Mauremys

Mauremys
Bachschildkröten
Ostmediterrane Bachschildkröte (Südkreta)

Ostmediterrane Bachschildkröte (Südkreta)

Systematik
Reihe: Landwirbeltiere (Tetrapoda)
Klasse: Reptilien (Reptilia)
Ordnung: Schildkröten (Testudinata)
Unterordnung: Halsberger-Schildkröten (Cryptodira)
Familie: Altwelt-Sumpfschildkröten (Geoemydidae)
Gattung: Bachschildkröten
Wissenschaftlicher Name
Mauremys
Gray, 1869
Blauäugige Mauremys leprosa
Südliches Marokko

Die Bachschildkröten (Mauremys) sind eine Gattung der Altwelt-Sumpfschildkröten, die mit verschiedenen Arten vom Mittelmeerraum bis nach Ostasien und Japan beheimatet ist. Welche Arten im einzelnen zu dieser Gattung gehören, ist noch nicht abschließend geklärt. Die Annam-Bachschildkröte und die Gelbe Sumpfschildkröte, die beide in Asien beheimatet sind, werden mittlerweile in die Gattung Asiatische Wasserschildkröten (Cathaiemys) gestellt.[1]

Die Bachschildkröten halten sich oft in stehenden Gewässern und an Land in der Nähe der Gewässer auf, ihren deutschen Namen haben sie jedoch von ihrem Vorkommen in eher seichten, langsam fließenden Bächen. Sie können gut schwimmen.

Inhaltsverzeichnis

Merkmale

Die Arten der Bachschildkröten werden maximal zwischen 18 cm und 21 cm groß (Weibchen), die Männchen sind kleiner und werden zwischen 11 cm und 13,5 cm groß.

Verbreitung

Im westlichen Mittelmeerraum ist die Maurische Bachschildkröte (Mauremys leprosa), auch „Spanische Wasserschildkröte“ genannt, von Portugal und Spanien über Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen) bis Westafrika (Senegal und Niger) zu Hause.

Die Westkaspische Schildkröte (Mauremys rivulata) früher als Unterart der Kaspischen Bachschildkröte (Mauremys caspica) betrachtet, lebt im Gebiet der östlichen Mittelmeerländer von Südosteuropa und Griechenland über die westliche Türkei bis in den Libanon sowie in Israel und Syrien. Auch auf den Inseln Zypern und Kreta kann man sie finden.

Weiter im Osten schließt das Verbreitungsgebiet der Kaspischen Bachschildkröte, an. Es umfasst die südwestlichen Teile der ehemaligen Sowjetunion zwischen Kaukasus und Kaspischem Meer über die östliche Türkei bis in den Iran.

Die Japanische Sumpfschildkröte, Mauremys japonica, bewohnt die japanischen Hauptinseln Honshu, Shikodu und Kyushu mit einigen kleinen, davor gelegenen Inseln.

Systematik

Die Gattung der Bachschildkröten galt lange Zeit als Musterbeispiel für eine Ost-West-Aufspaltung aufgrund eiszeitlicher Auslöschungen. Das Eiszeitalter im Pleistozän hätte dieser Ansicht zufolge eine Lücke im Verbreitungsgebiet zwischen den mediterranen Arten und den Schwesterarten in Ostasien hinterlassen. Moderne molekulargenetische Methoden zeigten jedoch, dass die Aufspaltung schon viel früher stattgefunden haben muss. Es stellte sich auch heraus, dass die Gattung paraphyletisch ist, da die ostasiatischen Schildkrötengattungen Chinemys und Ocadia, die derzeit noch einer anderen Unterfamilie der Geoemycidae zugeordnet werden, ebenfalls in die Verwandtschaft der Bachschildkröten zu stellen sind. Die Schwestergattung dieser Gruppe sind die Scharnierschildkröten (Cuora).

Dass die Kreuzungsbarrieren selbst zwischen diesen als verschiedene Gattungen klassifizierten Arten nicht hoch sind, bewies die Beschreibung zweier anscheinend neuer Mauremys-Arten durch die Amerikaner Pritchard und Iverson. Sie hatten die Schildkröten auf chinesischen Märkten gefunden, wo zahlreiche verschiedene Arten angeboten werden, und beschrieben sie als Mauremys iversoni und Mauremys pritchardi. Durch Untersuchungen der mitochondrialen Erbsubstanz konnte am Tierkundemuseum in Dresden nachgewiesen werden, dass es sich bei beiden "Arten" um Hybride, also Ergebnisse von Kreuzungen zweier geografisch weit auseinander liegender Arten handelte. Bei "Mauremys iversoni" konnte als mütterliche Elternart die Chinesische Dosenschildkröte (Cuora trifasciata) und als väterliche Elternart die Gelbe Bachschildkröte (Mauremys mutica) identifiziert werden. "Mauremys pritchardi" entstand durch die Kreuzung der Gelben Bachschildkröte als mütterliche Elternart mit der Chinesischen Dreikielschildkröte (Chinemys reevesii).

Nachweise

Einzelnachweise

  1. Rogner, S. 96

Literatur

  • M. Honda, Y. Yasukawa und H. Ota: Phylogeny of the Eurasian freshwater turtles of the genus Mauremys Gray 1869 (Testudines), with special reference to a close affinity of Mauremys japonica with Chinemys reevesii.- Journal of Zoological Systematics & Evolutionary Research 40(4), 2002, S. 195 ff.
  • Dana Barth, Detlef Bernhard, G. Fritzsch und Uwe Fritz: The freshwater turtle genus Mauremys (Testudines, Geoemydidae) – a textbook example of an east-west disjunction or a taxonomic misconcept? Zoologica Scripta 33 (3), 2004, S. 213-221.
  • Rogner, Manfred (2008): Schildkröten – Biologie, Haltung, Vermehrung, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart. ISBN 978-3-8001-5440-1

Weblinks

  • Dana Barth, Detlef Bernhard, Uwe Fritz: Phylogeographie und Evolution der ost/westpaläarktischen Gattung Mauremys (Testudines: Geoemydidae). Online-Zusammenfassung (deutsch)

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