Altbaierischer Oxenweg

Altbaierischer Oxenweg

Der Altbaierische Oxenweg ist ein alter Handelsweg, auf dem im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit jährlich Zehntausende von ungarischen Grauochsen nach Bayern getrieben wurden.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Um eine Verwechslung mit dem Ochsenweg in Schleswig-Holstein und Dänemark zu vermeiden, wurde die historische Schreibweise „Ox“ bzw. „Oxenweg“ verwendet. Unter Altbayern versteht man das Gebiet, das heute Oberbayern, Niederbayern und die Oberpfalz umfasst.

Geschichte

Zwischen 1350 und 1750 wurden jedes Jahr bis zu 200.000 Ochsen aus der ungarischen Tiefebene nach Mitteleuropa getrieben, um die Fleischnachfrage der Bürger wachsender Städte befriedigen zu können. Eines der Ziele war Augsburg als eine der damals bedeutendsten Handelsstädte Europas.

Das Fleisch ungarischer Ochsen galt als Delikatesse und war daher teurer als einheimisches Rindfleisch. Die Ochsen, die aus der ungarischen Tiefebene, zum Teil auch aus Transsylvanien stammten, waren bis zu 1.000 Kilometer unterwegs, bis sie ans Ziel gelangten. Ochsenherden waren mehrere Wochen unterwegs und bestanden meist aus 60 bis 200 Tieren. Getrieben wurden sie durch so genannte Haiducken. Es wurde jedoch nicht nur das Fleisch der Grauen Steppenrinder geschätzt. Auch Knochen, Hörner und Häute wurden zu wichtigen Konsumgütern weiterverarbeitet.

Hauptumschlagsplatz für Ochsen aus Ungarn war Wien. Die Triebwege nach Süddeutschland verliefen zunächst an der Donau entlang zur Grenzstadt Schärding. Von dort aus führten die Wege in unterschiedlichen Routen in verschiedene bayerische Städte. In die bedeutende Handelsstadt Augsburg führten zwei Wege: einer über das Dachauer Land, ein zweiter über das Schrobenhausener Land.

Touristische Erschließung

Seit 2004 ist das Wittelsbacher Land dabei, einen Teil des alten Triebwegs touristisch zu erschließen: Rad- und Wanderwege wurden ausgeschildert, Ochsenfeste und Ochsenrennen runden die Aktivitäten um den Altbaierischen Oxenweg ab. Das Wittelsbacher Land hat auch die Initiative ergriffen, diesen alten Kultur- und Handelsweg auf europäischer Ebene wiederzubeleben.

Im Jahr 2009 beschlossen drei Leader-Aktionsgruppen aus Deutschland, vier aus Österreich und drei aus Ungarn die grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Weitere Gruppen aus der Slowakei und Rumänien haben Interesse angemeldet. Ein Hauptziel des Projekts besteht in der möglichst lückenlosen Erschließung dieses alten Triebwegs. Im November 2009 wurde das Projekt in Brüssel als „Best Practice Project“ ausgezeichnet und der Europäischen Kommission vorgestellt.

Literatur

  • Christina Dalhede: Zum Europäischen Ochsenhandel: Das Beispiel Augsburg 1560 und 1578. Scripta Mercaturae Verlag, St. Katharinen 1992, ISBN 3-928134-69-8
  • Rainer G. Schöller: Schlachtvieh aus Ungarn – Interregionale Fleischversorgung in Süddeutschland, aufgezeigt anhand des Transithandels mit ungarischen Ochsen. In: Maximilian Böhm u.a. (Hrsg.): Auf der Hut. Hirtenleben und Weidewirtschaft. Neusath-Perschen 2003.
  • Wolfgang Stromer von Reichenbach: Wildwest in Europa. Der transkontinentale Ochsenhandel in der frühen Neuzeit. Aus: Kultur & Technik : Zeitschrift des Deutschen Museums München, Jg. 3 (1979), H. 2, S. 36-43
  • Ekkehard Westermann (Hrsg.): Internationaler Ochsenhandel (1350-1750). Akten des 7th International Economic History Congress Edinburgh 1978. Klett-Cotta, Stuttgart 1979, ISBN 3-12-912690-2

Weblinks


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