Carlo Buonaparte

Carlo Buonaparte
Carlo Buonaparte

Carlo Maria di Buonaparte, auch Charles Marie Bonaparte, (* 29. März 1746 in Ajaccio; † 24. Februar 1785 in Montpellier) war Vater von Kaiser Napoleon I.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Carlo verlor im Alter von vier Jahren seine Mutter Maria Saveria Paravisini (1715–1750). Mit siebzehn Jahren verlor er seinen Vater Giuseppe Maria Buonaparte (1713–1763). Dessen Bruder, der Archidiakon Lucciano Buonaparte (1718–1791), kümmerte sich schon vorher um Carlo und schickte ihn nach Corte zur Ausbildung.

Als genuesischer Korse und Widerstandskämpfer

In Corte fiel er Pascal Paoli, dem korsischen Führer, auf. Auf dessen Anraten studierte Carlo ab 1762 an der Universität Pisa Jura, unterbrach aber 1764 das Studium, damit er um die Hand von Letizia Ramolino anhalten konnte. Am 2. Juni 1764 heirateten sie in Ajaccio.

Nicht lange nach seiner Hochzeit suchte Pascal Paoli, der Führer des bis auf wenige genuesisch kontrollierte Städte faktisch unabhängigen Korsikas, in ihm einen juristischen Berater und Carlo di Buonaparte arbeitete maßgeblich an der korsischen Verfassung mit. Mit 20 Jahren wurde er Paolis Sekretär und wurde als Sonderbotschafter nach Rom geschickt, um für die Unabhängigkeit Korsikas zu werben. Korsika war ein päpstliches Lehen an Genua. Der Vatikan sah aber nun aufgrund der geschickten Intervention Buonapartes von Vergeltungsmaßnahmen gegen die Korsen ab.

Carlo di Buonaparte (Gemälde von Anne-Louis Girodet de Roussy-Trioson, 1806)

Nachdem die Genueser die Insel am 15. Mai 1768 an Frankreich verkauften, bekämpfte Paoli nun die Franzosen und Carlo di Buonaparte schloss sich an, wobei seine schwangere Frau samt Sohn Giuseppe ihn in die Berge begleiteten. Als Capitano einer Kompanie Partisanen konnte Carlo di Buonaparte bei einem Angriff auf Borgo über 500 Gefangene machen und von dem französischen Oberkommandanten Chauvelin einem Waffenstillstand bis in den Winter erzwingen.

Ein Jahr später landete ein viel größeres Heer - 45 Bataillone Infanterie, mehrere Geschützbatterien und drei Kavallerie-Regimenter - unter dem Kommando von Graf Vaux. Als Paoli am 9. Mai 1769 bei Ponte Novo geschlagen wurde, hielt Carlo di Buonaparte den Widerstand auf dem zweithöchsten Berg Korsikas, dem Monte Rotondo - sie hausten in einer Höhle -, noch zwei Wochen aufrecht, bis ihm am 23. Mai ein französischer Parlamentär eine Einladung zur Unterhandlung mit Graf Vaux überbrachte.

Carlo di Buonaparte erfuhr von der Einnahme Paolis Hauptstadt Corte und der Kapitulation Paolis. In Corte schlug ihm und allen Freiheitskämpfern Graf Vaux sowohl einen Frieden mit Amnestie vor, und versprach, dass Frankreich die korsische Identität schützen und die Lebensweisen und den Wohlstand Korsikas fördern werde. Da er eine Familie zu ernähren hatte, unterwarf er sich schließlich und ging nicht, wie Paoli, ins Exil nach England, sondern blieb in Ajaccio, wo er all seine Güter zurück erhielt.

Als Franzose

Als am 15. August 1769 ein Sohn – als Franzose – geboren wird, nennen sie ihn nach einem im Kampf gefallenen Onkel - korsisch Nabulione - Napoleone. Buonaparte beendete schnell sein Studium in Pisa und leistete am 11. Dezember 1769 den Eid eines französischen Advokaten, um als solcher zu arbeiten. Nebenbei kümmerte er sich auch noch um die Landwirtschaft. Am 10. Mai 1771 wurde er Richter im Bezirk Ajaccio, arbeitete aber weiterhin nebenbei als Advokat und auf seinen Feldern. In dieser Zeit gewann Buonaparte einen selbst angestrengten Prozess um die Herausgabe von Letizias Mitgift, der zu einer Zwangsversteigerung von Naturalien führte.

Am 13. September 1771 erreichte er eine französische Adelsanerkennung mit den damit verbundenen Privilegien. In den Akten wird er dort als Charles-Marie de Buonaparte geführt. Da er sich standesgemäß mit Samt und Seide kleidet, bekommt er den eher bewundernden als ironischen Spitznamen "Buonaparte il Magnifico" (der Prächtige). 1772 erhielt er einen Sitz im 'Rat der 12 Edlen', dem exklusiven Standesparlament und einflussreichem Selbstverwaltungsorgans Korsikas. 1778 wurde ihm die Ehre zu teil, in einer Dreier-Standesdelegation – er für den Adel – König Ludwig XVI. im Schloss Versailles zu besuchen, wo er am 10. März 1779 sowohl mit dem König als auch mit Marie Antoinette sprach; die Treue Korsikas ausdrückte, aber auch von Sorgen und Problemen der Insel berichtete.

