Bruno Gesche

Bruno Gesche

Bruno Gesche (* 5. November 1905 in Berlin; † 1980[1]) war ein deutscher SS-Offizier. Von 1934 bis 1944 war Gesche Kommandant des Führerbegleitkommando, der Leibwache Adolf Hitlers.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Gesche wurde als Sohn eines Oberschirrmeisters a.D. geboren. Nach dem Schulbesuch arbeitete er für eine Bank. 1922 schloss er sich der NSDAP (Mitgliedsnummer 8.592) und der Sturmabteilung (SA) an. Nach dem Reichsparteitag der NSDAP von 1927 verließ Gesche die SA um stattdessen in die Schutzstaffel (SS) einzutreten (Mitgliedsnummer 1093), in die er trotz seines starken Schielens aufgenommen wurde.

1932 war Gesche einer von acht SS-Männern, die Hitler für seine engste Leibwache, das sogenannte Führerbegleitkommando, auswählte. Im Juni 1934 rückte Gesche nach der Entlassung von Kurt Gildisch auf den Posten des Kommandanten des Begleitkommandos auf, den er mit einer Unterbrechung von sechs Monaten im Jahr 1942, bis zum Dezember 1944 beibehielt.

In seiner Eigenschaft als Kommandant des Begleitkommandos wurde Gesche im Laufe der Jahre mehrfach in Auseinandersetzungen mit dem RFSS Heinrich Himmler verwickelt, die jedoch für ihn meist glimpflich ausgingen, weil Hitler, der eine besondere Zuneigung zu Gesche gefasst hatte, seine schützende Hand über diesen hielt: Im Herbst 1932 kritisierte Gesche die Sicherheitsmaßnahmen, die die SS getroffen hatte, um Hitler während einer Wahlkampfveranstaltung am 14. Oktober 1932 in Selb zu schützen. Als Himmler, der diese Kritik als persönlichen Angriff auffasste, daraufhin Gesches Entlassung forderte, untersagte Hitler dies und gestattete lediglich eine kleine Rüge. Nach mehreren Fällen von exzessivem Alkoholkonsum nötigte Himmler Gesche am 26. September 1938 dazu eine Erklärung zu unterzeichnen, in der er sich dazu verpflichtete, dem Alkohol für drei Jahre zu entsagen, da Gesche sonst aus der SS verstoßen würde. Bereits nach einigen Monaten wurde diese Maßnahme auf Anweisung Hitlers aufgehoben, so dass Gesche der Konsum von Alkohol wieder gestattet war.

Nachdem Gesche im Frühjahr 1942 in angetrunkenem Zustand einen anderen SS-Offizier mit einer Waffe bedroht hatte wurde er strafweise von Himmler an die Ostfront versetzt. Dort beteiligte er sich einige Monate mit der 5. SS-Panzerdivision Wiking an Kämpfen im Kaukasus, bevor er im Oktober 1942 nach einer Verwundung in die Heimat zurückverlegt wurde. Ende 1942 wurde Gesche schließlich auf Hitlers Wunsch ins Führerhauptquartier zurückgerufen, wo er erneut zum Kommandanten des Begleitkommandos ernannt wurde.

Im Dezember 1944 führte eine abermalige Alkoholverfehlung zu Gesches endgültiger Absetzung als Kommandant des Führerbegleitkommandos. Außerdem wurde er um elf Ränge vom SS-Obersturmbannführer zum SS-Unterscharführer degradiert. Himmler legte ihm außerdem nahe, sich zur SS-Sondereinheit Dirlewanger, einer Strafeinheit der SS mit besonders hohen Verlustraten, zu melden. Da Gesche diese Aufforderung erst im Januar 1945 erreichte und Hitler den Einsatz von Mitgliedern seiner Leibwache an der Ostfront untersagt hatte wurde er stattdessen bis Kriegsende an der Italienfront eingesetzt, wo er der 16. SS-Panzergrenadier-Division angehörte. Bei Kriegsende geriet Gesche in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Gesches Nachfolge als Kommandant des Begleitkommandos übernahm zur Jahreswende 1944/1945 Franz Schädle.

Beförderungen

  • SS-Untersturmführer, 20. Juli 1931
  • SS-Obersturmführer, 9. November 1933
  • SS-Hauptsturmführer, 1. Juli 1934
  • SS-Sturmbannführer, 20. April 1935
  • SS-Obersturmbannführer, 9. November 1944
  • SS-Unterscharführer, 20. Dezember 1944 (degradiert)

Archivalien

  • SS-Führerpersonalakte zu Bruno Gesche, Bundesarchiv Lichterfelde.

Literatur

  • Rochus Misch: Der letzte Zeuge. Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter. Mit einem Vorwort von Ralph Giordano, 3. Auflage, Zürich und München 2008, ISBN 978-3-86612-194-2
  • Peter Hoffmann: Die Sicherheit des Diktators‎, 1975.

Einzelnachweise

  1. * Rochus Misch: Der letzte Zeuge. Ich war Hitlers Telefonist, Kurier und Leibwächter. Mit einem Vorwort von Ralph Giordano, 3. Auflage, Zürich und München 2008, ISBN 978-3-86612-194-2

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