Welle-Nabe-Verbindung

Welle-Nabe-Verbindung
Eine Welle-Nabe-Verbindung mit einem Keil

Welle-Nabe-Verbindungen sind im Maschinenbau zumeist standardisierte Verbindungsarten, um Drehmomente und Leistungen von einer Welle oder einem Zapfen auf eine rotierende Nabe zu übertragen (oder umgekehrt von einer Nabe auf eine Welle). Sie übertragen aber auch Axialkräfte, Querkräfte und Biegemomente, welche an Nabenrädern, etwa an Zahnrädern (zum Beispiel durch Schrägverzahnungen) oder an Riemenscheiben oder dergleichen entstehen.

Inhaltsverzeichnis

Unterteilung von Welle-Nabe-Verbindungen

Gliederung nach Art der Kraftübertragung

Welle-Nabe-Verbindungen können nach Art der Kraftübertragung unterteilt werden in [1]:

  1. Kraftschlüssige Verbindungen (Reibschluss): Die Kraftübertragung zwischen Welle und Nabe erfolgt durch Reibungswiderstand, der durch Presspassungen oder besondere Spannelemente wie zum Beispiel Klemmnaben oder konische Verbindungen erfolgt;
  2. Formschlüssige Verbindungen, bei denen über eine bestimmte Formgebung, z. B. Keilwellenprofil, Polygonprofil, Kerbverzahnung, oder zusätzliche Mitnehmerelemente (Passfeder) die Kraftübertragung erreicht wird. Man unterscheidet hier auch zwischen mittelbarem und unmittelbarem Formschluss;
  3. Vorgespannte formschlüssige Verbindungen: Diese Kombination der beiden zuvor genannten Schlussarten entsteht u. a. beim Einsatz von Keilen;
  4. Stoffschlüssige Verbindungen, z. B. durch Kleben, Löten oder Schweißen.

Gliederung nach Beanspruchungs- und Bewegungsanforderung

Zusätzlich ist auch eine Unterscheidung nach Beanspruchungs- und Bewegungsanforderung möglich:

  1. Kleine Drehmomente: Klemmverbindung, Spannhülse, Querstift, Scheibenfeder;
  2. Große und wechselseitige Drehmomente: Pressverband & Ölpressverband (Pressfügen), Ringfeder-Spannelement wie z.B. Spannsatz oder Taper-Buchse, Keilwellen- oder Polygonprofil, Kerbverzahnung;
  3. Einseitige Drehmomente: Passfeder, Scheibenfeder, Querstift, Kleb- und Lötverbindung;
  4. für in Längsrichtung verschiebbare Naben: Keilwellenprofil, Gleitfeder;
  5. für in Drehrichtung verstellbare Naben: Klemmverbindung, Spannsatz, Schrumpfscheibe, Stirnverzahnung

Formschlüssige Welle-Nabe-Verbindungen

Formschlüssige Welle-Nabe-Verbindungen (WNV) können weiterhin unterschieden werden in[1]:

  • unmittelbare Drehmomentübertragung (Drehmoment wird direkt übertragen, z. B. Keilwellen, Klemmsitz-Baugruppen),
  • mittelbare Drehmomentübertragung (Drehmoment wird über Zwischenglieder übertragen, z. B. Passfedern).

Formschlüssige WNV unterliegen einer Flächenpressung p < = pzul am Umfang, welche wie folgt berechnet werden kann:

p=\frac{T \cdot K_A \cdot K_{e\beta}\cdot K_1}{z \cdot h_w \cdot r_w \cdot l}

mit

T… Nenndrehmoment
KA… Anwendungsfaktor/Stoßfaktor
Keβ… ungleichmäßige Lastverteilung auf die Zähne
K1… ungleichmäßige Lastverteilung über die Länge
z… Anzahl d. Mitnehmer
hw… tragende Höhe der Mitnehmer
l… tragende Länge
pzul… Festigkeit des schwächsten Werkstoffes
rw… Profilmittenradius bei Keil-, und Kerbzahnwellen

Einzelnachweise

  1. a b G.Niemann, H.Winter, B.-R. Höhn: Maschinenelemente Band1: Konstruktion und Berechnung von Verbindungen, Lagern, Wellen, 3.Auflage, Springer

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