Ruine

Ruine
Verschiedene Ruinen im Kosovo: vorn ein verfallenes Haus, dahinter Zerstörungen aus dem Kosovokrieg
Rückseite der Ruine des Empfangsgebäudes des Ostbahnhofs im Frankfurter Ostend, ein prominentes Beispiel für Stadtverfall, September 2008

Ruine (von lateinisch ruere stürzen) bezeichnet ein zerfallenes Bauwerk beziehungsweise dessen Überreste.

Eine Ruine entsteht entweder durch natürlichen Zerfall, wenn Pflege und Erhalt des Bauwerks aus wirtschaftlichen, sozialen oder politischen Gründen unterbleiben, oder durch gewaltsame Einwirkung wie Krieg. Man kann Ruinen dem Zerfall überlassen, ihre Reste in die Konstruktion eines neuen Bauwerks am selben Ort einbeziehen oder durch Abtragung sekundär weiterverwenden.

Antike Ruinen sind mit der Renaissance (um 1500) in das Interesse von Kunst und Kultur getreten. Am Vorabend der Französischen Revolution wurden die antiken Ruinen durch Constantin François Volney zu Symbolen der politischen Gleichheit.

Mit der Aufklärung und der Romantik gewann auch die mittelalterliche Ruine an Wertschätzung, denn sie wurde als sichtbares Zeugnis vergangener Zeiten mit historischer Bedeutung entdeckt. Ihr Anblick bot zudem ein emotionales Festhalten an einer idealisierten Vergangenheit angesichts der als bedrohlich empfundenen fortschreitenden industriellen Revolution. Die Huldigung an die Ästhetik des Zerfalls kommt auch in der englischen Gartenkunst des 18. Jahrhunderts zum Ausdruck, wo Parkanlagen als Landschaftsinszenierungen angelegt und mit künstlichen Ruinen ausgestattet wurden.

Zahlreiche Ruinen von Burgen, Schlössern oder Klöstern gewannen im 19. Jahrhundert eine hohe, teilweise symbolische Bedeutung. Künstler der Romantik wie Caspar David Friedrich schufen sich mit der Darstellung vergänglicher Ruinen (Kloster Eldena) unvergänglichen Ruhm.

Auf philosophischer Ebene ist Georg Simmels Text „Die Ruine“ von 1907 der erste Versuch, das, was die Ruine evoziert, zu erklären. Simmel schreibt: „Die Ruine schafft die gegenwärtige Form eines vergangenen Lebens, nicht nach seinen Inhalten oder Resten, sondern nach seiner Vergangenheit als solcher.“[1]

Heute wird der Wert der Ruinen durch den Denkmalschutz gewürdigt. Über den Abriss oder Wiederaufbau von Ruinen gibt es viele Diskussionen. So wurde die Frauenkirche in Dresden, deren Ruine ursprünglich als Mahnmal gegen den Krieg stehen bleiben sollte, nachdem die Stadt aus Ruinen neu errichtet wurde, wieder aufgebaut. Beim Wiederaufbau ist zwischen Rekonstruktion und Anastylose zu unterscheiden. Gemäß der Charta von Venedig (1964) ist die Anastylose die denkmalpflegerisch zu bevorzugende Form des Wiederaufbaus.

Die Symbolhaftigkeit von Ruinen zeigt sich auch am Titel der Nationalhymne der Deutschen Demokratischen Republik Auferstanden aus Ruinen. Neue Ruinen entstehen auch heute durch Kriege, Anschläge, Naturkatastrophen und durch Zerfall von Gebäuden aufgrund von wirtschaftlichen Veränderungen. Typisches Beispiel hierfür ist der Ostbahnhof im Frankfurter Ostend. Die sarkastische Losung Ruinen schaffen ohne Waffen ist als Vorwurf einer fehlgeleiteten Politik gemeint.

Das Wort „Ruin“ hat denselben etymologischen Hintergrund.

Fundamentreste von Holz- und Stahltürmen

Entbehrlich gewordene Türme aus Stahl werden im Regelfall demontiert, da die Konstruktion abgebaut und anderen Orts wiederaufgebaut wird bzw. wenn der Bauzustand keine direkte Verwertung mehr zulässt, das Metall der Konstruktion als Schrott noch wirtschaftlich verwertet werden kann. Allerdings bleiben hierbei gelegentlich die Betonfundamente im Boden zurück, da deren Entfernung oft recht aufwändig ist. Man findet zum Beispiel in Herzberg an der Elster noch heute das Fundament des Sendemastes des einstigen Deutschlandsender III.

Auch von einigen ehemaligen großen Holztürmen sind noch die schwer zu entfernenden Fundamente vorhanden. So existieren heute noch die Fundamente des einstigen Holzturms der Sendeanlage Ismaning.

Bilder

Siehe auch

Literatur

Weblinks

 Wikiquote: Ruine – Zitate
 Commons: Ruins – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Georg Simmel: Philosophische Kultur, 1911, S. 132.

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  • ruine — [ rɥin ] n. f. • 1180; lat. ruina, de ruere « tomber, s écrouler » I ♦ Une, des ruines. 1 ♦ (Plus cour. au plur.) Débris d un édifice dégradé par l âge ou détruit. ⇒ décombres, éboulement, vestige. Les ruines d une ville, après la guerre. Un… …   Encyclopédie Universelle

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  • Ruine — Sf std. (16. Jh.) Entlehnung. Entlehnt aus l. ruīna Zusammensturz, Trümmer , zu l. ruere stürzen .    Ebenso nndl. ruïne, ne. ruin, nfrz. ruine, nschw. ruin, nnorw. ruin; eruieren. ✎ DF 3 (1977), 501f.; Jones, W. J. SN 51 (1979), 272. lateinisch… …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Ruine — (lat., franz.), Getrümmer, Reste eines verfallenen oder zerstörten Bauwerkes; überhaupt etwas Zerfallendes. Ruinen von Burgen, Klöstern, Kapellen etc. gereichen oft einer Gegend zum Schmuck, besonders wenn sie auf Anhöhen stehen oder mit… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Ruine — (vom lat. ruina, Einsturz), Reste von Bauten …   Herders Conversations-Lexikon

  • ruiné — Ruiné, [ruin]ée. part. Il a les significations de son verbe …   Dictionnaire de l'Académie française

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  • ruine — (ru i n ) s. f. 1°   Destruction d un bâtiment qui tombe de lui même ou qu on fait tomber. •   Cette prédiction de la ruine du temple réprouvé, qui figure la ruine de l homme réprouvé qui est en chacun de nous, PASC. Lettr. à Mlle de Roannez, 9.… …   Dictionnaire de la Langue Française d'Émile Littré

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