In seinen letzten Lebensjahren trat er im korsischen Parlament für die Zusammengehörigkeit Korsikas zu Frankreich ein und damit gegen eine Rückkehr Paolis bzw. sich an England zu wenden. Als er 1784 krank wird, wurde er in Paris von dem Leibarzt der Königin untersucht, aber alle Kuren halfen nicht. Auf einer erneuten Fahrt, die nach Paris zu den Ministern gehen soll, wurde er so krank, dass er sich auf Anraten von Ärzten zur medizinischen Fakultät nach Montpellier begibt.

Mit 39 Jahren starb Charles-Marie de Buonaparte am 24. Februar 1785, im Beisein seines Sohnes Joseph, an Magenkrebs in Montpellier, wo er auch zuerst begraben wurde. Der Sohn Louis hat ihn 1803, in Einverständnis mit Letizia und Joseph und gegen den Willen Napoléons, auf Louis Besitz bei Saint-Leu bestatten lassen. 1951 wurden die Gebeine feierlich nach Ajaccio gebracht.

Kinder

Zusammen mit seiner Frau Letizia hatte er acht das Kindesalter überlebende Söhne und Töchter. Die ersten beiden Kinder starben früh, dann kamen Joseph und Napoléon. Nach zwei Fehlgeburten folgten die weiteren. Abgesehen von den letzten drei, die noch zu jung waren, kümmerte sich Charles-Marie de Buonaparte um den Werdegang seiner Kinder. Wichtig für die Erziehung der Kinder war sicherlich auch, dass Buonaparte die größte Privatbibliothek auf Korsika aufbaute und die Kinder mit Büchern groß wurden. Joseph Bonaparte sollte ursprünglich Geistlicher werden, wurde aber wie sein Vater Jurist, Napoléon arbeitete an seinem Code Zivil/Code Napoléon selber mit, Lucien Bonaparte legte mehrfach Verfassungsentwürfe für Frankreich vor, die Züge der korsischen Paoli-Verfassung beinhalteten.

In der Regierung von Ludwig XVI. gab es Stipendien für die Söhne des verdienten ärmeren Adels. Durch Charles Buonapartes Bemühungen in der Landwirtschaft Korsikas galt er als verdient, durch die finanziell angespannte Lage der Sumpftrockenlegung als arm genug, so dass die Söhne Joseph und Napoléon, später auch Lucien, in den Genuss dieser Stipendien kamen.

Familie

Die Familie der Buonapartes, die dem korsischen Kleinadel zuzurechnen ist, stammte ursprünglich aus der Toskana und kam im 16. Jahrhundert mit der genuesischen Kolonisation nach Korsika. Unter Carlo di Buonaparte war sie nicht arm, obwohl mit zunehmender Kinderzahl die Verhältnisse nicht gerade luxuriös waren. Mit der Adelsanerkennung und den damit verbundenen Steuererleichterungen konnte man sich Dienst- und Kindermädchen, zeitweise sogar einen Koch, leisten. Das Richteramt brachte nur einen geringen Teil des Jahreseinkommens ein, hauptsächlicher Verdienst kam aus der Landwirtschaft, durch mehrere Felder und Weinanbauflächen. Zwei Wohnungen, ein Laden, die Nutzungsgebühren einer Kornmühle und eines Ofens brachten weitere Einkünfte.

Bei der Trockenlegung eines salzigen Sumpfgebietes verausgabte sich Carlo di Buonaparte etwas, da die staatlichen Gelder zuerst ausblieben. Unter anderem führte er mit dem befreundeten Militärgouverneur von Korsika, dem Grafen Marbeuf, die Kartoffel auf der Insel ein. Marbeuf war Gönner der Familie und unterstützte diese finanziell zur Ausbildung der Kinder.

Erstaunlicher Weise wurde er von seiner Familie später fast totgeschwiegen. Als die Stadt Montpellier zwanzig Jahre nach seinem Tode ihm ein Denkmal setzen wollte, verbot es Napoléon, der damalige Erste Konsul, mit der Begründung, er sei schon zu lange tot.

Abstammung

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Giuseppe Maria Buonaparte (1663 - 1703)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sebastiano Nicolo Buonaparte (1683–1720/1760)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Colonna Bozzi (1668–1704)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Giuseppe Maria Buonaparte (1713–1763)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Carlo ‚l’Alfiere‘ TUSOLI
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Anna Tusoli (1690–1760)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Carlo Buonaparte (1746–1785)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Giuseppe Maria Paravisini
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Maria Saveria Paravisini (1715–1750)
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Anna Maria Salineri
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 


Literatur

  • Clemens Amelunxen: Carlo Buonaparte. Vater Napoleons. Carl Heymanns Verlag, Köln 1984, ISBN 3-452-20048-5.

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