Angola ein.[2]

Der gestaffelte Abzug der Kubaner beendete 13 Jahre militärische Präsenz unter Beteiligung von 450.000 kubanischen Soldaten, Fachleuten, Lehrern und Ärzten und war einen Monat früher als geplant, am 25. Mai 1991, abgeschlossen.

Weiterer Verlauf nach dem Kalten Krieg

Nach dem Ende des Kalten Krieges wandelte sich die MPLA 1990 zur sozialdemokratischen Partei und ließ die Einführung eines Mehrparteiensystems zu. Dies bedeutete aber noch kein Ende des Krieges, der nunmehr ein Bürgerkrieg zwischen MPLA-Regierung und UNITA-Rebellen war. Mehrfach gab es Friedensgespräche und Waffenstillstandsabkommen, die jedoch weitgehend ergebnislos blieben. Auch zwei weitere Anläufe der UNO, UNAVEM II (1991–1994) und UNAVEM III (1995–1997), konnten keinen dauerhaften Frieden bringen.

Von der Regierung wurde der Krieg durch die Ausbeutung der Erdölvorkommen vor der Küste finanziert und von der UNITA durch die Ausbeutung der Diamantenvorkommen im Nordosten des Landes, wozu teilweise die Zivilbevölkerung zur Zwangsarbeit beim Diamantenschürfen herangezogen wurde. Um dem Krieg die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen, verboten die Vereinten Nationen den Handel mit solchen „Blut-“ oder „Konfliktdiamanten“ (siehe auch: Kimberley-Prozess), konnten ihn jedoch nicht gänzlich unterbinden.

Eine plötzliche Wendung erfuhr der Konflikt, als Regierungssoldaten am 22. Februar 2002 den Rebellenführer Jonas Savimbi töteten. Die militärisch bereits angeschlagene UNITA sah sich dadurch zu Friedensgesprächen gezwungen, und am 4. April wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet, der seither eingehalten wird. Die UNITA wandelte sich zur unbewaffneten politischen Partei.

Folgen

Schätzungsweise 500.000 Menschen kamen im Bürgerkrieg in Angola ums Leben, 2,5 Millionen wurden vertrieben. Der Bürgerkrieg hatte die weitgehende Zerstörung der Infrastruktur zur Folge, deren Wiederaufbau zurzeit in vollem Gange ist.

Die Landwirtschaft wurde stark beeinträchtigt, was für die Bevölkerung in den Kriegsgebieten Hunger zur Folge hatte. Ganze Gebiete waren während des Bürgerkrieges zona inacesivel (unerreichbare Zone), in die weder auswärtige Hilfe noch Berichterstatter gelangen konnten. Die Bauern wurden vertrieben und Dörfer verwüstet, großflächig Antipersonenminen eingesetzt und Nahrungsvorräte durch die Kriegsparteien konfisziert. Viele Landesteile sind nach wie vor von Landminen verseucht. Erst 2002 wurde das Ausmaß der Hungersnot in diesen Gebieten ersichtlich, stieß aber auf wenig internationale Aufmerksamkeit[3][4]. Bis heute ist das Bestellen der Felder in manchen Landesteilen wegen der Landminen im Boden eine Gefahr.

Etwa 100.000 Menschen müssen infolge von Detonationen von Antipersonenminen mit Amputationen leben.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Inge Tvedten: Angola: Struggle for Peace and Reconstruction 1997
  2. Karel C. Wellens: Resolutions and Statements of the United Nations Security Council (1946–1989): A Thematic Guide 1990
  3. Wo nur der Hunger Sieger ist (Artikel im Stern Nr. 27/2002)
  4. Médecins Sans Frontières: MSF in the 'grey zones' of Angola (engl.)

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